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Häufige Fragen zu Tierversuchen



Was ist ein Tierversuch, was ist Vivisektion?

Die Definition eines Tierversuchs steht im Tierschutzgesetz (TSchG) im Artikel 3, Absatz c:
Tierversuch: jede Massnahme, bei der lebende Tiere verwendet werden mit dem Ziel:
  1. eine wissenschaftliche Annahme zu prüfen,
  2. die Wirkung einer bestimmten Massnahme am Tier festzustellen,
  3. einen Stoff zu prüfen,
  4. Zellen, Organe oder Körperflüssigkeiten zu gewinnen oder zu prüfen, ausser wenn dies im Rahmen der landwirtschaftlichen Produktion, der diagnostischen oder kurativen Tätigkeit am Tier oder für den Nachweis des Gesundheitsstatus von Tierpopulationen erfolgt,
  5. artfremde Organismen zu erhalten oder zu vermehren,
  6. der Lehre sowie der Aus- und Weiterbildung zu dienen.
Vivisektion:
Der Begriff Vivisektion stammt vom Lateinischen vivus sectio und bedeutet lebendig zerschneiden. Vivisektion wird im Allgemeinen identisch mit dem Begriff Tierversuche verwendet, was durchwegs legitim ist. Tierversuche durchführende Wissenschaftler meiden wegen des schlechten Images diesen Ausdruck.




Warum werden Tierversuche durchgeführt?

Tierversuche dienen Firmen in erster Linie als Risikoabsicherung gegen Schadensersatzforderungen seitens der Konsumenten. Wenn bei der Entwicklung eines neuen Medikaments viele Tierversuche durchgeführt wurden, ist dadurch die Firma, die dieses Medikament produziert, per Gesetz praktisch vor Regress geschützt: «Dieses Medikament wurde ausgiebig im Tierversuch getestet und als unbedenklich eingestuft.»

Damit werden Patienten de facto durch Tierversuche auch bei vorhersehbaren Schädigungen rechtlos gemacht. Denn auch wenn von massiven Nebenwirkungen ausgegangen werden kann, wird das Medikament in der klinischen Phase weiter getestet und kommt nicht selten trotzdem auf den Markt. Die einzige Bedingung diesbezüglich ist die Erwähnung der potentiellen Nebenwirkungen im Beipackzettel.

Die Qualität eines Forschers wird nicht daran gemessen, wie vielen Menschen er durch seine Forschung geholfen hat, sondern daran, wie viele wissenschaftliche Artikel er in Fachzeitschriften publiziert hat. Für jeden Artikel werden sogenannte Impact-Faktoren verteilt. Die Summe der Impact-Faktoren ist mitentscheidend für die Höhe von bewilligten Forschungsgeldern. Diese falschen Anreize führen oft zu sogar aus Sicht vieler Vivisektoren vollkommen unsinnigen Tierversuchen (siehe dazu die Beispielstudien unter: Was bedeutet Grundlagenforschung?) An Universitäten wird hauptsächlich Grundlagenforschung betrieben.

Zudem gibt es wie überall immer die grossen Profiteure, für die etwas «unentbehrlich» ist.
An Tierversuchen verdienen nicht wenige sehr gut. Dies beginnt bereits bei den Züchtern von Labortieren und den Herstellern von Laboreinrichtungen, Käfigen und Futter. Ein weiterer wesentlicher Grund, weshalb Tierversuche durchgeführt werden, ist, dass es auch heute noch ein sehr einfacher Weg ist, um als Mediziner Karriere zu machen bzw. einen Doktor- oder Professortitel zu erlangen.




In welchen Bereichen werden Tierversuche durchgeführt?

Praktisch alles, womit der Mensch jemals in Berührung kommt, wurde und wird in irgendeiner Form an Tieren getestet.
Tierversuche werden durchgeführt in der medizinischen und pharmakologischen Forschung, in der Psychologie und der Psychiatrie, in der chemischen und der kosmetischen Industrie, in der Entwicklung von Waffensystemen, in der Ernährungsforschung, in der Umweltforschung usw.
Zudem werden auch zu Ausbildungszwecken an Universitäten sehr viele Tierversuche gemacht.
Fast die Hälfte der Tierversuche werden in der Industrie durchgeführt, über ein Drittel an Hochschulen und Spitälern.




Werden für Kosmetik noch Tierversuche durchgeführt?

Kosmetik-Endprodukte (dazu zählen auch Duschmittel, Zahncremes, Parfums u.v.m.) werden schon seit Jahren nicht mehr in Tierversuchen getestet. Dies, so die Aussage von Herstellern, würde auch keinen Sinn ergeben, da jeder einzelne Inhaltsstoff schon ausführlich getestet wird.

Nimmt man die offizielle Statistik des BVet (Bundesamt für Veterinärwesen), dann wurden in den letzten zehn Jahren in der Schweiz keine Tierversuche für Kosmetik mehr durchgeführt, mit Ausnahme von vier Versuchen im Jahr 2010. Um sich die Möglichkeit massiv steigender Tierversuche für Kosmetik offenzuhalten, wird in der Schweiz ein generelles Verbot von Tierversuchen für Kosmetik seit Jahrzehnten verhindert.
Anders in der Europäischen Union. In der EU sind seit der 7. Änderung der Europäischen Kosmetikrichtlinie (Richtlinie 2003/15/EC) Tierversuche für kosmetische Endprodukte verboten.

Zusammengefasst die wichtigsten Kernpunkte der EU-Kosmetikrichtlinie:
  • Ab 11.9.2004 Verbot von Tierversuchen für kosmetische Fertigprodukte.
  • Ab 11.9.2004 Verkaufsverbot von an Tieren getesteten Kosmetikprodukten und -rohstoffen, wenn dafür von der EU validierte (anerkannte) tierversuchsfreie Testmethoden vorhanden sind.
  • Ab 11.3.2009 Verbot der meisten Tierversuche für Kosmetikrohstoffe.
  • Ab 11.3.2009 Verkaufsverbot für an Tieren getestete Kosmetikprodukte und -rohstoffe, betreffend die meisten der routinemässig eingesetzten Tiertests, unabhängig davon, ob für diese bereits tierversuchsfreie Testverfahren vorhanden sind oder nicht.
  • Ab 11.3.2013 Verkaufsverbot für an Tieren getestete Kosmetikprodukte und -rohstoffe, betreffend die verbliebenden drei Tiertests. Dieses Verbot wird weiter in die Zukunft verschoben, wenn bis zu diesem Datum keine validierten (anerkannten) tierversuchsfreien Testmethoden zur Verfügung stehen. Derzeit (Stand 9. 2011) wird über eine Verschiebung diskutiert.

Tierversuche im Bereich Kosmetik werden zwar nicht für das Endprodukt, aber für die vielen Inhaltstoffe durchgeführt!
Tierversuche im Bereich Kosmetik werden zwar nicht für das Endprodukt, aber für die vielen Inhaltsstoffe durchgeführt!
Da sie das Endprodukt nicht testen (dürfen), nennen viele Firmen ihre Produkte tierversuchsfrei.* Von den Produzenten bewusst verschwiegen wird, dass für die Inhaltsstoffe ihrer Produkte oft Tausende Tiere grausam sterben mussten. Denn jeder neue chemische Rohstoff muss in verschiedenen Tierversuchen getestet werden. Damit nun ein neuer Rohstoff nicht unter das Verbot von Tierversuchen für Kosmetik fällt, wird dieser Rohstoff nebenbei noch für ein anderes Einsatzgebiet verwendet, z.B. als Bestandteil eines Farbsprays oder einer Schuhcreme.
Ausschliesslich für Kosmetik werden nur etwa 10% der chemischen Inhaltsstoffe entwickelt. Die restlichen 90% der chemischen Inhaltsstoffe werden somit weiterhin nach Chemikaliengesetzen und -verordnungen in Tierversuchen getestet.
Glücklicherweise gibt es aber auch ethisch verantwortungsvolle Firmen, die sich dazu verpflichten, nur tierversuchsfreie* Inhaltsstoffe zu verwenden.

Botox – Tierversuche für die Eitelkeit

Speziell erwähnt werden muss Botox (Wirkstoff Botulinumtoxin), das mehrheitlich im kosmetischen Bereich eingesetzt wird.
Botulinumtoxin ist das stärkste bekannte Gift (mit einem Esslöffel könnte man den ganzen Bodensee vergiften). Die Produktionschargen von Botulinumtoxin-Produkten unterliegen natürlicherweise gewissen Schwankungen in der Intensität der Giftigkeit. Damit keine Charge tödlich überdosiert wird, muss jede einzelne Produktionseinheit stark verdünnt auf ihre Wirksamkeit getestet und standardisiert werden.
Deshalb werden für Botulinumtoxin-Produkte immer wieder neue Tierversuche durchgeführt. Jährlich sind es etwa 600 000 Tiere, die qualvoll für diese Produkte sterben müssen. Der Hersteller von Botox hat auf Druck von Tierversuchsgegnern für die Testung seiner Chargen ein In-vitro-System entwickelt, das in den kommenden Jahren die Tierversuche vollkommen ersetzen soll.

* Korrekterweise dürfte man kein Produkt «tierversuchsfrei» nennen, denn wirklich tierversuchsfreie Kosmetik gibt es nicht. Jede Substanz wurde irgendwann (von irgendeiner Firma) im Tierversuch getestet – auch Rohstoffe, die seit Jahrtausenden bereits ungefährlich bei Menschen eingesetzt werden. Dies gilt sogar für Wasser sowie für homöopathische und Naturheilmittel.
Dieser Tatsache bewusst, müsste man konsequenterweise auf alle Kosmetika verzichten.
Diese Konsequenz müsste man dann aber auch bei Nahrungsmitteln und Kleidung, ja überhaupt bei allen Konsumprodukten anwenden. Denn überall sind irgendwann einmal im Tierversuch getestete Rohstoffe enthalten.
Die Vergangenheit kann man jedoch nicht ändern und somit den Millionen bereits qualvoll getöteter Tiere nicht mehr helfen.
Aber: Jetzt und in der Zukunft erleiden viele Tiere einen qualvollen Tod in Tierversuchen. Setzen wir somit ein Zeichen im Jetzt und für die Zukunft!


Für ausführliche Informationen über das Thema «Tierversuche für Kosmetik» sowie für eine aktuelle Liste von Firmen, die keine Tierversuche durchführen, besuchen Sie die Webseite: http://www.kosmetik-ohne-tierversuche.ch



Welche Forschungsschwerpunkte hat die Pharmaindustrie?

90% der Forschungsmittel werden für Krankheiten ausgegeben, die nur 10% der weltweit verlorenen gesunden Lebensjahre ausmachen. Diese Zahl zeigt auf, dass der Schwerpunkt der Forschung nicht auf dem Notwendigen, sondern auf dem Gewinnbringendsten liegt.
Alleine in den letzten 25 Jahren wurden 179 neue Mittel gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen und 111 Krebsmedikamente entwickelt. Gegen Tuberkulose, eine typische Armutskrankheit, an der jedes Jahr über 1,7 Millionen Menschen sterben, wurden im gleichen Zeitraum nur 3 Medikamente entwickelt. Besonders lukrativ ist die Entwicklung von Medikamenten gegen Symptome, die normal sind bzw. die jeden Menschen ab und zu betreffen. Dazu zählen Antriebslosigkeit, Müdigkeit, sexuelle Unlust, Nervosität, Appetitlosigkeit, Haarausfall u.v.m.
Ein weiterer Schwerpunkt sind Me-too-Präparate (Analog- bzw. Nachahmerpräparate). Dies sind identische Präparate oder geringfügige Abwandlungen von bereits existierenden Medikamenten (im Normalfall von verkaufsstarken Medikamenten der Konkurrenz oder von eigenen Medikamenten mit auslaufendem Patentschutz). Diese Kopien werden produziert, um in einen neuen Markt vorzustossen oder um die Marktherrschaft in einem Bereich auszubauen. Me-too-Präparate haben keinen oder nur einen marginalen zusätzlichen Nutzen für den Patienten. Sie verursachen jedoch fast ebenso viele Tierversuche und Mehrkosten für die Patienten wie neuentwickelte Medikamente.




Was bedeutet Grundlagenforschung?

Tierversuche werden infolge nicht verwertbarer Ergebnisse immer öfter kritisiert. Doch anstatt daraus Konsequenzen zu ziehen und die Forschung wieder auf den Nutzen für die Menschen zu konzentrieren, suchten Tierversuchsforscher nach einer neuen Rechtfertigung für Tierversuche. Diese fanden sie in der Grundlagenforschung (Grundlagenforschung ist nicht neu, aber in den letzten zwei Jahrzehnten wurde sie massivst ausgebaut). Mit dieser haben sich die meisten Probleme der wissenschaftlichen Rechtfertigung von Tierversuchen praktisch in Luft aufgelöst. Denn die Grundlagenforschung muss keine Forschungsziele formulieren, sie muss keinen für uns Menschen relevanten Nutzen anstreben, sie muss sich nicht der Frage stellen, ob es eine tierfreie «Alternative» gäbe, und sie wird bei den Bewilligungsbehörden zu weit über 99% einfach durchgewinkt.
Kurz gesagt: Die wenigen (argumentatorischen) Hürden, die z.B. für die angewandte medizinische Forschung (Entdeckung und Entwicklung von Medikamenten und Therapien) genommen werden müssen, gelten nicht für die Grundlagenforschung.
Diese «Anreize» führten und führen dazu, dass Tierversuche in der Grundlagenforschung – im Gegensatz zu solchen der angewandten medizinischen Forschung – jedes Jahr massiv zunehmen. Sie bildet heute den Forschungszweig, der am meisten Tiere verbraucht. Die Zunahme ist zu einem Teil auch darauf zurückzuführen, dass es unsinnigerweise einfacher ist, vom Bund Forschungsgelder für tierexperimentelle Grundlagenforschung zu erhalten, als für konkrete medizinische Forschung.
An Schweizer Universitäten wird bei Tierversuchen zu über 90% Grundlagenforschung betrieben. Demgegenüber machen z.B. Tierversuche für die Entdeckung und Entwicklung von Arzneimitteln gerade noch 1,5% aus!

Bei der Grundlagenforschung geht es primär um die wissenschaftliche Neugier des jeweiligen Forschers. Die Frage: «Was passiert, wenn …?» steht im Vordergrund. Jeder Mensch hat diesen Urtrieb zur Neugier, aber nicht jeder Mensch folgt diesem Urtrieb auf Kosten von fühlenden Lebewesen und vom Steuerzahler.

Fragen Sie sich selbst: Sind folgende drei aktuellen – willkürlich ausgesuchten – tierexperimentellen Studien der Grundlagenforschung wirklich sinnvoll? Alle drei wurden in wissenschaftlichen Publikationen veröffentlicht:
Müssen wir wirklich wissen, dass Fische, wenn man sie tagelang in einer künstlichen Schwerelosigkeit um ihre eigene Achse drehen lässt, seekrank werden und sich dauernd übergeben müssen?
Müssen wir wirklich wissen, wie sich ein durch 155 Dezibel (Lautstärke von Gewehrschüssen) verursachtes akutes Lärmtrauma auf Meerschweinchen auswirkt?
Oder müssen wir wirklich wissen, dass Silbermöwen nach 6-tägigem Futterentzug kläglich verhungern?




Welche Tierarten werden im Tierversuch verbraucht?

Tierversuche werden zum grössten Teil an Mäusen (420 000) und Ratten (140 000) durchgeführt
(Zahlen gem. CH-Tierversuchsstatistik 2010).
Es werden jedoch mit fast allen Tierarten Tierversuche durchgeführt. Dazu zählen Katzen, Hunde, Schweine, Ziegen, Schafe, Pferde, Rinder, Affen, Meerschweinchen, Hamster, Kaninchen, Hühner, Vögel, Fische, Delphine u.v.m.
In den letzten 10 Jahren haben Tierversuche mit Pferden, Eseln, Hunden, Katzen, Vögeln und Fischen massiv zugenommen.




Woher stammen die Versuchstiere?

Dabei wird in drei Kategorien unterteilt:
  • aus einer anerkannten Versuchstierzucht oder -handlung
  • aus einem früheren Tierversuch übernommen
  • andere Herkunft
Beispiele für andere Herkunft: Landwirtschaftsbetrieb, Tiere aus einer Feldstudie, Wildfang, von Tierhändlern, aus einem nicht anerkannten Versuchstierzuchtbetrieb usw.
Die dritte Kategorie lässt praktisch jegliche Herkunft zu.
Immer weniger Tiere werden in der Schweiz gezüchtet. Demgegenüber werden immer mehr Tiere von nicht anerkannten Stellen im Ausland importiert, wo weniger strenge Vorschriften und Kontrollen existieren.

In Versuchstierzuchtanstalten werden Tiere oft speziell mit den vom Forscher verlangten Mutationen bzw. dem verlangten Krankheitsbild gezüchtet (z.B. an der Universität Irchel, Zürich). Versuchslabore können diese wie auch voroperierte oder genetisch manipulierte Tiere ab Katalog bestellen.




Wie viele Tiere müssen in der Schweiz für die Forschung leiden und sterben?

In der Schweiz werden pro Jahr über 760 000 Tierversuche durchgeführt (Zahlen gem. CH-Tierversuchsstatistik 2010). Mit einer hohen Dunkelziffer muss dabei gerechnet werden.
Die Anzahl der Tierversuche hat in der Schweiz seit dem Jahr 2000 stark zugenommen (+35%). Der grösste Anteil entfällt dabei auf die Grundlagenforschung (siehe unter: Was bedeutet Grundlagenforschung?). Tierversuche in der angewandten medizinischen Forschung (Entdeckung und Entwicklung von Arzneimitteln) nehmen hingegen kontinuierlich ab. Mehr als ein Sechstel aller eingesetzten Tiere wurde genmanipuliert.

Das Bundesamt für Veterinärwesen publiziert jedes Jahr eine Tierversuchsstatistik. Diese finden Sie unter: http://www.tv-statistik.bvet.admin.ch/

Nicht gezählt werden in dieser Statistik die Tiere, die für mehrere (verschiedene) Versuche benutzt wurden, die «Ersatzgruppen», sollten Tiere vorzeitig sterben oder ausfallen, sowie die (zumeist schwerstbelastenden) Tierversuche, die infolge Verbots in der Schweiz an ausländische Labore vergeben werden. Ebenfalls nicht gezählt werden die vielen Tiere, die man benötigt, um eine genetisch manipulierte Versuchstierlinie herzustellen. Um 1 bis 2 transgene Tiere zu erzeugen, die exakt den gewünschten Gendefekt aufweisen, müssen hundert Tiere «hergestellt» werden, die anschliessend vom Züchter getötet und als Ausschuss entsorgt werden.

Nur rund 20% aller in der Schweiz durchgeführten Tierversuche sind vom Gesetzgeber vorgeschrieben. Vier Fünftel aller Tierversuche werden somit nicht aus gesetzlichen Gründen gemacht. Der Grossteil der Tierversuche wird aus Gewohnheit, aus Profitgier, aus Profilierungssucht sowie oft auch infolge fehlenden aktuellen wissenschaftlichen Wissens und/oder ohne konkretes Ziel rein aus wissenschaftlicher Neugier durchgeführt.
Keiner der durchgeführten Tierversuche mit Affen ist gesetzlich vorgeschrieben. Die meisten Tierversuche mit Säugetieren sind gesetzlich nicht vorgeschrieben.





Müssen Tierversuche bewilligt werden?

Jeder Tierversuch muss dem kantonalen Veterinäramt gemeldet werden. Wenn der Versuch als Belastung für die Tiere angesehen wird (hier zählt nur die starke körperliche Belastung), dann muss er von der Tierversuchskommission begutachtet werden. Diese Kommission gibt dann eine Empfehlung ab. Die Entscheidungsgewalt für die Bewilligung obliegt dann aber rein der kantonalen Behörde (meistens dem Kantonstierarzt).
Pro Jahr werden durchschnittlich gerade mal 5 Gesuche abgelehnt.

Tierversuche werden in folgende Belastungskategorien unterteilt:

Der Versuchsleiter muss einschätzen, wie schwer die Tiere in seinen Versuchen belastet werden. Dies, obwohl mehrere Studien gezeigt haben, dass die Belastung für die Versuchstiere von den Experimentatoren als geringer eingeschätzt wird, als sie effektiv ist

Keine Belastung: Schweregrad 0

Eingriffe und Handlungen an Tieren zu Versuchszwecken, durch die den Tieren angeblich keine Schmerzen, Leiden, Schäden oder schwere Angst zugefügt werden und die ihr Allgemeinbefinden nicht erheblich beeinträchtigen.
Die psychische Belastung der Tiere wird dabei ausser Acht gelassen. Werden Tiere, ohne dass sie starken körperlichen Schmerzen ausgesetzt werden, über Monate alleine in einen kleinen Käfig gesperrt, dann gilt das als unbelastend!
Ebenfalls fallen Tierversuche, in denen die Tiere vor den qualvollen Eingriffen getötet werden in diese Belastungskategorie.

Leichte Belastung: Schweregrad 1

Eingriffe und Handlungen an Tieren zu Versuchszwecken, die eine leichte, kurzfristige Belastung (Schmerzen oder Schäden) bewirken.
Beispiel aus der tierärztlichen Praxis: Injizieren eines Arzneimittels unter Anwendung von Gewaltmassnahmen, bei denen keine erheblichen Langzeitschäden entstehen.

Mittlere Belastung: Schweregrad 2

Eingriffe und Handlungen an Tieren zu Versuchszwecken, die eine mittelgradige, kurzfristige oder eine leichte, mittel- bis langfristige Belastung (Schmerzen, Leiden oder Schäden, schwere Angst oder erhebliche
Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens) bewirken.
Zu Experimenten des «mittleren Schweregrades» zählen z.B. auch Transplantationen von Zweitherzen in die Bauchhöhle eines Tieres.

Schwere Belastung: Schweregrad 3

Eingriffe und Handlungen an Tieren zu Versuchszwecken, die eine schwere bis sehr schwere oder eine mittelgradige, mittel- bis langfristige Belastung (schwere Schmerzen, andauerndes Leiden oder schwere Schäden, schwere und andauernde Angst oder erhebliche und andauernde Beeinträchtigung des Allgemeinbefindens) bewirken.
Beispiele aus der tierärztlichen Praxis: tödlich verlaufende Infektions- und Krebskrankheiten ohne schmerzlindernde Massnahmen und ohne vorzeitige «Erlösung» durch Töten.





Gibt es eine Möglichkeit zu erfahren, welche Versuche bewilligt wurden?

...und kann man dagegen rechtlich vorgehen?

Diese Fragen müssen wir leider mit einem Nein beantworten.
Sämtliche Informationen betreffs Tierversuche sind streng geheim und werden, wenn überhaupt, erst nach Abschluss des Versuchs vom Versuchsleiter veröffentlicht.
Die einzigen, die über geplante Tierversuche informiert werden, sind die zuständige Behörde sowie allenfalls die Kommission für Tierversuche. Diese sind der Schweigepflicht unterstellt.

Es gibt betreffs Tierversuche keine Informationspflicht und keine griffigen Rechtsmittel.
Somit werden die meisten Tierversuche, darunter auch die vielen total fehlgeschlagenen, nie publiziert. Dies führt dazu, dass die gleichen Tierversuche von verschiedenen Laboratorien immer wieder durchgeführt werden, da diese ja nicht wissen, dass diese Versuche schon in einem anderen Labor durchgeführt wurden.

Die einzige Chance, evtl. etwas über aktuelle Tierversuche zu erfahren, ist, wenn die Tierversuche vom SNF (Schweizerischen Nationalfonds) unterstützt werden. Oder wenn Tierversuche erheblich gegen das Tierschutzgesetz verstossen, wie dies in den Zürcher Hochschulen öfters vorzukommen scheint, und dies dann veröffentlicht wird.





Warum sind Tierversuche nach dem Tierschutzgesetz überhaupt erlaubt?

Auf den ersten Blick verspricht das Tierschutzgesetz den Tieren Schutz.

Tierschutzgesetz Art. 2 - Grundsätze
1 Tiere sind so zu behandeln, dass ihren Bedürfnissen in bestmöglicher Weise Rechnung getragen wird.
2 Wer mit Tieren umgeht, hat, soweit es der Verwendungszweck zulässt, für deren Wohlbefinden zu sorgen.
3 Niemand darf ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen oder es in Angst versetzen.

Dieser scheinbare Schutz für die Tiere entpuppt sich bei genauer Betrachtung als Schönfärberei. Was zum Beispiel bestmöglich oder ungerechtfertigt bedeutet, das zeigt uns tagtäglich die Realität. Als Rechtfertigung dafür, dass man Tiere brutal misshandelt, gilt alles, wovon sich der Mensch (ein Forscher, eine Pharmafirma …) irgendeinen Nutzen verspricht. Auch wenn dieser Nutzen rein finanzieller Art ist, genügt dies meistens bereits als Rechtfertigung.
Was hingegen als ungerechtfertigt gelten könnte, da sind wir beim besten Willen überfragt.




Wie werden Tierversuche finanziert?

Der grösste Teil der Tierversuche sowie auch der Einrichtungen und «Arbeitsmittel» für Tierversuche wird mit Steuergeldern, die die Regierung den Forschungsinstituten zur Verfügung stellt, finanziert.
Ebenfalls finanzieren wir über die Krankenkassenprämien Tierversuche. Einerseits finanzieren Krankenkassen Forschungsprojekte, anderseits durch das Solidaritätsprinzip, wo wir die Kosten für jegliches noch so nutzlose Medikament gemeinsam tragen. Dies ist ein grosses «Geschenk» für die Pharmalobby. Da sie somit immer genügend «Abnehmer» für im Tierversuch getestete Neuentwicklungen erhält.

Auch finanzieren wir mit dem Kauf von im Tierversuch getesteten Produkten weitere Tierversuche für immer wieder neue Produkte.

Eine wichtige Einnahmequelle für Universitäten und Hochschulen sind die Pharmakonzerne. Diese erkaufen sich somit das Recht zu bestimmen, in welche Richtung geforscht wird und welche Ergebnisse erzielt werden müssen.

Ebenfalls ein wichtiger Teil der Finanzierung wird von Organisationen und Vereinen bereitgestellt. Diese als gemeinnützig auftretenden Organisationen sammeln Geld zur Bekämpfung von Krebs, Aids und anderen Zivilisationskrankheiten. Wenn Sie das nächste Mal solch eine Organisation unterstützen, bedenken Sie, dass Sie somit möglicherweise direkt Tierversuche finanzieren.




Welche Gründe sprechen für Tierversuche?

Dazu ein Zitat von Dr. Werner Hartinger, Ärzte gegen Tierversuche e.V.:

«Es gibt eigentlich nur zwei Gründe für Tierversuche zu sein: Entweder man verdient daran, oder man weiss zu wenig darüber.»





Dank Tierversuchen wird doch die Bekämpfung von Krankheiten erst ermöglicht?

Umfangreiche Untersuchungen des angesehenen britischen Sozialmediziners Prof. McKeown haben bewiesen, dass die Erhöhung der Gesundheit und somit der Lebenserwartung hauptsächlich durch verbesserte sanitäre Einrichtungen und Hygiene bedingt ist. Dies führte zum Rückgang der Infektionskrankheiten und dadurch nahm die Zahl der Säuglings- und Kindersterblichkeit rapide ab. Das Gleiche gilt für die hohe Lebenserwartung. Nicht Medikamenten und Impfungen ist dies also zu verdanken, sondern einfachen Mitteln wie mehr Sauberkeit und Hygiene. Ebenfalls spielt die Ernährung eine nicht unwichtige Rolle dabei.
Der Beweis dieser Aussage gelingt einfach. In der sog. Dritten Welt herrscht immer noch eine sehr hohe Säuglings- und Kindersterblichkeit, obwohl diese Länder mehr oder weniger Zugang zu Medikamenten und Impfungen haben.

Zudem: Die häufigsten Todesursachen in der westlichen Welt der heutigen Zeit sind Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Krebs (zusammen fast 75%). In genau diesen Bereichen wird schon seit über 100 Jahren intensiv im Tierversuch geforscht.
Und wo bitte schön sind die ach so grossartigen Erfolge, die wir ohne diese Tierversuche nicht erreicht hätten?
Im Gegenteil: Man muss zum Schluss kommen, dass wir ohne die Tierversuchsindustrie in der Erforschung dieser Krankheiten viel weiter wären, denn Tierversuche verhindern effektiv den medizinischen Fortschritt! (Ausführliche Infos dazu: http://www.agstg.ch/downloads/flyer/agstg-prospekt_tierversuche-aus-medizinisch-wissenschaftlicher-sicht_de.pdf)

Anhand einer Langzeitstudie an drei der führenden Universitäten Deutschlands wurde die Übertragbarkeit der Resultate von 51 Tierexperimenten auf den Menschen untersucht. Das Ergebnis ist vernichtend! Nur gerade 0,3 Prozent der Tierversuche erreichten dieses Ziel. Und noch vernichtender für die Tierversuchsbefürworter ist, dass auch aus diesen wenigen nutzbaren Ergebnissen nicht eine einzige klinische Therapie für den Menschen resultierte.




Müssten ohne Tierversuche Menschenversuche gemacht werden?

Da auch der Staat weiss, dass die Ergebnisse aus dem Tierversuch kaum Rückschlüsse auf den Menschen zulassen, ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass jedes Produkt, bevor es auf den Markt kommen kann, an Menschen getestet werden muss! Eine Gruppe von Testpersonen, meistens eher mittellose Menschen, werden mit finanziellen Anreizen gelockt, um diese Produkte zu testen. Und erst diese Ergebnisse erlauben eine Markteinführung eines neuen Produktes.
Das unkalkulierbare Risiko für die Testpersonen ist enorm. Es kommt zu schweren Schädigungen und auch Todesfällen, und dies deshalb, weil eben die Tierversuchsergebnisse kaum Rückschlüsse auf den Menschen zulassen.




Werden durch Tierversuche Medikamentenkatastrophen verhindert?

Dazu ein Zitat von Prof. Peter Singer (australischer Philosoph und Ethiker):
«Entweder ist das Tier nicht wie wir, dann gibt es keinen Grund, das Experiment durchzuführen; oder das Tier ist wie wir. In diesem Fall sollten wir mit dem Tier keinen Versuch durchführen, der uns empören würde, wenn er an einem von uns unternommen würde!»

Tiere fühlen genau wie wir Menschen physischen Schmerz. Auch empfinden Tiere psychischen Schmerz und Gefühle wie z.B. Angst, Stress oder Liebe.
Trotzdem lassen sich die Ergebnisse aus Tierversuchen nicht einfach auf den Menschen übertragen. Die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hat errechnet, dass 92% aller Wirkstoffe, die in Tierversuchen als wirksam und sicher beurteilt wurden, aufgrund der angeschlossenen Untersuchungen am Menschen wegen schwerwiegender Nebenwirkungen oder fehlendem Nutzen gar nicht erst zugelassen werden.
Tiere sind anatomisch, biologisch und im artspezifischen Verhalten vollkommen unterschiedlich. Man kann aus einer Reaktion auf ein Medikament keine Rückschlüsse auf die Reaktion einer anderen Tierart auf das gleiche Medikament ziehen. Geschweige denn auf die Wirkung desselben Medikaments beim Menschen. Es ist sogar so, dass man innerhalb ein und derselben Art auf verschiedene Reaktionen stösst.

Einige Beispiele verschiedener Reaktionen bei Mensch und Tier:

Medikament: Für den Menschen:
Ergebnis im Tierversuch:
Arsen in kleinen Dosen tödlich
für Schafe ungefährlich
Aspirin
schmerzlindernd, fiebersenkend und entzündungshemmend
für Katzen hochgiftig,
verursacht bei Hunden, Affen, Mäusen und Ratten schwere Missbildungen bei Nachkommen
Morphium
zur Behandlung schwerer Schmerzen einsetzbar
für Katzen und Mäuse lebensgefährlich
Penicillin
Das erste bakterientötende Antibiotikum
für Hamster und Meerschweinchen tödlich
Strychnin
tödlich
für Affen und Meerschweinchen auch in hohen Dosen ungefährlich
Thalidomid (Contergan)
führt zu schwersten Missbildungen bei Nachkommen
für Mäuse und Ratten keine negativen Auswirkungen

Ausführliche Informationen über die unterschiedlichen Wirkungen bei Mensch und Tier:
http://www.agstg.ch/downloads/flyer/agstg-flyer_ist-der-mensch-ein...schwein-eine-ratte-oder-ein-esel_de.pdf

Man weiss auch, dass die Angst und der enorme Stress, dem die Versuchstiere ausgesetzt sind, einen erheblichen Einfluss auf die Reaktionen ihres Kreislaufs haben, wodurch das Versuchsergebnis wesentlich verfälscht werden kann.
Das Hauptproblem jedoch ist, dass künstlich erzeugte Krankheiten sich ganz anders verhalten als natürlich entstandene. Deshalb gibt es in Tierversuchen schon lange viele Erfolge gegen Krebs, aber bei den Menschen bleiben diese Erfolge praktisch aus. Denn künstlich erzeugter Krebs bildet unter anderem keine Metastasen, und dies ist das Hauptproblem bei der Bekämpfung von Krebs.

Zurück zu der Frage: Sie muss klar mit einem Nein beantwortet werden. Mit innovativen, modernen Forschungsmethoden (siehe Frage Alternativen zu Tierversuchen) ist das Risiko für uns Menschen mit einer wesentlich höheren Sicherheit beurteilbar.




Todesursache Nebenwirkungen von Medikamenten?

Nach Studien der Harvard School of Public Health sowie Aussagen des «American Journal of the Medical Association» sterben in den USA jährlich über 100’000 Menschen an den Nebenwirkungen von Medikamenten.

Somit sind diese Nebenwirkungen die vierthäufigste Todesursache.
In einer anderen Ausgabe bemerkt das «American Journal of the Medical Association», dass die Schädigung durch medizinische Behandlungen in den USA «die jährliche Todesrate durch Autounfälle von 45’000 Personen als zwergenhaft erscheinen lässt und mehr Todesopfer fordert als alle anderen Unfälle zusammen».

Vorsichtige Hochrechnungen für die Schweiz, die von 1400 Todesfällen pro Jahr durch Nebenwirkungen von Medikamenten sprechen, wurden in verschiedenen Zeitungen veröffentlicht. Diese Zahlen wurden von offizieller Stelle her jedoch nie bestätigt, denn in der Schweiz stirbt selbstverständlich NIEMAND an den Nebenwirkungen von Medikamenten!
Nun fragen wir Sie: Ist also der Erfolg der Medizinischen Wissenschaft in der Erforschung von Medikamenten, dass jährlich «nur» 1400 Schweizer an Nebenwirkungen sterben?
Anders gefragt: Besteht der medizinische Erfolg darin, dass weltweit geschätzte 100 Millionen Tiere in Versuchen sterben müssen, damit jährlich «nur» geschätzte 2’000’000 Menschen an Nebenwirkungen sterben?
Wie viele wären es dann ohne Tierversuche?

Ein Beispiel bitte!

Contergan ist ein Medikament, das von schwangeren Müttern zur Beruhigung und zur Eindämmung der typischen morgendlichen Übelkeit in den ersten Schwangerschaftsmonaten eingenommen wurde. Es führte zur Geburt von gegen 10’000 schwer missgebildeten Kindern (oft fehlen Gliedmassen und Organe), die häufig auch schon während der Schwangerschaft verstorben sind.
Im Tierversuch als sicher und nützlich angesehen, kam es 1958 auf den Markt und wurde erst 3 Jahre später, nachdem schon Tausende Warnungen über Beobachtungen von Missbildungen im Zusammenhang mit Contergan gemeldet wurden, zurückgezogen!

Nach jahrelangem Gerichtskampf gingen die Schuldigen dieses Skandals straffrei aus!
Die Verteidiger der Contergan-Opfer waren chancenlos gegen die Übermacht von 20 (!) Strafverteidigern. Diese wurden von verschiedenen Grosskonzernen bezahlt, um einen Präzedenzfall gegen Hersteller von schädlichen und fehlerhaften Produkten zu verhindern.

Das ist doch ein alter Hut. Gibt es kein aktuelles Beispiel?

Das Problem dabei ist, dass solche Schadensfälle vor Gericht jahrelang, teilweise jahrzehntelang dauern. Es ist unter Androhung hoher Gefängnisstrafen verboten, vorhandene Zahlen von Opfern, ja überhaupt einen Zusammenhang des entsprechenden Medikamentes mit den Geschädigten als zutreffend zu veröffentlichen, solange die Gerichtsprozesse noch andauern.

Im Jahr 2004 musste das Schmerzmittel Vioxx in einem der grössten Arzneimittelskandale wieder vom Markt genommen werden, nachdem weltweit etwa 320 000 Patienten einen Herzinfarkt oder einen Schlaganfall erlitten hatten und davon etwa 140 000 Patienten sogar starben. Die Rücknahme fand viel zu spät statt, denn es gab schon seit 1999 Hinweise auf die gravierenden Nebenwirkungen.




Wie läuft der Entwicklungsprozess eines neuen Medikaments ab?

Die Entwicklung eines neuen Medikaments dauert bis zu 15 Jahre und kostet bis zur Zulassung durchschnittlich eine Milliarde Schweizer Franken.
Zuerst werden gegen 5000 Stoffe ausgewählt und diese dann in aufwendigen Laborforschungen auf ihre mögliche Wirksamkeit getestet. Dabei fallen immer mehr Stoffe raus, von denen sich die Forscher keinen Erfolg versprechen beziehungsweise die auf eine zu starke Schädigung hinweisen.

Danach findet die präklinische Phase (Tierversuche) statt. Hier werden in unendlichen Tierversuchen (bis zu 100’000 Tiere müssen für eine Medikamentenentwicklung ihr Leben lassen) die Stoffe weiter selektiert.

Die fünf meistversprechenden Wirkstoffe kommen dann in die klinische Phase I. Dabei wird der Wirkstoff nach und nach an «freiwilligen» Probanden getestet. In dieser Phase geht es schwerpunktmässig darum, ob diese Wirkstoffe starke bis tödliche Nebenwirkungen für den Menschen haben.
Ist diese Phase überstanden, geht es in die klinische Phase II und danach III.
Dabei wird der Stoff selektiert, der am ehesten eine positive Wirkung gegen die Krankheit XY verspricht.
Dieser Stoff wird dann zu einem Medikament entwickelt und auf den Markt gebracht.
Eine Umkehr, das heisst ein Scheitern in der Selektierung und somit ein Verwerfen dieser Entwicklung, ist praktisch ausgeschlossen. Bei den enormen Kosten gibt es kein Zurück. Es muss ein Medikament auf den Markt kommen, um die enormen Ausgaben wieder einzuspielen.
Deshalb kommt es öfters vor, dass ein Medikament trotz Marktzulassung infolge zu starker Nebenwirkungen oder gar Todesfällen wieder vom Markt genommen werden muss (siehe auch Frage «Todesursache Nebenwikungen»).




Ist die Gentechnologie eine grosse Hoffnung für uns Menschen?

Nach jahrzehntelangem Propagieren von Durchbrüchen bei den grossen Krankheiten und ebenso langer erfolgloser Forschung wurde mit der Gentechnik ein neuer Heilungsprophet geboren. Die simple Theorie, für die schon Millionen von Tieren sterben mussten: Wir suchen die Gene, die für die Krankheiten verantwortlich sind, und tauschen diese gegen gesunde Gene aus.

Klingt vielversprechend.

Doch verhalten sich Gene und Krankheiten wirklich so einfach?
Bisher wurde auch mit der Gentechnologie kein einziger Durchbruch erzielt. Die einfache Formel vom Austausch ist nicht aufgegangen. Wie sollte sie auch? Würde der Organismus so einfach funktionieren, dann wäre dies sicher schon viel früher entdeckt und genutzt worden.

Die Gewinner der Gentechnologie-Hysterie sind die Genforscher. Mit dieser geschickt manipulierten, hoffnungmachenden Forschungsmethode konnten sie Milliarden an Steuergeldern für ihre Forschung freimachen.
Die Verlierer sind wie immer die Tiere. Die Steigerung der Tierversuche ist zu einem grossen Teil auf die Genforschung zurückzuführen.

Ein anderes Argument, das für die Gentechnologie angewendet wird, ist die «Steigerung der Leistung von Tieren und Pflanzen». Durch Hinzufügen oder Weglassen von bestimmten Genen werden neue Tier- und Pflanzenarten erschaffen, die z.B. eine höhere Ausbeute in der Landwirtschaft zulassen.
Das Misstrauen von uns Europäern hat bisher die unvorhersehbaren, massiv schädlichen Konsequenzen dieser Technologie weitgehend verhindern können. Hoffen wir, dass Europa gegenüber den Amerikanern nicht klein beigibt.




Gibt es denn überhaupt Alternativen zu Tierversuchen?

Die vielversprechendste Methode, um sichere Ergebnisse und somit den maximal möglichen Schutz für die Konsumenten zu erlangen, sind die In-vitro-Systeme (in vitro heisst «im Reagenzglas» – in vivo hingegen bedeutet «im Leben», also am lebenden Tier).

Weitere erfolgreiche tierversuchsfreie Forschungsmethoden sind Computersimulationen, mathematische Modelle, epidemiologische Studien, klinische Untersuchungen und natürlich präventive Massnahmen.
(Eine ausführliche Erklärung tierversuchsfreier Forschungsmethoden finden Sie unter: http://aerzte-gegen-tierversuche.de/infos/tierversuchsfreie-forschung/110-forschung-ohne-tierleid)

Diese Methoden haben jedoch mächtige Feinde, die ihre Gewinne gefährdet sehen. Deshalb werden diese Methoden auch kaum vom Staat gefördert und finanziert.
Viele der Forscher, die schon seit dem Studium dem Irrglauben der rein auf Tierversuchen basierenden Wissenschaft verfallen sind, zeigen sich nicht zu einem Umdenken bereit. Auch spielt Geld eine grosse Rolle. Das Personal müsste geschult werden. Warum also nicht bei Bewährtem bleiben, als sich dem «neumodischen Kram» anzuschliessen? Dies sagten sich vor langer Zeit schon die Unbelehrbaren bei der Erfindung des Rads.
Dabei vergessen sie, dass mittel- und langfristig gerechnet die Entwicklung und Anwendung von tierversuchsfreien Methoden klar kostengünstiger ist.
Um sich nun vor wissenschaftlichen Tatsachen zu schützen, hat die Tierversuchslobby weltweit durchsetzen können, dass diese Alternativen zuerst aufwendig validiert (anerkannt) werden müssen.

Dies bedeutet einen jahrelangen Prozess, um mit Studien zu beweisen, dass mit tierversuchsfreien Methoden das gleiche Ergebnis wie im Tierversuch erreicht werden muss.
Dies ist schwierig, da ja auch Tierversuche selten reproduzierbar sind. Aber es ist vor allem eine sinnlose Forderung, da die Ergebnisse aus dem Tierversuch kaum einen Nutzen für den Menschen bringen!

Genau dies ist die grosse Gefahr für uns Menschen. Wenn tierversuchsfreie Methoden die gleichen Ergebnisse erzielen müssen wie die Tierversuche, dann werden Medikamente weiterhin mit unzuverlässigen Methoden erforscht und entwickelt.

Trotzdem unterstützen wir tierversuchsfreie Alternativmethoden, wenn dadurch Tierversuche ersetzt werden können. Der einzig richtige Weg wäre jedoch eine neue Art der Forschung, die sich nicht an Ergebnissen aus Tierversuchen orientiert.

Deshalb ist hier ein ironisches Dankeschön an die Tierversuchslobby angebracht.
Danke, dass sie verhindern, dass wir Menschen einen Nutzen aus ihrer Forschung gewinnen können!




Und wenn man die Zahl der Tierversuche reduzieren würde?

Jeder Tierversuchsexperimentator gibt uns recht, dass es Tierversuche gibt, auf die man verzichten könnte. Gleichzeitig wird er sich aber davor hüten, solche beim Namen zu nennen. Und selbstverständlich sind das nicht seine eigenen Experimente. Diese seien überaus wichtig und würden dann in Zukunft Tausenden von Menschen das Leben retten.

Es gibt für jeden noch so realitätsfremden Versuch eine Begründung. Tierversuche, für die keine Begründung gefunden werden kann, werden dann einfach der Grundlagenforschung zugerechnet. In der Grundlagenforschung wird Wissen geschaffen, das dann vielleicht einmal Verwendung findet, um wiederum anderes Wissen zu erschaffen. Unter diesem Deckmantel wird in der Praxis jeder noch so unsinnige Tierversuch bewilligt.

Seit bereits über 50 Jahren gibt es die Prinzipien der 3R (3R = Reduce, Refine, Replace oder Vermindern, Verfeinern und Vermeiden von Tierexperimenten). Mit diesen Prinzipien konnten bereits einige Tierversuche eingespart werden. Jedoch werden sie von den Forschenden nur sehr zaghaft eingesetzt, denn die Tierversuchslobby zeigt sich zu einer wirklichen Reduzierung von Tierversuchen oder gar zu einem grundlegenden Umdenken nicht bereit.
Leider wird mit den Prinzipien der 3R die Methode Tierversuch nicht in Frage gestellt. Somit entzieht sie sich der Möglichkeit, eine fortschrittliche Medizin ohne Tierversuche zu fordern und zu unterstützen.




Warum gibt es dann kaum Forscher, die das öffentlich machen?

Man darf nicht vergessen, dass wenn ein Tierexperimentator die eigene Arbeit in Frage stellt, dies für ihn praktisch das berufliche Todesurteil bedeutet.
Auch kann sich dieser Forscher seines Lebens, sowie des seiner Familie, nicht mehr sicher sein! Kein Scherz!

Aber trotzdem gibt es mutige und couragierte Wissenschaftler, die dieses Risiko auf sich nehmen. Es sind zwar nicht viele, aber dank ihnen kommen viele unserer Informationen erst ans Licht der Öffentlichkeit.

Einer der unerbittlichsten Tierversuchsgegner war Prof. Dr. med. Pietro Croce (Italien, 1920–2006):
Zwanzig Jahre hatte Croce selbst Tierversuche durchgeführt, bis er Anfang der 80er-Jahre ihre Unwissenschaftlichkeit erkannte und seither aus tiefer Überzeugung gegen das tierexperimentelle System kämpfte.
In unzähligen Vorträgen und Schriften prangerte er mit überzeugenden Argumenten das tierexperimentelle System als falsch und irreführend an und zeigte gangbare Wege für eine tierversuchsfreie Medizin und Forschung auf.
Mit eindrucksvollen Beispielen belegt Croce, wie unterschiedlich Menschen und die einzelnen Tierarten auf Substanzen reagieren, weswegen die Übertragung von Ergebnissen aus Tierexperimenten auf die menschliche Situation ein absolut unkalkulierbares Risiko darstellt.

Zitate aus einem der führenden Krebsforschungsinstitute der Welt:

Dr. Richard Klausner, Direktor des Nationalen Krebsforschungsinstituts der USA (NCI), stellte schon vor Jahren fest: «Die Geschichte der Krebsforschung ist die Geschichte, wie man Krebs bei Mäusen heilt. Seit Jahrzehnten heilen wir Krebs bei Mäusen, aber beim Menschen klappt es einfach nicht.»
Der ehemalige Leiter des NCI, Dr. Bross, erläutert dies noch ausführlicher:
«Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen muss festgestellt werden, dass das, was man das Tierversuchsmodell in der Krebsforschung nennt, sich als totale Pleite herausgestellt hat. Als das NCI sich mit grosser Begeisterung für einen Massengebrauch von Tieren in der Krebsbekämpfung entschloss, gab es bereits genügend wissenschaftliche Kenntnisse, um zu sagen, dass dieses Massenprogramm ein Misserfolg sein würde. Es gab praktisch keine Fakten, die angedeutet hätten, dass es erfolgreich sein könnte. Die endlosen Millionen von Tieren, die auf der Suche nach neuen Krebsbekämpfungsmitteln getötet wurden, sind also umsonst geopfert worden.»

Die Forscher vom englischen Krebsforschungsinstitut National Cancer Research führen aus diesem Grund keine Tierversuche mehr durch.

Und es werden immer mehr, die den Mut finden, Tierversuche zu hinterfragen oder gar die Methode Tierversuch zu bekämpfen. Es geht zwar sehr langsam und zähflüssig voran, aber der Anfang ist gemacht.




Wenn ich ein Medikament benötige, soll ich etwa darauf verzichten?

Wir sind nicht gegen Medikamente!
Wenn es unerlässlich ist, auf ein schulmedizinisches Medikament zurückzugreifen, dann sollten Sie das auch tun!
Es gibt aber in vielen Bereichen sehr gute Alternativen von Haus- und Naturheilmitteln. Diese sollten Sie wo immer möglich bevorzugen. Informieren Sie sich über solche Produkte.

Auch Generika sind eine halbwegs annehmbare Alternative.
Nur die grossen Pharmakonzerne machen Tierversuche. Viele kleinere Firmen übernehmen Rezepturen nach Ablauf der Patentzeit und stellen Generika her.
Diese sind vollkommen identisch mit dem Originalpräparat. Klären Sie aber vorher ab, ob die Firma, die das Generikum herstellt, nicht selbst einem Pharmakonzern, der Tierversuche durchführt, angehört.
Auf diesem Weg unterstützen Sie zumindest nicht direkt die Tierversuchslobby.

Fast alle Medikamente bewirken nur eine kurzfristige Symptombekämpfung.
Eine langfristige Heilung erreichen Sie nur durch Erkennen und Änderung der Krankheitsursachen. Die beste Medizin, um einem Grossteil der Zivilisationskrankheiten vorzubeugen, ist eine gesunde, vegetarische Ernährung verbunden mit einem bewussten Lebensstil. Die wichtigsten Faktoren, die unsere Gesundheit beeinflussen, sind: Rauchen, Alkohol, falsche Ernährung, Übergewicht, Bewegungsmangel sowie psychische Belastungen.




Wie kann ich mich gegen Tierversuche einsetzen?

  • Informieren Sie sich über Tierversuche. Die Lügen der Tierversuchsbefürworter klingen für den schlecht informierten Konsumenten absolut nachvollziehbar und richtig. Diese zu entlarven bedarf es, selbst sehr gut informiert zu sein.
  • Sprechen Sie in Ihrer Familie, in Ihrem Freundeskreis über das Thema. Zeigen Sie auf, dass Tierversuche aus ethischen, aber auch aus gesundheitlichen Gründen abzulehnen sind.
  • Beugen Sie Krankheiten vor: Gerade Zivilisationskrankheiten, die hauptsächlich durch den heutigen Lebensstil verursacht werden, könnten durch eine gesunde, vegetarische Ernährung, mehr Bewegung und weniger Stress auf ganz natürliche Weise häufig verhindert werden.
  • Bestellen Sie unsere Flyer und Petitionslisten zum Verteilen und Unterschriftensammeln im Freundes- und Verwandtenkreis, in der Schule, der Uni oder der Firma, in der Fussgängerzone oder vor dem Supermarkt, zum Auslegen in Arztpraxen und Bibliotheken …
  • Wenn Sie in der Zeitung einen Bericht zum Thema Tierversuche lesen, schreiben Sie Ihre Meinung in einem kurzen Leserbrief. Dies ist eine sehr effektive Art, um Informationen einer grösseren Leserschaft zu unterbreiten.
  • Verzichten Sie auf Kosmetikprodukte, deren Inhaltstoffe im Tierversuch getestet wurden. Fragen Sie in Ihrem Einkaufsgeschäft nach tierversuchsfreien Produkten. Und fragen Sie allenfalls auch, weshalb diese nicht angeboten werden. Die Erfahrung zeigt, dass es nicht allzu vieler Anfragen bedarf, bis sich ein Geschäft Gedanken über eine Angebotserweiterung macht.
  • Unterstützen Sie aktiv oder mit einer Spende die Arbeit von Tierversuchsgegner-Organisationen.
    Sie können z.B. die AG STG mit einem Abonnement des Magazins «Albatros» unterstützen oder auch als Aktivist zum Gelingen unserer Bewegung beitragen. Wir suchen immer wieder Helfer für Infostände, Übersetzer, Texter …
    Weitere Infos finden Sie unter: Aktiv werden
  • Überprüfen Sie, welchen Organisationen Sie Geld spenden, damit Sie nicht ungewollt selbst direkt Tierversuche finanzieren. (Lesen Sie dazu Wie werden Tierversuche finanziert?)
 
© 2012 Tierversuche abschaffen! - Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner
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