Medienmitteilung der AG STG - Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner - www.agstg.ch
Die blaue Pille
Wie viele Entdeckungen ein Produkt des reinen Zufalls
8. Juli 2009
Bonaduz (ots) Dies ist eine Geschichte über männliche Potenz auf dem Mount Everest,
über die Geldgier der Pharmaindustrie und über unnütze Tierversuche.
Der Pharmakologe Peter Ellis suchte mit seinem Forschungsteam bei der
Firma Pfizer nach einem neuen Wirkstoff zur Behandlung von
Bluthochdruck. Sie entwickelten Sildenafilcitrat, einen spezifischen
Phosphodiesterasehemmer, und glaubten, damit einen grossen Durchbruch
erzielt zu haben. Später zeigten sich jedoch bei anderen Substanzen
bessere Resultate, so wurde fortan ein neues Einsatzgebiet gesucht und
gefunden: Angina pectoris, also Schmerzen aufgrund von
Durchblutungsstörungen am Herzen, welche schlimmstenfalls zu einem
Herzinfarkt führen. Trotz erfolgversprechender Tierversuche zeigten
sich bei ersten Verträglichkeitstests an jungen gesunden Männern
unerwartete Nebenwirkungen. Sie wollten die Studienmedikation nicht
mehr freiwillig zurückgeben. Auf Befragung stellte sich dann heraus,
dass sie stärker und länger anhaltende Erektionen hatten. Daraufhin
wurde das Forschungsteam um Urologen erweitert und ab 1992 das
Forschungsziel abermals geändert. Man nahm sich nun der erektilen
Dysfunktion, also Erektionsstörungen, an. 1998 wurde der Wirkstoff als
Viagra zugelassen und bescherte dem Hersteller schon im ersten Jahr
einen Umsatz von 788 Millionen Dollar. Dies reichte Pfizer jedoch nicht
und so wurde unter anderem bei Bergsteigern auf dem Mount Everest
untersucht, ob es bei Einnahme des Wirkstoffes zu einer Erweiterung der
Lungengefässe kommt, was schliesslich auch zur Zulassung zur Therapie
der Krankheit pulmonalarterielle Hypertonie führte. Um diese Patienten
jedoch nicht zu stigmatisieren, wurde der gleiche Wirkstoff mit neuem
Etikett versehen und heisst in der Schweiz nicht Viagra, sondern
Revatio.
Und die Moral der Geschichte?
Wie so oft haben Tierversuche
versagt und nur der klinischen Beobachtung von Menschen ist überhaupt
die lukrative Einnahmequelle für Pfizer zu verdanken.
Die geschilderte Vorgehensweise ist bei Pharmakonzernen durchaus
üblich. Wenn sich ein Medikament beim ursprünglich vorgesehenen
Verwendungszweck nicht bewährt, sucht man nach neuen Indikationen, um
so doch noch satte Gewinne einfahren zu können. Ein anderes prominentes
Beispiel ist der Wirkstoff Thalidomid (Contergan), der ebenfalls
ausgiebigst in Tierversuchen getestet und für unbedenklich befunden
wurde. Deshalb wurde Thalidomid von der Marketingabteilung der Firma
Grünenthal als sicherstes Schlafmittel der Welt sogar Schwangeren
angepriesen. Die Konsequenz daraus ist bekannt: Tausende Kinder wurden
mit entstellten Extremitäten geboren. Der Vertrieb wurde nach langem
Hin und Her schliesslich gestoppt. Inzwischen ist Thalidomid jedoch
wieder im Einsatz, so z.B. bei der Krebserkrankung Multiples Myelom und
der Infektionskrankheit Lepra. Diese beiden neuen Einsatzgebiete wurden
im Zufallseinsatz bei Menschen entdeckt.
In diesem Sinne ärgern Sie sich nicht, wenn Ihr Auto einmal kaputtgehen
sollte, sondern überlegen Sie einen neuen Einsatzzweck. Es könnte ja
gut als Treibhaus für Ihre Radieschen- und Salatkultur herhalten oder
mit einer eingebauten Sauna ein Wellnessparadies bieten.
Dr. med. Alexander Walz
Arzt, wissenschaftlicher und medizinischer Berater der AG
STG
Weitere Informationen über Tierversuche finden Sie unter:
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AG STG – Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner
Kontakt:
Andreas Item
Hauptstrasse 14a
CH-7402 Bonaduz
Tel.: +41 (0)81 630 25 22
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