Viele angeln im Blut der Tiere …

Nicht nur ausgewiesene Tierfreunde fordern ethisch begründet die Abschaffung von Tierversuchen. So sprachen sich bei einer ZDF-Telefon-Befragung in Deutschland 75% gegen Tierversuche aus. 17,5% sahen sie als «bedingt notwendig» an, nurmehr 7,5% der Anrufer bejahten Tierexperimente. Vor allem wissenschaftlich begründet wird mehr und mehr Kritik an der Methodik der Tierversuche laut. Die Vereinigung Ärzte gegen Tierversuche e.V. artikuliert es auf den Punkt: «Tierversuche sind nicht nur nicht notwendig, sondern auch ein unkalkulierbares Risiko für den Menschen.»

Wahre Worte, bitter belegt durch harte Zahlen. Jedes Jahr sterben in Deutschland 20’000 Patienten an den Folgen von Medikamenten; alle natürlich «zum Wohle des Menschen» am Tier getestet – und für gut befunden.

Tiere unterscheiden sich grundsätzlich vom Menschen – in Anatomie, Physiologie, Psyche, Lebenserwartung, ihrem Sozialverhalten, Biorhythmus und Stoffwechsel. Hinzu kommen krasse Unterschiede zwischen einzelnen Tierarten und Individuen. So können Kaninchen Knollenblätter- oder Fliegenpilze mümmeln, Strychnin kann an Affen verfüttert, Zyankali Eulen eingegeben werden usf. All dies überstehen die Tiere unbeschadet, währenddessen solche Ernährungsexperimente dem Menschen gewisslich grosses Ungemach bereiten würden. Dr. med.Werner Hartinger: «Menschliche Erkrankungen haben nichts mit denen (Anmerk.: zudem künstlich erzeugten Krankheiten) der Tiere zu tun, was die psychologischen Krankheiten deutlich dokumentieren. Alternative Methoden sind auch wissenschaftlich belegt besser und sicherer, nur fehle es meistens an der Validierung, d.h. rechtsgültiger Anerkennung von Versuchsergebnissen. Der Verzicht auf Tierversuche würde dazu führen, dass sich die medizinische Forschung endlich dem richtigen Subjekt zuwenden würde, nämlich dem Menschen. Auch als «Vorfilter» ist der Tierversuch ungeeignet und dient nur als Alibi. Tierversuche müssen daher auch aus humanen Gründen, zum Schutz des Menschen, abgeschafft werden.»

Das Verlangen nach einem gesetzlichen Verbot der Tierexperimente zielt also nicht allein darauf ab, Tiere vor Qual und Misshandlung zu bewahren, sondern auch, zum Schutze des Patienten, endlich eine ganzheitliche Humanmedizin durchzusetzen.

Dieser Forderung stehen heute, im Zeitalter weltweit vernetzter Computersysteme, Zellforschungseinrichtungen etc.* in der Praxis auch weniger medizinische und wissenschaftliche Gründe entgegen denn verkrustete Strukturen und an wohldotierten Stellen klebende Lobbyisten, Politiker und sonstige Entscheidungsträger sowie ewiggestrige «Forschungs-Dinosaurier».

Doch ist hier etwas Hoffnung in Sicht. Es ist ein «Paradigmenwechsel» zu beobachten, d.h. ein Wandel der Ansichten auf vielen Ebenen. Über Jahrhunderte tradierte Verhalten bröckeln: Was früher noch als unabdingbar und vorbildlich galt, wird in Frage gestellt. Man huldigt beispielsweise nicht mehr kritiklos Chemie und Pharmaindustrie und wirft hemmungslos «Hammerpräparate» nach dem Motto «Viel hilft viel» ein, sondern besinnt sich mehr auf eine sanfte Medikation – hinterfragt mehr und mehr heute auch bei Ärzten und der Wissenschaft den (Un-)Sinn der Tierversuche.

Volksverdummung - Modell Tierversuch

Doch alle Anstrengungen der Gutwilligen im Sinne eines besseren Tier- und Menschenschutzes verröcheln im Würgegriff der weltweit finanziellen Interessen. Es gibt für die «Dornenkrone der Schöpfung» eben kaum eine grössere Lust und Freude, als seine Gier im monetären Bereich zu befriedigen. Und das ist in der Tat ein kaum lösbares Problem.

Zu sehen ist das Modell «Tierversuch» als gigantischer Wirtschaftsfaktor, fest etabliert und verzahnt im Getriebe der Geschäftemacherei mit Krankheiten (siehe Buchtipp im «Albatros» 12/2006 – Die Krankheitserfinder» von Jörg Blech). Angefangen beim kleinen Versuchstierhändler bis hin zu grossen, global agierenden Industrieunternehmen: Viele angeln im Blut der Tiere nach kleinen oder grossen Profiten – und nicht zuletzt nach «ehrenvollen» Doktorwürden oder internationalen Auszeichnungen.

Tierversuche kosten zwar Millionen – bringen aber Milliarden. Und gewähren als Alibi-Funktion Straffreiheit, falls etwas passiert. Deshalb macht man sie. Auf diese kurze Formel gebracht, treffen die für Tierversuchsbefürworter gewisslich ketzerisch klingenden Worte jedoch den Kern der Sache. Tierversuchsgegner bestreiten keinesfalls die Notwendigkeit einer Forschung – nur die anachronistische Methode, mit grausamen Tiermorden und daraus resultierenden Veterinärmedizin-Erkenntnissen die Spezies Mensch beglücken zu wollen.

In diesem Sinne gilt es weiter zu kämpfen: für eine ganzheitliche Humanmedizin und gegen eine mächtige «Volksverdummungsmaschinerie Tierversuch», die hier seit Jahrzehnten ähnlich unredlich-groteske Rechtfertigungsstrategien auf der Schiene «zum Wohle des Menschen» fährt – analog einer Argumentation «Kein Krieg – und die bittere Not der Rüstungsindustrie».

Ulrich Ditttmann / 22.10.2006
 

*Computergestützte Chirurgie, Dreidimensionales Computersystem – Virtual Reality, Endoskopie-Training,Computerprogramm Sim-Nerv, Neuro-Simulator nach Manteuffel, Video-Lehrfilme mit Interrogativ-System, Zell- und Gewebe-Anwendung zu teratogenen Erkenntnissen, Phisio-Controll-Mikrosystem etc., etc., etc.

Weitere Informationen, Daten, Fakten siehe: Ärzte gegen Tierversuche e.V. (www.aerzte-gegen-tierversuche.de)

Liebe Tierversuchsgegnerinnen und Tierversuchsgegner

«Ohne Tierversuche geht es nicht!»

Diesen Satz müssen wir uns immer wieder anhören. Und nicht besser als mit einem Zitat von Dr. Werner Hartinger können wir die Personen einordnen, die uns mit dieser Aussage zum Schweigen bringen wollen. «Es gibt eigentlich nur zwei Gründe, für Tierversuche zu sein: Entweder man verdient daran, oder man weiss zu wenig darüber.»
Wie viele Menschen wurden schon Opfer der Aussage: Ohne geht es nicht!
Wir alle haben schon gelesen, dass es ohne Krieg nicht geht! Dass es ohne Gewalt nicht geht! Dass es ohne Atomkraftwerke nicht geht! Einige unserer Leser können sich sicher noch daran erinnern, dass die Mediziner behaupteten, dass ohne Experimente mit Gefangenen Forschung kaum mehr möglich sei. Diese Aussagen, teils von den gleichen Forschern wie heute, sind gerade einmal 30 Jahre alt.
Aber dass es ohne Moral, ohne Rücksicht, ohne Gewissen, ohne Liebe – offensichtlich geht, das beweisen uns die Schergen der Tierversuchslobby Tag für Tag!

Fragen Sie einmal 14-Jährige, ohne was man nicht leben könne. Die meisten werden unter anderem folgende Dinge aufzählen: Handy, MP3-Player, PlayStation …
Oder fragen Sie eine 70-jährige Dame, einen Handwerker, einen Verkäufer von Produkt XY …
Einen Verkäufer!
Was anderes als Verkäufer sind die meisten Forscher? Sie beziehen Geld von Firmen. Ihr Auftrag: den Umsatz zu steigern. Wie gross also ist wirklich der Unterschied zwischen einem Staubsaugerverkäufer und einem Forscher?

Ohne was es nicht geht ist eine rein subjektive Beurteilung, die praktisch immer von eigenen Bedürfnissen und Vorurteilen gesteuert wird.
Wie, liebe Leserinnen und Leser, konnte die Menschheit nur ohne all die LEBENSNOTWENDIGEN Entwicklungen (Auto, Computer, Handys …) überleben, die es erst seit einem Bruchteil der Existenz des Menschen gibt?

Ohne was es aber wirklich nicht geht, ist: ohne Tierschützer, ohne Umweltschützer, ohne Menschenrechtler …
Der Kampf all dieser Personen und Organisationen hat etwas Wichtiges gemeinsam: Ohne dass man diejenigen, ohne die es wunderbar gehen würde, ständig daran erinnert, dass es ohne sie auch gehen würde, wäre die Welt definitiv in einem viel desolateren Zustand.
Wir von der AGSTG erinnern die Tierversuchslobby laufend daran, dass es Menschen gibt, die wissen, dass es ohne Tierversuche auch gehen würde!
Erinnern wir alle gemeinsam die Universität Zürich und die ETH Zürich daran, dass wir sie beobachten. Dass sie nicht einfach machen können, was sie wollen. Lassen wir sie nicht mehr in Ruhe ihre als besonders nutzlos anerkannten Affenversuche durchführen.
Dazu haben wir Ihnen in dieser Ausgabe des «Albatros» zwei Protestkarten beigelegt. Bitte helfen Sie mit, dass irgendwann keine Tiere mehr für Tierversuche leiden müssen.
Für die totale Abschaffung von Tierversuchen!!!

Beste Grüsse
Andreas Item

Die Sonne steht hoch am Horizont, als Karin Hawelka und Ally Taylor von «Care for Dogs» im Tempel Wat Silom südlich von Chiang Mai ankommen. In der Tempelanlage wird gerade mit viel Gold und Prunk das Tempelgebäude neu renoviert. Welch ein Kontrast daneben die Hündin «Pauline» zu sehen, abgemagert, jede einzelne ihrer Rippen steht hervor, dazu ein Vaginaltumor (TvT) in fortgeschrittenem Stadium sowie ein weiterer grosser, hässlicher, offener Tumor am Bein. Dann taucht «Nampueng» auf, eine ebenfalls abgemagerte Hündin mit einem Vaginaltumor. Und dann ist da noch eine dritte Hündin mit der gleichen Diagnose. Mit Hilfe des Tempelpersonals gelingt es, Pauline und Nampueng ins Auto zu bringen, die dritte Hündin entkommt trotz Einsatzes eines Betäubungsmittels über ein weites Reisfeld. Viele Hunde haben negative Erfahrungen gemacht, durch die sie ihr Vertrauen in Menschen verloren haben. Das Team wird mit einer Blasrohr-Ausrüstung wiederkommen,  um die Hündin einzufangen, da dieser Tumor ansonsten tödlich verlaufen wird.

Zwei Wochen später, Pauline und Nampueng haben die beiden ersten wöchentlichen Chemotherapien  erhalten, und das Team ist erleichtert, dass sie auf die Behandlung ansprechen. Die Tumore sind kleiner geworden und nach weiteren ca. sechs wöchentlichen Spritzen dürften die beiden Tiere geheilt sein und können dann sterilisiert werden. Sie sind im Tierheim von Care for Dogs untergebracht und erfahren vielleicht zum ersten Mal in ihrem Leben, dass ihr Futter täglich gesichert ist, erhalten Zuwendung und die Pflege ihrer Wunde.

Das Tierheim von Care for Dogs
Das Tierheim von Care for Dogs
Strassen- und Tempelhunde sind ein Teil Thailands wie Tuk-Tuks (dreirädrige Motorradtaxis), Märkte oder Reisfelder. Zehntausende, Hunderttausende von Strassenhunden leben in Thailand, ausgesetzt, verstossen, häufig abgemagert, das Fell durch Räude verloren, ohne Pflege bei Krankheit oder Unfällen. Sie verstecken sich in kleinen Seitenstrassen, humpeln über Strassenmärkte in der Hoffnung, etwas Futter zu erhaschen, oder fristen in Tempeln ein trauriges Dasein. In ihren Augen spiegeln sich Zuneigung und Hoffung, Angst und Furcht, Traurigkeit und Resignation. So abgemagert viele dieser Hunde auch sind, sind sie dennoch in der Lage, unter widrigen Umständen zweimal pro Jahr Welpen zur Welt zu bringen – und mit jedem Neuankömmling vergrössert sich das Problem. Immer wieder werden Hunde auch vergiftet, zum Verzehr geschlachtet oder für den Hundefleisch- und -ledermarkt illegal gefangen und unter inhumanen Bedingungen nach Laos oder Vietnam exportiert. Es gibt wenige Menschen, die sich für Strassenhunde engagieren, die endlos scheinende Aufgabe schreckt viele ab.

Wallace bei der Ankunft im Tierheim
Wallace bei der Ankunft im Tierheim
Die buddhistischen Tempel in Thailand sind häufig Endstation für die verstossenen Hunde der Gesellschaft. Verantwortungslose Besitzer entledigen sich ihrer Hunde und Welpen, indem sie sie im Tempel aussetzen, vielfach nachts, wenn es keiner sieht. Die Hunde erhalten in den Tempeln zwar häufig Essensreste, aber es reicht nicht immer für alle, und im Falle von Krankheit (z.B. Staupe, Parvovirose, TvT) oder Unfall sterben die Tiere oft einen langsamen Tod. Da die Hunde in der Regel nicht sterilisiert sind, steigt ihre Zahl immer weiter an, und viele Tempel fühlen sich durch die vielen Hunde zunehmend überfordert. Es gibt Mönche, die sich um ausgesetzte Hunde kümmern, Care for Dogs hat in Tempeln aber auch schon vergiftete oder geschlachtete Hunde vorgefunden – auch ein Tempel ist kein sicherer Hort.

Schüler im Einsatz im Tierheim
Schüler im Einsatz im Tierheim
Das ehrenamtlich tätige Team von Care for Dogs hat sich zum Ziel gesetzt, die Situation der Strassen- und Tempelhunde in Chiang Mai zu verbessern. Der Hauptfokus liegt dabei auf der regelmässigen Durchführung von Sterilisationen, um die Anzahl der herrenlosen Hunde und Katzen auf humane Weise zu reduzieren. Das Team arbeitet mit einer Tierarztklinik eng zusammen, um eine qualifizierte medizinische Betreuung sicherzustellen. Die Sterilisation einer Hündin kostet hier zum Beispiel ca. 24 CHF. Mittellose Einheimische werden bei der Sterilisation und Behandlung ihrer Tiere ebenfalls unterstützt.



Das Tierheim von Care for Dogs liegt ca. 20 km südlich von Chiang Mai. Dort sind ca. 50–60 Welpen und Hunde untergebracht. Sie werden bei Krankheit, Misshandlungen oder Verkehrsunfällen behandelt oder nach Sterilisationen und Operationen medizinisch betreut. Die laufenden Impfungen, Entwurmungen, Herzwurm-Vorsorge sowie medizinischen Behandlungen werden für jeden Hund registriert und terminiert.


Auf dem Weg zur TvT-Behandlung
Auf dem Weg zur TvT-Behandlung
Im Schnitt können ca. 120–150 Hunde und Katzen pro Jahr an neue Besitzer vermittelt werden. Daneben betreut das Team regelmässig Tempel- und Strassenhunde durch medizinische Versorgung, Impfungen sowie Fütterungsprogramme. Durch Kooperation und Anleitung von Mönchen und Angestellten in Tempeln wird Hilfe zur Selbsthilfe gegeben, um die Lebensqualität der dort lebenden Hunde zu verbessern.

Da die Aktivitäten durch Spenden alleine nicht finanziert werden können, bringt das Team auch eigene Mittel ein. Mit Verkaufs- und Standaktionen sowie Schulprogrammen werden die Bevölkerung sowie jungen Menschen für die Problematik der Strassenhunde sensibilisiert. Die Tierfreunde haben alle Hände voll zu tun, und der Tag müsste häufig mehr als 24 Stunden haben. Sie sind sich bewusst, dass sie nicht allen Hunden helfen können, ihr Motto lautet aber:


Wöchentlicher Tierarztbesuch
Wöchentlicher Tierarztbesuch
«Saving one dog won’t change the world, but surely the world will change for that one dog.» (Einen Hund zu retten, wird die Welt nicht verändern, aber mit Sicherheit wird sich die Welt für diesen einen Hund ändern.)



Das Team ist auf finanzielle Unterstützung angewiesen – Sie können mithelfen, das Leben eines oder mehrerer Hunde durch Ihren Beitrag zu verändern. Jeder Franken hilft, das Leben eines Hundes zu verbessern.





Mehr Infos über die Aktivitäten von Care for Dogs finden Sie unter www.carefordogs.org

Ally Taylor hat zudem ein Web-Tagebuch angelegt, in dem sie täglich hautnah über ihre Einsätze unter http://allycfd.blogspot.com/ berichtet – es lohnt sich, einmal reinzuschauen.


Bitte unterstützen Sie das Strassenhunde-Projekt «Care for Dogs» in Chiang Mai:

Spendenkonto in der Schweiz via


Animal Life Tierschutz International

Frau Dora Hardegger
Geeringstrasse 48/20
8049 Zürich
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Telefon:    044 341 76 03
PC-Konto 87-553511-6
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Alle Spenden mit dem Stichwort «Thailand» werden umgehend nach Chiang Mai weitergeleitet. Selbstverständlich können Sie auch direkt mit Karin Hawelka Kontakt aufnehmen (E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! / Telefon 0066 81 907 32 60).
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Kaum jemand bekennt sich heute vorbehaltlos zu Gewaltanwendung, Folter und Mord. Dennoch kommt dies nicht nur gegenüber Tieren, sondern auch gegenüber Menschen tagtäglich vor. Gibt es eine Gemeinsamkeit bei der Rechtfertigung solcher Verbrechen?

Der Vergleich

Ja, praktisch allen Rechtfertigungsversuchen ist gemeinsam, dass man mit einem kleineren Übel ein grösseres abwenden möchte. Bei der Beurteilung, ob das Quälen von Mensch und Tier zulässig ist, wird also ein Vergleich zweier «Übel» gemacht.
Ob dieser Vergleich ethisch korrekt ist, sei erstmal dahingestellt (Mahatma Gandhi würde ihn wohl kaum akzeptieren). Da der Vergleich aber so oft praktiziert wird, lohnt es sich, näher darauf einzugehen.
In Bezug auf Tierversuche lautet der Vergleich folgendermassen:
Tierversuche werden gemacht, weil man mit dem Leid der Tiere angeblich grosses Leid bei Menschen verhindern kann. Dies ist die Werbebotschaft der Pharma- und Kosmetikindustrie seit Jahrzehnten. Damit dieser Vergleich von den angesprochenen Menschen akzeptiert wird, braucht es drei Punkte:
  1. Das möglicherweise zu verhindernde Leiden bei Menschen muss hervorgehoben und als Tatsache hingestellt werden
  2. Das Leiden der Versuchstiere muss heruntergespielt werden
  3. Es muss eine direkte Verbindung zwischen dem kleinen und dem grösseren Übel hergestellt werden
Zuerst zum letzten Punkt: Dass Tierversuche die einzige Methode zum Erkenntnisgewinn sind, wird nicht nur in diesem Magazin angezweifelt. Da dies nicht Thema dieses Artikels ist, gehe ich darauf nicht weiter ein.
Zu Punkt 1: Die Werbung spricht möglichst weitverbreitete und tödliche Krankheiten an (Krebs, Aids), ohne jedoch selbst nach Jahrzehnten irgendwelche Erfolge vorweisen zu können. Insbesondere werden auch Kinder für die Werbung oft missbraucht, um den Mitleideffekt zu fördern.

Leidensfähige Tiere?

Ohne den zweiten Punkt wären die beiden anderen jedoch kaum genug wirksam: Wäre es allgemein anerkannt, dass Versuchstiere dieselben Schmerz- und Angst-Empfindungen haben wie Menschen und ihnen auch Schutz vor Folter und Mord zustehen würde, wäre es kaum noch möglich, Tierversuche als ethisch akzeptabel hinzustellen. Dies ist auch der Grund, weshalb Proteste gegen Tierversuche mehr Unterstützung in der Öffentlichkeit erhalten, wenn sie nicht gegen Mäuse- und Rattenversuche, sondern gegen Hunde- und Primatenversuche durchgeführt werden. Kaum ein Hundehalter wird behaupten, dass ein Hund kein Schmerzempfinden hat und keine Angst oder Trauer verspüren kann. Es ist deshalb relativ leicht nachzuvollziehen, dass beim Vergleich zwischen einem kleineren Übel (Quälen eines Hundes) und dem grösseren Übel (möglicherweise Heilen von Menschen von einer Krankheit) ein Tierversuch an einem Hund eher hinterfragt wird, als wenn es sich um ein anderes Tier handelt.

Mensch-Tier-Beziehung

Was bei dieser Tierversuchsdiskussion jedoch fast immer vergessen wird, ist die grundsätzliche Einstellung des Menschen gegenüber den Tieren: Wir von der SVV sehen es als völlig unvernünftig zu behaupten, dass es ethisch nicht akzeptabel ist, ein Tier für Versuche zu missbrauchen, während man es als akzeptabel ansieht, ein Tier zur blossen Befriedigung des eigenen Gaumens nur wenige Monate nach seiner Geburt zu töten. Und damit sogar Massentierhaltung, Tiertransporte und viele andere tierverachtende Tätigkeiten zu unterstützen.
Der Fleischverzehr ist deshalb ein wesentlicher Punkt, von dem die Tierversuchsindustrie profitiert: Wenn man bereits die Befriedigung des Gaumens als genügend guten Grund sieht, um einem Tier das Leben zu nehmen, noch bevor es richtig zu leben begonnen hat, kann dies ethisch kaum unterboten werden. Fast jede Rechtfertigung eines Tierversuches wäre dann dagegen quasi bereits ethisch akzeptabler (vorausgesetzt er würde medizinisch Sinn machen).

Hinzu kommt, dass in beiden Bereichen mit Unwahrheiten argumentiert wird: Auf der einen Seite wird behauptet, dass wissenschaftlicher Fortschritt ohne Tierversuche unmöglich sei, auf der anderen Seite, dass ein gesundes Leben ohne Fleischkonsum unmöglich sei.
Dass man auch ohne Fleischkonsum gesund leben kann, beweisen heute bereits unzählige Vegetarier (die oft sogar gesünder als Fleischesser sind), deshalb hört man diese Argumentation höchstens noch im Zusammenhang mit Kindern (als ob es keine lebenslangen Vegetarier geben würde).
Doch wie bei den Tierversuchen wirkt offenbar diese Strategie auch hier: Wer würde schon die Gesundheit eines Kindes aufs Spiel setzen wollen. Deshalb gibt man ihm lieber etwas Fleisch und macht zu seinem angeblichen Schutz Tierversuche, damit es gesund aufwachsen kann.
Dass man dabei jedoch echten medizinischen Fortschritt, der sich mit der Gesunderhaltung auseinandersetzt (statt der Symptombekämpfung durch Entwicklung immer neuerer Medikamente), blockiert und die Gesundheit des Kindes durch zu viel tierische Fette, Cholesterin und diverse Hormone im Fleisch riskiert, erfahren viele Menschen leider zu spät.
Ein Umdenken in der Mensch-Tier-Beziehung würde nicht nur die Tierzucht zur blossen Fleischproduktion, sondern auch die Zucht von Versuchstieren in Frage stellen. Deshalb sollte dieser Ansatz bei Tierversuchsgegnern künftig stärkere Beachtung finden.

Renato Pichler
Schweizerische Vereinigung für Vegetarismus (SVV)
www.vegetarismus.ch


Die Alpensegler sind wieder zurück aus ihrem Winterquartier in Meridional- und Südafrika, um ihre Jungen bei uns aufzuziehen. Sie benützen immer die gleichen Nistplätze und die wenigen Grashalme und Samen – vielleicht auch eine Feder –, die sie für den Nestbau brauchen, fangen sie in der Luft. Diese faszinierenden Luftakrobaten ernähren sich ausschliesslich von Insekten, die sie mit weit geöffnetem Maul in der Luft jagen. Sie paaren sich in der Luft und können sogar in der Luft schlafen, durch eine ganz spezielle Flugtechnik.

Tierversuche mit Alpensegler-Nestlingen in Solothurn / Schweiz

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


Ihre Jungen, im Durchschnitt 2 oder 3, schlüpfen im Juni/Anfang Juli aus und bleiben zwischen 55 bis 66 Tage im Nistplatz, wo sie ihre Brustmuskulatur durch heftiges Flügelflattern und erstaunliche Liegestützen aufbauen. Wenn sie das erste Mal den Nistplatz verlassen, müssen sie schon perfekt fliegen können.

Tierversuche mit Alpensegler-Nestlingen in Solothurn / SchweizDie Alpensegler sind geschützt und stehen auf der Roten Liste der Vogelwarte Sempach. Was bedeutet das für den Vogel? Nichts, mussten wir im Sommer 2006 feststellen, als zwei Alpensegler-Nestlinge, ungefähr 35 Tage alt, mitten in der Altstadt in Solothurn auf der Strasse gefunden und in unsere Pflegestation gebracht wurden. Beide Jungvögel waren stark abgemagert, litten unter Schmerzen und waren sehr krank. Auf der Brust hatten die armen Nestlinge zwei klaffende Schnittwunden, unter der Haut konnten wir einen implantierten Fremdkörper erkennen. Beide starben qualvoll kurz darauf. Ein klarer Fall der Tierquälerei durch Tierversuche. Aber wie ist das möglich, wenn Alpensegler unter Schutz und auf der Roten Liste stehen?

Tierversuche mit Alpensegler-Nestlingen in Solothurn / SchweizEiner der toten Vögel wurde seziert. Die Laborergebnisse sowie die Ergebnisse unserer Forschungen sind unbegreiflich. Die Alpensegler der Brutkolonien in Solothurn werden schon seit einigen Jahren Opfer rechtswidriger Tierquälereien, sinn- und zweckloser Tierversuche, die durch ihren Betreuer, Pierre Bize, ein Biologe, ausgeführt werden. Bei unseren beiden Pfleglingen hat der Biologe sehr grosse Kortisontabletten implantiert, ohne Betäubung. Sein Zweck, nach seinen eigenen Worten: Er wollte beobachten, wie die Nestlinge sich in Stresssituationen verhalten (Kortison = Stresshormon). Zum Beispiel in Hungersnot in Schlechtwetter-Perioden. Von 1932 bis 1978 wurde das Schicksal von 6043 Gelegen in den Brutkolonien Solothurn beobachtet und schriftlich festgehalten, ohne je einen Nestling verletzen zu müssen. Die Information, die der Biologe durch seine grauenhafte Versuche haben wollte, konnte er entweder in den erwähnten Berichten lesen oder sich bei jedem Kolonie-Betreuer erkundigen, der Jahr für Jahr seine Kolonie beobachtet und das Verhalten der Alpensegler in jeder Situation bestens beschreiben kann, ohne die Vögel in die Hand nehmen zu müssen.

Die ersten Alpensegler sind in Solothurn eingetroffen. Ohne wirksamen Schutz werden weitere Nestlinge gequält und getötet. Wir haben Anzeige wegen Tierquälerei erstattet, denn die schon geschützten Alpensegler brauchen dringend effektiven Schutz.
 

Kontakt:

Clarice Allemann
Vogelstation
Wyssacker 25
4943 Oeschenbach