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Ewig jugendliche Schönheit – mit Botox, der Wunderspritze, scheint der Traum wahr zu werden. Die Faltenglättung mit dem Nervengift Botulinumtoxin hat sich innerhalb weniger Jahre weltweit zu einem Riesengeschäft entwickelt. Tendenz weiter rapide steigend. Doch den Preis für jugendliches Aussehen zahlen derzeit unnötigerweise Tausende von Mäusen. Jede Produktionseinheit wird in einem grausamen Tierversuch getestet. Und das, obwohl Tierversuche für Kosmetika verboten und tierversuchsfreie Testmethoden vorhanden sind. Die Ärzte gegen Tierversuche haben eine Kampagne gestartet, um die Tierqual für die Schönheit zu stoppen.


Extrem giftig

Botox ist ein Handelsname für eines der drei weltweit erhältlichen Präparate aus dem Nervengift Botulinumtoxin. In Gesichtsmuskeln injiziert, bewirkt das Gift Muskellähmungen, wodurch die Falten darüber glatt erscheinen. Botulinumtoxin wird von Bakterien produziert. Es kam früher in verdorbenen Wurstkonserven vor und rief oftmals tödlich verlaufende Lebensmittelvergiftungen hervor. Es ist das stärkste bekannte Gift überhaupt. Wegen seiner Gefährlichkeit muss es für die Anwendung am Menschen stark verdünnt werden. Jede Produktionseinheit wird auf ihre Wirksamkeit und Sicherheit geprüft, bevor sie in den Verkauf gehen kann. Das Europäische Arzneibuch schreibt hierfür einen Tierversuch vor.

 

Qualvoller Tod

Das Gift wird Gruppen von Mäusen in die Bauchhöhle gespritzt. Jede Gruppe erhält eine andere Verdünnung Botox. Es wird die Menge ermittelt, bei der genau die Hälfte der Tiere stirbt. Dies wird als LD50-Test (LD50 = tödliche Dosis bei 50% der Tiere) bezeichnet.
Für die Tiere, mindestens 100 pro Produktionseinheit, ist das mit furchtbaren Qualen verbunden. Es kommt zu Muskellähmungen, Sehstörungen und Atemnot. Der Todeskampf der Tiere kann drei oder vier Tage dauern, bis sie schliesslich ersticken.

Übliche Mäusehaltung in Plastikkästen, die wie in einer Lagerhalle in Regalen übereinanderhängen



Es geht auch ohne Tierversuche

Tierversuchsfreie Testmethoden wurden bereits entwickelt, werden aber nur unzureichend eingesetzt. Seit 2005 sind im Europäischen Arzneibuch drei alternative Verfahren zugelassen, allerdings nur, wenn sie validiert sind, d.h., wenn sie die gleichen Ergebnisse liefern wie der LD50-Test. Das Problem: Der Tierversuch ist eine unzuverlässige, schlechte Testmethode. Neue, bessere Systeme werden oft nicht anerkannt, weil sie nicht die gleichen, sondern bessere Ergebnisse liefern wie der Tierversuch.

 


Und noch eine Hürde: Alternative Tests können von den einzelnen Herstellern entwickelt und validiert werden. Sie werden dann aber auch nur für diese eine Firma anerkannt. Doch erst wenn alle drei Herstellerfirmen die gleiche Alternative validiert haben, kann der Mäuseversuch im Europäischen Arzneibuch gestrichen werden. Derzeit arbeiten alle drei Hersteller an unterschiedlichen Verfahren. Solange jede Firma ihr eigenes Süppchen kocht, gilt der LD50-Test weiterhin als «Goldstandard».


Das Leiden beginnt...
Das Leiden beginnt...

Riesengeschäft

Botox ist nicht mehr nur in den USA und bei Promis ein Thema, sondern wird zunehmend auch in der breiten Masse in Deutschland eingesetzt.
Nach drei bis sechs Monaten hat der Körper neue Nervenendigungen gebildet, die Antifaltenwirkung lässt nach und die Behandlung muss wiederholt werden. Schönheitspatienten werden so zu Dauerkunden. Der Botox-Boom ist ein Riesengeschäft mit enormem Wachstum. BOTOX® rangiert nach Viagra® bereits auf Platz zwei der weltweit meistverkauften Medikamente. 43% der BOTOX®-Produktion wurden 2004 im ästhetischen Bereich eingesetzt, 57% im medizinischen. Bei den weltweit am häufigsten durchgeführten schönheitschirurgischen Eingriffen liegt die Botulinum-Injektion auf Platz eins.

Langzeitfolgen unbekannt

In Deutschland und der EU sind Tierversuche für kosmetische Endprodukte verboten. Skandalös – trotzdem sind grausamste Tierversuche für die Antifaltenbehandlung erlaubt. Da die Botox-Präparate auch für medizinische Zwecke eingesetzt werden, wird dieses Verbot umgangen. Verbraucher, die Tierversuche für Kosmetika ablehnen, werden so hinters Licht geführt.

Patienten müssen eine Erklärung unterschreiben, dass sie mit einem nicht für kosmetische Zwecke zugelassenen Mittel behandelt werden. Ein unkalkulierbares Risiko, denn die Langzeitfolgen beim Menschen sind noch nicht erforscht.


Helfen Sie mit, Botox-Tierversuche zu stoppen!

Die Ärzte gegen Tierversuche e.V. haben eine Kampagne gestartet:

Sie wollen erreichen,


* dass die Öffentlichkeit über diese schrecklichen Tierversuche informiert wird,

* dass die Herstellerfirmen auf tierversuchsfreie Methoden umsteigen und
* dass der Mäusetest im Europäischen Arzneibuch gestrichen wird.


Jeder kann helfen!
Auf der Website http://www.botox-tierversuche.de finden Sie:

–    Info- und Kampagnenmaterial

–    Hintergrundinformationen
–    Musterprotestbriefe an die Herstellerfirmen von Botulinumtoxin-Präparaten
–    Unterschriftenliste im PDF-Format zum downloaden
–    Flugblatt im PDF-Format zum downloaden

Die Unterschriftenliste und das Flugblatt können Sie auch bestellen bei:

Ärzte gegen Tierversuche e.V.
Landsbergerstr. 103
D - 80339 München
Deutschland

Ärzte gegen Tierversuche e.V., Dr. Corina Gericke

Richterin sieht Menschenaffen nun mit anderen Augen

Sachwalterschaftsprozess für Schimpansen Hiasl geht in die 2. Instanz

Wien, am 25. April 2007
Anfang Februar 2007 brachte der VGT-Obmann DDr. Martin Balluch im Sachwalterschaftsgericht Mödling, NÖ, einen Antrag auf Besachwalterung des Schimpansen Hiasl ein, der 1982 aus dem Dschungel in Westafrika entführt und illegal nach Österreich gebracht worden war. Das Ziel dieses Prozesses ist, dass Hiasl als Person anerkannt wird und mittels Sachwalter seine eigenen Interessen vertreten kann. Eine unglaubliche Welle internationaler Medienaufmerksamkeit wurde durch diesen Prozess ausgelöst: Von den USA über Europa bis nach China, Japan und Neuseeland berichteten die wichtigsten Tageszeitungen objektiv über die Situation. BBC World brachte einen fast dreiminütigen Beitrag, der weltweit einen ganzen Tag lang einmal pro Stunde gesendet wurde. Antragsteller DDr. Balluch kommentiert: «Dieses Medieninteresse zeigt, dass die Zeit für die Diskussion über den Status von Menschenaffen reif ist. Ein Schimpanse, mit 99,4% genetischer Übereinstimmung mit uns, ist ganz offensichtlich keine Sache. Dann kann er aber nur eine Person sein, weil unser Gesetz sieht keine andere Möglichkeit vor.»

Hiasl: Aus dem Dschungel in Westafrika entführt und illegal nach Österreich gebracht

Hiasl: Aus dem Dschungel in Westafrika entführt und illegal nach Österreich gebracht

Die zuständige Richterin Dr. Bart verlangte zunächst die Identität von Hiasl mittels Pass zu belegen. Durch Aussagen der damaligen Präsidentin des Wiener Tierschutzvereins sowie durch langjährige Pfleger/-innen und Freunde/-innen von Hiasl konnte seine Identität aber auch ohne Pass zweifelsfrei nachgewiesen werden. Ende letzter Woche erliess die Richterin daraufhin einen Beschluss, wonach das Verfahren beendet wäre, weil Hiasl nicht als geistig behindert zu bezeichnen sei und ihm keine unmittelbare Gefahr drohe. Der Rechtsexperte des VGT, Mag. Eberhart Theuer, kündigt an, dagegen zu berufen: «Hiasl ist durch die Entführung im Kindesalter und den langen Aufenthalt in Gefangenschaft traumatisiert. Er kann auch nicht mehr in Afrika in der Wildnis leben. Abgesehen davon droht ihm durch den finanziellen Engpass des WTV die Abschiebung ins Ausland mit unkalkulierbaren Risiken für sein Wohlergehen und sein Leben. Richterin Dr. Bart hat im Gespräch als Beispiel für eine Person, der ein Sachwalter zur Seite gestellt werden sollte, einen traumatisierten Flüchtling angeführt, dem die Abschiebung droht und der seine Rechte selbst nicht wahrnehmen kann. Das aber ist genau Hiasls Situation. Wenn die Richterin das Verfahren auf dieser Basis nicht weiterführen will, dann werden wir bei der nächsten Instanz, dem Landesgericht Wr. Neustadt, Rekurs einlegen.»

Richterin sieht Menschenaffen nun mit anderen Augen

Der Antragsteller DDr. Balluch dazu: «Gestern konnte ich in freundlicher Atmosphäre mit der Richterin ein 90-minütiges Gespräch führen. Sie hat weder bei diesem Gespräch noch in ihren bisherigen Beschlüssen angezweifelt, dass Hiasl eine Person ist. Sie hat auch viel Verständnis für unseren Antrag gezeigt und gemeint, sie könne nicht mehr vor dem Gehege von Schimpansen im Zoo stehen und über ihr Verhalten lachen. Sie würde Schimpansen jetzt mit anderen Augen sehen. Aber leider fürchtet sie, eine Bestellung eines Sachwalters für einen Schimpansen könnte in der Öffentlichkeit als eine Degradierung von besachwalterten Menschen zu Tieren angesehen werden. Diese Befürchtung muss man zwar ernst nehmen, aber sie lässt sich entschärfen. Ein Mensch, der besachwaltert wurde, sollte genauso wenig als defizitäres Wesen gesehen werden, wie ein Schimpanse kein defizitäres Wesen ist. Beide sind Individuen mit ihrer eigenen Persönlichkeit und ihrer eigenen Lebenswelt wie alle anderen Menschen auch, nur dass sie in unserer hiesigen Gesellschaft nicht ohne Hilfe zurechtkommen.»

Schimpansen: Sachen oder Personen?

Und weiter: «Die Frage der Personalität von Schimpansen ist hoch aktuell und, wie sich gezeigt hat, im grössten öffentlichen Interesse. Als Person anerkannt, wäre Hiasl niemandes Eigentum mehr, er könnte, im Gegenteil, selbst Eigentum haben und wäre in der Lage, sein zukünftiges Schicksal zu bestimmen. Kein Tierschutzgesetz schützt ihn vor der Abschiebung ins Ausland. Er wird nur durch Spenden gütiger Mitmenschen und des WTV erhalten. Als Person könnte er auch die Verantwortlichen für seine Lage zur Verantwortung ziehen und von ihnen Schadenersatz und Lebensunterhalt verlangen und gerichtlich durchsetzen. Die Gesellschaft ist jetzt bereit für diesen Paradigmenwechsel im Umgang mit unseren nächsten Verwandten, den Schimpansinnen und Schimpansen.»

Verein gegen Tierfabriken Österreich, www.vgt.at

Unsere Geschichte

Die Katzenstation von Torre Argentina entstand 1994 dank Lia Dequel und Silvia Viviani, motiviert durch die Notwendigkeit, den Hunderten verlassenen Katzen Nahrung, medizinische Versorgung und Sterilisation zu verschaffen.

Doloretta vor dem Eingang zur Station
Doloretta vor dem Eingang zur Station
Trotz des Engagements der beiden mutigen Damen und der freiwilligen Helfer/-innen erhöhte sich die Zahl der ausgesetzten Tiere fortwährend bis auf 621 im Sommer 2002. Die Sterblichkeitsrate erreichte 40% durch Krankheiten und Überbevölkerung. Der grösste Teil der Spenden wurde aufgebraucht für medizinische Notfälle.

Neu-Orientierung

Die Mitarbeiter/-innen unter der Leitung von
Dr. vet. Stefano Baldi entschlossen sich, sich für die römische Katzenkolonie an erfolgreichen Vorbildern aus dem Ausland zu orientieren.
Somit haben wir uns für die Frühkastration entschlossen. Das bedeutet, dass unsere Kätzchen bereits ab dem 2. Lebensmonat sterilisiert und zur Adoption freigegeben werden. Keine Katze, die aus Torre Argentina abgegeben wird, kann sich vermehren, sodass keine neuen Streunerkolonien entstehen können.

Kranken- und Pflegeabteilung
Kranken- und Pflegeabteilung
Wir haben uns entschlossen, die TNR-Methode anzuwenden
Unsere Platzkapazität ist beschränkt; so setzen wir die ganze Hilfe, auch finanzielle, ein, um die Freigänger einzufangen (= trap), zu kastrieren (= neuter) und sie wieder in ihr Territorium zurückzuführen (= return).
Sind Männchen und Weibchen einmal kastriert, bleibt der Bestand einer bestimmten Kolonie stabil und man vermeidet die gegenseitige Ansteckung durch FIV/FeLV.
Zusätzlich helfen wir den ärmeren Katzenkolonien von Rom mit Sterilisationen und medizinischer Pflege. Für diese neuen Aufgaben arbeiten die Freiwilligen vollzeitlich und je länger, je mehr flächendeckend. Allein 2005 hat Torre Argentina ca. 2000 Gratis-Gutscheine an die «gattare» in Rom verteilt. Im Jahre 2006 sind durch Torre Argentina 2781 Kastrationen an Katzen vorgenommen worden.

In Anbetracht der unzähligen anonymen Aussetzungen sind wir gezwungen, den Zugang neuer Tiere auf jene Fälle zu beschränken, für die es keine andere Lösung gibt: verstümmelte, blinde und mehrfach handicapierte Katzen.

Unsere Subventionen stammen einzig aus privaten Spenden, vor allem ausländischer Touristen/-innen, die unsere Station besuchen.

Zwischenbericht

Chef Iron auf Isabels Schultern auf Inspektion
Chef Iron auf Isabels Schultern auf Inspektion
Basel:
Im Frühherbst, vor der Abreise nach Rom, konnte ich den Restbetrag des Legates zum Einbau einer Elektroheizung für Spital- und Bürobereich überweisen, damit vor Wintereinbruch dringend benötigte Bauarbeiten in Angriff genommen werden konnten. Im Oktober durfte ich wiederum einen sehr ertragreichen Geschenkartikelstand durchführen. Fortsetzung war Anfang Dezember. Eine junge Kanadierin, die sich in Rom nach Tierschutzarbeit in Basel erkundigt hatte, half uns sehr dabei. Sie wohnt Gott sei Dank immer noch hier und hilft weiter mit.




«Archäologische Aussenanlage neben der Katzenstation»
«Archäologische Aussenanlage neben
der Katzenstation»
Rom:
Seit einiger Zeit gibt es einen eigenen Weg aus der Station von Torre Argentina in die archäologische Anlage, in der wir die dort ganzjährig lebende Katzenpopulation füttern. Auch muss täglich kontrolliert werden, ob «Neuzugänge» respektive verletzte oder erkrankte Tiere versorgt werden müssen. Besonders der heisse August macht den Freigängern/-innen sehr zu schaffen.

Bei meiner letzten Ankunft war immer noch Iron der Chef. Die beiden blinden Katzen Houston und Georgette konnten zusammen nach Deutschland vermittelt werden. Nepetella, die alte Dame, wurde fragiler und konnte in Folge im Oktober wieder in ein richtiges Zuhause zu Lia Dequel nach Trastevere ziehen. Moustache wird nach langen Wochen mit Handfütterung langsam zutraulich und Mascagni, ganz blind, findet sich in der Gruppe immer besser zurecht.

Der extrem verletzte Galileo (ein Hinterbein abgehackt) hatte Aussicht auf einen Platz, erlebte es jedoch leider trotz gut überstandener Operation nicht mehr.

Gerade rechtzeitig zu Weihnachten wurde die Elektroheizung am 20.12. eingeweiht. Jetzt friert man nur noch im halboffenen «Salone».


Für Informationen und Adoptionen laden wir Sie gerne dazu ein, die Katzenkolonie zu besuchen. Wir haben täglich von 12 bis 18 Uhr geöffnet.
Wir befinden uns in der Area Sacra di Torre Argentina mit Eingang an der Ecke Largo Arenula/Via Florida.
Tel. 0039 06 454 252 40
www.gattidiroma.com
/ www.romancats.com
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Kontakt in der Schweiz:

Isabel Fuchs-Gantner
Blauensteinerstrasse 19
4053 Basel
Fax: 061 463 25 13

Spenden Schweiz:

UBS AG, 8098 Zürich
UBS AG Basel Aeschenvorstadt
Kto: 292-IQ107476.0
Spenden Katzenkonto
Isabel Fuchs-Gantner
Blauensteinerstrasse 19
4053 Basel
PC-Konto: 80-2-2

Die Ratte in der Alkoholforschung

Für viele Menschen zählt sie als «Schädling» und vermeintlicher Krankheitsüberträger zu den sogenannten «Ekeltieren» und wird mit Angst- und Ablehnungsgefühlen assoziiert. So entsteht nur wenig Mitgefühl oder gar ein Unrechtsbewusstsein gegenüber in Tierversuchen missbrauchten Ratten. Kaum jemand kennt diese Tiere als hochsoziale und intelligente, in Grossfamilien lebende Rudeltiere, die ein enormes Verhaltensrepertoire aufweisen.

Um die Öffentlichkeit mit dem wirklichen Wesen der Ratte bekannt zu machen und sie so für das extreme Leid unzähliger Versuchsratten zu sensibilisieren, wird die Ratte 2007 als Versuchstier des Jahres in den Fokus gerückt.

Ratten werden in praktisch allen Bereichen in Versuchen missbraucht. Ein Teilgebiet stellt die tierexperimentelle Alkoholforschung dar. Die Tierversuchsgegner Berlin und Brandenburg haben sich auf dieses Gebiet konzentriert und die Erkenntnisse aus 15 Jahren dieser Art der Forschung ausgewertet. Neben entsetzlichem Tierleid konnte keinerlei Nutzen für die klinische Medizin – und damit werden die Versuche ja begründet – gefunden werden.

Die Schilderung und Kommentierung einzelner Versuche (siehe unter: http://www.versuchstier-des-jahres.de) aus diesem Bereich sollen exemplarisch verdeutlichen, in welchem Ausmass Ratten in Experimenten leiden müssen und zugleich darlegen, wie sinnlos und grausam die Methode Tierversuch an sich ist und dass ein Umdenken hin zu tierversuchsfreier Forschung dringend notwendig ist.


Versuchstier des Jahres 2007 - Die Ratte in der Alkoholforschung

Kritische Betrachtung der tierexperimentellen Alkoholforschung

Ganz abgesehen davon, dass im Rahmen der Suchtforschung unzählige Tiere unvorstellbar leiden und sie schon aus diesem Grunde abzulehnen ist, ist sie auch aus methodologischer und medizinischer Sicht zum Scheitern verurteilt. Das extrem vielschichtige Krankheitsbild der Alkoholabhängigkeit des Menschen, das durch ein komplexes und individuell unterschiedliches Zusammenspiel verschiedenster innerer und äusserer Faktoren über Jahre bis Jahrzehnte zustande kommt, durch ein standardisiertes «Tiermodell» nachahmen zu wollen, ist unmöglich.

Ein wichtiger Aspekt in diesem Zusammenhang ist, dass Suchtverhalten – und genau das soll ja in den Versuchen untersucht werden – nur auf der Basis freiwilliger Drogeneinnahme entsteht. Eine zwingende Konsequenz ist also eine freiwillige Alkoholaufnahme durch die Tiere. Angesichts der den Bedürfnissen der Ratten komplett zuwiderlaufenden Haltungsbedingungen, wie sie im Labor üblich sind, von Freiwilligkeit zu sprechen, erscheint jedoch mehr als fraglich. Vielmehr scheint es sich bei dem Alkoholkonsum, der unter diesen Bedingungen beobachtet wird, um eine Bewältigungsstrategie zu handeln, mit diesen permanenten artwidrigen Umständen umgehen zu können.

Aber auch ganz offenkundige Fragen der Übertragbarkeit und damit des potenziellen Nutzens dieser Versuche werden von vielen Experimentatoren nicht zum Anlass genommen, diese Art der Forschung zu überdenken. So wird in Diskussionen zu verschiedenen Versuchen angemerkt, dass die gemachten Beobachtungen beispielsweise nur für eine ganz bestimmte Rattenlinie gelten und nicht unbedingt auf andere Rattenlinien übertragbar seien. Wie sieht es dann wohl erst mit der Übertragbarkeit auf den Menschen aus, der sogar einer anderen Spezies angehört und nicht unter standardisierten Laborbedingungen lebt?

Ebenso ist der verstärkte Einsatz gentechnisch veränderter Tiere neben erheblichem Tierleid hauptsächlich von Ergebnissen gekennzeichnet, die jegliche Aussagekraft missen lassen.

Der Nutzen der tierexperimentell gestützten Erforschung der Alkoholabhängigkeit des Menschen ist somit neben ethischen auch aus medizinischen und methodologischen Gründen nicht gegeben.

Was können Sie tun?

Auf der Website http://www.versuchstier-des-jahres.de finden Sie Protestbriefe sowie eine Petition gegen diese grausamen Tierversuche.
Bitte unterstützen Sie diese Kampagne!

http://www.versuchstier-des-jahres.de
Während Organisationen wie das Great Ape Project Menschenrechte für Menschenaffen (Primaten) fordern, führen Wissenschaftler verschiedener Fachrichtungen Tierversuche an Menschenaffen durch. Als scheinbar gutes Argument wird hierfür die hohe genetische Ähnlichkeit angeführt. So stimmt die menschliche DNA zu 98,4% mit der von Schimpansen, zu 98% mit der von Bonobos und zu 97,7% mit der von Gorillas überein. Was auf den ersten Blick nach dem idealen «Modell» aussieht, wie Tiere in Tierversuchen von Wissenschaftlern bezeichnet werden, entpuppt sich schnell als wenig spektakulär, denn auch die DNA zwischen Menschen und Mäusen stimmt zu 95% überein. Im Folgenden werden zwei Schwerpunkte der Primatenforschung dargestellt.

Gehirnforschung

MenschenaffenversucheÜber Jahre wurden Menschenaffen Elektroden ins Gehirn implantiert und verschiedenste Experimente durchgeführt, beispielsweise um die Auswirkungen von Schlafentzug oder die Entfernung von den Eltern direkt nach der Geburt zu erforschen. Kaum wurden Daten gewonnen, wanderten diese in aller Regel als Makulatur in die Archive ohne jegliche klinische Relevanz. Heutzutage stehen mit modernen bildgebenden Verfahren wie z.B. der funktionellen Magnetresonanztomographie (Abkürzung: fMRT bzw. fMRI) hervorragende nicht-invasive (schmerzlose) Methoden zur Verfügung, mit denen direkt am Menschen geforscht werden kann. Dabei wird ein hochauflösendes dreidimensionales Bild des Gehirns aufgenommen, gleichzeitig können Stoffwechselvorgänge von Nervenzellen als indirekte Zeichen von Gehirnaktivität aufgezeichnet werden. Insbesondere in der Psychiatrie brachte dieses Verfahren revolutionäre Erkenntnisse, die jahrzehntelange Tierversuche nicht imstande waren zu liefern. Man konnte deutliche Unterschiede zwischen dem Gehirn von gesunden Menschen und jenen mit Depressionen, Zwangs- und Angststörungen sowie anderen Erkrankungen nachweisen und damit die klassische Einteilung von Krankheiten in körperlich einerseits und psychisch andererseits aufweichen. Dieses Verfahren bringt jedoch nicht nur Nutzen im Verständnis von Ursachen von Gehirnkrankheiten, sondern auch in der Erforschung von Therapieverfahren. So werden inzwischen beispielsweise atypische Neuroleptika, Medikamente, welche z.B. bei Schizophrenien eingesetzt werden, auf ihre Wirksamkeit hin im fMRT verglichen, da sich dort bei Wirksamkeit eine Veränderung der Stoffwechselaktivität in den kranken Hirnregionen zeigt.

Die Erforschung von dementiellen Erkrankungen wie z.B. der Alzheimer-Demenz an Menschenaffen wird versucht, ist jedoch schon deshalb sinnlos, da dies Erkrankungen sind, die sich im Alter zeigen. Wohingegen z.B. ein Gehirn eines Orang-Utans selbst in Gefangenschaft aufgrund einer geringeren Lebenszeit selten mehr als 50 Jahre erreicht. Bei Menschenaffen wurden Demenz-Krankheiten als Spontanerkrankungen bislang nicht beobachtet. Auch wenn sie sich durch entsprechende Eingriffe auslösen lassen, bieten sie keine geeignete Forschungsgrundlage, denn Demenzen scheinen durch das Zusammenspiel verschiedener Faktoren zu entstehen. Die existierenden medikamentösen Therapien, die beispielsweise in das System des Neurotransmitters Acetylcholin eingreifen, sind alle durch Nicht-Tierversuche entwickelt worden. Tierversuche wurden lediglich anschliessend aufgrund der gesetzlichen Vorschriften durchgeführt.

Ähnliches gilt auch für ischämische Schlaganfälle, die meist aufgrund arteriosklerotischer Plaques entstehen, also durch Ablagerungen und Gerinnsel in Blutgefässen. Derartige Erscheinungen scheint es bei Menschenaffen nicht zu geben. Dennoch mussten sie als Modell herhalten, indem durch Eingriffe künstlich Schlaganfälle ausgelöst wurden, obwohl auch in der Reaktion des Körpers erhebliche Unterschiede bestehen. So gibt es bei ihnen verstärkt Umgehungskreisläufe, die aktiviert werden, wenn eine Blutversorgungsstrecke ausgefallen ist. Dies ist beim Menschen nicht der Fall. So wundert es auch nicht, dass Therapien, die bei Menschenaffen erfolgreich waren, beim Menschen nicht funktionierten.

Bereits seit mehr als 30 Jahren kann man bei Menschenaffen chemisch die Parkinson-Krankheit (Morbus Parkinson) auslösen. Bis heute ist daraus jedoch kein Therapieansatz resultiert, wie Parkinson verhindert oder geheilt werden kann. Auch dies verwundert nicht, da grundlegende Unterschiede zwischen Menschenaffen und Menschen bestehen, so z.B. das Fehlen der Lewy-Körperchen. Und während beim Menschen eine Störung der striatalen Strukturen regelmässig zu der typischen Parkinson-Symptomatik führt, genügt ein Defekt dieser Strukturen bei Menschenaffen nicht. Die Fortschritte, die in der Parkinson-Therapie erzielt wurden, sind auf epidemiologische und klinische Studien sowie Untersuchungen an menschlichen Zellkulturen und Autopsien zurückzuführen.

Medikamentenforschung

Medikamente werden in Tierversuchen getestet, um möglichen Schaden aus Nebenwirkungen für Menschen zu erfassen. Nicht-menschliche Primaten werden gerne als zweite Tierspezies nach «preiswerteren» Tierarten wie Ratten eingesetzt. Die Erzielung von Medikamentensicherheit gelingt jedoch selbst bei der hohen genetischen Ähnlichkeit bei Menschenaffen nicht, wie viele Beispiele zeigen. Ein Beispiel, das vielen sicher noch bekannt ist: Cerivastatin, besser bekannt unter dem Präparatenamen Lipobay. Das Präparat der Firma Bayer, das zur Senkung von Cholesterin eingesetzt wurde, wurde 1997 in den USA und in Europa nach komplikationsfreier Gabe unter anderem an Menschenaffen zugelassen und von schätzungsweise 6 Millionen Menschen weltweit eingenommen. Bereits 1998 gab es erste Hinweise auf Todesfälle durch die Einnahme von Lipobay. In den Folgejahren häuften sich Berichte über tödlich verlaufende Auflösungen von Muskelgewebe, sogenannte Rhabdomyolyse. 2001 wurde das Präparat schliesslich vom Markt genommen. Damit war die  Medizingeschichte um eine Lektion reicher, dass Tierversuche keine Sicherheit für eine Anwendung am Menschen bieten. Selbst wenn es sich um Tierversuche an Menschenaffen handelt.

Das Team um Lazarou veröffentlichte 1998 in der renommierten Zeitschrift der amerikanischen Ärzte eine Metaanalyse, nach der unerwünschte Medikamentennebenwirkungen als vierthäufigste Todesursache in der westlichen Welt zu sehen sind. Dies trotz oder gerade weil Tierversuche keine Hinweise auf diese Nebenwirkungen ergaben, auch wenn Menschenaffen für die Tierversuche eingesetzt wurden. So gibt es viele weitere erschütternde Beispiele:
-    Millionen Frauen wurde eine Hormonersatztherapie in den Wechseljahren verabreicht. Es wurde ihnen versprochen, dass sie dadurch nicht nur die typischen Beschwerden loswerden, sondern auch das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall reduzieren können, denn genau dieses hatte sich in Versuchen an Primaten gezeigt. Beim Menschen war jedoch genau das Gegenteil der Fall: Das Risiko stieg durch die Einnahme an. Gleichzeitig nahm die Brustkrebs-Häufigkeit zu, was sich ebenfalls nicht in den Primaten-Versuchen gezeigt hatte. Schätzungen gehen alleine in Grossbritannien von 20 000 zusätzlichen Brustkrebsfällen im letzten Jahrzehnt durch die Hormonersatztherapie aus.
-    AIDSVAX war der Name für einen vielversprechenden Impfstoff gegen das AIDS-auslösende Virus HIV. Nach erfolgreicher Anwendung bei Schimpansen versagte die Impfung ausnahmslos im Rahmen klinischer Studien bei 8000 Freiwilligen.
-    Isoprenalin wurde in der Asthma-Therapie eingesetzt. Die aus Tierstudien ermittelten Dosierungen zeigten sich für Menschen als viel zu hoch und führten zu Tausenden Todesfällen, v.a. bei Kindern. Daraufhin wurden erneut Tierversuche an nicht-menschlichen Primaten durchgeführt, wobei die Ereignisse bei Menschen jedoch nicht reproduziert werden konnten.

MenschenaffenversucheBesonders gerne werden schwangere Menschenaffen für sogenannte Teratogenitätsstudien (teratogen = Fehlbildungen hervorrufend) verwendet. Damit sollen schädliche Auswirkungen von Medikamenten auf die Entwicklung des Fetus bzw. Embryos untersucht werden. Dabei zeigt sich nur bei 50% eine Übereinstimmung mit dem Menschen. Das ist sogar weniger als bei anderen evolutionstechnisch weiter entfernten Tierarten wie Ratten oder Hamstern und führt zu einem völlig inakzeptablen Risiko für Schwangere. Das bekannte Schmerzmittel Acetylsalicylsäure (Handelsname: Aspirin) beispielsweise ist bei Menschenaffen teratogen, während es bei Menschen unbedenklich ist. Eine 50%ige Übereinstimmungsquote wäre ebenso gut zu erreichen, wenn man eine Münze werfen würde. Aber mit dem Unterschied, dass dabei keine Tiere gequält werden würden. Daher kam 2002 beispielsweise die toxikologische Arbeitsgruppe des englischen Regierungshauses «House of Lords» zu dem Ergebnis, dass die Verwendung zweier verschiedener Tierarten bei Sicherheitstests von Arzneien kein wissenschaftlich seriöses Unterfangen ist, sondern vielmehr als Eingeständnis zu werten ist, dass die Ergebnisse aus Tierversuchen nicht auf Menschen übertragen werden können (House of Lords Select Committee on Animals in Scientific Procedures, 2002).

Auch viele Wissenschaftler haben die Probleme von Tierversuchen einschliesslich Versuchen an Primaten inzwischen erkannt, jedoch wie schon so oft die falschen Schlüsse daraus gezogen. Sie stützen sich auf eine Publikation von einem Forscherteam um Olson, das herausfand, dass 70% aller unerwünschten Nebenwirkungen von Medikamenten, die bei Menschen auftraten, auch bei irgendeiner Tierart auslösbar waren. Dies verwundert bei einer Million Tierarten wenig. So arbeiten sie daran, die «Tiermodelle zu verfeinern», wie es beschönigend heisst, anstatt dass sie sich eingestehen, dass man in der medizinischen Forschung jahrzehntelang auf dem Holzweg war und besser konsequent Tierversuche durch Alternativmethoden ersetzen sollte.
Obwohl der Nutzen von Primatenversuchen nie belegt wurde, vielmehr zahlreiche Beispiele für den Unsinn dieser vorliegen, gibt es auch auf Behördenseiten immer wieder haarsträubende Leistungen. So berichtete Dr. Robert Ruffalo, Präsident von R&D beim Pharmakonzern Wyeth, bei einer internationalen Konferenz 2005 davon, dass die japanischen Regulierungsbehörden vor der Zulassung des Impfstoffes Prevnar gegen Pneumokokken in Japan zuerst Ergebnisse von Versuchen an Primaten sehen wollen. Dies obwohl der Impfstoff in den USA längst zugelassen und an über 30 Millionen amerikanischen Kindern erfolgreich eingesetzt worden war. Nicht selten kommt es daher vor, dass Tierversuche Studien an Menschen nachgeschaltet sind, was Tierversuche dann vollends ad absurdum führt.

Aber es gibt auch erfreuliche Entwicklungen. So anerkennen inzwischen auch hohe Institutionen wie die FDA (Food and Drug Administration) oder die EMEA (European Agency for the Evaluation of Medicinal Products) immer mehr Alternativmethoden. Eine Alternativmethode wird nicht für alle Fragestellungen geeignet sein und hinreichende Sicherheit für die Anwendung einer Substanz beim Menschen bieten, auch wenn jede Methode für sich genommen wahrscheinlich mehr Nutzen bietet als die Münzwurf-Wahrscheinlichkeit von Tierversuchen. Aber durch die geschickte Kombination von Tests in vitro (einschliesslich Experimenten an menschlichen Zellkulturen), in silico (also Computermodellen) und frühen AMS-Microdosing-Studien, bei denen durch die Gabe geringer Mengen einer Substanz an freiwillige Probanden die Aufnahme, Verteilung, Verstoffwechselung und Ausscheidung dieser Substanz untersucht werden kann, sind verlässliche Ergebnisse zu erzielen.


Der Autor:
Dr. med. Alexander Walz, aktuell klinisch tätiger Arzt nach insgesamt 7-jähriger Forschungstätigkeit in verschiedenen Einrichtungen
medizinisch-wissenschaftlicher Berater der AGSTG