Viagra - Die blaue Pille - Wie viele Entdeckungen ein Produkt des reinen Zufalls

Viagra - Die blaue Pille
Wie viele Entdeckungen ein Produkt des reinen Zufalls

Dies ist eine Geschichte über männliche Potenz auf dem Mount Everest, über die Geldgier der Pharmaindustrie und über unnütze Tierversuche.

Der Pharmakologe Peter Ellis suchte mit seinem Forschungsteam bei der Firma Pfizer nach einem neuen Wirkstoff zur Behandlung von Bluthochdruck. Sie entwickelten Sildenafilcitrat, einen spezifischen Phosphodiesterasehemmer, und glaubten, damit einen grossen Durchbruch erzielt zu haben. Später zeigten sich jedoch bei anderen Substanzen bessere Resultate, so wurde fortan ein neues Einsatzgebiet gesucht und gefunden: Angina pectoris, also Schmerzen aufgrund von Durchblutungsstörungen am Herzen, welche schlimmstenfalls zu einem Herzinfarkt führen. Trotz erfolgversprechender Tierversuche zeigten sich bei ersten Verträglichkeitstests an jungen gesunden Männern unerwartete Nebenwirkungen. Sie wollten die Studienmedikation nicht mehr freiwillig zurückgeben. Auf Befragung stellte sich dann heraus, dass sie stärker und länger anhaltende Erektionen hatten. Daraufhin wurde das Forschungsteam um Urologen erweitert und ab 1992 das Forschungsziel abermals geändert. Man nahm sich nun der erektilen Dysfunktion, also Erektionsstörungen, an. 1998 wurde der Wirkstoff als Viagra zugelassen und bescherte dem Hersteller schon im ersten Jahr einen Umsatz von 788 Millionen Dollar. Dies reichte Pfizer jedoch nicht und so wurde unter anderem bei Bergsteigern auf dem Mount Everest untersucht, ob es bei Einnahme des Wirkstoffes zu einer Erweiterung der Lungengefässe kommt, was schliesslich auch zur Zulassung zur Therapie der Krankheit pulmonalarterielle Hypertonie führte. Um diese Patienten jedoch nicht zu stigmatisieren, wurde der gleiche Wirkstoff mit neuem Etikett versehen und heisst in der Schweiz nicht Viagra, sondern Revatio.

Und die Moral der Geschichte?

Wie so oft haben Tierversuche versagt und nur der klinischen Beobachtung von Menschen ist überhaupt die lukrative Einnahmequelle für Pfizer zu verdanken.

Die geschilderte Vorgehensweise ist bei Pharmakonzernen durchaus üblich. Wenn sich ein Medikament beim ursprünglich vorgesehenen Verwendungszweck nicht bewährt, sucht man nach neuen Indikationen, um so doch noch satte Gewinne einfahren zu können. Ein anderes prominentes Beispiel ist der Wirkstoff Thalidomid (Contergan), der ebenfalls ausgiebigst in Tierversuchen getestet und für unbedenklich befunden wurde. Deshalb wurde Thalidomid von der Marketingabteilung der Firma Grünenthal als sicherstes Schlafmittel der Welt sogar Schwangeren angepriesen. Die Konsequenz daraus ist bekannt: Tausende Kinder wurden mit entstellten Extremitäten geboren. Der Vertrieb wurde nach langem Hin und Her schliesslich gestoppt. Inzwischen ist Thalidomid jedoch wieder im Einsatz, so z.B. bei der Krebserkrankung Multiples Myelom und der Infektionskrankheit Lepra. Diese beiden neuen Einsatzgebiete wurden im Zufallseinsatz bei Menschen entdeckt.

In diesem Sinne ärgern Sie sich nicht, wenn Ihr Auto einmal kaputtgehen sollte, sondern überlegen Sie einen neuen Einsatzzweck. Es könnte ja gut als Treibhaus für Ihre Radieschen- und Salatkultur herhalten oder mit einer eingebauten Sauna ein Wellnessparadies bieten.

Dr. med. Alexander Walz
Arzt, wissenschaftlicher und medizinischer Berater der AG STG
Stiftung Tierlignadenhof - Das kleine Paradies - Vergnügtes Spielen auf dem Hof

Stiftung Tierlignadenhof - Das kleine Paradies

Ein Tierparadies, ein Reich der Kinderträume, eine seltene Idylle, eine Oase des Friedens, ein Platz zum Auftanken, Eintauchen und Erholen für Jung und Alt; es ist nicht ganz einfach, den Tierlignadenhof zu beschreiben. Sicher ist aber jedem Besucher in kurzer Zeit klar, dass es ein einzigartiger und sehr wichtiger Hof ist, der es verdient, erhalten zu bleiben.

Ruhen und Kuscheln auf dem Bett
Ruhen und Kuscheln auf dem Bett
Die vielen Tiere leben praktisch ohne Schranken unter einem Dach, gemeinsam mit Monica Spoerlé, die sich schon seit über 30 Jahren für die Rechte und das Wohlergehen von Tieren einsetzt. Seit über 12 Jahren lebt sie nun auf diesem Hof. Seitdem sind viele Tiere dazugekommen. Einige wurden gequält, ausgesetzt oder einfach nicht mehr gewollt, andere entgingen dem Metzger und ein paar sind sogar selber gekommen.

Heute leben 1 Kuh, 1 Ochse, 1 Rehkitz, 7 Hunde, 35 Katzen, 4 Raben, 1 Truthahn und 1 Truthenne, 4 Hühner und 1 Hahn, 20 Enten, 4 Gänse, 8 Ziegen, 7 Schafe, 1 Esel, 2 Ponys, 5 Pferde, 5 Schweine, 6 Füchse, 2 Hasen und viele Fische auf dem Hof. Sie alle haben hier ein neues Zuhause gefunden und nach ihren harten Schicksalen wieder gelernt, Vertrauen zu fassen.


Der Tierlignadenhof ist ein lehrreiches Erlebnis der besonderen Art, ein Ort, wo Träume wahr werden.


Jamie und Joker

Jamie und Joker sind dicke Freunde
Jamie und Joker sind dicke Freunde
Im August letzten Jahres haben sich auf dem Tierlignadenhof zwei Freunde gefunden, welche unterschiedlicher nicht sein könnten. Jamie, unser 6 Monate alter Entlebucher-Sennenhundmischling, und das gleichaltrige Wildschwein Joker.

Am selben Tag wie Jamie kam auch Joker zu uns zu uns. Da er über eine Woche in einem Dorf ohne Mutter umherirrte, wurde er von tierlieben Menschen eingefangen und als Notfall zu uns gebracht. Dank seines Lebenswillens und der fürsorglichen Pflege von Monica Spoerlé wuchs Joker zu einem starken kleinen Eber heran, welcher das Leben in vollen Zügen geniesst.


Jamie, der nun jüngste Hund in unserem Rudel, hat in Joker einen wunderbaren gleichaltrigen Freund zum Spielen und Schlafen gefunden. Wer sie zusammen spielen sieht, kann fast nicht glauben, dass es sich hierbei um ein Schwein und einen Hund handelt.


Joker geniesst aber nicht nur das Zusammensein mit Jamie, denn wenn dieser einmal anderweitig beschäftigt ist, dann gesellt er sich zu den Pferden und flitzt in aller Ruhe zwischen deren Beinen umher.


Sarah

Sarah ist vom Tierlignadenhof nicht mehr wegzudenken
Sarah ist vom Tierlignadenhof nicht mehr
wegzudenken
Sarah ist als kleines Rehkitz zu uns gestossen. Wir zogen sie liebevoll mit der Flasche auf. Ausgesprochen schnell gewöhnte sie sich an die anderen, etwas stürmischeren Mitbewohner und verlor auch die anfängliche Scheu fremden Menschen gegenüber schnell.

Schon bald wollte Sarah mit den Hunden den Hof draussen erkunden und wir fingen geduldig an, sie an alles zu gewöhnen. Mittlerweile verbringt Sarah die Nacht in ihrem Aussengehege, das wir extra für sie angefertigt haben. Morgens holen wir sie dann ins Haus, wo sie zuerst eine ganze Menge Salat verschlingt, um sich anschliessend über die Guetzli, Beereli und Körner herzumachen. Danach verbringt sie den Tag in der Stube und kommt uns immer wieder in der Küche oder bei der Arbeit besuchen. Sarah ist zu einem wichtigen Teil unserer Tierlignadenhof-Familie geworden, welcher nicht mehr wegzudenken ist.


Madonna und Caesar

Madonna und Caesar beim Geniessen ihrer Streicheleinheiten
Madonna und Caesar beim Geniessen
ihrer Streicheleinheiten
Unser Caesar kam als kleiner Ochse auf den Tierlignadenhof. Er wurde mit Aufzuchtsmilch gefüttert, bis er sich ans Essen von Stroh, Körnern und Leckerlis gewöhnt hatte. Er lebt nun glücklich mit Madonna, unserer betagten Kuhdame, in einem extra angefertigten Stall auf unserem Hof.

Sobald die beiden ihr morgendliches Heu gefressen haben, können sie den Tag auf dem grossen Hofplatz mit Pferden, Ponys, Eseln, Hühnern und Schweinen verbringen. Währenddem sich Caesar mitten ins Getümmel stürzt und am liebsten zwischen den Pferden im Stall liegt, hält sich Madonna lieber etwas abseits in der Sonne auf.


Oft steht der Ochse auch an unserer Eingangstüre und wartet fordernd, bis wir ihm eine Leckerei aus der Küche bringen. Madonna geniesst jede Streicheleinheit sehr und bedankt sich, indem sie mit ihrer rauen Zunge liebevoll über unseren Arm streicht. Und auch wenn wir anfangs nicht gewusst haben, was mit einem Ochsen und einer Kuh auf uns zukommen wird, wissen wir nun, dass wir den richtigen Entscheid getroffen haben.


Gemeinsames Frühstück auf dem Hofplatz
Gemeinsames Frühstück auf dem Hofplatz


Ein Blick in die Zukunft

Der Tierlignadenhof möchte immer ein Ort bleiben, wo die Türe für Mensch und Tier offen steht. Damit jedoch diese Oase erhalten bleiben kann, sind wir auf jegliche Art von Unterstützung angewiesen. Der Tierlignadenhof wird derzeit von vielen kleineren Spenden getragen, wofür wir sehr dankbar sind.
Gerade in einem Moment wie jetzt, wo Monica Spoerlé durch einen Unfall beinahe ausfällt, wird uns bewusst, wie schwierig es ist, Ersatz zu finden. Arbeitswillige Personen, die dem Tierlignadenhof sehr nahe stehen, sind vorhanden, jedoch sind auch diese auf einen Lohn angewiesen, um ihren Lebensunterhalt zu bestreiten – Gelder, die wir nicht besitzen.
Das Vermächtnis von Legaten oder grössere Zuwendungen würden die Zukunft der jungen Stiftung sichern. Helfen Sie mit.



Kontakt:
Stiftung Tierlignadenhof
Monica Spoerlé
Leimgrund 4
5082 Kaisten
Tel. 0041 62 874 24 70

E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst
Homepage: http://www.tierlignadenhof.ch/

Postkonto: 40-384200-6

Spenden an die Stiftung sind steuerlich absetzbar


Innovative, tierversuchsfreie Forschungsmethoden erhöhen die Sicherheit für die Patienten

Das Bundesamt für Veterinärwesen beabsichtigt eine Revision zweier Verordnungen betreffend Tierversuche. Vorneweg: Es sind mit diesen Verordnungen auch einige kleine grundsätzliche Verbesserungen vorgesehen, für welche die Tierversuchsgegner schon lange kämpfen. Doch es handelt sich, wie leider so oft, um sprichwörtlich kleine Tropfen auf den heissen Stein. Zudem wird auch die Tierversuchslobby nochmals ihren ganzen Einfluss geltend machen, um jede einzelne dieser Änderungen, sollte sie mit Aufwand oder Kosten verbunden sein, wieder rauszukippen. Es wird somit ein zähes Ringen um jede kleine Verbesserung werden!

Die AG STG hat zusammen mit der ATRA eine umfassende Stellungnahme mit detailliert beschriebenen und begründeten Forderungen eingereicht. Um dem langfristigen Ziel der Abschaffung aller Tierversuche einen Schritt näher zu kommen, müssen wir oft um kleine Verbesserungen kämpfen. Grosse Verbesserungen sind dabei leider nicht durchzubringen. Dieses Dossier umfasst einige Forderungen für grundsätzliche Verbesserungen für die Tiere im Laboralltag wie auch wichtige Forderungen, damit die Wissenschaft sich langsam aus ihrem selbst auferlegten Im-Kreis-Drehen lösen könnte.
Das ganze Dossier im «Albatros» abzudrucken, wäre zu viel und wohl auch nicht gerade eine sehr spannende Lektüre. Wir stellen Ihnen hier deshalb zusammengefasst zwei der wesentlichen Forderungen vor und zeigen Ihnen dazu den Istzustand sowie den minimalst geforderten Sollzustand auf. (Selbstverständlich kämpfen wir für die totale Abschaffung aller Tierversuche – jedoch ist es erfolgversprechender, wenn wir auf dem politischen Parkett diesen Weg schrittweise begehen.)

Keine Bewilligung von Tierversuchen ohne Gutachten über die bestmöglichen Methoden zum Gewinn der erhofften Erkenntnisse


Istzustand:
Auf dem Antragsformular für Tierversuche ist unter Ziffer 61 anzugeben, welche tierversuchsfreien Testmethoden in der Literatur bekannt sind, die zu gleichem oder besserem Ergebnis wie der beantragte Tierversuch führen würden. Es ist bekannt, dass diese Angaben meistens komplett fehlen oder dann nur sehr marginal abgehandelt werden. Dies ist nicht verwunderlich: Welches Interesse (wissenschaftliches Interesse kommt leider selten vor) sollte der antragstellende Vivisektor daran haben, seine eigenen Versuche zu hinterfragen?
Trotz der fehlenden Angaben werden die Gesuche stets bewilligt. Begründet wird die Missachtung, dass diese Angaben in den Gesuchen für Tierversuche fehlen, mit Zeitmangel.
Nicht einmal, dass die Bewilligungsbehörden von sich aus abklären, ob es für den beantragten Tierversuch schon längst bessere Testmethoden gäbe. Nein, es wird vom Antragsteller auch nicht gefordert, dass er sich selbst mit wissenschaftlichen Methoden befasst, mit denen das erhoffte Ziel voraussichtlich noch besser erreicht werden könnte.
Die Forderung, dass bereits vorhandene innovative und sicherere Forschungsmethoden bevorzugt werden müssen, fehlt vollständig.


Minimaler Sollzustand:
Innovative tierversuchsfreie Testmethoden sind keine unbedeutende wissenschaftliche Randerscheinung. Im Gegenteil: Sie bedeuten die grösste Chance, damit die medizinisch-wissenschaftliche Forschung endlich wesentliche Fortschritte erzielen kann. Dass dies mit der Methode Tierversuch seit mehreren Hundert Jahren nicht gelang, ist alleine bereits Beweis genug für das Versagen dieser Methode. Das muss von der Schweiz, will sie in der Forschung weiterhin zu den führenden Nationen gehören, endlich erkannt und umgesetzt werden. Dies kann jedoch nur durch eine seriöse und sachliche Auseinandersetzung mit innovativer Forschung erreicht werden. Deshalb muss dies von einer unabhängigen wissenschaftlichen Expertengruppe beurteilt werden.

Tierversuchsantragsteller müssen ein Gutachten einer mit sog. «Alternativmethoden» (innovativen tierversuchsfreien Forschungsmethoden) vertrauten Institution vorlegen. Diese Methoden führen häufig zu schnelleren, preiswerteren und auf den Menschen besser übertragbaren Ergebnissen. In dem Gutachten sollen geeignete tierversuchsfreie Testmethoden genannt werden. Liegen diese vor, so müssen sie zwingend zur Anwendung kommen und die Tierversuche abgelehnt werden. Existieren noch keine anerkannten tierversuchsfreien Testmethoden, so sollen die Tierversuche höchstens dann genehmigt werden, wenn nach neutraler und wissenschaftlicher Beurteilung die Untersuchung anscheinend keinen zeitlichen Aufschub duldet. Dazu muss der Beweis erbracht werden, dass erstens keine tierversuchsfreie Testmethode diesen Versuch ersetzen kann und zweitens, dass der Versuch unabdingbar für das Weiterkommen in der medizinischen Forschung ist.
(Es werden ständig neue und bessere Testmethoden entwickelt. Diese jedoch werden in der Anerkennung bewusst behindert. Deshalb ist deren Anerkennung sehr teuer und dauert bis zu 10 Jahre.)
Fehlen die Angaben über diese Methoden, dann ist das Gesuch abzulehnen. Durch diese Regelung kann sichergestellt werden, dass die Schweiz zu einer weltweit führenden Forschungsnation, insbesondere im Bereich der Medizin, wird und moderne Diagnostik- und Therapieverfahren rascher etabliert werden.

Innovative tierversuchsfreie Forschungsmethoden erhöhen die Sicherheit für die Menschen enorm, was folgende drei Beispiele exemplarisch für viele Fälle veranschaulichen:

a) Das Schmerzmittel Vioxx (Rofecoxib) der Firma Merck hatte ursprünglich anhand von Tierversuchen den Eindruck erweckt, es sei besser verträglich, weil es im Gegensatz zu den bisherigen NSAR-Schmerzmitteln weniger Entzündungen und Geschwüre im Magen-Darm-Trakt und weniger Blutungen verursacht. Im Jahr 2004 musste es jedoch wegen eines der grössten Arzneimittelskandale vom Markt genommen werden, nachdem weltweit etwa 320 000 Patienten einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten und daran sogar etwa 140 000 Menschen gestorben sind.
Topol, E. J.: Failing the public health--rofecoxib, Merck, and the FDA. N Engl J Med, 2004, 351(17), S.1707-1709
Auch für Vioxx wurden zahlreiche Tierversuche vor der Zulassung durchgeführt, die dieses Risiko nicht angezeigt hatten. Hätte man stattdessen kleine Hautbiopsien vom Menschen mit intakten Kapillaren verwendet, wären schon vor der Zulassung die kardiovaskulären Risiken offensichtlich geworden.
biopta: Human Pharmacological Services. In Vitro Pharmacology Screening in Human Tissue. 2008

b) 2006 wurde der neue Antikörper TGN1412 der Firma Boehringer Ingelheim für die Behandlung von Multipler Sklerose, Brustkrebs und Rheuma in Grossbritannien an sechs freiwilligen, gesunden Männern in einer Phase-1-Studie getestet. Zuvor hatte man unter anderem Affenversuche mit einer 500x höheren Dosis durchgeführt und den Wirkstoff für unbedenklich befunden. Die Reaktion beim Menschen war jedoch verheerend. Alle sechs Männer erlitten ein Multiorganversagen und mussten wochenlang auf der Intensivstation behandelt werden, einer von ihnen konnte erst nach 14 Wochen das Spital wieder verlassen.
Suntharalingam, G.; Perry, M. R.; Ward, S.; Brett, S. J.; Castello-Cortes, A.; Brunner, M. D. und Panoskaltsis, N.: Cytokine storm in a phase 1 trial of the anti-CD28 monoclonal antibody TGN1412. N Engl J Med, 2006, 355(10), S.1018-1028
Tests an menschlichen Geweben hätten die katastrophale Wirkung von TGN1412 voraussagen können.
Drugs tests on trial. Nature, 2006, 440(7087), S.970

c) Als 1957 das Medikament Thalidomid (Contergan) auf den Markt kam, versandte die Herstellerfirma Grünenthal ca. 40 000 Rundschreiben an Ärzte und Apotheker, in denen es als das beste Schlafmittel für Schwangere und stillende Mütter bezeichnet wurde. Als «wirklich neues Produkt» habe man seine Sicherheit durch ausgedehnte Tierversuche besonders gründlich überprüft! So wurde es zum beliebtesten Schlafmittel der damaligen Zeit. In Deutschland schlief jeder Dritte abends mit Contergan ein.
Timmermann C. Die Nachtseite des Wirtschaftswunders. Zum Einschlafen nahm 1961 jeder dritte Deutsche Contergan: Eine Bilanz nach 40 Jahren. Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) 2001 2001/11/25.
Drei Jahre nach Markteinführung lagen zahlreiche Meldungen über Fehlbildungen der Arme und Beine bei Kindern vor, deren Mütter während der Schwangerschaft Contergan eingenommen hatten. Insgesamt wurden etwa 10 000 verstümmelte Kinder geboren.
Thomann, Klaus-Dieter: DIE CONTERGAN-KATASTROPHE. Die trügerische Sicherheit der «harten» Daten. Deutsches Ärzteblatt, 2007, 104(41), S.2778-2782
Wie konnte es dazu kommen? Der Mensch ist gegen Contergan sechzigmal empfindlicher als die Maus, hundertmal als die Ratte, zweihundertmal als der Hund und siebenhundertmal empfindlicher als der Hamster.
Stillperiode, Beratungsstelle für Medikamentenanwendung in Schwangerschaft und: Speziesunterschiede der Teratogenität von Thalidomid. Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena, 2006

Zentrales Studienregister zur Erfassung aller Tierversuche


Istzustand:
Bisher verschwinden die Protokolle über die Tierversuche in den Archiven der kantonalen Veterinärämter ohne Kontrollfunktion von wissenschaftlichen Experten, der Öffentlichkeit oder der Tierrechtsvertreter. Dies obwohl das Bundesamt für Veterinärwesen verkündet: «Es ist die Absicht des Gesetzgebers, im Bereich der Tierversuche Transparenz zu schaffen und damit eine sachliche Diskussion über dieses kontroverse Thema zu fördern.»
BVET, Zwischen- und Abschlussberichte über Tierversuche: Erläuterungen zum Formular C
Jedoch ist es ohne die zentrale Erfassung und Auswertung von Tierversuchen unmöglich, auf das dadurch angeblich gewonnene Wissen zurückzugreifen. Somit verkommt das Argument des angeblichen Nutzens von Tierversuchen vollkommen zur Farce.


Minimaler Sollzustand:
Alle Tierversuche müssen in einem zentralen Studienregister erfasst werden. In dem Register sind alle geplanten und durchgeführten Studien mit Tierverbrauch aufgelistet. Die kantonalen Behörden können somit im Genehmigungsverfahren überprüfen, ob es bereits ähnliche Tierversuche gab, sodass der aktuell beantragte Tierversuch redundant und daher verzichtbar und somit abzulehnen ist. Zudem können Forscher andere Arbeitsgruppen finden, um so bei grösseren Forschungsvorhaben Synergieeffekte zu schaffen. Bisherige Praxis ist, dass nur anscheinend positiv ausfallende Tierversuchsergebnisse in wissenschaftlichen Zeitschriften publiziert werden. Jedoch gehen gerade aus Tierversuchen, welche keinen Erkenntnisgewinn erbrachten oder Abweichungen zu der erwarteten Hypothese ergaben, wichtige Informationen hervor. Da sich den Tierversuchen meist klinische Studien anschliessen, gefährden nicht publizierte präklinische Studien (negative Tierversuchsergebnisse) die späteren klinischen Studien (Studien an Menschen). Durch die Veröffentlichung kann also der Patientenschutz erhöht werden.
Ein solches Register wurde und wird bereits öfters ansatzweise gefordert:
  • Die Schweizerische Akademie der Medizinischen Wissenschaften fordert‚ dass der durch den persönlichen Einsatz von Patienten ermöglichte Erkenntnisgewinn uneingeschränkt für die Gesundheitsversorgung zur Verfügung steht.
  • Die «Schweizerische Ärztezeitung» hält fest‚ dass wer an einer Studie Risiken auf sich nimmt, wenigstens erwarten darf, dass diese der Forschung von Nutzen ist und auch publiziert wird.
  • Das «New England Journal of Medicine» fordert, dass zukünftigen Versuchsprobanden alle Informationen früherer Versuche zugestanden werden müssen, damit sie ihr eigenes Risiko besser abschätzen können.
Die konsequente Auswertung negativ ausfallender Tierversuche würde rasch dazu führen, dass diese verboten werden, da die Ergebnisse gesamthaft gesehen noch weitaus katastrophaler sind als bereits bekannt. Die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hat errechnet, dass 92% aller im Tierversuch als wirksam und sicher beurteilten Wirkstoffe in angeschlossenen Untersuchungen an Menschen wegen schwerwiegender Nebenwirkungen oder fehlendem Nutzen gar nicht erst zugelassen werden.
Innovation Stagnation. Challenge and Opportunity on the Critical Path to New Medical Products. U.S. Department of Health and Human Services. Food and Drug Administration (FDA), 2004, S.8

Klinische Studienregister (bei Forschungen an Menschen) sind längst Realität, um die genannten Vorteile zu erreichen. Beispielsweise das Register des U.S. National Institutes of Health unter http://clinicaltrials.gov. Dieses Beispiel belegt nachhaltig, dass durch die Bekanntgabe der Informationen keinerlei Nachteile für die Forscher resultieren, auch wenn die Öffentlichkeit und andere Forschergruppen frühzeitig von den Vorhaben erfahren.
Um die medizinische Wissenschaft effektiv weiterzubringen, ist ein zentrales Register zur Erfassung und Auswertung von Tierversuchen und Tierversuchsergebnissen unabdingbar.

Klinisches Studienregister: http://clinicaltrials.gov






























  Dr. med. Alexander Walz Arzt, wissenschaftlicher und medizinischer Berater der AG STG

Herz-Kreislauf-Erkrankungen Teil 2 - Bluthochdruck

Bluthochdruck

14% der Über-15-Jährigen in der Schweiz befinden sich in ärztlicher Behandlung wegen Bluthochdruck, der sogenannten Arteriellen Hypertonie. 1 Dies erstaunt, da hoher Blutdruck kaum selbst bemerkt wird. Was also ist der Grund? Was ist überhaupt Bluthochdruck und wie kann man seinen Blutdruck senken?

Man kann sich Bluthochdruck in den Blutgefässen ähnlich vorstellen wie einen zu hohen Druck in Wasserleitungen. Beides verursacht auf lange Sicht hin Schäden an den Wänden. Im Körper kann dies zu Herzinfarkt, Schlaganfall, Aussackung der Hauptschlagader (Aneurysma), Schaufensterkrankheit (PAVK), Nierenschäden und Schäden der Augennetzhaut führen.

Der Blutdruck wird immer mit zwei Werten angegeben. Beispielsweise bedeutet 130/80 mm Hg, dass der systolische Wert 130 Millimeter und der diastolische Wert 80 Millimeter auf der Quecksilbermesssäule beträgt. Der diastolische Wert gibt den permanent in den Arterien vorherrschenden Blutdruck an, der systolische Wert hingegen wird nur zwischendurch erreicht, wenn das Herz gerade wieder Blut in die Hauptschlagader ausgeworfen hat. Treten Symptome auf, so sind es meist die folgenden: Kopfschmerzen, die typischerweise frühmorgens auftreten oder sich durch ein Höherstellen des Kopfteiles im Bett bessern, Schwindel, Ohrensausen, Nasenbluten, Brustschmerzen.

Zu hoher Blutdruck kann auf die Dauer sehr gefährlich werden.
In einer Untersuchung wurde beispielsweise gezeigt, dass ein diastolischer Wert von 105 mm Hg mit einem 8x so hohen Risiko für einen Schlaganfall assoziiert ist wie ein Wert von 84 mm Hg. 2  Da zudem das Herz permanent gegen einen hohen Druck ankämpfen muss, ist es anfälliger für Herzschwäche, d.h., auch und besonders bei vorgeschädigtem Herz ist eine gute Blutdruckkontrolle wichtig.

Korrekte Messung

Der Blutdruck sollte von Zeit zu Zeit gemessen werden
Der Blutdruck sollte von Zeit zu Zeit
gemessen werden

Wer angestrengt die Treppe hochgerannt ist, sich über etwas geärgert hat oder aufgeregt vor dem Arzt im weissen Kittel sitzt, der hat automatisch einen höheren Blutdruckwert, ohne dass dies Krankheitswert hätte. Entscheidend ist deshalb ein in Ruhe gemessener Blutdruck nach mindestens fünfminütiger Ruhephase. Entscheidend ist auch eine richtig dimensionierte Blutdruckmanschette, da eine zu kleine oder zu locker angebrachte Manschette fälschlicherweise zu hohe Werte ergibt. Automatische Geräte sind inzwischen sehr genau. Dabei sind Oberarmgeräte meist etwas präziser als Handgelenkgeräte, aber für den häuslichen Gebrauch genügen die Handgelenkgeräte allemal.

Normal ist bei Erwachsenen ein Blutdruck in Ruhe unter 130/85 mm Hg, perfekt wäre 120/80 mm Hg oder niedriger. Ab 140/90 mm Hg liegt ein Bluthochdruck, ab 180/110 mm Hg sogar ein schwerer Bluthochdruck vor. Es genügt schon, wenn einer der beiden Werte zu hoch ist.

Vorbeugung ist besser als medikamentöse Behandlungen

Was jeder selbst zur Blutdrucksenkung beitragen kannDie wichtigsten Massnahmen gegen zu hohen Blutdruck kann man selbst einleiten. Die nebenstehende Tabelle zeigt, welche Massnahme welche Blutdrucksenkung erreichen kann. Besonders wichtig ist hierbei, sofern Übergewicht vorliegt, eine Gewichtsreduktion. Auf dieses Thema wird der nächste Artikel (im «Albatros» Nr. 24) noch ausführlich eingehen. Körperliche Aktivität, idealerweise eine 3x wöchentliche Betätigung für mind. 30 Minuten, senkt den Blutdruck. Aufzupassen ist aber bei isometrischen Übungen, wie sie z.B. beim Bodybuilding oder Gewichtheben durchgeführt werden. Diese erhöhen den Blutdruck und sollten daher vermieden werden. Eine Kochsalzrestriktion (Begrenzung) auf weniger als 6 g Gesamtverzehr pro Tag ist ausgesprochen schwer realisierbar, da in vielen gekauften Lebensmitteln, wie auch z.B. in Vollkornbrot, viel Kochsalz als Konservierungsmittel und Geschmacksträger enthalten ist. Alternativ zu Kochsalz können aber möglichst Salze auf Kalium-, Calcium- oder Magnesium-Basis verwendet werden. Diese erhöhen den Blutdruck nicht und sind in Spezialgeschäften erhältlich. Eine Kochsalzrestriktion hat auch den Vorteil, dass Blutdruckmedikamente besser wirken.

Sportliche Betätigung, zum Beispiel ein Familienausflug mit dem  Velo ist gut für den Blutdruck
Sportliche Betätigung, zum Beispiel ein
Familienausflug mit dem Velo ist gut für
den Blutdruck

Beim Alkohol besteht eine lineare Beziehung zwischen konsumierter Menge und Blutdruck. Zudem schwächt Alkohol die Wirkung vieler Blutdruckmedikamente ab. Moderate Mengen sind unschädlich, d.h. für Männer 0,25 l Wein oder 0,5 l Bier pro Tag, für Frauen jeweils ein Drittel weniger.

Mit der geballten Kraft der Pflanzen

Durch Kombination der zuvor genannten Massnahmen lässt sich bereits eine deutliche Blutdrucksenkung erreichen. Der Blutdruck kann durch den Einsatz einiger Pflanzenwirkstoffe mit wissenschaftlich nachgewiesener Wirkung weiter gesenkt werden. Die Wirkung einer einzelnen Massnahme ist meist gering, aber durch Kombination mehrerer Massnahmen durchaus interessant.

Das berühmte tägliche Glas Wein ist unschädlich - jedoch sollte es  bei einem Glas bleiben
Das berühmte tägliche Glas Wein ist
unschädlich - jedoch sollte es bei einem
Glas bleiben

Pycnogenol wird aus der Rinde der französischen Küstenkiefer (Pinus pinaster) gewonnen. Einige Studien deuten auf eine leicht blutdrucksenkende Wirkung bei Einnahme eines Extraktes von 200 mg/Tag hin. 3 Bisher liegen jedoch noch keine Daten zur Langzeitanwendung und -sicherheit vor.

Granatapfelsaft erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Er stammt vom Granatapfelbaum (Punica granatum), dessen Früchte dekorativ und essbar sind. Wissenschaftler haben herausgefunden, dass Granatapfelsaft die Aktivität des sogenannten Angiotensin converting enzymes um etwa 36% senkt. 4 An diesem Enzym setzen auch zahlreiche Medikamente wie z.B. ACE-Hemmer ihre Wirkung an. Die klinischen Untersuchungen an Menschen sind widersprüchlich. So zeigte eine Studie eine leichte Blutdrucksenkung bei täglichem Verzehr von 50 ml Granatapfelsaft über ein Jahr. 4,5 Eine andere Untersuchung hingegen ergab keinen Vorteil bei einem Verzehr von 240 ml pro Tag für 3 Monate. 6 Wem Granatapfelsaft schmeckt, der kann gefahrlos einen Versuch unternehmen. Auf Bioqualität sollte geachtet werden. Vorsicht jedoch bei gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten. Es gibt zahlreiche Interaktionen, die ggf. zuerst von einem Arzt oder Apotheker überprüft werden sollten.

Ballaststoffe in der Nahrung sind besonders wichtig auch für den Blutdruck. So wurde gezeigt, dass Bluthochdruck häufiger vorkommt bei ballaststoffarmer Ernährung. 7 Umgekehrt wurde gezeigt, dass wer beispielsweise pro Tag 15 g indische Flohsamen (Blond psyllium, Plantago species) 7 oder 3-6 g Vollkornweizen (Triticum aestivum) zu sich nimmt, alleine dadurch seinen systolischen Blutdruck um 8 mm Hg senken kann. 8,9

Eine ausreichende Calciumzufuhr senkt den Blutdruck, leider aber nur sehr geringfügig um etwa 1-2 mm Hg. 10-20 Für Erwachsene empfiehlt die Deutsche Gesellschaft für Ernährung eine tägliche Calciumzufuhr von 1000-1200 mg. 21DGE Diese Menge sollte mindestens erreicht werden. Besonders hilfreich sind calciumreiche Mineralwässer. Aber aufgepasst: Der Calciumgehalt von Mineralwässern ist teilweise sehr unterschiedlich.

Früchte wie z.B. Bananen oder Orangen sind reich an Kalium und scheinen ebenfalls vorteilhaft für den Blutdruck zu sein. Zudem reduzieren Nahrungsmittel, welche 350 mg Kalium pro Mahlzeit enthalten, nachweislich das Risiko für die Entwicklung von Bluthochdruck. Deshalb wurde Herstellern von der amerikanischen Nahrungs- und Arzneimittelbehörde FDA gestattet, mit diesem gesundheitlichen Effekt zu werben. 22,23

Kakao und die daraus hergestellte Schokolade sind Glücksbringer und Blutdrucksenker
Kakao und die daraus hergestellte
Schokolade sind Glücksbringer und
Blutdrucksenker

Was das Herz aller Freunde schwarzer Schokolade höher schlagen lässt, ist die zunehmende Erkenntnisflut, dass die in Schokolade (Theobroma cacao) enthaltenen Flavanoide Stickstoffmonoxid freisetzen, Gefässe erweitern und die Endotheldysfunktion reduzieren. 24,25 Damit hat der Kakao in der Schokolade eine ähnliche Wirkung wie z.B. das bei Angina pectoris angewandte Nitrospray (Nitroglycerin). Der tägliche Konsum von 45-105 g Schokolade (je höher der Kakaoanteil in der Schokolade, desto weniger wird benötigt) senkte in mehreren Studien den systolischen Blutdruck um 5 mm Hg sowie den diastolischen um 3 mm Hg. 26-28 Wählen Sie idealerweise Zartbitterschokolade, denn Milchschokolade enthält weniger der gesundheitsförderlichen Polyphenole und weisse Schokolade überhaupt keine. Aber Vorsicht: Eine Portion Schokolade von etwa 50 g enthält im Schnitt 250 Kalorien. Jedes «Medikament» hat eben auch seine Nebenwirkungen …

Knoblauch ist gesund, aber wegen des anschliessenden Körpergeruchs nur zweite Wahl
Knoblauch ist gesund, aber wegen des
anschliessenden Körpergeruchs nur
zweite Wahl

Knoblauch (Allium sativum) erhöht ebenfalls die Stickstoffmonoxidfreisetzung. 29 Einige Untersuchungen konnten eine blutdrucksenkende Wirkung um 2-7% zeigen. Dies bereits nach vierwöchiger Einnahme eines Knoblauchextraktes mit 200-400 mg (wird 3x täglich eingenommen). 30-34 Aufgrund des daraus resultierenden Körpergeruches ist Knoblauch jedoch nicht jedermanns Sache. Diese Menge entspricht 2-5 g frischem Knoblauch pro Tag.

Auf die vielen Stoffe, die teilweise intensiv beworben werden, bei denen jedoch ein gesicherter Wirksamkeitsnachweis fehlt, wurde an dieser Stelle aus Platzgründen nicht eingegangen.

Tiefer Blutdruck – langes Leben, jedoch häufig mit Beschwerden

Der morgendliche Kaffee stimuliert den Kreislauf
Der morgendliche Kaffee stimuliert
den Kreislauf

Grundsätzlich gilt mit wenigen Ausnahmen: Je niedriger der Blutdruck, desto besser für die Gesundheit. Wer an tiefem Blutdruck (Hypotonie) leidet, kennt oft auch die typischen Symptome: Diese reichen von Schwindel bis gelegentlich hin zum Kollaps. Dabei zu stürzen und sich zu verletzen, ist die eigentliche Gefahr. Einfache Hilfsmassnahmen bringen meist jedoch schon Linderung. Entscheidend ist eine ausreichende Trinkmenge von mindestens 2 Litern pro Tag. Regelmässige sportliche Betätigung ist ebenfalls wichtig. Ein Kaffee oder auch Schwarz- oder Grüntee bringen meist einen besseren Tagesstart aufgrund einer kreislaufstimulierenden Wirkung. Bei langer sitzender oder stehender Tätigkeit wird das Anlegen von Kompressionsstrümpfen der Kompressionsklasse 2 empfohlen. Sie sorgen für einen besseren Rückstrom des Blutes zum Körper, sodass es seltener zum Kollaps kommt.

Hinweise: In den Empfehlungen wurden aktuellste wissenschaftliche Ergebnisse berücksichtigt (Stand 2009). Nicht erwiesene Erkenntnisse aus traditioneller Volksmedizin oder Aberglauben oder nicht erwiesener Firmenwerbeversprechungen fanden hingegen keine Berücksichtigung. Medizinische Diagnostik und Therapie erfordert einen versierten Arzt, da Ihre individuelle körperliche Konstitution wichtig ist. Die gegebenen Empfehlungen ersetzen einen Arztbesuch daher nicht. Die Informationen wurden mit grösster Sorgfalt erarbeitet und werden hohen Qualitätsansprüchen gerecht. Dennoch kann keine Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen gegeben werden.

ImageDr. med. Alexander Walz
Arzt, wissenschaftlicher und medizinischer Berater der AG STG

Das Quellenverzeichnis finden Sie unter: www.agstg.ch/quellen.html

Stressausgleich durch Entspannung ist gesund für Körper und Geist - Also ruhig auch öfters eine gemütliche Pause einlegen
Stressausgleich durch Entspannung ist gesund für Körper und Geist -
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Tierversuchsgegner demonstrieren in Tübingen gegen Affenversuche!

Freiburg - Zentrum für Tierversuche an Makaken-Affen

Hinter verschlossenen Türen der Universität Freiburg werden seit Jahren unter der Leitung von Prof. Eric Rouiller sehr belastende Tierversuche mit Makaken-Affen durchgeführt. Um eine halbseitige Lähmung der Affen herbeizuführen, werden den Tieren mittels einer Operation gezielt bestimmte Nervenbahnen durchtrennt. Anschliessend wird den Affen ein Wirkstoff aus der Versuchsküche von Novartis verabreicht, der das Zusammenwachsen der durchschnittenen Nervenenden fördern soll. Monatelang müssen die Tiere mit der gelähmten Hand Greiftests ausführen, bevor sie für die abschliessenden Untersuchungen getötet werden. Geben diese Versuche Anlass zur Hoffnung für gelähmte Patienten?

Was sich wie der Entwurf für einen Horrorfilm liest, ist grausamer Alltag am Physiologischen Institut der Universität Freiburg (Laboratory of Neurophysiology of Action and Hearing), das von Prof. Eric Rouiller geleitet wird. Seit 1998 führt Rouiller Tierversuche an Makaken-Affen (Rhesusaffen) durch. Rouiller machte im Januar 2009 Schlagzeilen, als sogar die ihm freundlich gesinnte Tierversuchskommission Rekurs gegen seine Affenversuche einreichte, weil Rouiller die Versuchsaffen durch Wasserentzug gefügig macht. [1]

Generell könnte der Satz: «Wozu? Warum? – Du fragst vergebens» die kürzeste Antwort auf die jahrelangen erfolglosen Affenversuche sein. Doch es ist wichtig, die Hintergründe für die Affenversuche detaillierter zu betrachten: Jedes Jahr verunfallen in der Schweiz ca. 200 Menschen derart schwer, dass eine Querschnittslähmung die Folge ist. [2] Ob bei Auto- oder Sportunfällen – mit einem Schlag werden Millionen von Nervenfasern im Rückenmark durch massive Drehung, Biegung oder Stauchung völlig zerfetzt - für die Patienten ist das natürlich ein furchtbarer Schicksalsschlag. Mit der verständlichen Hoffnung dieser Menschen, einmal wieder laufen oder wenigstens die Hand bewegen zu können, hat die Tierversuchslobby das beste Alibi, um ihre Tierversuche moralisch zu rechtfertigen.

Von A wie Antikörper bis N wie Nogo

Doch was genau geschieht nun eigentlich mit den Affen in den Freiburger Tierversuchslabors? Nachdem die Affen im Bereich des siebten Halswirbels halbseitig gelähmt wurden, wird einer Gruppe Tiere ein Antikörper von Novartis, der das Wachstum der durchtrennten Nervenenden fördern soll, verabreicht. Die andere Gruppe erhält nur ein Scheinmedikament. (Dazu muss man wissen, dass bei einer Rückenmarksverletzung Eiweisskörper vermutlich das Zusammenwachsen der Nervenenden blockieren. Verantwortlich für diese verunmöglichte Heilung, vermutet die Wissenschaft, ist das Nogo-A, ein wachstumshemmendes Eiweiss. Nichts geht mehr – so der Grund für die englische Namensgebung «no go». Mit dem von Novartis produzierten Antikörper erhofft sich das Rouiller-Team, einen Erfolg bei der Überwindung dieses Prozesses erzielen zu können.)
Nach der Operation müssen die Tiere monatelang versuchen, mit der gelähmten Hand kleine Futterkügelchen aus Vertiefungen herauszuholen. Danach werden die Fortschritte, welche die mit dem Antikörper behandelten Affen gemacht haben, mit den Fortschritten bei den Affen, die ohne Antikörper behandelt wurden, verglichen und ihr Gehirn sowie ihr Rückenmark nach der Tötung untersucht. Dr. Rouiller und sein Team behaupten nun, dass nur die mit dem Antikörper behandelten Affen wieder gesunden können, weil ihre durchtrennten Nervenenden mithilfe des Antikörpers, der das Nogo-A ausser Kraft setzen soll, wieder zusammenwachsen. Das wird jedoch aus den eigenen Reihen stark bezweifelt. «Voneinander unabhängige Nogo-Forschungsgruppen blockierten oder beseitigten Nogo-Rezeptoren von Versuchstieren und kamen zu widersprüchlichen Ergebnissen. Ein an verschiedenen Standorten arbeitendes Team von Marc Tessier-Lavigne, einem Neurowissenschaftler am Howard Hughes Medical Institute, berichtete im wissenschaftlichen Magazin Proceedings of the National Academy of Sciences, dass bei Versuchstieren und in Zellkulturen die Beseitigung von Nogo-Rezeptoren die Nerven nicht zum Nachwachsen befähigt hätten.» [3]
Sogar Prof. Eric Rouiller selbst sah sich gezwungen, in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung die Frage aufzuwerfen, ob die Ergebnisse von Affenversuchen auf Menschen übertragbar seien. [4]

Tatort: Forschungsgebäude von Prof. Eric Rouiller an der Universität Freiburg
Tatort: Forschungsgebäude von Prof. Eric Rouiller an der Universität Freiburg

Das Rouiller-Team experimentiert jedoch fleissig weiter. Dabei lassen sie auch ein weiteres entscheidendes Argument völlig ausser Betracht: Die Zerstörung der Nervenbahnen durch einen Unfall ist eine völlig andere als die künstlich durch einen chirurgischen Eingriff herbeigeführte.

Was passiert bei einer Rückenmarksverletzung im Körper?

Bereits wenige Stunden nach der Zerstörung des Rückenmarks bildet sich beim Menschen eine natürliche Narbe, die sogenannte Glianarbe, die ein Zusammenwachsen der Nervenenden verhindert. Somit können die auseinandergerissenen Nervenbahnen keinerlei Impulse mehr vom Rückenmark zum Gehirn weiterleiten.

In einem Interview der «SonntagsZeitung» vom 19. Dezember 2003 mit Prof. Martin Schwab von der Universität Zürich, der wie Rouiller Affenversuche durchführt, wird einschränkend bereits festgestellt, dass Affen (im Gegensatz zum Menschen) eine Art Schrittmacher haben. Als Folge der operativ erzeugten Lähmung konnten die Affen eine Hand und ein Bein nicht mehr bewegen. Das Bein erholte sich jedoch bei allen Affen spontan wieder, weil sich im unteren Teil des Rückenmarks eine Art «Schrittmacher» befindet, der die Bewegungen der Beine unabhängig vom Hirn steuern kann. Zudem haben auch die ohne Antikörper behandelten Affen die Bewegungsfähigkeit ihrer Hand wieder erreicht, nur hat ihr Körper für diesen bei Affen natürlichen Genesungsprozess länger gebraucht. Über diesen «Schrittmacher» verfügt der Mensch jedoch leider nicht.

Wie realistisch sind die Heilungschancen?

Eine australische Studie kam zu denselben sowie zusätzlich genaueren Ergebnissen als die Tierversuche. Durch die bildgebenden Verfahren (das sind Aufnahmen vom Körperinnern, vergleichbar mit Computertomografie) Voxel-Based Morphometry (VBM) und Diffusion Tensor Imaging (DTI) können Schädigungen im menschlichen Gehirn sowie im Rückenmark sichtbar gemacht werden. [5] Diese (gefahrlos!) an Menschen erzielten Ergebnisse sind eins zu eins von Mensch zu Mensch übertragbar und somit natürlich viel exakter als die Affenversuche.

Bildgebende Verfahren führen zu exakteren und schnelleren Ergebnissen als Tierversuche
Bildgebende Verfahren führen zu exakteren und schnelleren Ergebnissen als Tierversuche

Mit innovativen tierversuchsfreien Testmethoden wie Zellkulturen und Bioinformatik sowie mit nicht-invasiven (ohne schädliche Eingriffe in den Körper) Untersuchungen an Menschen hat die Wissenschaft bereits vielversprechende Forschungsmethoden entwickelt und im Kampf gegen verschiedene Krankheiten schon viele beachtliche Erfolge erzielen können. Anstatt nur mit den Hoffnungen der Patienten zu spielen, wie dies mit der Methode Tierversuch oft geschieht, wird es mit diesen innovativen tierversuchsfreien Testmethoden eines Tages auch möglich sein, effektive Heilungserfolge bei Rückenmarksverletzungen zu erzielen. Die Förderung dieser innovativen und zeitgemässen Forschungsmethoden muss daher vorangetrieben werden, damit gelähmte Patienten endlich wirklich auf Heilung hoffen können.

Image Simone Furedi

Das Quellenverzeichnis finden Sie unter: Quellen zu Bericht Albatros 23 - Affenversuche Freiburg