HIV- /AIDS-Forschung: Tierversuche behindern Fortschritt - Tierversuchsfreie Forschung auf Erfolgskurs

«Gegen eine Dummheit, die gerade in Mode ist,
kommt keine Klugheit auf …»

… erkannte schon der Schriftsteller und Apotheker Theodor Fontane im 19. Jahrhundert. Zwei Jahrhunderte später scheint die Dummheit zahlreicher Wissenschaftler neue Rekordhöhen zu erreichen.

Stellen Sie sich vor, Sie geben einem Flugzeugbauer Geld dafür, dass er ein sicheres und schnelles Flugzeug konstruiert. Sein Entwurf wird getestet, jedoch stürzt das Flugzeug ab, weil der Tank nur für den Start genug Treibstoff fasst. Für einen Weiterflug und eine Landung reicht der Treibstoff nicht aus. Der Flugzeugbauer entwirft ein neues Modell, belässt es jedoch beim viel zu kleinen Tank. Erneut kommt es zum Absturz. Identisch verläuft es beim dritten Versuch. So geht es immer weiter. Jeden Versuch lässt er sich sehr gut bezahlen. Eines Tages fragen Sie den Flugzeugbauer, warum er stets den gleichen Fehler wiederholt. Er kann Ihnen darauf keine vernünftige Antwort geben, macht aber weiter wie bisher und riskiert damit den Tod von Tausenden Menschen. Würden Sie diesen Ingenieur für 130 Fehlversuche in Folge bezahlen?

Sicher nicht, aber genau das tun wir indirekt mit unseren Steuergeldern und überhöhten Medikamentenpreisen. Die Firma Merck hat einen Impfstoff gegen das Human Immunodeficiency Virus (HIV) mit dem komplizierten Namen MRKAd5-HIV1-gag/pol/nef an über 3000 Menschen getestet. Der Impfstoff war absolut wirkungslos, obwohl bzw. gerade weil er im Tierversuch zuvor scheinbar wirksam war.[1-3] Man mag nun annehmen, dass dies ein tragisches, nicht vorhersehbares schlechtes Ergebnis sei.

Die Wirklichkeit ist jedoch eher mit den Worten Charles-Louis de Montesquieu zu beschreiben:
«Tritt eine Idee in einen hohlen Kopf, so füllt sie ihn völlig aus – weil keine andere da ist, die ihr den Rang streitig machen könnte.»

Im Tierversuch gelang es wiederholt, durch Impfungen eine HIV-Infektion zu verhindern.[4] In der Folge wurden seit 1987 bis 2007 vom Institut für Allergien und ansteckende Krankheiten in den USA (U.S. National Institute of Allergy and Infectious Diseases) mehr als 130 Untersuchungen mit HIV-Impfstoffen an Menschen finanziert. Darunter waren sowohl vorbeugende als auch therapeutische Impfstoffe. Kein einziger war beim Menschen wirksam trotz bzw. gerade wegen vorheriger erfolgreicher Anwendung in Tierversuchen.[5]
Es gelang, Mäuse, Kaninchen und Affen, denen schwere Immunsystemschwächen  angezüchtet wurden, in Tierversuchen mit HIV zu infizieren. Dennoch ist bei keinem dieser Tiere das menschliche AIDS-Syndrom ausgebrochen.[6]

Hingegen zeigten Untersuchungen an menschlichen weissen Blutzellen ausserhalb des Körpers sowohl die Wirksamkeit als auch die Toxizität von AIDS-Medikamenten wie AZT [7], 3TC [8] und Proteaseinhibitoren [9] zuverlässig. Daran wird deutlich, dass innovative Forschungsmethoden im Gegensatz zu Tierversuchen zu zuverlässigeren Resultaten und Fortschritten führen und dies ohne dass Menschen- und Tierleben unnötig gefährdet werden.

Warum nun in der HIV-/AIDS-Forschung immer noch auf Tierversuche gesetzt wird, ist mit gesundem Menschenverstand nicht nachvollziehbar
, ebenso wenig, wie wenn man den Flugzeugbauer weiter bezahlen würde.

Die Antwort auf die Ignoranz der Wissenschaftler, dass tierversuchsfreie Forschungsmethoden zu weitaus besseren Resultaten führen, liefert der Literaturnobelpreisträger George Bernard Shaw:
«Der Nachteil der Intelligenz besteht darin, dass man ununterbrochen gezwungen ist, dazuzulernen.»
Um die Intelligenz der genannten HIV-/AIDS-Forscher dürfte es daher nicht allzu gut bestellt sein. Ein neuer Paragraf im Strafgesetzbuch wäre wünschenswert, der Wissenschaftler mit Höchststrafen belegt, welche leichtfertig die Gesundheit von Menschen und Tieren gefährden. Denn jeden Tag sterben 8000 Menschen an den Folgen der Infektion mit HIV.

Dr. med. Alexander Walz
Oberarzt, wissenschaftlicher und medizinischer Berater der AG STG

Das Quellenverzeichnis finden Sie unter: www.agstg.ch/quellen.html
 
Tierschutzprojekt Djurdjevo: Monika Brukner - Ein Leben für die Tiere - Monika Brukner und Daram

Monika Brukner - Ein Leben für die Tiere

In ihrem Tierheim in Djurdjevo, Serbien, finden notleidende Hunde und Katzen, aber auch viele Klein- und Nutztiere Unterschlupf. Durch Kastrationsprogramme und Aufklärung der Bevölkerung versucht die mutige Schweizerin, die Situation der Tiere im Land nachhaltig zu verbessern.

Das Ehepaar Brukner zog 1986 aus beruflichen Gründen für ein Jahr nach Jugoslawien. Schockiert vom dortigen Tierelend gründeten sie noch im selben Jahr ein privates Tierheim. Der Tiere wegen harrten sie auch in den Kriegsjahren aus und blieben danach trotz der schwierigen Lebensumstände im wirtschaftlich darbenden Land. Auch der Tod ihres Gatten 2006 hielt Monika Brukner nicht davon ab, weiter gegen das harte Los vieler Tiere in Serbien anzukämpfen.

Oase des Glücks

Tierschutzprojekt Djurdjevo: Auf der grossen Tierheimweide
Tierschutzprojekt Djurdjevo:
Auf der grossen Tierheimweide
Das Tierheim in Djurdjevo ist ein kleines Paradies. Die über 20 Pferde und Ponys, 4 Esel, 6 Kühe und 7 Ziegen geniessen das Leben in der Herde, in hellen Ställen und auf grosszügigen Weiden. Viel Platz haben auch die 12 Schweine, 2 Rehe, 2 Füchse, die Katzen und die zahlreichen Bewohner des Hühnerhofs. Dass Monika Brukners Herz auch für die Wildtiere schlägt, zeigt sich am breiten, naturbelassenen Gürtel, der den ganzen Hof umgibt. Hierzu gehören ein kleiner See, ein Sumpfgebiet und ein Wäldchen, wo auch etliche bedrohte Arten Zuflucht gefunden haben. Die weit über 100 Hunde schliesslich leben im Rudel in einem grossen Hof mit Bäumen und Wasserstellen. Durch den freien Zutritt zum Wohnhaus haben die Hunde viel Kontakt zu Menschen, und sie haben auch jederzeit die Möglichkeit, sich in eines der vielen Hundehäuser zurückzuziehen. Unzählige verletzte Hundeseelen konnten hier schon heilen.

Traurige Schicksale

Tierschutzprojekt Djurdjevo: Bärin Jasna im neuen Gehege im Zoo von Kolut
Tierschutzprojekt Djurdjevo: Bärin Jasna
im neuen Gehege im Zoo von Kolut
Fast alle Tiere im Heim haben eine schlimme Vergangenheit. Monika Brukner kennt die Geschichte von jedem einzelnen: Freddy, ein uralter Schäfermischling, wurde kürzlich abgegeben. Der treue Hund trauert immer noch seinem Besitzer nach, obwohl ihn dieser ein Leben lang an der Kette hielt. Die ebenfalls betagte Malena musste vorletzten Sommer mit ansehen, wie ihre Besitzer ermordet wurden. Die kleine Waisenhündin kam dann ins Tierheim, wo sie zuerst ängstlich und misstrauisch war. Jetzt ist sie aber die Chefin im Haus. Trotz ihres hohen Alters rennt sie die Treppen rauf und runter und kontrolliert genau, wer in den oberen Stock darf und wer nicht. Unliebsame Gäste werden heftig verjagt. Tally und Ned, ebenfalls zwei ältere Semester, wurden ausgesetzt am Fluss Tissa aufgefunden. Und Beri, ein anderer Schäfermischling, stammt aus Belgrad. Eine dort wohnhafte amerikanische Familie hatte ihn offenbar von der Strasse aufgenommen. Da er deren dritter Hund war und in Serbien nur zwei Hunde pro Haushalt erlaubt sind, wurden die Leute von Nachbarn angezeigt. Beri landete wieder auf der Strasse und kam dann auf Umwegen ins Heim. Jack und Flora schliesslich wurden von ihren Besitzern in den Käfigen der Hundeschinderei von Zabalj einfach entsorgt. Eingesperrt, im Kot liegend, ohne Wasser und Futter warteten sie dort auf ihr grausames Ende. Ein glücklicher Zufall brachte sie nach Djurdjevo. Jedes Tier hier hat seine eigene Schicksalsgeschichte.

Tierschutzprojekt Djurdjevo - Innenhof des Tierheims
Tierschutzprojekt Djurdjevo - Innenhof des Tierheims

Tierschutz auf drei Ebenen

Um wirklich etwas verändern zu können, muss Tierschutzarbeit auf mehreren Ebenen gleichzeitig stattfinden. Monika Brukners Engagement umfasst deshalb drei Schwerpunkte.

Tierschutzprojekt Djurdjevo: Aussenansicht des Tierheims
Tierschutzprojekt Djurdjevo:
Aussenansicht des Tierheims
Ihr Tierheim bietet, wie erwähnt, notleidenden Tieren Asyl. Gesund gepflegt und kastriert werden sie wenn möglich an gute Plätze vermittelt. Das mustergültig geführte Heim ist heute ein Kompetenzzentrum für artgerechte Tierhaltung, das Hunderte von Besuchern pro Jahr anzieht.

Ebenso wichtig ist die
Aufklärung der Bevölkerung. Durch eine rege Medienpräsenz und in vielen Vorträgen versucht Monika Brukner, die Leute für eine bessere Tierhaltung zu gewinnen und zu überzeugen, dass das Streunerproblem nur durch Kastrieren gelöst werden kann. Ein Hauptaugenmerk gilt dabei den Kindern.
Monika Brukner beschäftigt zwei Tierschutzlehrer, die regelmässig an verschiedenen Schulen Tier- und Naturschutzunterricht erteilen.

Tierschutzprojekt Djurdjevo: Ein Neuankömmling im Tierheim
Tierschutzprojekt Djurdjevo:
Ein Neuankömmling im Tierheim
Durch die vielerorts angebotenen Gratiskastrationen und den Aufbau sowie die Unterstützung anderer Asyle und Einrichtungen lässt das Brukner-Projekt nicht nur unzähligen Tieren im ganzen Land konkrete Hilfe zukommen, sondern schafft auch Multiplikatoren für eine weitere Verbreitung des Tierschutzgedankens. So werden im Norden des Landes sieben weitere Tier-Auffangstationen unterstützt. Und beim Kloster von Ravanica wurde ein Freilauf-Kuhstall gebaut. Weil Ravanica ein beliebtes Ausflugsziel ist, hofft Monika Brukner, dass der neue Stall nicht nur den Kloster-Kühen zugutekommt, sondern auch ein Denkanstoss für andere Kuhbesitzer ist.
 
Tierschutzprojekt Djurdjevo: Die Volière in Djurdjevo
Tierschutzprojekt Djurdjevo:
Die Volière in Djurdjevo






Schliesslich werden verschiedene Zoos beraten und bei der Verbesserung ihrer Tierhaltung unterstützt. So konnten in den letzten Jahren z.B. sieben Bären aus ihren Kleinstkäfigen befreit und in grosszügigen Gehegen mit Rückzugsbereich und Badegelegenheit untergebracht werden.




Bitte unterstützen Sie dieses Tierschutz-Projekt

Obwohl das Brukner-Projekt in Serbien gut bekannt und anerkannt ist, kann aus wirtschaftlichen Gründen von serbischer Seite leider keine finanzielle Hilfe erwartet werden. Das Tierschutzprojekt wird weitgehend von Schweizer Privatspenden getragen. Im Jahr 2000 wurde ein Förderverein gegründet. Spenden an den Tierschutzverein Djurdjevo-Schweiz sind steuerbefreit und sehr willkommen.

Kontakt sowie Weitere Infos erhalten Sie unter:
Tierschutzverein Djurdjevo-Schweiz
Annemarie Haller
Liebigen 298
4805 Brittnau

Telefon: 062 752 06 70
E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!
Postkonto: 40-531781-2


Gesund ohne Tierversuche - Herz-Kreislauf-Erkrankungen Teil 3 - Übergewicht

Übergewicht

Weltweit leiden 1,2 Milliarden Menschen an Unterernährung, und exakt so viele Menschen leiden an den Folgen von Übergewicht. Übergewicht ist ein eigenständiger Risikofaktor für Herz-Kreislauf-Erkrankungen und hat Einfluss auf andere Risikofaktoren. So führt Übergewicht zu Bluthochdruck (Arterielle Hypertonie), gehäuft zu Herzinfarkten, Schlaganfällen, Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus), Gelenk- und Wirbelsäulenkrankheiten. Mehr als jeder dritte erwachsene Schweizer leidet an Übergewicht, und es werden immer mehr. Da jedes Kilogramm zählt, zeigen wir Ihnen die wichtigsten «Tricks» zum erfolgreichen Abnehmen. [1]

Ab wann ist man übergewichtig?

Zu den «Schwergewichten» zählt man ab einem Body Mass Index (BMI) von 25 oder mehr. Ab 40 liegt massives Übergewicht vor. Der BMI berechnet sich nach folgender Formel:

Körpergewicht in kg
--------------------------------------------------------
Körpergrösse in m x Körpergrösse in m


Jemand, der 1,70 m gross ist und 70 kg auf die Waage bringt, hat damit einen BMI von 27,7. Als normalgewichtig wird ein BMI-Bereich von 18,5 bis 24,9 betrachtet.

Berechnung des Body Mass Index (BMI)

Ein anderes wichtiges Mass ist der Taillenumfang, da der BMI in manchen Fällen zu ungenau ist. So haben beispielsweise Body-Builder einen hohen BMI, da Muskelgewebe sehr schwer ist. Dennoch ist ihr Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen nicht generell erhöht. Der umgangssprachliche «Schwimmreifen» um den Bauch ist ein genauerer Hinweis auf eine stammbetonte Form des Übergewichtes. Diese geht mit einem deutlich erhöhten Risiko für die genannten Folgekrankheiten einher.[2] Normal ist für Frauen ein Taillenumfang unter 80 cm, bei Männern unter 94 cm. Ab 88 cm bei Frauen bzw. 102 cm bei Männern liegt eine schwere Form des Übergewichts vor.
 

Jedes Kilo zählt oder Die Vorteile einer Gewichtsreduktion

Schon eine leichte Gewichtsreduktion lohnt sich.[3]

10 kg weniger auf den Hüften …
  • reduzieren das Sterberisiko um über 20%[4]
  • reduzieren das Sterberisiko bei gleichzeitig vorhandenem Diabetes mellitus (Zuckerkrankheit) um über 30%[5]
  • reduzieren das Sterberisiko im Zusammenhang mit gewichtsabhängigen Krebserkrankungen um über 40%[4]
  • senken bei vorhandenem Bluthochdruck den Blutdruck um 7 bzw. 3 mm Hg (systolisch/diastolisch)[6]
  • senken bei Typ-2-Diabetikern (umgangssprachlich fälschlicherweise als «Alterszucker» bezeichnet) die Nüchtern-Blutzuckerwerte um 30-40 mg/dl[7] und den Langzeitblutzuckerwert HBA1c um 1-3%[8]
  • senken das Gesamtcholesterin um 10%[9]
  • senken das «böse» LDL-Cholesterin um 15%[9]
  • erhöhen das «gute» HDL-Cholesterin um 8%[9]
  • senken die Triglyzeride um 30%[9]
Übergewicht schränkt die Lebensqualität enorm ein
Übergewicht schränkt die Lebensqualität
enorm ein
Schon eine moderate Gewichtsabnahme von 4 bis 5 kg senkt das Risiko von Personen mit gestörter Zuckerverstoffwechselung, dass sie an Diabetes erkranken, um 58%.[10, 11] Umgekehrt erhöht Übergewicht gegenüber Normalgewicht das Risiko, an Diabetes zu erkranken, um das 10- bis 20-Fache, was mitursächlich für die Zunahme von 60% Diabetikern in den letzten 10 Jahren ist.[12] Prävention muss hier mit Therapie Hand in Hand gehen.

Nicht nur die Pharmaindustrie hat dank teurem Insulin und teuren Tabletten ein Interesse daran, diese Zusammenhänge zu verschweigen, auch viele Ärzte freuen sich über diese sichere Stammkundschaft, anstatt nach dem Greenpeace-Motto «Wir arbeiten bis zu dem Tag, an dem wir überflüssig sind» zu praktizieren.
 

Medikamente kritsich betrachten

Tabletten sind der falsche Weg zum Abnehmen
Tabletten sind der falsche Weg zum
Abnehmen
Um Übergewicht zu behandeln, gibt es zahlreiche Medikamente auf dem Markt. Diese sind allesamt sehr nebenwirkungsreich, teilweise sogar gefährlich. Einige wurden deshalb bereits wieder vom Markt genommen. So zum Beispiel Ponderax® und Isomeride® (Wirkstoffe: Fenfluramin und Dexfenfluramin).

Bei Xenical® (Wirkstoff: Orlistat) hat als Teil des Wirkprinzips rund jeder Fünfte Fettflecken in der Unterwäsche, zudem kam in den USA der Verdacht auf, dass das Brustkrebsrisiko zunimmt.[13] Dieses Risiko einzugehen, erscheint nicht vertretbar, da sich in Studien gezeigt hat, dass durch Xenical® allerhöchstens 156 Kilokalorien pro Tag weniger aufgenommen werden.[14] Auch das von Sanofi-Aventis viel propagierte Acomplia® (Wirkstoff Rimonabant) wurde europaweit vom Markt genommen, als 2006 die europäische Arzneimittelbehörde EMEA die Zulassung wegen teilweise schwerer psychischer Nebenwirkungen zurücknahm.
 

Wie kommt man zur Traumfigur?

Allgemein lässt sich Übergewicht auf eine einfache Formel bringen: Es wird dem Körper mehr Energie (in Form von Nahrung) zugeführt, als der Körper Energie verbraucht.
Auf dem Weg zum Wohlfühlgewicht sind drei Elemente notwendig:
  • Ernährungsumstellung
  • mehr Bewegung
  • veränderte Selbstwahrnehmung

Die optimale Ernährung

Vorteilhaft für einen dauerhaften Erfolg ist die Einbeziehung Ihrer ganzen Familie in die Ernährungsumstellung.[15]
Essen Sie öfters Früchte und Gemüse. Ihr Körper wird Ihnen dafür dankbar sein
Essen Sie öfters Früchte und Gemüse.
Ihr Körper wird Ihnen dafür dankbar
sein
Die Energiezufuhr in der Nahrung wird meist mit den Einheiten kcal (Kilokalorien) oder kJ (Kilojoule) angegeben. Diese sollte auf lange Sicht hin nicht über dem liegen, was der Körper braucht. Auch ohne jede körperliche Betätigung hat der Körper einen Grundbedarf an Energie, den sogenannten Grundumsatz. Je nach körperlicher Anstrengung kommt noch ein Leistungsumsatz hinzu. Beides ergibt den Energieverbrauch und kann zum Beispiel mit dem kostenlosen Rechner der Universität Hohenheim im Internet berechnet werden:
https://www.uni-hohenheim.de/wwwin140/info/interaktives/energiebed.htm

Um abzunehmen, empfiehlt sich ein tägliches Energiedefizit von 500 bis 800 kcal, d.h., die täglich verspeisten Kalorien sollten um diese Zahl niedriger als Ihr täglicher Energieverbrauch liegen. Da ein Gramm Fett mehr als doppelt so viele Kalorien enthält wie ein Gramm Kohlenhydrate oder Eiweiss, sollte das Defizit vor allem durch eine Reduktion der Nahrungsfette erreicht werden.[16] Damit ist eine Senkung des Ausgangsgewichtes um 5-10% innerhalb von 6 bis 12 Monaten möglich. Wird die Energiezufuhr noch mehr reduziert (800 bis 1200 kcal/Tag), ermöglicht dies einen schnelleren Gewichtsverlust in einem kürzeren Zeitraum. Dieser Ansatz schneidet auch in Langzeitergebnissen (nach bis zu 5 Jahren) besser ab als mässig hypokalorische Kostformen (7,1 kg im Gegensatz zu 2 kg nach 5 Jahren).[7] Die deutsche Gesellschaft für Ernährung empfiehlt dies jedoch infolge eines höheren Risikos für Nebenwirkungen nur für Menschen mit einem BMI von über 30 kg/m2, für einen Zeitraum von max. 12 Wochen und unter Mitbetreuung eines Spezialisten.

Natürlich darf man auch Schokolade geniessen, nur nicht gerade eine ganze Tafel
Natürlich darf man auch Schokolade
geniessen, nur nicht gerade eine
ganze Tafel
Da das Sättigungsgefühl durch eine Dehnung der Magenwand hervorgerufen wird[17-19], empfiehlt sich Nahrung mit einer niedrigen Energiedichte, wie z.B. Salatgurken oder Tomaten. Ausserdem sollte der Anteil an unverdaulichen Quellstoffen (sogenannte Ballaststoffe) sowie Wasser möglichst hoch sein.[20, 21]

Kerndiskussionspunkt in allen Diskussionen ist, wo die Kalorien eingespart werden sollen. Die medizinischen Fachgesellschaften empfehlen vor allem den Blickpunkt auf den Fettanteil in der Nahrung zu richten.[22]
Dies resultiert aus verschiedenen Erkenntnissen:
  • Fettreiche Ernährung ruft weniger Sättigungsgefühl hervor als kohlenhydrat- oder eiweissreiche[19, 23]
  • Proteine und Kohlenhydrate liefern pro Gramm 17,2 Kilojoule (kJ) oder 4,1 Kilokalorien (kcal). Fett enthält mit 38,9 kJ pro Gramm (9,3 kcal) mehr als doppelt so viel Energie
  • Bereits durch eine Verringerung der täglichen Fettaufnahme auf 60 g, und dies ohne Limitation der Kohlenhydrate, lässt sich eine leichte Gewichtsreduktion erreichen[24, 25] und auch das erreichte Gewicht besser halten[26]
  • Übermässige Fettzufuhr führt zur Fettspeicherung im Körper, den sogenannten «Fettpölsterchen»[27, 28]
Eine rundum ausgewogene und gesunde Ernährung ist die vegetarische Ernährung.  Zahlreiche Studien haben gezeigt, dass Vegetarier weniger an Übergewicht leiden als Fleischesser. Auch haben sie im Durchschnitt bessere Blutdruck- und Cholesterinwerte. Der Verzicht auf Fleisch reduziert zudem das Risiko für Diabetes mellitus sowie zahlreiche Herz-Kreislauf- und Krebs-Erkrankungen und erhöht auch die gesunde Lebenserwartung (die gesunden Jahre).[29] Diesem Thema werden wir in nächster Zeit einen separaten Artikel widmen.

Übertreiben Sie nicht! Langsames Abnehmen ist gesünder und hält dauerhaft
Übertreiben Sie nicht!
Langsames Abnehmen ist gesünder
und hält dauerhaft
Nicht empfehlenswert hingegen sind extrem einseitige Diäten wie z.B. die Nulldiät (totales Fasten), die hohe medizinische Risiken birgt. Auch die eiweisslastige Atkins-Diät ist nicht empfehlenswert. Von den Befürwortern der Atkins-Diät wird häufig eine Vergleichsstudie mehrerer Diätformen aus dem Jahr 2005 zitiert, welche für die Atkins-Diät die höchste Gewichtsreduktion ergab. Eine genauere Betrachtung lohnt sich jedoch, denn der Unterschied war statistisch nicht signifikant. Ausserdem wurde mit der Atkins-Diät vor allem am Anfang eine stärkere Gewichtsreduktion erzielt, welche aber nach 6 Monaten wieder zurückging. Zudem hat die Atkins-Diät sehr hohe Abbruchraten, ist also auf lange Sicht hin kaum durchzuhalten.[30-32] Die Atkins-Diät hat vermutlich langfristig eine schädliche Wirkung, da ein hoher Fettanteil das Gesamtcholesterin und das schädliche LDL-Cholesterin erhöhen und das gute HDL-Cholesterin reduzieren wird.[33] Sparen können Sie sich auch teure Abnehmprogramme wie z.B. Metabolic Balance u.a. Dahinter stehen rein profitorientierte Interessen, eine seriöse wissenschaftliche Grundlage fehlt.

Bringen Sie sich in Schwung

Schwimmen ist ein guter Ausgleich für Körper und Seele
Schwimmen ist ein guter Ausgleich
für Körper und Seele
Um messbar das Gewicht zu reduzieren, ist ein zusätzlicher Energieverbrauch von mindestens 2500 kcal/Woche erforderlich, das entspricht einem Umfang von mindestens 5 Stunden zusätzlicher körperlicher Bewegung pro Woche.[34, 35]
Nicht abschliessend geklärt ist, wie ein optimales Training aussieht. Empfohlen wird für Ausdauertrainingssportarten ein Training mit 75% der maximalen Herzfrequenz (175 minus Lebensalter).

Die Wirkung von Ausdauersport entsteht während der Sportausübung. Zu diesen Sportarten gehören z.B. Laufen, Wandern, Nordic Walking, Radfahren, Schwimmen oder Rudern. Im Gegensatz zum Ausdauersport entsteht die Wirkung beim Kraftsport nicht während, sondern nach der Ausübung. Die durch das Training erhöhte Muskelmasse führt zu erhöhtem Leerlauf-Energieverbrauch. Da Muskelgewebe schwerer ist als Fettgewebe, muss sich Krafttraining nicht zwangsläufig in einer Gewichtsreduktion niederschlagen, wird jedoch an einem ansprechenderen Spiegelbild deutlich.
Sportliche Betätigung unterstützt den Kampf gegen die überflüssigen Kilos
Sportliche Betätigung unterstützt den
Kampf gegen die überflüssigen Kilos
Die Kombination eines Ausdauertrainings mit einem Krafttraining erhöht die Kraft und halbiert die Abnahme der fettfreien Masse, erhöht jedoch nicht zwangsläufig die Fettabnahme.[35, 36]

Sportliche Betätigung muss nicht immer Sportplatz bedeuten, sondern lässt sich wunderbar im Alltag unterbringen. Wie wäre es zum Beispiel mit Treppensteigen statt Aufzugfahren oder mit dem Velo zur Arbeit statt mit dem Auto? Auch lassen sich kleinere Einkäufe mit einem Rucksack gut zu Fuss erledigen. Arbeiten Sie den ganzen Tag am Schreibtisch, dann besuchen Sie Ihren Gesprächspartner ein paar Büros weiter doch ab und zu persönlich, anstatt ihn anzurufen oder ihm eine E-Mail zu schicken. Statt im Sitzen zu telefonieren, könnten Sie dabei auch ein paar Schritte gehen. Oder ärgern Sie sich nicht über Werbeunterbrechungen während Fernsehfilmen, sondern nutzen Sie die paar Minuten für einige Kraft- oder Bewegungsübungen.

Oft geht es darum, den «inneren Schweinehund» zu überwinden. Wählen Sie deshalb eine Sportart, die Ihnen Spass macht, und belohnen Sie sich für jede sportliche Betätigung. Dies nicht gerade mit einer Tafel Schokolade, sondern mit etwas, was Ihrer Seele guttut, wie zum Beispiel einer halben Stunde entspannende Buchlektüre oder einem Theater-, Konzert- oder Kinobesuch.

Bewussterer Umgang mit sich selbst

Warum nicht zu Fuss zum Einkaufen gehen? Und besser nie mit leerem Magen
Warum nicht zu Fuss zum Einkaufen
gehen? Und besser nie mit leerem Magen
Verhaltenstherapeutische Ansätze bei Gewichtsmanagement-Programmen sind erprobt[37, 38] und umfassen die Selbstbeobachtung des Essverhaltens und daran anknüpfenden Verhaltensänderungen. Nehmen Sie sich wahr, fühlen Sie, wie Sie sich besser fühlen. Tägliches Wiegen hingegen bringt überhaupt nichts, da es nur die Schwankungen im Wassergehalt anzeigt. Öfter als einmal pro Woche wiegen «macht Sie nur unnötig verrückt».

Geheimtipps, die nicht geheim bleiben sollten
  • Essen mit Genuss und nicht Askese betreiben, denn es geht darum, langfristig die Ernährung umzustellen und nicht schon nach 2 Monaten die Diät abzubrechen
  • Wer in Stresssituationen zu «Frustessen» neigt, soll sich überlegen, wie man anders mit Stress umgehen könnte
  • Notieren Sie, was Sie essen, und berechnen Sie ab und zu, wie viele Kalorien Sie verspeisen und wie hoch der Fettanteil darin ist, um damit den Speiseplan entsprechend anpassen zu können. Dies geht beispielsweise mit dem kostenlosen Programm Kaloma http://www.kaloma.de
  • Reduzieren Sie Ihren Fleischkonsum wie generell den Konsum tierischer Produkte
  • Süsses mit Mass. Wer auf den süssen Geschmack nicht verzichten will, kann Süssstoffe ausprobieren. Bei manchen Menschen rufen diese jedoch Heisshunger hervor
  • Darauf achten, dass täglich 1,5 bis 2 Liter Flüssigkeit getrunken werden, vorzugsweise Wasser, Tee oder Kaffee. Auch hier ist noch mehr nicht besser, sondern birgt die Gefahr von Elektrolytstörungen
  • Apfel- und Orangensaft durch den Verzehr von Äpfeln bzw. Orangen ersetzen, da durch die niedrigere Energiedichte schneller ein Sättigungsgefühl hervorgerufen wird
  • Wenn es unbedingt Cola oder Fanta sein muss, dann besser die Light- oder Zero-Variante nehmen
  • Alkohol ist chemisch gesehen ein Vielfachzucker und daher kalorienreich. Alkoholfreies Bier schmeckt nicht schlechter!
  • Bevorzugen von Nahrungsmitteln mit grossem Volumen und wenig Kalorien, wie z.B. Gurken, Radieschen/Rettich, Salate oder Vollkornbrot
  • Hören Sie auf zu essen, wenn Sie satt sind. Das alte Dogma, dass der Teller oder gar der Kochtopf leer gegessen werden müssen, führt zielstrebig zu Übergewicht
  • Sofern vom Tagesablauf her möglich, sollte ein regelmässiger Mahlzeitenrhythmus eingehalten werden. Dies hilft auch gegen die Naschereien zwischendurch
  • Zum Einkaufen sollte man mit vollem Bauch und nicht mit Hungergefühl gehen, sonst landen rasch ein paar Schokoriegel mehr im Einkaufswagen
  • Wahrer Kaffeegenuss kommt ohne fettreiche Kaffeesahne und Zucker aus
  • Essen Sie bewusst und nicht nebenbei. Zum Beispiel sollte man nicht vor dem Fernseher essen

ImageDr. med. Alexander Walz
Oberarzt, wissenschaftlicher und medizinischer Berater der AG STG

Das Quellenverzeichnis finden Sie unter: www.agstg.ch/quellen.html

Hinweise: In den Empfehlungen wurden aktuellste wissenschaftliche Ergebnisse berücksichtigt (Stand 2009). Nicht erwiesene Erkenntnisse aus traditioneller Volksmedizin oder Aberglauben oder nicht erwiesener Firmenwerbeversprechungen fanden hingegen keine Berücksichtigung. Medizinische Diagnostik und Therapie erfordert einen versierten Arzt, da Ihre individuelle körperliche Konstitution wichtig ist. Die gegebenen Empfehlungen ersetzen einen Arztbesuch daher nicht. Die Informationen wurden mit grösster Sorgfalt erarbeitet und werden hohen Qualitätsansprüchen gerecht. Dennoch kann keine Gewähr für die Aktualität, Korrektheit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen gegeben werden.


Vorurteil: Schmerzen von Mensch und Tier kann man nicht vergleichen

Schmerzen von Mensch und Tier kann man nicht vergleichen

Behauptung: Tiere haben nicht so ein feines Bewusstsein wie wir Menschen, deshalb können sie Leid und Schmerz auch nicht so stark wahrnehmen. Das Vermenschlichen von tierischem Leiden ist darum unzulässig.

Wenn es um das Verhältnis zwischen Mensch und Tier geht, findet man viele irrationale Verhaltensweisen:
  • Weil Tiere dem Menschen sehr ähnlich sind, macht es angeblich Sinn, sie als Vorbilder zu nehmen, um an ihnen Medikamente und Nahrungsmittel zu testen. Die Qualen der Tiere werden dabei heruntergespielt mit dem Argument, dass man Menschen und Tiere nicht vergleichen könne.
  • Weil das Fleisch des menschlichen Körpers dieselben Stoffe enthält (Proteine, Mineralstoffe, Vitamine …) wie dasjenige der Tiere, gilt das Fleisch der Tiere als gesundes Nahrungsmittel. Weil man den Menschen aber nicht mit dem Tier vergleichen darf, ist es unzulässig, die Produktion von Fleisch (= Nutztierhaltung) und das damit verbundene Leiden grundsätzlich in Frage zu stellen.
  • Weil viele Tiere ein ähnliches Gefühlsleben haben wie Menschen (Angst, Stress, Einsamkeit etc.), macht man mit ihnen psychologische Experimente. Weil Tiere aber angeblich nicht so fühlen können wie wir Menschen, darf man sie ihr Leben lang einsperren und ihre grundlegendsten Bedürfnisse missachten (z.B. in der Erde wühlen bei den Schweinen).
  • Weil es manche Tierarten gibt, die sich hauptsächlich durch Fleisch ernähren, sehen dies viele als Rechtfertigung für den eigenen Fleischkonsum an. Die Tiere werden hier also als ethische Vorbilder verwendet, obwohl man sonst immer die Überlegenheit des Menschen gegenüber den Tieren betont. Übersehen wird dabei auch, dass sehr viele Tierarten rein vegan leben. Diese werden jedoch nie als Vorbilder in der Ernährung verwendet.
An all diesen Beispielen sieht man deutlich, dass es nur mit sich widersprechenden Annahmen überhaupt möglich ist, die heutige Ausbeutung der Tiere zu rechtfertigen.
Sobald man sich dafür entscheidet, dass Tiere Gefühle haben oder eben nicht oder dass Tiere dem Menschen ähnlich sind oder nicht, wäre all dies nicht mehr möglich. Je nach Situation muss man also das eine oder das andere behaupten, um die Tierausbeutung weiterhin rechtfertigen zu können.
Wenn es darum geht zu entscheiden, ob man Tieren Schmerzen zufügen darf (z.B. durch den Schlachtprozess), muss man damit argumentieren, dass Tiere Schmerzen nicht so empfinden, wie wir Menschen es tun. In einem solchen Fall (der von der Wissenschaft übrigens längst widerlegt ist) wären aber Tierversuche zu Schmerzmedikamenten völlig sinnlos. Da behauptet man deshalb plötzlich das Gegenteil von dem, was man bezüglich Fleischproduktion als Behauptung aufgestellt hat.

«[…] Dieses Wissen lässt uns beim Tier dem Menschen ähnliche Schmerzzustände annehmen.»
Dr. M. Sager
Tierversuchsanlage der Universität Düsseldorf, www.uni-giessen.de/tierschutz/4132.htm

Darf man Tiere vermenschlichen?

Ein «Vermenschlichen» wäre z.B., wenn man Religionsfreiheit für Tiere fordern würde. Eine solche Forderung ist mit nichts zu rechtfertigen, da Tiere kein Bedürfnis nach einer Religion haben. Echte Bedürfnisse von Tieren aber deshalb zu verleugnen, wäre genauso falsch.
Da die Neurobiologie heute ganz klar feststellen konnte, dass das Schmerzempfinden bei Wirbeltieren gleich funktioniert wie beim Menschen, wäre es völlig unwissenschaftlich zu behaupten, dass die einen Schmerzen weniger bedeutend seien als die anderen. Jedes Tier (und somit auch der Mensch) hat eigene Bedürfnisse. Es geht nicht um ein «Vermenschlichen» der Tiere, sondern darum, ihre eigenen Bedürfnisse (die auf manchen Gebieten durchaus identisch mit menschlichen Bedürfnissen sein können) zu befriedigen.
Es gibt keinen Grund, dies zu ignorieren, ausser eben den, dass man Angst hat, auf die eigenen Vorteile der Tierausbeutung verzichten zu müssen.

«Wissenschaftler stimmen überein, dass Tiere genauso Schmerzen empfinden wie wir Menschen, nur sie zeigen es anders.»
PFIZER Pharma GmbH

Renato Pichler
Schweizerische Vereinigung für
Vegetarismus (SVV)
www.vegetarismus.ch
 
Manfred Völkel, Mitglied einer Tierschutzkommission, ehem. Dozent an der HWK Nürnberg und Studien-Analyst im Bereich der tierexperimentellen medizinischen Forschung

«Auch 15 Jahre nach den Tierversuchen war keine einzige Umsetzung in der Humanmedizin nachweisbar»

Interview mit Manfred Völkel, Mitglied einer Tierschutzkommission, ehem. Dozent an der HWK Nürnberg, Studien-Analyst im Bereich der tierexperimentellen medizinischen Forschung.

AG STG: Wie sieht Ihr persönliches Verhältnis zu Tieren aus? Welche Rechte fordern Sie für Tiere?

Völkel: Tiere haben, wie wir Menschen, Bedürfnisse. Sie sind Mitgeschöpfe, lebende und fühlende Wesen dieser Erde und können, wie wir Menschen, Hunger und Durst, Angst und Freude, Leid und Schmerz empfinden.
Ich wünsche den Tieren, dass ihnen von dem geistig überlegenen Menschen endlich der Schutz des eigenen Lebensraumes gewährt sowie Achtung und Wertschätzung entgegengebracht werden.

AG STG: Würden Sie bitte kurz Ihren persönlichen Weg zum Tierschutz beschreiben?

Völkel: Die Bekanntschaft mit dem Münchner Rechtsanwalt Dr. Andreas Grasmüller hat mich sensibilisiert, mich gegen Tierversuche einzusetzen. Er fertigte die ersten Filme aus Tierversuchslabors an. Durch seine guten Kontakte zum Bayerischen Rundfunk und zum Südwestfunk Baden-Baden liefen seine Dokumentationen regelmässig auf beiden Fernsehsendern.

Ich bin mit Tieren aufgewachsen und weiss, dass Medikamente der Hausapotheke, wie gängige Schmerzmittel, nicht so ohne Weiteres auch bei Katzen und Hunden angewendet werden dürfen, ja dass diese Medikamente oft sehr gefährlich für die Tiere sein können. Das brachte mich zum Nachdenken: Wenn das so ist, dann kann man doch auch nicht so ohne Weiteres Medikamente für den Menschen an Tieren entwickeln.

AG STG: Sie haben als Erster tierexperimentelle Versuchsvorhaben von der Antragstellung bis zur Publizierung analysiert. Was hat Sie dazu veranlasst? Was hat Sie dabei besonders interessiert?


Völkel: Die bis heute wiederkehrenden Begründungen der gleichen Arbeitsgruppen zur Unerlässlichkeit, indem die beantragten Tierversuche der Aufklärung der Ursachen und der Erforschung neuer Therapien dienen sollen, weil die bisherige Therapie ausgesprochen schlecht ist.
Von Interesse war jetzt, ob die Tierexperimentatoren ihr postuliertes Ziel, die Aufklärung der Ursachen und Erforschung neuer Therapien, tatsächlich erreicht haben.

AG STG: Nach welchen Kriterien haben Sie die Versuchsvorhaben ausgewählt?


Völkel: Zur Untersuchung sind alle tierexperimentellen Versuchsvorhaben, sowohl der Grundlagenforschung als auch der angewandten Forschung, gekommen. Alle Versuchsvorhaben, die in einer Kommission von Januar 1991 bis Dezember 1993 eingereicht worden sind, als Ziel die Erforschung neuer Therapien hatten und denen von der Mehrheit der Kommissionsmitglieder eine Genehmigung ausgesprochen worden ist. Basis des notwendigen Datenmaterials stellten die gutachterlichen Stellungnahmen dar.

AG STG: Mit welcher Methodik sind Sie bei dieser Studie vorgegangen?


Völkel: Wir haben in einer ersten Studie untersucht, wie die Antragsteller die gesetzlich geforderten Auskünfte bezüglich der Begründung für die Wahl der Tierart, der Darlegungen zur Schmerzbelastung, zur Unerlässlichkeit und ethischen Vertretbarkeit des Versuchsvorhabens beantwortet haben.[1]
In der nächsten Studie wurde weiter untersucht, inwieweit Ergebnisse aus diesen tierexperimentellen Forschungsvorhaben veröffentlicht und welche medizinischen Erkenntnisse publiziert worden sind. Dazu wurde als Erstes eine Datenbankrecherche durchgeführt, um die aus den Tierversuchen hervorgegangenen Primärpublikationen zu erhalten.[2]

Die Bewertung selbst erfolgte in zwei Abschnitten: Im ersten Schritt wurde die Belastung der Versuchstiere mit den Angaben des Antragstellers verglichen. Im zweiten Schritt wurde untersucht, ob die Tierversuche tatsächlich zu neuen Therapien führten.[3]

AG STG: Welche Ergebnisse haben Ihre Studien geliefert?


Völkel: Es hat sich gezeigt, dass der Tierversuch eine völlig obsolete Forschung darstellt.
Tierexperimentatoren tun sich offensichtlich schwer, wenn es darum geht, die maximal erwartete Schmerzbelastung der Versuchstiere darzulegen. Die Ausführungen zur ethischen Vertretbarkeit und zur Übertragbarkeit von Versuchen sind vielfach völlig unzureichend.[1]

Wären bei den Tierversuchsanträgen die gesetzlichen Anforderungen nach der Unerlässlichkeit strikter angewendet worden, dann hätten rund die Hälfte aller tierexperimentellen Versuchsvorhaben schon alleine deshalb gar nicht genehmigt werden dürfen.[1]

Auch die klinische Auswertung zeigte ein ernüchterndes Bild von dem wahren klinischen Wert von Tierversuchen. Auch 15 Jahre nach den Tierversuchen war keine einzige Umsetzung in der Humanmedizin nachweisbar. Keine einzige am Tiermodell entwickelte Therapie konnte klinisch umgesetzt werden. Entweder war kein therapeutischer Effekt nachweisbar oder die Befunde am Menschen widersprachen sogar den Ergebnissen am Tier.[2, 3]

Verleihung des Posterpreises LINZ 2004 anlässlich des MEGAT-Kongresses an der Uni in Linz an Prof. Dr. Lindl (links) und Manfred Völkel für ihre Evaluierungsstudie
Verleihung des Posterpreises LINZ 2004 anlässlich des MEGAT-Kongresses an der Uni in Linz
an Prof. Dr. Lindl (links) und Manfred Völkel für ihre Evaluierungsstudie


AG STG: Die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hat errechnet, dass 92% aller Wirkstoffe, die in Tierversuchen als wirksam und sicher beurteilt wurden, aufgrund der angeschlossenen Untersuchungen am Menschen wegen schwerwiegender Nebenwirkungen oder fehlendem Nutzen gar nicht erst zugelassen werden. Auch Ihre Studie kommt zu etwa gleich fatalen Ergebnissen über Tierversuche. Weshalb finden diese Studien kaum Berücksichtigung?

Völkel: Hierfür gibt es viele Gründe. Wer sollte das schon berücksichtigen? Die Prüfung von Giftigkeit und Verträglichkeit chemischer Substanzen an Tieren ist eine eingeführte und behördlich anerkannte Methode. Kein Mensch hinterfragt, ob die Daten für den Menschen auch stimmen. Die Prüfung für den humanen Bereich wird an Menschen vorgenommen. Hierfür gibt es für Medikamente die klinischen Phasen I bis III. Wobei in der Regel bei der Testung am Menschen mit dem 500. Teil der Mausdosis (mg/kg Körpergewicht) begonnen wird.

Das Umsteigen von den obsoleten und mehr als fragwürdigen tierexperimentellen Testungen auf zeitgemässe, moderne Testmethoden würde ein neues Denken, neue Laboreinrichtungen und vor allem neue Arbeitsfelder bedingen. Tierexperimentatoren würden überflüssig und müssten durch Zellkulturforscher, Mikrobiologen und Computerfachleute ersetzt werden. Tierexperimentatoren sitzen aber an den Schaltstellen und werden diese Situation solange es geht verhindern.

AG STG: Weshalb wird die Entwicklung und Einführung von tierversuchsfreien Testmethoden vom Staat nicht viel mehr gefördert?


Völkel: Das liegt daran, dass
  1. die Fördergelderverteilung fest in der Hand tierexperimenteller Wissenschaftler liegt
  2. die Tierexperimentatoren mit allen Mitteln für die Beibehaltung der veralteten Lehrmethode «Tierversuch» kämpfen
  3. die «alternativen», tierversuchsfreien Forschungsmethoden u.a. ein völlig neues Konzept beinhalten
  4. diese tierversuchsfreien Forschungsmethoden ein hohes technisches Wissen erfordern und
  5. Tierversuche eine alteingeführte Testmethode darstellen, die ausserdem noch einfach zu bilanzieren ist.
Ausserdem ist die Versuchstierproduktion – von der einfachen Wildtypmaus bis hin zu den voroperierten Tieren – ein weltweit betriebenes, finanziell sehr lukratives Geschäft.

AG STG: Universitäten sollten sich eigentlich mit modernen, innovativen Forschungsmethoden befassen. Also Forschung für die Zukunft betreiben.
Die Erfahrung zeigt aber, dass es oft die Universitäten sind, die unbedingt an der veralteten Methode Tierversuch festhalten. Weshalb diese Diskrepanz zwischen innovativer Forschung und praktischer universitärer Tierversuchspolitik?


Völkel: Es gibt keine Qualitätskontrolle. Die einzige Beurteilung dieser Forschung besteht im Festhalten der Summe der aus den Tierversuchen hervorgegangenen Veröffentlichungen. Dass Tierversuche eine völlig veraltete Forschungsmethode darstellen, spielt dabei keine Rolle. Darüber hinaus stellen die ergrauten Eminenzen, Institutsleiter und Dekane eine uneinnehmbare Festung dar. Wer in der Universität weiterkommen will – welcher Student oder welcher Wissenschaftler will das nicht – der muss sich diesen Leuten unterwerfen, ob er will oder nicht.
Modern denkende Wissenschaftler haben deshalb wenig Chancen, bei der derzeit herrschenden Tierversuchsmafia etwas ändern zu können oder gar auf der Karriereleiter weiterzukommen.
Es ist an der Zeit, dass das bisherige Uni-Ranking und die Qualität eines Wissenschaftlers auch im Bereich der medizinischen Forschung nicht mehr an der Anzahl der Publikationen, sondern an dem Erreichten gemessen werden.

AG STG: Ein abschliessender Satz:


Völkel: Auch wenn der eine oder andere Tierversuch in der Vergangenheit einen wissenschaftlichen Nutzen erbracht hat, gilt die alte Weisheit: Viele Wege führen an das Ziel. Eine moderne und zeitgemässe Forschung kann, ja muss auf Tierversuche verzichten. Wenn wir endlich Fortschritte in der Medizin wollen, dann müssen wir die völlig veraltete und unwissenschaftliche Methode Tierversuch schnellstens loswerden.

Deshalb fördert jeder, der sich für die Reduzierung der Tierversuche einsetzt, selbstredend eine am Menschen orientierte, zeitgemässe Forschung und ermöglicht klinisch forschenden Ärzten zusammen mit modern ausgerichteten Wissenschaftlern eine humane Forschung zum Wohle des Menschen – letztlich auch zum eigenen Wohlergehen!

AG STG: Herzlichen Dank, dass Sie sich Zeit für dieses Interview genommen haben. Viel Erfolg für Ihre weitere Arbeit.


 

Manfred Völkel - Zur Person

Das Herz von Manfred Völkel (69) schlägt für die Tiere, aber auch für den kranken Menschen. Er setzt sich gegen Tierversuche ein wie auch gegen die Jagd und das Angeln, gegen das hobbymässig aus Lust betriebene Töten von Tieren.

Er ist als Vertreter der Tierschützer (Menschen für Tierrechte Nürnberg e.V.) seit 20 Jahren Mitglied in der Tierschutzkommission Nordbayern der Regierung von Unterfranken in Würzburg. Diese Kommission ist zuständig für die tierexperimentellen Versuchsvorhaben der Universitäten von Erlangen-Nürnberg, Regensburg und Würzburg sowie für die im nordbayerischen Raum ansässigen Pharmaunternehmen.

Er besitzt eine Wohnung hoch über dem Gardasee. Mit seinen zwei Hunden, die beide aus einem Tierheim stammen, unternimmt er ausgedehnte Spaziergänge. Er verzichtet auf den Verzehr tierischer Produkte. Abends trifft er sich oft mit Freunden bei Spaghetti und Rotwein. Gerne liest er Sachbücher, die sich mit der Natur beschäftigen.


Literatur

[1] Völkel, Manfred und Labahn, Dirk (1997). Die Belastung der Versuchstiere nach Einschätzung der Antragsteller von Versuchsgenehmigungen – Forderung von Kriterien zur Rechtsanwendung. In H. Schöffl, H. Spielmann und H.A. Tritthardt (Hrsg.) Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen. Forschung ohne Tierversuche 1996 (395-405) Wien, New York: Springer-Verlag.

[2] Lindl, T., Weichenmeier, I., Labahn, D., Gruber F.P. und Manfred Völkel (2001). Evaluation von beantragten und genehmigten tierexperimentellen Versuchsvorhaben in Bezug auf das Forschungsziel, den wissenschaftlichen Nutzen und die medizinische Relevanz. ALTEX 18, 171-178.

[3] Lindl, T., Kolar, R. und Völkel, M. (2005). Tierversuche in der biomedizinischen Forschung. Eine Bestandsaufnahme der klinischen Relevanz von genehmigten Tierversuchsvorhaben. ALTEX 22, 143-151.