Daniel Vasella (Novartis) gegen Erwin Kessler (VgT) - Darf man Tierversuche als Tierquälerei und Massenverbrechen bezeichnen?

Darf man Tierversuche als Tierquälerei und Massenverbrechen bezeichnen?

Novartis-Chef Daniel Vasella reichte gegen VgT-Präsident Erwin Kessler eine Strafklage wegen Verleumdung ein. Ebenfalls reichte er eine Zivilklage auf Unterlassung gegen den VgT (Verein gegen Tierfabriken) und Erwin Kessler ein. Dem VgT soll verboten werden, Tierversuche als Tierquälerei oder als Massenverbrechen zu bezeichnen. Erwin Kessler hat uns angefragt, ob wir eine medizinisch-wissenschaftlich fundierte Stellungnahme zum angeblichen Nutzen von Tierversuchen verfassen würden, um damit seine Verteidigung zu unterstützen.

Selbstverständlich unterstützen wir diesen Prozess. Erwin Kessler mag umstritten sein, aber es geht in diesem Prozess weder um seine Person noch um den VgT. Es geht einzig um das Recht, dass man Tierversuche auch weiterhin als das bezeichnen darf, was sie sind: als Tierquälerei sowie als (noch legale) Massenverbrechen. Wenn Vasella gewinnt, dann könnten in Zukunft immer mehr Klagen gegen alle, die Tierversuche kritisch hinterfragen, eingereicht werden. Und Organisationen wie die AG STG, die Tierversuche nicht nur als leidbringend für Tiere, sondern auch als forschungs- und menschenfeindlich entlarven, würden sich möglicherweise einer riesigen Prozesswelle ausgesetzt sehen.
Dr. med. Alexander Walz hat in einem 18-seitigen Statement unzählige wissenschaftliche Fakten zusammengetragen, die einmal mehr eindrücklich beweisen, dass Tierversuche nicht nur kaum etwas zu den medizinischen Fortschritten beigetragen haben, sondern dass sie diese gar verhindern. Ebenfalls geht er detailliert auf die einzelnen Behauptungen von Novartis-Chef Vasella ein.

Leider fehlt uns die Möglichkeit, dieses Statement im «Albatros» vollständig abzudrucken. Sie können das Statement jedoch im Internet durchlesen oder downloaden (Link am Ende dieses Berichts).
Im Folgenden veröffentlichen wir einige Auszüge, die jedoch nur einen kleinen Einblick in das Statement ermöglichen. Wir haben uns für diesen Einblick diesmal nicht auf die medizinisch-wissenschaftlichen Fakten konzentriert, sondern drucken ein paar Antworten auf die Behauptungen von Vasella ab.

Statement der AG STG  zur Vorlage beim Bezirksgericht Münchwilen (Auszüge)

Als Arzt mit jahrelanger Forschungserfahrung und zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen sowie als Arzt in oberärztlicher Funktion an einer renommierten medizinischen A-Klinik eines Zürcher Spitals wurde ich um eine medizinisch-wissenschaftliche Stellungnahme zu den von den Klägern aufgeworfenen Behauptungen gebeten.
(...)

Zur Aussage, Novartis habe eine global gültige Tierschutzrichtlinie in Punkt 38

Die Tatsache, dass ein solches Papier existiert, bedeutet nicht zwangsläufig bestmöglichen Schutz von Tieren.
Insbesondere die Behauptung im Unterpunkt 3: «Novartis stellt sicher, dass die Tiere in allen Betrieben menschenwürdig behandelt und artgerecht gehalten werden» ist offenkundig falsch, denn menschenwürdig wäre ein Leben in Freiheit und nicht in kleinen Käfigen. Menschenwürdig ist es sicher auch nicht, giftige Substanzen bei vollem Bewusstsein verabreicht zu bekommen oder tödliche Eingriffe über sich ergehen lassen zu müssen. Wären diese Tierversuche menschenwürdig, könnte sich Herr Vasella ja selbst zur Verfügung stellen, wie es in der Vergangenheit viele aufrichtige Wissenschaftler taten, und er müsste somit nicht länger auf Tiere zurückgreifen. Wären diese Tierversuche menschenwürdig, dann stellte sich auch die Frage, warum Novartis keine Kontrollen seiner Vivisektions-Laboratorien z. B. durch Tierschützer zulässt, sondern diese durch Hochsicherheitsanlagen absichert. Die bisherigen amtlichen Kontrollen sind in keiner Weise ausreichend, wie das BVet selbst anlässlich einer Anhörung zu einer Reform der entsprechenden Gesetzgebung hat verlauten lassen.
(...)

Zur Behauptung, Novartis sei Mitglied der Interpharma und dieser Verband hätte mit grosser Anstrengung an der Reduktion der Zahl und des Schweregrads von Tierversuchen gearbeitet, in Punkt 39

Die sog. Alternativforschung zu unterstützen stellt eine Verpflichtung dar, die seit 1981 im Tierschutzgesetz verankert ist, und ist daher nicht als Generosität von Novartis und Herrn Vasella zu werten. Um dieser Anforderung gerecht zu werden, gründete der Bund 1987 die Stiftung Forschung 3R. Dieser gehören Vertreter von National- und Ständerat, von Interpharma (dazu gehören insbesondere die Pharmagesellschaften Novartis, Roche und Merck Serono) und der Bundesverwaltung (BVet) an. Die Stiftung könnte in diesem Bereich somit eine interessante Rolle spielen. Nach rund zwanzigjähriger Tätigkeit feierte man 2008 ein Jubiläum. Zu feiern gab es indes wenig Anlass angesichts der negativen Bilanz. Der Bundesrat unterstützt die Entwicklung neuer Alternativmethoden in der Schweiz mit einer sehr geringen Summe von CHF 800 000.– pro Jahr.[37] Sehr gering deshalb, weil der Schweizerische Nationalfonds (SNF) im Bereich der medizinischen Forschung vom Bund mit mehreren hundert Millionen Franken pro Jahr unterstützt wird.[38] Mit der Gründung der Stiftung 3R hat der Bund zudem vorgeschlagen, Interpharma solle die Hälfte der budgetierten Summe übernehmen. Interpharma erhielt im Gegenzug zur jährlichen Beteiligung von CHF 400 000.– ein nahezu unbeschränktes Einsichtsrecht in alle – als innovativ erachteten – Projekte, die der Stiftung vorgelegt werden.
Darüber hinaus lässt sich Interpharma von der Stiftung für die eigenen Studien bezahlen. Angesichts der Tatsache eines Unternehmens-Reingewinnes bei Novartis von über 8 Milliarden US-Dollar im Jahr 2008 erscheint es geradezu als beschämend, dass sich Interpharma auf eigene Rechnung aus der kleinen Kasse dieser Stiftung bedient.[39]
(...)

Zur Behauptung, es würden von den Klägern keine Tierquälereien und Massenverbrechen begangen, in Punkt 42

Aus den vielen vorangegangenen Ausführungen wird deutlich, dass Novartis und ihr CEO Daniel Vasella zwar verkünden, Tierschutz zu betreiben, tagtäglich jedoch zahlreiche Tierversuche durchführen (lassen), die problemlos verzichtbar wären. Ja mehr noch: dass es die Menschheit weiterbringen würde, wenn Tierversuche unterlassen würden, da sie auf Menschen nicht oder nur eingeschränkt übertragbar sind und daher falsche Sicherheit vortäuschen. Zahlreiche historische und aktuelle Beispiele haben dies illustriert. Einige renommierte Wissenschaftler, auch aus Pharmaindustriekreisen, wurden zitiert, welche sich klar für eine Abkehr von Tierversuchen ausgesprochen haben.

Wenn nun also keine absolut zwingende medizinisch-wissenschaftliche Notwendigkeit für Tierversuche besteht und Tierversuche von der Mehrheit der Bevölkerung abgelehnt werden, diese aber dennoch durchgeführt werden, dann muss es Organisationen wie dem VgT zugestanden werden, diese Praktiken als Massenverbrechen zu betiteln. Denn im allgemeinen Sprachgebrauch wird eine Handlung, welche gegen die Werte einer Gesellschaft verstösst, als Verbrechen bezeichnet. Der «natürliche» Verbrechensbegriff unterliegt dabei einer immanenten Subjektivität. Eine Masse liegt bei Tierversuchen offenkundig vor, wenn alle 40 Sekunden ein Tier in einem Tierversuch in der Schweiz stirbt.
(...)

Fazit

(...)
Es ist nicht Gegenstand dieses Verfahrens, zu beurteilen, ob die genannten Vorgänge bei Novartis Verbrechen sind. Es ist Gegenstand des Verfahrens, ob kritische Menschen wie Dr. Kessler diese Vorgänge aufgrund ihres ethischen Verständnisses als Verbrechen bezeichnen dürfen.
Alleine das Beispiel von Rouillers tödlichen Affenversuchen (mit Beteiligung von Novartis), welche aus Sicht anderer Wissenschaftler völlig nutzlos für Menschen waren, rechtfertigt meines Erachtens diese Aussage. Denn wenn jemand aus überwiegendem Eigennutz (Erlangung des Doktortitels) derartige Versuche durchführt, liegen nach gängiger Auffassung niedere Beweggründe vor, was zusammen mit der vorsätzlichen Tötung den Tatbestand des Mordes erfüllt, welcher allgemein als Verbrechen gewertet wird.

Zu diesem Schluss komme ich als Arzt, welcher jeden Tag am Patientenbett die Folgen fehlgeleiteter medizinischer Forschung ertragen und vermitteln muss, und nicht als Beauftragter von Dr. Kessler, denn weder habe ich diesen jemals getroffen, noch habe ich jemals für den VgT gearbeitet.

Dr. med. Alexander Walz
Oberarzt und medizinisch-wissenschaftlicher Berater der AG STG

Weiterführende Links:

Vollständiges Statement inklusive Quellenangaben: http://www.agstg.ch/downloads/diverses/2010-01-28_stellungnahme_ag-stg_prozess_vasella-gegen-kessler.pdf

Internetseite vom VgT/Erwin Kessler mit vielen Informationen zu den Klagen:
http://vgt.ch/doc/vasella/index.htm
Bunt leuchtende Zebrafische aus der Schreckensküche der Modebranche Gentechnik

Manipulationen, Klonierungen, Xenotransplantationen

Was in den 80er und 90er Jahren im Buchladen noch im Regal mit der Aufschrift «Science-Fiction» stand, ist heute bereits teilweise erschreckende Realität. In Aldous Huxleys Roman «Schöne neue Welt» aus dem Jahr 1932 bestand die Gesellschaft aus genetisch identischen Menschen, genauer gesagt aus unterschiedlich entwickelten Klonen. In der Tierwelt ist diese Fiktion längst zur Realität geworden. Sie nahm bei den Säugetieren im Jahr 1996 ihren Anfang mit dem Klonschaf Dolly, gefolgt von Maus, Rind, Ziege, Katze, Hund, Affe und anderen Tierarten.

Die Zulassung von Nahrungsmitteln, die ihren Ursprung in geklonten Tieren haben, wird in der EU derzeit diskutiert und ihr Verzehr von der EU-Lebensmittelbehörde (EFSA) als unbedenklich eingestuft – ohne dass man hierzu Erfahrungswerte hätte. Fleisch und Milch geklonter Tiere könnte also bald in europäischen Supermarktregalen stehen, ungeachtet der gesundheitlichen Gefahren für den Verbraucher und des immensen Tierleids. Das BAG (schweizerisches Bundesamt für Gesundheit) stuft den Verzehr von Produkten geklonter Tiere ebenfalls als unbedenklich ein, wartet aber erst ab, wie sich die EU betreffend Zulassungen für diese Nahrungsmittel entscheiden wird.

Qualen für die Tiere

Die EFSA stellte fest, dass das Klonen von Rindern und Schweinen zu grossen Tierschutz- und Tiergesundheitsproblemen führt. Die «Erfolgsrate» beim Klonen ist sehr gering. Von 3400 Versuchen, Rinder zu klonen, resultierten nur 9 Prozent in der Geburt eines Kalbes. Zahlreiche Kälber starben innerhalb weniger Stunden nach der Geburt. Bei Schweinen zeigte sich, dass von 40 lebend geborenen Ferkeln 27 erhebliche gesundheitliche Beeinträchtigungen hatten, unter anderem Durchfall, Herzfehler oder Hirnhautentzündungen, und kurz nach der Geburt starben.

Spiel mit den Genen

Die Branche der Gentechnik boomt in vielen Bereichen seit einigen Jahren weltweit, und es ist in unserer realen Welt in Mode gekommen, die unterschiedlichsten Manipulationen am Erbgut von Mikroorganismen, Pflanzen, aber auch Tieren vorzunehmen und sogar sogenannte transgene Tiere herzustellen. Ziel ist die Produktion von tierischen Modellen für die Grundlagenforschung oder von «Hochleistungsmaschinen» in der Landwirtschaft, wie sie durch reine Zucht nicht erreicht werden können.
Transgenen «Krebsmäusen» wird ein bestimmtes Gen ein- bzw. ausgeschaltet, damit sie bereits krank zur Welt kommen. Diese seit ihrem Beginn erfolglose Forschung ist für die Tiere extrem qualvoll
Transgenen «Krebsmäusen» wird
ein bestimmtes Gen ein- bzw.
ausgeschaltet, damit sie bereits krank
zur Welt kommen. Diese seit ihrem
Beginn erfolglose Forschung ist
für die Tiere extrem qualvoll.
Unter Gentechnik versteht man gemeinhin biotechnologische Methoden, mit denen gezielte Eingriffe in das Erbgut mit daraus resultierenden biochemischen Steuerungsvorgängen von Lebewesen vorgenommen werden können, beispielsweise durch das Ein- oder Ausschalten bestimmter Gene. Bei der Herstellung transgener Tiere geht man so weit, dass fremde Erbsubstanz in den Organismus eingeschleust wird, beispielsweise das von einer kranken in das einer gesunden Maus.
Bei der Xenotransplantation werden sogar artfremde Gene in ein Lebewesen eingeschleust, so dass durch Überschreiten der Artgrenze unnatürliche Mischungen aus verschiedenen Arten hergestellt werden. Das Ergebnis kann z. B. ein leuchtender Affe sein, in dessen Erbgut das Leucht-Gen einer Qualle eingebaut wurde, oder eine Erdbeere, die ein Fisch-Gen enthält.

Eingriff in die Natur

Natürlich vorkommende Klone sind beispielsweise beim Menschen eineiige Zwillinge und in der Pflanzenwelt alle Zwiebelpflanzen, die Tochterzwiebeln bilden. Bei Kulturpflanzen sind Klone durch ungeschlechtliche Vermehrung gewonnene Abkömmlinge wie beispielsweise Stecklinge. Das künstliche Prinzip des Klonens bei Tieren beruht nun auf der gezielten Herstellung genetisch identischer Lebewesen im Labor, wie sie von Natur aus nie entstehen können. Da man ein erwachsenes Tier, das die vom Menschen gewünschten Eigenschaften enthält, nicht einfach kopieren oder durch Zucht erhalten kann, werden Zellen von dem zu klonenden Tier mit Zellen eines Empfängertieres zusammengebracht. Hierzu wird in eine fremde Eizelle eines «Spendertieres», deren Zellkern entfernt wurde, der Kern einer Zelle aus dem Wunschtier eingepflanzt. Durch eine chemische Substanz oder einen Stromstoss wird die Eizelle angeregt, in ihrem Entwicklungsprogramm fortzufahren. Die neu konstruierte Eizelle wird dann wie im Falle Dolly von einem Leihmuttertier ausgetragen. Die Erfolgsquote ist allerdings gering. Ein Grossteil der so produzierten Embryonen stirbt frühzeitig ab. Klontiere, die geboren werden, haben meist nur eine geringe Lebenserwartung, da sie krankheitsanfällig sind oder mit Missbildungen zur Welt kommen. Doch das Tierleid beginnt schon viel früher, denn auch die «Spendertiere» werden einem Eingriff im Labor unterzogen.
Selbst Haustiere, ob die Katze auf dem Sofa oder der Zebrabärbling im Aquarium, werden von der Modebranche Gentechnik nicht verschont und wie im Fall der bunt leuchtenden Zebrafische in den USA sogar kommerziell angeboten.
Klontiere sind sehr krankheitsanfällig und haben oft schmerzhafte Missbildungen. Sehr viele sterben bereits kurz nach der Geburt
Klontiere sind sehr krankheitsanfällig und
haben oft schmerzhafte Missbildungen.
Sehr viele sterben bereits kurz nach
der Geburt.
Auch ganz normale Haustiere kann man in manchen Ländern klonen lassen, damit sie angeblich «unsterblich» werden. Das macht vielen Tierliebhabern Hoffnung, da ihnen so der Abschied von einem geliebten Haustier erspart bleibt. Verschwiegen wird dabei gänzlich, dass es rein genetisch unmöglich ist, eine wirklich 100%ige Kopie des Tieres anzufertigen, da ein Teil der Erbinformation nicht im Zellkern, sondern ausserhalb in den sogenannten Mitochondrien liegt. Noch weniger lassen sich die besonderen Charaktereigenschaften und Wesenszüge unseres tierischen Familienmitglieds im Labor erzeugen – aber gerade diese Einzigartigkeit ist es, die jedes Lebewesen zu etwas Besonderem und Unkopierbarem macht. In der Schweiz gibt es laut Aussage des BAG noch keine geklonten Tiere.

Tiere für den Abfall produziert

Die Zahl der für die Erzeugung eines einzigen Klons benötigten Tiere ist immens, und die Quote überlebender Embryos liegt bei weniger als 10%. Zudem werden Tiere erzeugt, die nicht die gewünschten Eigenschaften besitzen und daher keine Verwendung finden. Derartige Experimente sind überdies mit erheblichen Schmerzen und Schäden sowohl für die Klon- als auch für die «Spendertiere» verbunden. Ein wahrer Tierfreund wird es wohl nicht in Kauf nehmen, dass zahllose Tiere in Versuchen leiden, nur um eine schlechte Kopie seines Haustiers zu erhalten.

Keine «schöne neue Welt»

Durch Klonen und Genmanipulationen beeinflusst der Mensch die genetische Identität eines Individuums nach für ihn zweckdienlichen Kriterien. Die ökologischen Auswirkungen der Freisetzung genetisch veränderter Lebewesen sind allerdings nicht abschätzbar. Die genmanipulierten Tiere könnten sich mit «normalen» Tieren verpaaren. Die Folge wäre eine unkontrollierte Durchmischung von natürlichem und künstlich erzeugtem Erbmaterial mit unbekanntem Risiko. Künstlich hergestellte Tiere können krankheitsanfälliger sein sowie Krankheiten auf andere Lebewesen übertragen. Ferner besteht die Gefahr, dass heimische Arten verdrängt werden, was einen Verlust an Artenvielfalt in unserem ohnehin schon stark gefährdeten Ökosystem bedeutet.

Die heute verfügbaren technischen Möglichkeiten setzen der Phantasie, dem Ausleben der Forscherneugier und der Erschaffung einer gar nicht schönen neuen Welt also keine Grenzen.  Doch wollen wir als Gesellschaft, dass ethische und natürliche Grenzen missachtet und alle Lebewesen einschliesslich uns Menschen zu Objekten degradiert werden, die beliebig manipulier- und vervielfältigbar sind?

ImageSilke Bitz, Diplombiologin
wissenschaftliche Mitarbeiterin der Ärzte gegen Tierversuche e.V.
www.aerzte-gegen-tierversuche.de

Ex-Nationalrat Hansjürg Weder: Standpunkt - Ehrfurcht vor allem Leben

Standpunkt

Wir alle wissen, dass Tiere, genau wie wir, Freude, Liebe, Angst und Leiden empfinden. Trotzdem werden diese Geschöpfe in der Vivisektion von Menschen «aufs Rad geflochten», in «Handschellen» gelegt und in enge Gefängnisse gepfercht. Den Hunden werden die Stimmbänder durchtrennt, damit man sie nicht schreien hört. Die Tiere können sich nicht wehren, und sie können nicht das Wort zu ihrer Verteidigung ergreifen. Wenn aber beim «Jüngsten Gericht» eines dieser Tiere sitzt, dann wird es für die Menschheit kritisch.
So oder so: Es ist der Tierschützer Pflicht, als ihre Stellvertreter zu wirken und sich denjenigen, die «Bruder Tier» aus materiellen Interessen ausnützen, foltern und vivisezieren, zu widersetzen.


Tierversuche sind – wie die quälerische Massentierhaltung – eine Kulturschande. Tiere sind keine gefühllose Ware, sondern empfindsame Wesen. Kein Mensch besitzt das Recht, ihnen Leid, Schmerz oder Qual zuzufügen.
Was macht denn die Würde des Menschen aus, die ihn über die Tiere erhebt? Was macht ihn zum Herrn der Schöpfung? Nach Prof. Spaemann aus Wien seine Fähigkeit, Dinge zu unterlassen, weil sie niedrig, widerwärtig und gemein sind, obwohl er sie ungestraft tun kann; und auch seine Fähigkeit, für andere Lebewesen eine Fürsorgepflicht zu übernehmen. Ebenfalls seine Fähigkeit, das Schwache zu schützen.
Tiere sind schwach. Wer sie quält, wird nie befürchten müssen, dass ihnen ein Rächer ersteht, der den Spiess umdreht. Die Tiere werden nie als Kläger auftreten, nie als Richter (es sei denn beim Jüngsten Gericht) und auch nie als Wähler (sonst würden viele meiner ehemaligen Kollegen hinter «schwedischen Gardinen» vegetieren).

Es ist die Meinung der in Europa weit vernetzten Organisation «Ärzte gegen Tierversuche», dass Tierversuche vor allem aus persönlichen, geschäftlichen und publizistischen Gründen durchgeführt werden und dass sie keine sicheren Rückschlüsse auf den Menschen zulassen.

Wie irreführend und gefährlich das blinde Vertrauen in die Ergebnisse von Tierversuchen sein kann, beweisen uns die zahlreichen Arzneimittelschädigungen der letzten Jahrzehnte (Contergan etc.) und die vielen «Heilmittel», die laufend aus dem Verkehr gezogen werden. Dabei handelt es sich um Medikamente, die oft viele Jahre lang an Patienten abgegeben wurden und nicht selten zum Tode führten. Die Dunkelziffer der an Arzneimittelschäden erkrankten Personen ist hoch. Tierversuche haben vielfach Alibifunktion. Sie schützen in erster Linie den Hersteller von Produkten und nicht den Verbraucher. Immer mehr Tierversuche werden durchgeführt, um Haftpflichtprozessen vorzubeugen. Wenn etwas passieren sollte, kann man sagen: «Wir haben das Produkt im Tierversuch geprüft und soundso viele Tiere geopfert und haben nichts Gefährliches gefunden.» Aber: Der Tierversuch bringt gerade das nicht, was man von ihm erwartet, nämlich Sicherheit für die Anwendung am Menschen.
Das Tier als Experimentiermodell für den Menschen zu benutzen, ist ein willkürlicher Akt und völlig unwissenschaftlich. Deshalb gehen die Methoden, die von diesen Modellen abgeleitet werden, von vorneherein von einer falschen Voraussetzung aus. Eine falsche Grundlage aber führt unweigerlich zu falschen Ergebnissen.

Der Mensch ist auf dem besten Weg, die Schöpfung zu zerstören, weil er eine Ordnung geschaffen hat, die nicht mehr in der Natur eingebettet ist. Er hat sich ausserhalb dieser gestellt und glaubt die Luft verpesten, die Gewässer verschmutzen, die Tiere ausrotten, den Boden vergiften, den Wald zerstören und das Essen chemisieren zu dürfen. In seiner Verblendung stellt er auch für Jahrtausende giftigen radioaktiven Abfall her, mit dem er uns und alle kommenden Generationen zu Wachhunden degradiert. Und als Krone seines selbstzerstörerischen Tuns glaubt er, die wehrlosen Tiere ausbeuten, foltern, einpferchen und vivisezieren zu dürfen. Zur Vivisektion sagt einer der weisesten, friedfertigsten Menschen der Neuzeit, Mahatma Gandhi: «Es ist das schwärzeste Verbrechen, dessen sich der Mensch schuldig macht.»

ImageHansjürg Weder, Ex-Nationalrat aus Basel
im Oktober 2009

Medienmitteilung zum 24. April 2010, dem Internationalen Tag zu Abschaffung aller Tierversuche: Wann endlich forschen wir zum Nutzen für die Menschen?

Medienmitteilung der AG STG - Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner - www.agstg.ch

Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche

21. April 2010

Bonaduz (ots) Anlässlich des «Internationalen Tages zur Abschaffung der Tierversuche» vom 24. April erinnert die Organisation AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) an die jährlich 730 000 Versuchstiere, die in der Schweiz unter dem Vorwand angeblich wissenschaftlicher Forschung gequält und getötet werden. Die AG STG fordert endlich die Erfassung und Auswertung von Tierversuchs-Studien, aus deren Analysen klar nur ein mögliches Fazit gezogen werden kann: die Abschaffung aller Tierversuche!

Alle 43 Sekunden stirbt ein Tier in einem Schweizer Tierversuchslabor. Seit dem Jahr 2000 haben die Tierversuche jedes Jahr zugenommen – insgesamt um über 29% (!) auf über 730 000! Dies trotz der ständigen offiziellen Beteuerung (von Politik, Pharmalobby und Universitäten), dass Tierversuche auf das angeblich «notwendige» Mass reduziert würden.

Hingegen nimmt die Zahl der Tierversuche in der angewandten medizinischen Forschung immer mehr ab. 1984 fanden noch mehr als 81% aller Schweizer Tierversuche für dieses Fachgebiet statt, 2008 waren es weniger als 40%. Alarmierend: Nur 1,5% der an Universitäten und Hochschulen durchgeführten Tierversuche sind für die Arzneimittelforschung!
Dafür steigen die Tierversuche für die sogenannte Grundlagenforschung jedes Jahr massiv an. In der Grundlagenforschung wurden in jüngster Zeit z. B. Fragen beantwortet wie (alle drei Beispiele wurden in wissenschaftlichen Fachzeitschriften veröffentlicht): «Werden Fische seekrank?», «Wie wirkt sich ein durch Gewehrschüsse verursachtes Lärmtrauma auf Meerschweinchen aus?» oder «Wie lange dauert es, bis Silbermöwen verhungern?»

«Die Qualität der tierexperimentellen Forschung wird nicht daran gemessen, ob und wie vielen Menschen damit geholfen werden konnte, sondern einzig daran, wie viele Artikel darüber in Fachzeitschriften veröffentlicht wurden», kritisiert Andreas Item, Geschäftsführer der AG STG, die herrschende Praxis. «Diese Praxis auf Kosten von Tier und Mensch hilft niemandem ausser dem Portemonnaie der jeweiligen Forscher.»
Es gibt in der Schweiz keine Kontrolle von Nutzen und Erfolgen/Misserfolgen von Tierversuchsergebnissen. Auch werden die Tierversuchsdaten nicht zentral erfasst und anderen Forschern zur Verfügung gestellt. Somit besteht keine Möglichkeit, das Wissen vergangener Tierversuche für zukünftige Tierversuche zu nutzen. Dies führt z. B. dazu, dass dieselben Tierversuche (jeweils in anderen Institutionen) immer wieder durchgeführt werden.

Schon seit vielen Jahren fordert die AG STG die Erfassung und Auswertung von Tierversuchsergebnissen. Zurzeit wird in der Schweiz endlich eine zentrale Datenbank über Tierversuche aufgebaut. Doch leider sind bei dieser keine Einsicht und keine Transparenz geplant. Für mehr Transparenz und Zugriffsmöglichkeiten auf diese Datenbank setzt sich die AG STG mit Eingaben bei Politik und Gesetzgeber ein.
«Mehr Transparenz z. B. durch die Veröffentlichung fehlgeschlagener Tierversuchsergebnisse würde auch die Patientensicherheit massiv erhöhen, da nicht immer wieder die gleichen Tierversuchsergebnisse ohne vorhersehbares Risiko bei Patienten ausprobiert würden», moniert Andreas Item. Die AG STG kritisiert diesbezüglich insbesondere die Untätigkeit der Politik bei der praktischen Umsetzung und Einhaltung von Verbesserungen im Sinne des Tier- und Menschenschutzes.
Weiterhin fordert die AG STG endlich ein Umdenken in Politik und Forschung. Denn nur mit der Abschaffung der Tierversuche wird der Weg frei für eine am Menschen orientierte und für die Menschen nützliche Forschung.

Der Gedenk- und Aktionstag wurde erstmals 1979 begangen und geht auf den Geburtstag von Lord Hugh Dowding zurück, der sich im britischen Oberhaus für den Tierschutz einsetzte.

Weitere Informationen über Tierversuche finden Sie unter:
http://www.agstg.ch

Die Organisation AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) besteht seit 1981. Sie lehnt Tierversuche aus medizinischen, aus wissenschaftlichen sowie aus ethischen Gründen ab. Die Organisation engagiert sich für eine innovative, zukunftsorientierte Forschung und eine Wissenschaft ohne Tierversuche, die sich am Menschen orientiert und bei der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten im Vordergrund stehen.

TGN1412  Ein Arzneimittelskandal jährt sich

Medienmitteilung der AG STG - Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner - www.agstg.ch

TGN1412 - Knapp überlebt infolge der Unzuverlässigkeit von Tierversuchen

26. März 2010

Bonaduz (ots) Im März 2006 wurde sechs jungen, gesunden Menschen der zuvor in Tierversuchen umfassend geprüfte Arzneimittelwirkstoff TGN1412 der Firma TeGenero gespritzt. Dabei handelte es sich um einen neu entwickelten Antikörper, der gegen verschiedene Immunkrankheiten wirken sollte, so z. B. gegen multiple Sklerose oder die rheumatoide Arthritis. Alle Teilnehmer landeten im Schockzustand mit dem Versagen zum Teil mehrerer Organe auf der Intensivstation, weil es zu einer vollkommen unerwarteten übermässigen Reaktion des Immunsystems kam. Die Probanden überlebten nach monatelangem Spitalaufenthalt nur knapp und leiden teilweise noch heute an den Folgen dieses Versuchs.

Bevor ein Medikament für die breite Anwendung zugelassen wird, muss es zuvor an freiwilligen Probanden getestet werden. Aufgrund gesetzlicher Vorschriften gehen dem verschiedene Tierversuche voraus, darunter Prüfungen der Wirksamkeit und auf unerwünschte Nebenwirkungen sowie Giftigkeitsprüfungen. Diese wurden auch bei TGN1412 durchgeführt, und zwar an verschiedenen Tierarten, darunter auch Rhesus- und Javaneraffen, die uns Menschen genetisch zu weit über 90% ähnlich sind.

Dr. med. Walz, medizinisch-wissenschaftlicher Berater der AG STG, arbeitet als Oberarzt in einer renommierten Zürcher Klinik. Für ihn ist es unverständlich, dass man immer noch Tierversuche in der Medikamentenentwicklung durchführt. Bereits 1957, als Contergan auf den Markt kam, hatte man aufgrund harmlos verlaufener Tierversuche damit geworben, dass Contergan sogar für Schwangere ein sicheres Schlafmittel sei. Dies hatte fatale Folgen: 10 000 Kinder wurden in der Folge mit verstümmelten oder fehlenden Gliedmassen geboren.
Dr. med. Walz weist darauf hin, dass aus Untersuchungen bekannt ist, dass jeder 15. Patient wegen unerwünschter Medikamentennebenwirkungen im Spital landet und dass schwere Nebenwirkungen sogar zu den häufigsten Todesursachen in den USA zählen. Die amerikanische Zulassungsbehörde hat zudem errechnet, dass von 100 Medikamenten, die im Tierversuch als wirksam und harmlos erachtet wurden, nur noch 4 übrig bleiben, welche auch beim Menschen wirklich wirksam und harmlos sind.

Besonders ärgert sich Dr. med. Walz aber darüber, dass viele Forschungsgelder für Tierversuche verschwendet werden und somit für die Erforschung wirksamer Impfstoffe und Therapien fehlen. So wird Krebs bald zu den häufigsten Todesursachen zählen, obwohl man zigtausendfach Krebs bei Mäusen und Affen geheilt hat.

Der Herausgeber der Krebsforschungs-Zeitschrift Clinical Oncology stellte fest, dass es schwierig sei, «einen einzigen üblichen Krebs des Menschen zu finden, bei dem Behandlung und Heilungsaussichten durch tierexperimentelle Forschung ernsthaft beeinflusst wurden. Letztendlich sind es Studien an menschlichen Patienten und nicht Tierversuche, die relevante Ergebnisse bringen.»
Dazu Dr. med. Walz: «Heute hat man die Möglichkeit, auf Computerchips menschliche Zellkulturen mehrerer Organsysteme in ihrem komplexen Zusammenspiel zu studieren. Es gibt viele tausend innovative, tierversuchsfreie Forschungsmethoden, so dass kein Grund mehr existiert, weiterhin mittelalterlichen und oft qualvollen Tierversuchen zu vertrauen.»

Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, wie auch verschiedene Ärzteorganisationen fordern daher seit langem einen konsequenten Verzicht auf Tierversuche und die Anwendung von geeigneten innovativen, tierversuchsfreien For-schungsmethoden. Diese wissenschaftlichen Methoden sind ein Fortschritt und nicht nur ein Ersatz für Tierversuche. Damit könnte man die Schweiz zu einem weltweit führenden Forschungsstandort machen und Krankheiten endlich wirksam bekämpfen.

Wissenschaftliche Abhandlung «Tierversuche aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht»:
http://www.agstg.ch/downloads/flyer/agstg-prospekt_tierversuche-aus-medizinisch-wissenschaftlicher-sicht_de.pdf

Weitere Informationen über die AG STG:
http://www.agstg.ch

Die Organisation AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) besteht seit 1981. Sie lehnt Tierversuche aus medizinischen, aus wissenschaftlichen sowie aus ethischen Gründen ab. Die Organisation engagiert sich für eine innovative, zukunftsorientierte Forschung und eine Wissenschaft ohne Tierversuche, die sich am Menschen orientiert und bei der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten im Vordergrund stehen.