Kosmetik ohne Tierversuche - Mit gutem Gewissen einkaufen

Liste tierversuchsfreie Firmen: Kosmetik mit gutem Gewissen einkaufen

Es gab in den letzten Monaten einige Änderungen in unseren Empfehlungen. Die aktuelle Liste finden Sie jeweils unter: www.kosmetik-ohne-tierversuche.ch/positive-firmen.html

Kosmetik ohne Tierversuche - Liste tierversuchsfreie Firmen

Weshalb viele Firmen nicht in dieser Liste erscheinen

Die nicht aufgeführten Firmen sind unterschiedlich zu werten. Einige machen Tierversuche oder geben Tierversuche in Auftrag. Andere kaufen auch in Zukunft Rohstoffe ein, die zurzeit in Tierversuchen getestet werden. Dann gibt es Firmen, die uns trotz mehrmaligem Anfragen nicht geantwortet haben (Diese Firmen wissen aber meistens auch weshalb nicht ...). Und schliesslich auch solche, welche nur die eine oder andere wichtige Anforderung nicht erfüllen und deshalb von uns nicht empfohlen werden können.
Insgesamt ist zu sagen, dass viele Firmen an der Transparenz (die uns das Beurteilen der Produkte ermöglichen würde) scheitern oder daran, dass sie selbst nicht genau wissen, wie die eingesetzten Rohstoffe getestet wurden und werden. Trotzdem werben viele dieser Firmen auf ihren Webseiten mit dem Prädikat tierversuchsfrei.
Leider jedoch fehlt uns die Möglichkeit, bei all diesen Firmen aufzuführen, weshalb wir sie nicht aufgenommen haben. Deshalb beschränken wir uns auf die Auflistung der von uns empfohlenen Firmen.

Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche -  Medizinische Fortschritte werden nicht dank, sondern trotz Tierversuchen  erreicht

Medienmitteilung der AG STG – Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegnerwww.agstg.ch

Internationaler Tag zur Abschaffung der Tierversuche
Medizinische Fortschritte werden nicht dank, sondern trotz Tierversuchen erreicht

20. April 2011, Bonaduz

Anlässlich des «Internationalen Tages zur Abschaffung der Tierversuche» vom 24. April erinnert die Organisation AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) an die jährlich über 700 000 Tiere, die in der Schweiz unter dem Vorwand angeblich wissenschaftlicher Forschung gequält und getötet werden. Die AG STG fordert endlich eine Abkehr von diesen für Tier und Mensch gefährlichen und grausamen Forschungsmethoden sowie die konsequente Förderung innovativer und zuverlässiger tierversuchsfreier Forschungsmethoden.

«Tierversuche haben nachweislich schon sehr oft geniale Entdeckungen fast und mit Sicherheit noch viel öfter ganz verhindert», kritisiert Andreas Item, Geschäftsführer der AG STG. «Trotzdem hält sich der Mythos der medizinischen Unverzichtbarkeit von Tierversuchen weiterhin hartnäckig. Jedoch das Gegenteil ist der Fall. Wenn der Umstieg auf innovative und sichere tierversuchsfreie Forschungsmethoden nicht endlich stattfindet, dann wird dadurch der medizinische Fortschritt auch weiterhin behindert!»

Unzählige Menschen mit einer koronaren Herzerkrankung verdanken ihr Leben und viele praktisch beschwerdefreie Jahre einer Katheterintervention mit Gefässaufweitung oder einer Bypassoperation. Diese Errungenschaften sind ein Musterbeispiel medizinischen Fortschritts. Doch sind sie auch ein Musterbeispiel erfolgreicher Tierversuchsforschung?

Beinahe wären diese heilbringenden Eingriffe aufgrund fehlgeleiteter Forschung nie durchgeführt worden!
Tierversuche an Hunden hatten ergeben, dass man körpereigene Venen nicht für Bypassoperationen verwenden kann. Erst die zahlreichen Berichte von erfolgreichen Operationen (in der Not infolge fehlender Alternativen durchgeführten Operationen – u.a. in Kriegsgebieten) führten zu einer breiten Anwendung und Anerkennung dieser lebensrettenden Operation.

1910 führten Franck und Alwens die ersten Versuche mit Rechtsherzkathetern bei lebenden Tieren durch. Da alle Tiere starben, wäre beinahe eine der innovativsten Errungenschaften der Medizin ausgeblieben, denn man glaubte deshalb lange Zeit, dass jeder Zugang zum Herzen tödlich enden würde.
1929 bewies Werner Forssmann in einem mutigen Selbstversuch, dass dies doch möglich ist.
Er hatte die Idee, dass der Zugang zum rechten Herzen wesentlich einfacher und sicherer über eine Vene möglich wäre. Er plazierte bei sich selbst einen Blasenkatheter bis zum Anschlag – 65 cm tief. Beim anschliessenden Röntgen dokumentierte er, dass der Katheter in seinem rechten Herzvorhof lag. 1956 wurde Forssmann dafür mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Dies sind nur zwei von vielen Beispielen.
Die AG STG erklärt des weiteren, dass auch scheinbar erfolgreiche Tierversuche eine grosse Gefahr für Menschen sind. Trotz oder gerade wegen vorgeschriebener Tierversuche im Zulassungsverfahren von neuen Medikamenten sind schwerwiegende Medikamentennebenwirkungen die fünfthäufigste Todesursache in den USA. (Für die Schweiz gibt es leider keine offiziellen Zahlen – sie bewegen sich jedoch im gleichen Rahmen.)

Schon seit vielen Jahren fordert die AG STG u.a. die konsequente Auswertung von Tierversuchsergebnissen und die Veröffentlichung dieser Daten. Zurzeit gibt es in der Schweiz keine Kontrolle über Nutzen und Erfolge/Misserfolge von Tierversuchsergebnissen.
«Auch dies ist ein Musterbeispiel, wie die Sicherheit und der Nutzen für Patienten mit Füssen getreten werden. Mehr Transparenz, eine detaillierte Auswertung sowie die Veröffentlichung fehlgeschlagener Tierversuchsergebnisse würden die Patientensicherheit massiv erhöhen, da nicht immer wieder (wie es jetzt Praxis ist) die gleichen Tierversuchsergebnisse ohne vorhersehbares Risiko bei Menschen ausprobiert würden», kritisiert Andreas Item und legt nach: «Was sollte denn gegen diese Forderungen sprechen, wenn Tierversuche wirklich etwas bringen würden?»
Die AG STG fordert endlich ein Umdenken in Politik und Forschung. Denn nur mit der Abschaffung von Tierversuchen wird der Weg frei für eine am Menschen orientierte und für die Menschen nützliche Forschung.

Anlässlich des jährlich am 24. April stattfindenden «Internationalen Tages zur Abschaffung der Tierversuche» wird weltweit auf das Leid der für Tierversuche missbrauchten Tiere aufmerksam gemacht.
Der Gedenk- und Aktionstag wurde erstmals 1979 begangen und geht auf den Geburtstag von Lord Hugh Dowding zurück, der sich im britischen Oberhaus für den Tierschutz einsetzte.

Ausführliche Informationen über Tierversuche und weitere Beispiele, wie der medizinische Fortschritt durch Tierversuche blockiert bis verhindert wurde, finden Sie unter: http://www.agstg.ch

Kontaktdaten nur in der Original-Medienmitteilung

Die Organisation AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) besteht seit 1981. Sie lehnt Tierversuche aus medizinischen, aus wissenschaftlichen sowie aus ethischen Gründen ab. Die Organisation engagiert sich für einen innovativen, zukunftsorientierten und führenden Forschungsstandort Schweiz und somit für eine Wissenschaft ohne Tierversuche. Die medizinische Wissenschaft muss sich endlich wieder am Menschen orientieren und dabei die Ursachenforschung und die Vorbeugung gegen Krankheiten in den Vordergrund stellen.

AG STG Protestaktion - Engel protestieren gegen Tierversuche für  Kosmetik

Medienmitteilung der AG STG – Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegnerwww.agstg.ch

AG STG-Protestaktion
Engel protestieren gegen Tierversuche für Kosmetik

30. April 2011, Bonaduz/Zürich

Traurig und Blut weinend protestierten heute mehrere Engel auf der Bahnhofstrasse in Zürich gegen Tierversuche für Kosmetik. Ihr Korb war gefüllt mit Kosmetikmustern – darin lag ein weisses (Plüsch-)Kaninchen mit einem blutenden Auge! Aktivisten informierten die geschockten Passanten über diese Protestaktion, die, unterstützt von einer neuen Petition, der Startschuss für die neue Plattform www.kosmetik-ohne-tierversuche.ch ist.

«Für meine Creme und meinen Haushaltsreiniger sollen keine Tiere leiden müssen!» Dies wünschen sich immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten. Aber Achtung: Slogans
wie «Ohne Tierversuche», «Tierversuchsfreies Produkt» oder «Dieses Produkt wurde nicht
im Tierversuch getestet» sind nicht gesetzlich geschützt.
«Es gibt in der Schweiz kein Gesetz, das Tierversuche für Kosmetik verbietet. Leider wird deshalb in diesem Bereich viel Kundentäuschung betrieben», behauptet Andreas Item, Geschäftsführer der AG STG.
Kosmetik-Endprodukte sind tierversuchsfrei. Denn der Verkauf von im Tierversuch getesteten Kosmetik-Fertigprodukten ist in der EU verboten. Diesen Gesetzen müssen sich auch Schweizer Firmen anpassen.
«Was viele Firmen jedoch bewusst verschweigen: Für die einzelnen Inhaltsstoffe ihrer
Produkte wurden und werden sehr viele Tierversuche gemacht»
, kritisiert Andreas Item und sagt weiter: «Um es in Zahlen zu fassen: Auch heute werden noch jährlich weltweit mehrere hunderttausend Tierversuche für Kosmetik gemacht!»

Diesem Missstand tritt die AG STG mit dieser neuen Plattform entgegen. Sie hat eine Auflistung tierversuchsfreier Kosmetik, Haushalts- und Reinigungsmittel von in der Schweiz erhältlichen Produkten aufgebaut und stellt diese Daten aktuell aufbereitet und transparent jedem zur Verfügung.

Weshalb werden überhaupt Tierversuche für Kosmetik gemacht? Tierversuche dienen der Verbrauchersicherheit. So die offizielle Begründung von Politik und Wirtschaft.
Doch wie zuverlässig schützen uns Tierversuche vor den möglichen Schäden, die ein neues Produkt verursachen kann?
92% aller Tierversuchsergebnisse sind laut Studien der amerikanischen Arzneimittelbehörde (FDA) nicht auf Menschen übertragbar [1, 2]. Zu gross sind die Unterschiede hinsichtlich Körperbau, Organfunktion, Stoffwechsel und vielem mehr. Von den verbleibenden 8% müssen etwa die Hälfte aller daraus entwickelten Produkte wieder vom Markt genommen oder deren Beipackzettel um gravierende Nebenwirkungen ergänzt werden. [3] Dies bedeutet: Nur 4% der Tierversuchsergebnisse sind laut Aussage der Arzneimittelbehörde auf Menschen übertragbar.

Den Aktions-Flyer finden Sie unter: http://www.agstg.ch/downloads/flyer/agstg-flyer_tierversuche-fuer-kosmetik_de.pdf

Ausführliche Informationen über Tierversuche für Kosmetik sowie über tierversuchsfreie Kosmetik, Haushalts- und Reinigungsmittel finden Sie unter: http://www.kosmetik-ohne-tierversuche.ch

Kontaktdaten nur in der Original-Medienmitteilung


Bilder der Aktion in der Bahnhofstrasse in Zürich Fotos (c) Herbi Ditl & AG STG
Kampagnenstart/Protestaktion: Kosmetik ohne Tierversuche Kampagnenstart/Protestaktion: Kosmetik ohne Tierversuche
Kampagnenstart/Protestaktion: Kosmetik ohne Tierversuche Kampagnenstart/Protestaktion: Kosmetik ohne Tierversuche - Foto  05
Kampagnenstart/Protestaktion: Kosmetik ohne Tierversuche Kampagnenstart/Protestaktion: Kosmetik ohne Tierversuche
Kampagnenstart/Protestaktion: Kosmetik ohne Tierversuche Kampagnenstart/Protestaktion: Kosmetik ohne Tierversuche


www.kosmetik-ohne-tierversuche.ch ist finanziell unabhängig. Dieses Projekt wird ausschliesslich von der AG STG finanziert. Somit ist sichergestellt, dass keine Verpflichtung Dritten gegenüber besteht oder entstehen kann.
Die AG STG ist politisch, religiös und weltanschaulich neutral und unabhängig.
Auch steht die AG STG selbst in keiner Verpflichtung gegenüber irgendeiner Firma oder einem Hersteller. Die AG STG finanziert sich ausschliesslich über Abonnenten der Zeitschrift «Albatros» sowie durch freiwillige Unterstützungen und Spenden.

Quellen FDA:
[1] Innovation Stagnation. Challenge and Opportunity on the Critical Path to New Medical Products. U.S. Department of Health and Human Services. Food and Drug Administration (FDA), 2004, S. 8
[2] Crawford, Lester M: Speech before PhRMA Annual Meeting. FDA (U.S. Food and Drug Administration), 2004
[3] FDA Drug Review: Postapproval Risks 1975-1985. U.S. General Accounting Office, Washington D.C.

Standing Ovations für Prof. Barry Marshall für seinen mutigen Selbstversuch, mit dem er jahrzehntelange medizinisch falsche Behauptungen widerlegte

Fortschritte in der Medizin dank mutiger Selbstversuche

Nicht alle Wissenschaftler sind Anhänger von grausamen und überflüssigen Tierversuchen. Viele Pioniere hatten neue Erkenntnisse zuerst an sich selbst überprüft, bevor sie andere Lebewesen damit gefährdeten. Getreu der goldenen Regel: «Was du nicht willst, dass man dir tu’, das füg’ auch keinem anderen zu.»

Es gibt auch heute noch ethisch aufrichtige Forscher, die neue Medikamente oder Techniken zuerst an sich ausprobieren, bevor sie dies anderen zumuten. Forscher, die auf Tierversuche setzen, sind meistens nicht wirklich an medizinischem Fortschritt, sondern schlicht an möglichst vielen Veröffentlichungen interessiert – und seien sie noch so nutzlos. Solche Forscher erhalten dadurch zwar oft einen Professorentitel, werden jedoch höchstens ob ihrer Einfallslosigkeit und ihres Egozentrismus Berühmtheit erlangen. Niemals jedoch werden sie in die Liga nachfolgend genannter herausragender Persönlichkeiten aufsteigen.

Nobelpreis für übelriechende Drinks

Barry Marshall (Startbild oben) trank am 10. 7. 1984 eine Bakterienbrühe, die zuvor in einem Spital im australischen Perth aus dem Mageninhalt eines Patienten kultiviert wurde. Marshall entwickelte eine Magenschleimhautentzündung. Damit konnte er seine Annahme beweisen, dass nicht Stress und Ärger Ursache für Magenentzündungen und -geschwüre sind, sondern eine bakterielle Entzündung, verursacht von einem Bakterium namens Helicobacter pylori. Viele Menschen wurden bis dahin mit Mitteln gegen die Magenübersäuerung oder Psychotherapien behandelt. Seit der Entdeckung von Marshall wird mit Antibiotika therapiert. 2005 bekam Marshall für seine Erkenntnisse den Nobelpreis.
Anekdoten besagen, er habe zwei Wochen nach seinem übelriechenden Drink üblen Mundgeruch entwickelt. Als er seine Ehefrau vom Selbstversuch unterrichtet habe, habe diese ihn vor die Wahl gestellt: Er müsse entweder Antibiotika oder eine eigene Wohnung nehmen.

Auch in der Geschichte des Gelbfiebers zeigte sich schon die Überlegenheit von In-vitro-Methoden

Was wäre die Medizin ohne z.B. Penicillin (Antibiotika)? Viele bedeutende Entdeckungen sind schlicht durch Zufall entstanden1802 hatte ein Medizinstudent verschiedene Selbstversuche durchgeführt, bei denen er sich Erbrochenes, Blut, Speichel, Schweiss und Urin von Gelbfieberkranken in Wunden und Augen gab, es schluckte oder den Dampf einatmete. Damit hatte er eindrucksvoll bewiesen, dass Gelbfieber nicht von Mensch zu Mensch übertragen wird. Seine zweijährigen Experimente reichte Stubbins Ffirth an der University of Pennsylvania als Dissertation ein und erhielt dafür den Doktortitel der Medizin. Unter der Leitung des Arztes Walter Reed wurde Ende des 19. Jahrhunderts mit Selbstversuchen an Freiwilligen begonnen, die von Stechmücken gestochen wurden, welche zuvor an Gelbfieberkranken Blut aufgenommen hatten. Der erste Versuch des Panamakanalbaus durch die Franzosen scheiterte an vielen Malaria- und Gelbfiebertoten. Erst durch die Erkenntnis des Übertragungsweges durch die Versuche von Reeds Team und die daraus resultierenden Vorbeugemöglichkeiten gelang der Bauversuch im zweiten Anlauf durch die Amerikaner. 1927 gelang die Isolation des krankheitsverursachenden Gelbfiebervirus. Rund 10 Jahre später wurden zwei Impfstoffe entwickelt: der vom Mikrobiologen Max Theiler auf Hühnereiern entwickelte und bis heute eingesetzte Gelbfieberimpfstoff und ein von Franzosen entwickelter, welcher aus Mäusegehirnen entnommen wurde. Auch hierbei zeigte sich schon die Überlegenheit von In-vitro-Methoden gegenüber Tierversuchen, denn der Mäusehirn-Impfstoff war wesentlich nebenwirkungsreicher. So entwickelten einige Kinder eine Gehirnentzündung (Enzephalitis), weshalb der Impfstoff wieder vom Markt genommen wurde, während Theiler 1951 den Nobelpreis erhielt. Gleiches gilt auch für die heute noch eingesetzten Impfungen gegen japanische Enzephalitis: Die alten Impfstoffe wurden auf Mäusehirn gezüchtet und waren sehr nebenwirkungsreich, neue Impfstoffe werden in Zellkulturen hergestellt und sind wesentlich weniger gefährlich.

Aufmerksame Beobachtung ersetzt Tierversuche

Ebenfalls sehr viele wichtige Entdeckungen verdanken wir der klinischen Forschung (durch das genaue Beobachten und Studium von Patienten und Krankheiten) ...

Der japanische Marinearzt Kanehiro Takaki hatte schon 1884 beobachtet, dass bei der Besatzung eines Kriegsschiffes, die während einer längeren Reise mit weissem, geschältem Reis ernährt wurde, die Krankheit Beriberi (Vitamin-B1-Mangel) ausbrach. Auf einem anderen Schiff, dessen Besatzung mit normalem Reis ernährt wurde, brach die Krankheit hingegen nicht aus. Erst mehr als 6 Jahre später beobachtete der Holländer Christiaan Eijkman Mangelerscheinungen bei Hühnern, die nur mit poliertem Reis ernährt wurden. Sie verschwanden wieder bei der Umstellung auf die Ernährung mit ungeschältem Reis. 1929 wurde er hierfür mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet, obwohl schon vor ihm der japanische Marinearzt nicht nur die Ursache, sondern zugleich eine Therapie beim Menschen entdeckt hatte.

Wie Tierversuche fast eine geniale Entdeckung verhindert hätten

Schon 3000 vor Christus hatten die Ägypter Techniken entwickelt, um mit Bronze-, Gold- und Silberröhren Harnblasen zu katheterisieren. Die ersten Herzkatheter wurden 1711 an Pferden eingeführt. Viele weitere Tierversuche folgten. Im Jahr 1905 führten die drei Herren Bleichroder, Unger und Loeb untereinander die ersten Katheterisierungsversuche an Zentralvenen und am Herzen durch. Jedoch gelang es ihnen nicht, Medikamente über die Katheter zu verabreichen. Vermutlich wegen Falscheinschätzungen aufgrund der vorangegangenen Tierversuche. 1907 veröffentlichten Jamin und Merkel einen Atlas der Koronarangiographie, nachdem bei Verstorbenen die Blutgefässe unter Röntgendurchleuchtung und Injektion von kontrastgebenden Stoffen kenntlich gemacht worden waren. 1910 führten Franck und Alwens die ersten Versuche mit Rechtsherzkathetern bei lebenden Tieren durch. Da alle Tiere starben, wäre beinahe eine der innovativsten Errungenschaften der Medizin ausgeblieben. Auch lange Zeit später glaubte man noch, dass jeder Zugang zum Herzen tödlich enden würde.

Röntgenbild der ersten Herzkatheterisierung (im Selbstversuch) durch Werner Forssmann. Auch er widerlegte damit falsche Annahmen durch Tierversuche1929 bewies ein in Eberswalde (Deutschland) gerade neu zugelassener Arzt Mut. Sein Name: Werner Forssmann. Er hatte die Idee, dass der Zugang zum rechten Herzen wesentlich einfacher und sicherer über eine Vene möglich wäre. Sein Vorgesetzter hielt jedoch gar nichts von der Idee und verbot ihm strikt, entsprechende Versuche anzustellen.
Forssmann konnte jedoch einen Kollegen überzeugen, ihm über eine Armvene einen Blasenkatheter einzulegen. Als Forssmann ihn selbst 35 cm vorgeschoben hatte, bekam der Kollege Panik und entfernte ihn wieder trotz heftigem Protest Forssmanns. So musste Forssmann alleine weitermachen. Er nutzte das Vertrauen der Krankenschwester Gerda Ditzen, um an die notwendigen Instrumente zu kommen. Sie liess sich ihre Ellbeuge betäuben, in der Annahme, er würde den Versuch bei ihr durchführen. Blitzschnell betäubte Forssmann jedoch auch seine eigene Ellbeuge und plazierte einen Blasenkatheter bis zum Anschlag – 65 cm tief. Die verwunderte Krankenschwester wies er anschliessend an, ihr ins Röntgen zu folgen, wo Forssmann dokumentierte, dass der Katheter in seinem rechten Herzvorhof lag. Noch am selben Tag wurde Forssmann entlassen. Jedoch sein Chef erkannte die Bedeutung dieser Entdeckung und schickte ihn weiter nach Berlin. 1956 wurden Forssmann, Cournard und Richards mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Selbstexperimente gegen den legendären Robert Koch

... und natürlich ein sehr grosses Lob für unerlässliche Entdeckungen gebührt mutigen Wissenschaftlern wie Max von Pettenkofer, die herrschende (falsche) Erkenntnisse in Selbstversuchen widerlegtenRobert Koch glaubte, dass die Durchfallkrankheit Cholera alleine durch das Cholerabakterium Vibrio cholerae ausgelöst wird, und dies obwohl seine Tierversuche keinen Zusammenhang belegten. Der Münchner Hygiene-Professor Max von Pettenkofer glaubte anders als Robert Koch daran, dass die Choleraerkrankung zusätzlich bestimmte Umweltbedingungen und einen empfänglichen Organismus benötigt. Um seine Theorie zu beweisen, trank er im Hörsaal vor versammelten Studenten eine Bouillon mit reichlich Cholerabakterien, die im Institut von Robert Koch eigens für ihn zubereitet wurde. Alle Versuche, Pettenkofer abzuhalten, quittierte er mit den Worten «Fiat experimentum in corpore vili!» (Experimentiert mit einem wertlosen Körper!) und verwies darauf, dass er als 74 Jahre alter, gebrechlicher Mann besser geeignet sei, im Dienst der Wissenschaft notfalls zu sterben. Pettenkofer überstand das Experiment ohne Beschwerden und bewies damit, dass es bestimmte Rahmenbedingungen braucht, damit die Krankheit ausbricht.

Ein Chemiker im Drogenrausch

Auch der berühmte Schweizer Chemiker Albert Hoffmann erkannte, dass seine Tierversuchsergebnisse nutzlos sind, und bewies dann in Selbstversuchen den Nutzen von ArzneipflanzenDer im Aargau geborene Chemiker Albert Hofmann hatte bei Sandoz 1938 verschiedene Mutterkornalkaloide auf ihre Eignung als kreislaufwirksame Medikamente hin untersucht. Unter anderem auch Lysergsäurediethylamid, abgekürzt LSD. In Tierversuchen zeigte es sich als wirkungslos. 1943 bekam Hofmann Bedenken ob der Richtigkeit seiner Tierversuche und nahm selbst LSD ein. Er erlebte einen rauschartigen Zustand, der ihm durchaus nicht unangenehm war. Auch visuelle Fehlwahrnehmungen und unkontrolliertes Lachen traten auf. Später wurde LSD als Medikament unter dem Handelsnamen Delysid auf den Markt gebracht. Es wurde vielfach in der Psychiatrie eingesetzt bis hin zur Behandlung von Alkoholabhängigkeit. Inzwischen ist es nur noch als Droge illegal erhältlich, jedoch gibt es einige neuere Studien, aus denen sich eventuell eine Bedeutung bei der begleitenden Psychotherapie von Krebs im Endstadium oder bei der Behandlung von Cluster-Kopfschmerzen ergibt. Wie so oft haben Tierversuche die medizinische Forschung fehlgeleitet, und die aufmerksame Beobachtung am Menschen ergab wichtigere Hinweise.

Die wahrscheinlich segensreichsten Entdeckungen der Medizin überhaupt entstanden ohne Tierversuche

Praktisch alle Schmerzmittel wurden in Selbstversuchen entdeckt. Tierversuche behinderten oft deren AnerkennungWelche Schmerzen Patienten bei Operationen vor Entdeckung der Narkose ertragen mussten, lässt sich an der Tatsache erahnen, dass noch im 19. Jahrhundert die Qualität eines Chirurgen an seiner Operationsgeschwindigkeit gemessen wurde. In London soll Robert Liston ein Bein in weniger als 30 Sekunden amputiert haben und dabei immer seine Assistenten zum Zeitstoppen aufgefordert haben.

Der Engländer Humphry Davy entdeckte 1772 im Selbstversuch auf der Suche nach Medikamenten für Lungenkrankheiten die berauschende Wirkung von Distickstoffmonoxid. In der Folge wurde es zum Vergnügen auf Jahrmärkten verwendet und erhielt deshalb den Namen Lachgas. Obwohl schon Davy die schmerzstillende Wirkung beschrieb, brauchte es erst einen Zahnarzt namens Horace Wells in Hartford, USA, der die schmerzstillende Wirkung ab 1844 erfolgreich für Zahnextraktionen an seinen Patienten nutzte.

Beliebt war im 19. Jahrhundert auch das Schnüffeln von Äther. So beobachtete der Arzt Crawford Williamson Long, wie ihm Verletzungen im Ätherrausch keine Schmerzen verursachten. Deshalb setzte er Äther als Narkosemittel bei Amputationen, Entbindungen und Tumoroperationen schon ab 1842 erfolgreich ein. William Thomas Green Morton hatte zunächst Tierversuche durchgeführt und kam schliesslich erst vier Jahre nach Long im Selbstversuch zur Erkenntnis, dass sich Äther als Narkosemittel bei Zahnextraktionen eignet. Seither wird er als Entdecker der Äthernarkose geehrt, da er zuerst darüber publizierte. Der eigentliche Entdecker war jedoch Long, der ohne Tierversuche in reiner Selbstbeobachtung den Grundstein für Narkosen legte.

Ohne die Spinalanästhesie wären viele Operationen kaum möglich. Auch dies eine Entdeckung im SelbstversuchWeder der Brite Robert Mortimer Glover noch der Franzose Marie-Jean-Pierre Flourens, welcher in Tierversuchen an Hunden den narkotisierenden Effekt von Chloroform beschrieb, hatten die Bedeutung von Chloroform für die Humanmedizin erkannt, was auch eindrücklich zeigt, dass tierversuchsorientierte Forscher in ihrer Arbeit gerne die Humanmedizin vergessen und Tierversuche zum Selbstzweck verkommen. Erst als der schottische Gynäkologe James Young Simpson im November 1847 mit zwei Freunden im Selbstversuch Chloroform ausprobierte und sie es anschliessend als Narkosemittel einführten, kam es zum Einsatz beim Menschen. So soll auch die britische Königin Victoria bei der Geburt ihres Sohnes Prinz Leopold mit Chloroform narkotisiert worden sein.

Im August 1898 spritzten sich der chirurgische Chefarzt August Bier und sein Assistent August Hildebrandt in Kiel wechselseitig eine Lösung mit Kokain in den Rückenmarkkanal. Im Protokoll wurde dann festgehalten, dass Nadelstiche nicht wahrgenommen wurden und das Ausreissen von Schamhaaren als Abheben einer Hautfalte, jedoch nicht als Schmerz wahrgenommen wurde. Dagegen wurde das Ausreissen von Brusthaaren als stark schmerzhaft empfunden. Damit wurde die Spinalanästhesie entdeckt, bei welcher oberhalb der Narkosestelle die Wahrnehmung voll erhalten bleibt und unterhalb das Schmerzempfinden ausgeschaltet werden kann. So sind seitdem Operationen schmerzfrei bei vollem Bewusstsein möglich.

Die segensreiche Entdeckung des auch heute noch aufgrund seiner guten Wirksamkeit wie Verträglichkeit gerne eingesetzten Schmerzmittels Morphin ist Friedrich Sertümer zu verdanken. Er war Assistent in einer Apotheke in Paderborn (Deutschland), als er Anfang des 19. Jahrhunderts mit der von ihm entdeckten Substanz ausgiebige Selbstversuche unternahm und dadurch das Schmerzmittel der Zukunft entdeckte.

Hätten immer alle Wissenschaftler auf Tierversuche gesetzt, gäbe es die meisten wesentlichen medizinischen Erkenntnisse nichtGrosse Hochachtung verdient haben jedoch der britische Schmerzforscher Thomas Lewis und sein Student Jonas Kellgren. In den 30er Jahren des 20. Jahrhunderts vertraten sie die Meinung, dass es unrecht sei, Versuche zu Schmerzen an Tieren durchzuführen. Vielmehr forderten sie, dass solche Experimente an Lebewesen durchgeführt werden müssten, die auch den Sinn der dadurch verursachten Schmerzen begreifen können. Mit über tausend Injektionen schmerzhafter konzentrierter Salzlösung in Muskeln, Knochen und andere Gewebe ihres eigenen Körpers gelang ihnen die Demonstration und Herleitung des Phänomens, dass Schmerzen oft nicht an der Entstehungsstelle, sondern an ganz anderen Stellen empfunden werden. Für die rasche Diagnose von Beschwerden aller Art hat diese Erkenntnis enorme Bedeutung.

 Dr. med. Alexander Walz
Oberarzt, wissenschaftlicher und medizinischer Berater der AG STG

Menschen die Tiere quälen, belassen es selten dabei ...

Menschen, die Tiere quälen, belassen es selten dabei...

Gewalttaten gegenüber Tieren werden schon lange als Anzeichen für eine gefährliche psychische Störung angesehen, die sich nicht alleine auf Tiere beschränkt.
«Jeder, der sich einmal daran gewöhnt hat, das Leben irgendeines Lebewesens als wertlos zu betrachten, läuft Gefahr, ebenfalls zu der Idee zu gelangen, dass menschliches Leben wertlos ist», schrieb der Humanist Albert Schweitzer.


«Mörder ... fangen oft damit an, dass sie als Kinder Tiere quälen und umbringen», so Robert K. Ressler, der für das FBI Profile über Serienmörder erstellte. Studien haben mittlerweile Soziologen, Gesetzgeber und Gerichte davon überzeugt, dass Gewalttaten gegen Tiere unsere besondere Aufmerksamkeit verlangen. Sie können erstes Anzeichen für eine gewalttätige Pathologie sein, die auch vor Gewalt gegen Menschen nicht haltmacht.
Tiermissbrauch ist nicht nur Ergebnis eines geringen Persönlichkeitsfehlers beim Tierquäler, sondern vielmehr Symptom einer tiefen mentalen Störung. Forschungen in der Psychologie und der Kriminologie zeigen, dass Menschen, die Gewalttaten an Tieren ausüben, es oftmals nicht dabei belassen; viele von ihnen machen am Mitmenschen weiter.
Eine von der Northeastern University und der Tierschutzorganisation SPCA in Massachusetts durchgeführte Studie ergab, dass Menschen, die Tiere quälen, fünfmal wahrscheinlicher Gewalttaten an Menschen verüben können.

Tierquälerei und häusliche Gewalt

Dr. rel. phil. Annamaria Grabowski (Magister der Psychologie und Diplompädagogin) erklärte gegenüber PETA: «Experten haben festgestellt, dass in Familien, in denen sexueller oder anderer Missbrauch an Tieren stattgefunden hatte, sehr viel häufiger auch Missbrauch an Kindern und jegliche Form von familiärer Gewalt vorgekommen war.»
Eine Studie an Frauen in Wisconsin, welche die Dienste einer Einrichtung gegen häusliche Gewalt in Anspruch nahmen, ergab, dass von allen Frauen, die mit Tieren zusammenlebten, 80% auch miterleben mussten, wie ihr Partner das Tier misshandelte.
Laut einer Studie von Frank Ascione, Ph.D., aus dem Jahr 1998 berichteten fast drei Viertel aller befragten missbrauchten Frauen, dass ihre Partner damit gedroht hatten, ihre Haustiere zu töten oder sie zu verletzen, oder dies auch tatsächlich gemacht haben.
Gebhard et al. stellten bereits 1965 fest, dass von den Personen, die weibliche Minderjährige missbrauchten, 33% auch Tiere sexuell missbrauchten.

Tierquälerei unter Kindern und Jugendlichen

Mörder und Vergewaltiger haben oft in ihrer Kindheit Tiere gequältNur allzu oft wird Tierquälerei als Kinderstreich angesehen und mit dem alten Sprichwort «Jungs sind nun mal so» abgetan.
Es ist jedoch fahrlässig, Statistiken zu ignorieren, die zeigen, dass Kinder, die Tiere verletzen, sich auf einem gefährlichen Weg befinden, der sich noch verschlimmern könnte, wenn nicht eingegriffen wird. Studien haben gezeigt, dass gewalttätige und aggressive Straftäter als Kinder mit grösserer Wahrscheinlichkeit Tiere misshandelt haben als Straftäter, die als nicht aggressiv betrachtet werden.
In ihrem Buch «Brieffreundschaft mit einem Serienmörder» beschreibt Autorin Petra Klages die Entwicklung eines Jungen hin zum Mehrfachmörder. Wie viele Täter begann auch Axel F. (Name geändert) schon früh, andere Lebewesen zu quälen und damit regelrecht für die Taten an seinen menschlichen Opfern zu «üben».
«Bevor die Pubertät einsetzte, kaufte und stahl er zahlreiche Kaninchen, die er öffnete, um seine Hände in das Blut der Tiere zu tauchen und in ihre Eingeweide zu versenken... Viele einschlägig bekannte Gewaltverbrecher, worunter sich ebenfalls Serienmörder wie Ted Bundy, Jeffrey Dahmer oder Ronny Rieken befinden, quälten bereits frühzeitig Tiere, bevor sie ihre brutalen und sadistischen Phantasien an Menschen praktizierten.»

Hinter der Fassade... Fallbeispiele, wie Tierquäler zu Mördern werden

«Psychiater und Ermittler beobachten seit Jahren, dass auffällig viele Mörder, Vergewaltiger und Totschläger in ihrer Jugend Tiere gequält haben. Amerikanische Forscher ermitteln bei Sexualstraftätern einen Anteil von fast 70% Tierquälern ... Offenbar ist Tierquälerei ein Warnzeichen ...», so der «Spiegel» im August 2005 in einem Bericht über den Serienmörder Frank Gust.
Gust hat schon mit neun Jahren sein erstes Meerschweinchen getötet und sich daran erfreut, wie die Eingeweide aus dem Tier quollen.
Später besorgte er sich Kaninchen, stellte sich aber zu diesem Zeitpunkt bereits vor, er habe ein grösseres Tier vor sich. «Während ich mir die Kaninchen vorgenommen habe», so Frank Gust, «hatte ich in der Phantasie schon zig Pferde abgeschlachtet».
Gust verwirklichte seine Pläne, vergeht sich an Pferden, dann an toten Körpern in der Leichenhalle. Schliesslich verging er sich an vier Frauen und tötete und zerstückelte sie.

Rolf Diesterweg, der bereits als Sechzehnjähriger die zwölf Jahre alte Sylke M. erdrosselte und später Kim K. tötete, schlachtete schon als Kind ein Kaninchen, eine Katze und andere Tiere.
Andreas H. und Frederik B. töteten im April 2009 in Eislingen die beiden Schwestern sowie die Eltern von Andreas H. kaltblütig mit 30 Schüssen. Vorher hatten sie bereits die Katze eines Nachbarn in einem Sack ermordet, eine Gans totgeschlagen und einen lebenden Igel auf den Grill gelegt.
Eric Harris und Dylan Klebold erschossen im April 1999 in Littleton zwölf Mitschüler und einen Lehrer und verletzten mehr als zwanzig weitere Menschen. Beide hatten Berichten zufolge zuvor damit geprahlt, Tiere zu verstümmeln.
Martin P., der Amokläufer von Bad Reichenhall, schoss im Wald auf Tauben und andere Vögel und erschoss seine Katze auf dem Sofa.

Solange Eltern, Lehrer und sogar das Gesetz Tierquälerei oft als Lappalie ansehen, müssen wir uns nicht wundern, wenn diese Tierquäler dann plötzlich gewalttätig gegen Menschen werden. Wer hingegen schon als Kind gelernt hat, dass Tiere unsere Freunde sind, dass man sie mit Respekt behandeln soll und dass sie Gefühle wie wir haben, der wird wohl kaum jemals ein Gewalttäter werden.

Gewalttaten verhindern

Oftmals wird der Missbrauch von Tieren früher sichtbar als der Missbrauch von Kindern oder Frauen, da er in vielen Fällen nicht hinter verschlossenen Türen stattfindet. Auch unterscheidet sich die Gesetzgebung hinsichtlich Ermittlungen in den beiden Bereichen. Somit haben Mitarbeiter des Tierschutzes vielleicht schon Zugang zu einer Familie, wenn der Fall Mitarbeitern von Polizei und Sozialämtern noch nicht bekannt ist. Es ist daher unerlässlich, dass die unterschiedlichen Einrichtungen eng zusammenarbeiten, um sowohl Gewalt am Menschen als auch am Tier zu verhindern.

Eine niederländische Studie unter der Leitung von Dr. Enders-Slegers von der Universität Utrecht stellte 2009 die grundlegenden Probleme der Erfassung und Aufarbeitung derartiger Taten dar. Die Forscher gehen davon aus, dass sowohl Fälle von Tiermissbrauch als auch Fälle von Kindesmissbrauch und häuslicher Gewalt oftmals nicht gemeldet oder geahndet werden, und raten deshalb mit Nachdruck dazu, die Vernetzung zwischen verschiedenen Einrichtungen, wie der Polizei, Frauenhäusern, Sozialstellen, Tierschutzvereinen und Tierärzten, zu stärken.
Dr. Astrid Kaplan schreibt in ihrem neusten Buch hierzu Folgendes: «Ein weiterer Bereich, in dem es notwendig ist, aktiv zu werden, ist die Legislative. Die Gesetze müssen eine klare Sprache sprechen, damit jedem deutlich wird, dass Gewalt gegen jedes fühlende Lebewesen – ob Mensch oder Tier – nicht akzeptabel ist.»
Familientherapeutin Annegret Noble bestätigt den Ansatz der zwingenden Zusammenarbeit: «Wenn Kinder gezielt Tiere quälen, sollten Sozialarbeiter, Tierschutzbeauftragte und die Polizei miteinander kommunizieren, um diesen Kindern zu helfen. Entweder um sie vor der Gewalt, die sie vielleicht selbst erleben, zu bewahren oder um ihnen Alternativen anzubieten, bevor sich gewalttätige Verhaltensmuster festigen.»


  PETA (People for the Ethical Treatment of Animals)
www.peta.de


PETA Deutschland e.V. hat mit dem Aggressionsforscher Dr. Christoph Paulus von der Universität Saarland gesprochen. Dr. Paulus arbeitete u.a. als Profiler für die Mordkommission Wuppertal-Altena und leitete ein Projekt zur Gewaltprävention bei Kindern.

Dr. Paulus, inwiefern konnten Sie in Ihrer Arbeit einen Zusammenhang zwischen dem Quälen von Tieren und späteren Gewalttaten an Menschen feststellen?

Das Quälen von Tieren entsteht normalerweise aus einer Wut oder einem Ärger heraus, dem häufig schon in früher Kindheit Gewaltphantasien zugrunde liegen. Es handelt sich dabei auch sehr häufig um kleinere Tiere wie Meerschweinchen, Katzen oder kleine Hunde, die als solche nicht sehr wehrhaft sind.
Angehende Serienmörder versuchen an diesen Tieren ihre krankhaften Phantasien auszuspielen und bekommen dabei die ersten Eindrücke davon, wie sich Macht über andere (Lebewesen) anfühlt. Da sie selbst in ihrer Sichtweise der Welt immer die Unterdrückten sind, sehen sie hier eine erste Möglichkeit, straffrei (!) ihre geheimsten Wünsche zu realisieren.

Warum quälen Menschen oft Tiere, später andere Menschen? Welches Verlangen steckt dahinter?

Das Quälen von Tieren stellt die erste Übungsphase dessen dar, was sich in den Köpfen der Täter erst zu entwickeln beginnt. Macht durch die Herrschaft über Leben und Tod eines Tieres ist dabei der Hauptantrieb. Dabei können die Tiere immer grösser werden (Meerschweinchen, Hühner, Katzen, Hunde, Schafe, Pferde). In der Regel geschieht aber der Sprung zu menschlichen Opfern in Form von Kindern oder Prostituierten recht schnell. Dabei geht es immer um Macht. Deren Kontext ist allerdings sehr unterschiedlich: Diese Macht kann dazu dienen, Aufmerksamkeit und Zuwendung zu erhalten (z.B. J. Bartsch) oder auch Selbstwerterhöhung (z.B. F. Gust) oder Rache an nicht direkt erreichbaren Menschen (z.B. der Mutter).

Wie viele extreme Gewalttäter haben prozentual gesehen Ihrer Einschätzung nach vorher bereits Tiere misshandelt?


Geschätzt etwa 80–90%.

 

Weitere Zitate:

«Die Verbindung zwischen Tiermissbrauch und noch gewalttätigerem Verhalten ist klar erkennbar. Die zerstückelten Überreste von Hunden und Katzen könnten morgen schon die Überreste von Kindern sein.»
Terry Farmer, Bezirksstaatsanwalt des Humbolt County, USA

«Die tragische Realität ist, dass Tiermissbrauch in direkter Verbindung mit Gewalt gegen Menschen steht; wenn Fälle von Tiermissbrauch nicht oder nur unzulänglich untersucht werden, hat es Konsequenzen für den Menschen. Ein effektiver Umgang mit Tiermissbrauchsfällen durch Exekutivbeamte, Staatsanwälte und Gerichte kann den Unterschied zwischen einer Drosselung oder einer Eskalation der Gewalt bedeuten.»
Dr. Astrid Kaplan

«Ich bin überzeugt: Ein Kind, das nicht bereits in der Kindheit die Achtung und den Respekt gegenüber der Kreatur vermittelt bekommt, läuft selbst Gefahr, frühzeitig zu verrohen – auch gegenüber Mitmenschen.»
Alexander Hold, ehemaliger Staatsanwalt