Die «Mädchen» vom Parco dell'Abatino - Endlich ein Leben ohne Angst

Endlich ein Leben ohne Angst

Die Sonne scheint, und die «Mädchen» (Makaken) tummeln sich in ihrem grosszügigen Gehege. Man sieht, wie sie immer mehr aufblühen, wie sie die sprichwörtliche «Angst im Nacken» langsam etwas verlieren. Denn sie haben gelernt, dass das Leben auch schöne Seiten hat. Darauf mussten sie lange warten. Sie leben nun seit über einem Jahr im Parco dell'Abatino in Poggio San Lorenzo (Rieti, Italien) und geniessen ihren Lebensabend.

Welch grausamem Schicksal die 13 Makaken entronnen sind, weiss man nicht so genau. Sie waren jedoch von Misshandlungen geprägt, und die Tätowierungen auf ihrer Brust sprechen ihre eigene Sprache. Pepe hatte es leider nicht geschafft. Sie hatte von Anfang an grosse Probleme mit der Leber und starb im letzten Winter. Doch die anderen erholen sich immer besser und entdecken nach und nach ihre Lebensfreude. Natürlich sind sie ziemlich scheu. Auch werden die meisten von ihnen den Menschen gegenüber wohl immer zurückhaltend bleiben – jedoch das kann man ihnen nicht verdenken.

Eines Tages «waren» die Makaken vor den Türen der Organisation Vita da Cani onlus. Diese reagierte prompt und fand im Parco dell'Abatino eine geeignete Möglichkeit, den Makaken eine neue Heimat zu bieten. Doch die Unterbringung und Versorgung der Makaken ist ziemlich kostenintensiv. Deshalb beteiligen sich verschiedene Organisationen, darunter die AG STG, an diesen Kosten.
Sara von www.vitadacani.org bedankt sich im Namen der Makaken ganz herzlich bei euch, den Spendern der AG STG, für die Unterstützung und schickte uns ein paar neue Fotos und Infos von den «Mädchen». Und gemeinsam möchten wir uns an dieser Stelle bei den unbekannten Rettern dieser Tiere bedanken.

Video: Die «Mädchen» vom Parco dell’Abatino

In diesem Video (keine grausamen Bilder!) sehen Sie die Ankunft der «Mädchen» im Parco dell'Abatino sowie einige Momente ihrer ersten Monate in diesem Park.
Das Video «Progetto le bambine» finden Sie unter: http://www.youtube.com/watch?v=Yrpd7W6cB-c (Dauer: 16 Minuten)



Vorstellung der «Mädchen» vom Parco dell’Abatino

Im Folgenden veröffentlichen wir Porträts der einzelnen «Mädchen» und ein paar Worte über sie.
Nebenbei: Die Makaken haben teils männliche, teils weibliche Namen. Bei der Ankunft der Makaken wurden ihnen Namen gegeben, und in diesem Stress war es natürlich schwer möglich, die Tiere erst nach Geschlecht zu «sortieren». Sara und die Crew von Vita da Cani onlus verteilten somit den Makaken, «die wie Männchen aussahen», männliche Namen. Später stellte man dann fest, dass alles Weibchen sind.


Die «Mädchen» (Makaken) vom Parco dell´Abatino - Accio Accio war anfangs etwas zu dick, und ihre Augen waren sehr angeschwollen. Dies hat sich in der Zwischenzeit jedoch verbessert. Accio ist gegenüber Menschen sehr scheu und ängstlich.

Die «Mädchen» (Makaken) vom Parco dell´Abatino - Actarus Actarus ist die Freundin von Giada und Mora. Sie ist etwas zierlich, aber sehr fit. Noch etwas scheu, hält sich Actarus etwas auf Distanz gegenüber den anderen, und sie geht jeglicher Auseinandersetzung aus dem Weg. Manchmal nimmt sie die Nahrung direkt aus der Hand entgegen.

Die «Mädchen» (Makaken) vom Parco dell´Abatino - Aku Aku ist auf einem Auge blind. Sie ist sehr klein, aber recht gut in Form. Sie ist sehr schnell und manchmal etwas wild. Aku ist etwas scheu gegenüber ihren Kolleginnen, und sie sucht keinen sozialen Kontakt zu Menschen.

Die «Mädchen» (Makaken) vom Parco dell´Abatino - Andy Andy kratzt sich stets am Fuss und weist ein stereotypisches Verhalten auf. Dies tut sie insbesondere, wenn man sie direkt ansieht. Andy ist vor allem mit Mora, aber auch mit allen anderen freundlich und lieb. Ruhig nimmt sie die Nahrung direkt aus der Hand entgegen.

Die «Mädchen» (Makaken) vom Parco dell´Abatino - Capitan Harlock Capitan Harlock ist gross, schlank und sehr gesund. Sie ist sehr flink und friedlich. Gegenüber Menschen ist Capitan Harlock sehr scheu. Auch meidet die sehr haarige und bärtige Dame die Gruppenführerin Viola.

Die «Mädchen» (Makaken) vom Parco dell´Abatino - Glada Giada ist zierlich, aber gut gebaut und in Topform. Sie hat einige Freundinnen, insbesondere die andere «Blondine» Lara. Giada ist sehr ausgeglichen, schlau und intelligent. Sie nimmt die Nahrung direkt aus der Hand entgegen.
Die «Mädchen» (Makaken) vom Parco dell´Abatino - Lara Lara, die zweite «Blondine», zählt zusammen mit Viola, Shiva und Capitan Harlock zu den Grössten in der Gruppe. Lara ist äusserst schnell und wendig. Sie ist gegenüber Menschen noch recht scheu, hingegen in der Gruppe sehr ausgeglichen.
Die «Mädchen» (Makaken) vom Parco dell´Abatino - Mia Mia war anfänglich noch sehr unruhig, hat sich aber in der Zwischenzeit etwas erholt. Sie ist eine der Aufmerksamsten und Schlausten in der Gruppe. Wenn auch ängstlich gegenüber Menschen, nimmt sie die Nahrung direkt aus der Hand entgegen – dies aber nur, wenn ihre Freundin Monique es zuerst tut.
Die «Mädchen» (Makaken) vom Parco dell´Abatino - Monique Monique hatte anfangs sehr grosse Probleme mit dem Laufen. Dies vermutlich infolge diverser schlecht behandelter Knochenbrüche. In der Zwischenzeit ist es aber besser geworden. Sie hat einen sehr starken Charakter. Gegenüber Menschen ist sie herausfordernd und drohend. Sie nimmt sowohl Nahrung als auch andere Gegenstände direkt aus der Hand.

Die «Mädchen» (Makaken) vom Parco dell´Abatino - Mora Mora ist eines der kleinsten und ein sehr schlankes Mädchen. Sie bewegt sich zu stark nach vorne gebeugt, ansonsten scheint es ihr aber nicht schlecht zu gehen. Mora kommt mit den meisten anderen sehr gut aus. Auch nimmt sie Nahrung meist direkt aus der Hand entgegen.
Die «Mädchen» (Makaken) vom Parco dell´Abatino - Shiva Shiva war vor Viola die Gruppenführerin. Sie ist klar ausgeglichener und freundlicher als Viola und erteilte ihre «Befehle» meist nur mit einem Blick. Shiva war eine besonnene Führerin und wurde nur selten etwas grob zu den anderen. Deshalb wird sie von den anderen auch heute noch geachtet und respektiert.

Die «Mädchen» (Makaken) vom Parco dell´Abatino - Viola Viola ist die Gruppenführerin. Sie ist gross, stark und leider sehr unausgeglichen. Viola wird, so scheint es, von den anderen eher gefürchtet als respektiert. Sie verhält sich den anderen gegenüber sehr dominant und wird grob, wenn es nicht nach ihrem Willen geht.

Petitionsübergabe: 11 111 Unterschriften gegen Kosmetik-Tierversuche an EU-Botschafter Reiterer

Medienmitteilung der AG STG – Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegnerwww.agstg.ch

Petitionsübergabe «Nein zu Tierqual-Kosmetik» an EU-Botschafter Reiterer

11. November 2011, Bonaduz

Heute, am 11. 11. 11, überreichten Engel mit blutigen Tränen in den Augen EU-Botschafter Michael Reiterer 11 111 Unterschriften für ein Verbot von Tierversuchen für Kosmetik. Die Unterschreibenden appellieren an das Europäische Parlament, dass dieses an der Kosmetikrichtlinie (2003/15/EC) festhalte und damit wie vorgesehen ab 2013 in der EU Tierversuche für Kosmetikrohstoffe verbiete. Die Tierrechtler der AG STG lobten die EU für ihr Engagement gegen Tierversuche in der Kosmetikbranche. In der Schweiz gibt es nicht einmal ein Verbot für das Testen der Endprodukte.

EU-Botschafter Michael Reiterer empfing die Engel der AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) persönlich in der EU-Delegation in Bern. Er begrüsste den Einsatz der Tierrechtler und zeigte in einer kurzen Ansprache Verständnis für deren Forderungen, die er selbstverständlich dem Europäischen Parlament übermitteln werde. Botschafter Reiterer betonte: «Die EU nimmt den Tierschutz sehr ernst. Ausdruck davon ist die Pionierrolle der EU beim Verbot von Tierversuchen für Kosmetika. Selbst wenn es im Einzelfall noch zu einer Verzögerung des Vermarktungsverbotes kommen sollte, wird die EU-Politik hier auch international eine Signalwirkung haben.»

Andreas Item, Geschäftsführer der AG STG, bestätigt: «Die Schweiz beweist oft, dass sie ein innovatives und zukunftsweisendes Land ist. Betreffend Tierschutz und medizinische Wissenschaft hingegen verhält sich die Schweiz, gelinde gesagt, eher zögerlich. Insbesondere in puncto Tierversuchen für Kosmetik ist die EU schon einige Schritte weiter.»
Lange Zeit betonten Schweizer Behörden, dass wir kein Verbot von Tierversuchen für Kosmetik brauchen, da solche Versuche gar nicht bewilligt würden. Die Tierversuchsstatistik 2010 zeigte jedoch ein anderes Bild. Erstmals seit vielen Jahren wurden in der Schweiz wieder Tierversuche für Kosmetik durchgeführt. Dies sieht die AG STG als absolut nicht akzeptabel an und fordert die Schweiz auf, auch in diesem Bereich mehr Mut zu zeigen und ein Vorbild für andere Nationen zu sein.
Andreas Item erklärt weiter: «Auch wenn es sich bei den Schweizer Kosmetik-Tierversuchen nur um wenige Tests handelt: Wer gibt uns die Garantie, dass, wenn in der EU Tierversuche für Kosmetik verboten sein werden, nicht plötzlich wieder mehr dieser grausamen und sinnlosen Tests in der Schweiz durchgeführt werden?»

«Für meine Creme und meinen Haushaltsreiniger sollen keine Tiere leiden müssen!» Dies wünschen sich immer mehr Konsumentinnen und Konsumenten. Kosmetik-Endprodukte sind meist tierversuchsfrei. Denn der Verkauf von im Tierversuch getesteten Kosmetik-Fertigprodukten ist in der EU verboten. Diesen Gesetzen müssen sich auch Schweizer Firmen anpassen.
Was viele Firmen jedoch nicht kommunizieren: Für die einzelnen Inhaltsstoffe ihrer
Produkte wurden und werden sehr viele Tierversuche gemacht. Dabei handelt es sich nach Schätzung der AG STG weltweit um jährlich mehrere hunderttausend Tierversuche!

Diesem Missstand tritt die AG STG mit dieser Petition und ihrer neuen Plattform entgegen. Sie hat eine Auflistung tierversuchsfreier Kosmetik, Haushalts- und Reinigungsmittel von in der Schweiz erhältlichen Produkten aufgebaut und stellt diese Daten aktuell aufbereitet und transparent jedem zur Verfügung.


Weiterführende Informationen:

Ausführliche Informationen über Tierversuche für Kosmetik sowie über tierversuchsfreie Kosmetik, Haushalts- und Reinigungsmittel finden Sie unter: http://www.kosmetik-ohne-tierversuche.ch

RICHTLINIE 2003/15/EG DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES
vom 27. Februar 2003 zur Änderung der Richtlinie 76/768/EWG des Rates zur Angleichung der Rechtsvorschriften der Mitgliedstaaten über kosmetische Mittel:
http://eur-lex.europa.eu/LexUriServ/LexUriServ.do?uri=OJ:L:2003:066:0026:0035:de:PDF

Kontaktdaten nur in der Original-Medienmitteilung
 
www.kosmetik-ohne-tierversuche.ch ist finanziell unabhängig. Dieses Projekt wird ausschliesslich von der AG STG finanziert. Somit ist sichergestellt, dass keine Verpflichtung Dritten gegenüber besteht oder entstehen kann.
Die AG STG ist politisch, religiös und weltanschaulich neutral und unabhängig.
Auch steht die AG STG selbst in keiner Verpflichtung gegenüber irgendeiner Firma oder einem Hersteller. Die AG STG finanziert sich ausschliesslich über Abonnenten der Zeitschrift «Albatros» sowie durch freiwillige Unterstützungen und Spenden.



Weitere Fotos von der Petitionsübergabe:


Petitonsübergabe «Nein zu Tierqual-Kosmetik» - Engel überreichen 11 111 Unterschriften am 11.11.11 an EU-Botschafter Michael Reiterer - Bild 002

Petitonsübergabe «Nein zu Tierqual-Kosmetik» - Engel überreichen 11 111 Unterschriften am 11.11.11 an EU-Botschafter Michael Reiterer - Bild 003

Petitonsübergabe «Nein zu Tierqual-Kosmetik» - Engel überreichen 11 111 Unterschriften am 11.11.11 an EU-Botschafter Michael Reiterer - Bild 004

UPA - Studium ohne Tierversuche - Förderung tierversuchsfreier Lehrmittel an Universitäten

Förderung tierversuchsfreier Lehrmittel an Universitäten

Liebe AG STG

Wir freuen uns, euch in der Beilage zwei Berichte über Präsentationen von UPA-APEH in den Universitäten von Huánuco und UPC, Lima, zuzusenden. Wie ihr daraus entnehmen könnt, sind sowohl Professoren wie Studenten sehr interessiert und kooperativ, und es ist erstaunlich, wie in letzter Zeit Fortschritte erzielt worden sind. Bewundernswert sind dabei das grosse Engagement und der selbstlose Einsatz der APEH-Gruppe, d.h. von Milagros Ramos mit ihren freiwilligen Assistenten und Helfern.
Wir danken der AG STG ganz herzlich für ihre grosse Unterstützung, ohne die diese Arbeit und der Erfolg an den Universitäten zum Wohl der Tiere nicht möglich wären!

Herzliche Grüsse
Corinne Schirmer
Präsidentin von UPA (Unidos Por los Animales)


Anmerkung der Redaktion: Im Folgenden stark gekürzt die beiden Berichte und einige Fotos der Präsentationen.

29. April 2011

UPA - Förderung tierversuchsfreier Lehrmittel an Universitäten - Bild02Die Gruppe APEH von UPA wurde von der Nationalen Universität Hermilio Valdizán in Huánuco (Hauptstadt der gleichnamigen Region) zu einem Besuch eingeladen. Zweck des Besuches war die Vorstellung «alternativer» Methoden anstelle der Verwendung von Tieren im Studium der Gesundheitswissenschaften.

In ihrem Referat behandelte Milagros Ramos Munar (Tierärztin von UPA) «alternative» Methoden anstelle der Verwendung von schädigenden Tierversuchen in der Ausbildung und stellte das Leihsystem von InterNICHE vor. Im Anschluss an den Vortrag erfolgte eine Multimediaschau über Physiologie und Pharmakologie, Biologie, Anatomie und Chirurgie. Im Weiteren wurden einige Modelle und Simulatoren vorgestellt (Hautsimulatoren für Nähte und Injektionen, Koken Rat, PVC-Ratte [Mikrochirurgie], Jerry-Versuchsmodell).

Die Dozenten waren ausserordentlich dankbar für unseren Besuch und unsere Informationsarbeit. Sie verdankten die gespendeten Multimedia-Materialien, die wir ihnen überliessen, und zeigten sich gerne bereit, diese im Unterricht anzuwenden, um die Verwendung von Tieren zu reduzieren.

13. Juni 2011

UPA - Förderung tierversuchsfreier Lehrmittel an Universitäten - Bild03Auf Einladung der medizinischen Fakultät für Gesundheitswissenschaften (UPC, in Lima) präsentierte die Gruppe APEH von UPA «alternative» Methoden anstelle der Verwendung von Tieren in wissenschaftlichen Karrieren.

Milagros Ramos Munar (Tierärztin von UPA) referierte über die grundlegenden Konzepte des tierischen Wohlbefindens, humanitäre Ausbildung sowie über tierversuchsfreie Ausbildungsmethoden. Nach dem Vortrag wurden in einer Multimediashow die wichtigsten tierversuchsfreien Methoden vorgeführt. Unter diesen Methoden sind zum Beispiel das Modell Jerry, ein Modell für Mikrochirurgie an einer Ratte, ein Modell für Intubation bei einer Ratte, Hautsimulatoren für Nähte sowie diverse DVDs und CDs mit raffinierter Software für pharmakologische und physiologische Praktiken.
UPA - Förderung tierversuchsfreier Lehrmittel an Universitäten - Bild04 Sehr erfreulich war die Präsentation einiger Studenten der veterinärmedizinischen Fakultät der Universität Ricardo Palma, welche nach Vorlage des Modells Jerry zwei von ihnen selbst kreierte (Plüschtier-)Modelle vorstellten. Mit diesen lassen sich verschiedene Untersuchungen und Tests durchführen.

An diesem Anlass nahmen ungefähr 60 Studenten des Bioethik-Kurses teil. Einige von ihnen drückten den Wunsch aus, dazu beizutragen, dass ihre Professoren von all diesen Fortschritten erfahren und diese Methoden anwenden. Auch möchten sie die erworbenen Kenntnisse und Erfahrungen mit Kollegen anderer Studienzyklen teilen und vor allem die alternativen Methoden als zukünftige Professoren oder Forscher fördern.


Weitere Informationen:

Die Webseite von UPA (Unidos por los Animales): http://www.unidosporlosanimales.org/

Bericht über UPA im «Albatros» Nr. 28: UPA - Im Einsatz für die Tiere

Bericht über UPA im «Albatros» Nr. 13: UPA, Lima, Peru

UPA - Unidos por los Animales - Logo

APEH - Wissenschaftliche Gruppe von UPA (Unidos por los Animales) - Logo

Standpunkt: Viva la revolución! - Achim-David Z'Brun, kritischer Zeitgenosse und Friedensaktivist

Standpunkt: Viva la revolución!

Sind die Tiere wirklich im menschlichen Ethik-Verständnis angekommen, wie uns das Auftauchen des Begriffs «Tierethik» glauben macht?
 
Eine kleine Zeitreise. Für Cicero (römischer Politiker und Philosoph, 106–43 v. Chr.) war klar: «Ich habe nun nur noch zu beweisen und damit endlich zum Schluss zu kommen, wie alle Dinge dieser Welt, aus denen die Menschen ihren Nutzen ziehen, allein um der Menschen willen geschaffen und eingerichtet sind.» Ganz anders sah es der römische Dichter Ovid (43 v. Chr. – 17 n. Chr.): «Welch ein Frevel, weh! Wenn Geweid in Geweide gestopft wird und ein gieriger Leib einen Leib verschlingend sich mästet, ein Beseeltes lebt vom Tod eines Beseelten!» Im antiken Griechenland  gab es eifrige Verfechter der pythagoreischen Ansicht, wie Porphyrios (Philosoph, ca. 232–304), der sagte: «Wohlan, so wollen wir die ganze pythagoreische Ansicht vertreten, wonach alles Lebendige, was empfindet und Erinnerung hat, auch ein vernünftiges Wesen ist. Ist das bewiesen, so steht ja dann fest, dass die Gerechtigkeit sich auch auf diese erstrecken muss.»

Diese Tierdiskussion ging über die Jahrhunderte hin und her. Mal war der Standpunkt der Tiere höher, mal wieder tiefer. Ganz tief sank er gegen Ende des 16. Jahrhunderts. Viele Philosophen sprachen den Tieren jegliche Rechte ab. Wie der französische Naturwissenschaftler René Descartes (1596–1650), der behauptete, dass Tiere Automaten seien, die sich zwar fortbewegen könnten, aber keine Seele hätten. Ebenfalls behauptete er, dass Tiere keinen Schmerz empfänden und ihre Schreie nur wie das Quietschen einer Maschine seien. In der damaligen medizinischen Aufbruchstimmung gab er damit quasi das Startzeichen, dass es legitim ist, an Tieren Versuche zu Forschungszwecken durchzuführen.
Streitpunkt all der Diskussionen war auch immer, inwiefern es einen moralisch relevanten Unterschied zwischen Mensch und Tier gibt. Immanuel Kant (deutscher Philosoph, 1724–1804) sah den Menschen als einziges vernünftiges Wesen, und alles andere sei dazu da, seinem Interesse zu dienen, während für Arthur Schopenhauer (deutscher Philosoph, 1788–1860) sich die Mitleidsmoral auf jedes einzelne Lebewesen erstreckte. Wieder andere sahen in der menschlichen Sprachfähigkeit den grundlegenden Unterschied. Für Jeremy Bentham (engl. Jurist und Philosoph, 1748–1832) waren all diese Diskussionen fehl am Platze: «Aber welches andere Merkmal könnte die unüberwindliche Grenzlinie sein? Ist es die Fähigkeit zu denken oder vielleicht die Fähigkeit zu sprechen? Die Frage ist nicht: Können sie denken? oder: Können sie sprechen?, sondern: Können sie leiden?»

Lange Zeit war es relativ still um das Thema Tierrechte. Erst in den 1970er Jahren wurde wieder über die moralisch angemessene Behandlung unserer Mitgeschöpfe diskutiert. Der definitive Weckruf zu einer ernsthaften Auseinandersetzung mit dem Thema erfolgte durch Peter Singers Buch «Animal Liberation». Ein weiteres starkes Ausrufezeichen folgte in den 1980er Jahren durch Tom Regans Buch «The Case For Animal Right».

Heute, gut 30 Jahre nach Regans Veröffentlichung, wird von einer zweiten aufbrandenden Welle der modernen Tierrechtsdebatte gesprochen. Doch ob sich diese Welle nun endlich auch konkret auf das Wohlergehen aller Tiere auswirken wird, bleibt abzuwarten. Definitiv ist aber zu bemerken, dass die Gesellschaft Tendenzen zu einer Sensibilisierung für das Thema zeigt. Dies allerdings eben in einem starken Kontrast zu den industriellen «Tierverwertern», bei denen leider immer noch Profit vor Ethik kommt. Hier zeigt sich die hässlichste Fratze des Kapitalismus, wonach alles andere dem steten Wachstum unterzuordnen ist. Falls aber wir durch unser Konsumverhalten Druck ausüben und zeigen, dass wir keine Tierausbeutung wollen, wird das früher oder später Auswirkungen haben. Denn die Nachfrage bestimmt das Angebot.

Kämpfen wir also weiter, um die Leute zu sensibilisieren, und beobachten wir mit Spannung, wie sich langsam eine Revolution in Gang setzt. Die Befreiung der Tiere!
In diesem Sinne: Viva la revolución!

 Achim-David Z'Brun
kritischer Zeitgenosse und Friedensaktivist

Hürde Validierung - Warum dauert es so lange, bis tierversuchsfreie Testmethoden anerkannt werden?

Warum dauert es so lange, bis tierversuchsfreie Testmethoden anerkannt werden?

Die «Methode Tierversuch» gilt seit mehr als hundert Jahren als «Goldstandard» in der Wissenschaft und hat so auch Eingang in unzählige Gesetze gefunden, vorgeblich, um Mensch und Umwelt vor schädigenden Einflüssen zu schützen. Rund 18 Prozent der Tierversuche werden laut Angaben des Bundesamtes für Veterinärwesen (BVET) aufgrund gesetzlicher Vorschriften durchgeführt.

Zellen werden in flüssigem Stickstoff aufbewahrt Zahlreiche Bestimmungen auf nationaler und EU-Ebene schreiben Tierversuche direkt oder indirekt vor. Dazu kommen internationale Vorgaben, wie die Chemikalien-Richtlinie REACH und die Richtlinien der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (Organization for Economic Cooperation and Development – OECD), der die wichtigsten Industrienationen angehören. Will eine Firma ihre Produkte weltweit vertreiben, wird sie die in den OECD-Richtlinien verlangten Tests durchführen. Ein Grossteil der in diesen Prüfvorschriften vorgegebenen Tests stellt Versuche an Tieren dar. Damit die tierversuchsfreien Verfahren («In-vitro-Methoden») in diese Richtlinien und Rechtsvorschriften Eingang finden, müssen sie einen langwierigen Prozess, die sogenannte Validierung, durchlaufen.

Zu den gesetzlich vorgeschriebenen Tierversuchen zählen vor allem die Giftigkeitsprüfungen für neue Chemikalien und Arzneimittel. Tierversuche im Bereich der Grundlagenforschung und Arzneimittelentwicklung unterliegen keinen Regelungen. Entsprechend müssen tierversuchsfreie Verfahren in diesen Bereichen auch nicht validiert werden, um zum Einsatz zu kommen.


Abschnitte der Validierung

Auf den internationalen Validierungs-Workshops 1990 und 1994 in der Schweiz einigten sich Vertreter von Industrie, Hochschulen und Behörden aus Europa und Amerika auf die wichtigsten Prinzipien eines Validierungsprozesses. Dieses Konzept wurde 1995/96 von der Schweiz, allen EU-Mitgliedstaaten, den US-Behörden und allen OECD-Mitgliedstaaten anerkannt. Demnach muss eine In-vitro-Methode für ihren angestrebten Einsatz die folgenden fünf Schritte durchlaufen:

Testentwicklung

Tropfen aus Nährflüssigkeit werden in eine Petrischale pipettiert. In den Tropfen wachsen Zellen

Das Testziel wird genau festgelegt und definiert. Ersatzmethode und Tierversuch müssen eine möglichst grosse Ähnlichkeit aufweisen, denn diese Methode soll geeignet sein, das Ergebnis eines konkreten Tierversuchs nachzuahmen.

Prävalidierung

Ziel der Prävalidierung ist die Erarbeitung eines standardisierten und reproduzierbaren Testprotokolls. Hierfür wird folgendermassen vorgegangen: Nach der Entwicklung einer neuen Methode in einem Labor wird sie von einem zweiten Labor überprüft und gegebenenfalls verbessert. Dieses Labor entwickelt ein Standardprotokoll, das wiederum von einem dritten, unabhängigen Labor überprüft wird. Schliesslich wird in einem ersten Testlauf die Reproduzierbarkeit, also Wiederholbarkeit, der Methode in zwei bis drei weiteren Labors kontrolliert.

Validierung

Die eigentliche Validierung ist ein äusserst aufwendiges und komplexes Unterfangen. Ein genau definierter Projektplan wird aufgestellt, in dem Ziele, Inhalt und zeitlicher Ablauf der Studie festgelegt werden. Mit Hilfe von unabhängigen Projektgruppen werden teilnehmende Laboratorien, Testsubstanzen, Datenstruktur und spätere Datenauswertung festgelegt. In der sogenannten Ringstudie wird die Methode von verschiedenen Labors unabhängig voneinander geprüft, ohne dass diese wissen, welche Substanzen sie testen. Die Durchführung der Studie erfolgt unter «doppelt blinden Bedingungen», d.h., sowohl die Testsubstanzen als auch die Laboratorien werden für die Auswertung mit Codes versehen.

Auswertung

Veränderungen der kultivierten Zellen werden nach Zugabe einer Testsubstanz unter dem Mikroskop beurteilt

Den Abschluss der Validierung bildet die Bewertung der Prüfergebnisse durch kompetente, unabhängige Experten. Dabei werden Fragen zur Qualität, Präzision und Reproduzierbarkeit des In-vitro-Tests, des Ziels der Studie und der Beziehung zwischen In-vivo- und In-vitro-Daten beurteilt. Die Ergebnisse der Validierungsstudie werden dann in anerkannten wissenschaftlichen Fachzeitschriften publiziert.

Behördliche Anerkennung

Bei erfolgreichem Abschluss der Validierungsstudie legen die Gutachter nun die Methode den internationalen Gremien vor, um ihre Aufnahme in offizielle Prüfrichtlinien zu erreichen. Gremien wie die OECD leiten auf den Antrag eines Mitgliedstaates hin das formale Verfahren zur Akzeptierung der neuen Methode und zur Aufnahme in ihr Regelwerk, die OECD-Richtlinien, ein.

Das Validierungsverfahren bis zur behördlichen Anerkennung einer tierversuchsfreien Methode und zu ihrer Aufnahme in die Prüfrichtlinien kann sich 10–15 Jahre hinziehen.


Tierversuche wurden nie validiert!

In diesen Kunststoffgefässen wachsen Hautzellkulturen. An ihnen kann die Ätzwirkung von Substanzen festgestellt werden Wie ist es zu erklären, dass sich die Validierung vieler tierversuchsfreier Verfahren sehr lange hinzieht und mitunter scheitert? Warum werden immer noch so viele Tierversuche durchgeführt? Das Problem ist, dass eine tierversuchsfreie Methode nur behördlich anerkannt wird, wenn ihre Ergebnisse mit denen des entsprechenden Tierversuchs übereinstimmen. Doch der Tierversuch selbst wurde nie validiert. Einige der in den Prüfvorschriften verankerten Tierversuche stammen aus den 1930er/40er Jahren und wurden bis heute nicht daraufhin überprüft, ob sie sich überhaupt eignen, Gesundheitsrisiken für den Menschen sicher bewerten zu können. Tierversuche wurden einfach in die Gesetze aufgenommen, obwohl die Ergebnisse ungenau, nicht verlässlich reproduzierbar und nicht auf die Situation beim Menschen übertragbar sind. Die Qualität neuer, sinnvoller Testsysteme wird also an einer schlechten, veralteten Methode gemessen. Wirklich aussagekräftige In-vitro-Systeme müssen ungeheure Hürden überwinden, um anerkannt zu werden. Die Validierung anhand des  Tierversuchs ist unsinnig, sinnvoll wäre ein Vergleich der neuen Methode mit bekannten Daten aus der Humanmedizin.

Es geht viel zu langsam

Trotz der enormen Hindernisse wurden in den letzten Jahren einige tierversuchsfreie Verfahren in schweizerische und europäische Rechtsvorschriften aufgenommen, z.B. im Bereich der Prüfung von Impfstoffen und Hormonen. In die OECD-Vorschriften haben bislang jedoch nur wenige moderne Methoden Eingang gefunden.


  Dr. med. vet. Corina Gericke
Ärzte gegen Tierversuche e.V.


Weitere Informationen:

Die Broschüre «Woran soll man denn sonst testen» finden Sie als PDF unter: http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/images/infomaterial/woran_soll_man_testen.pdf

Die Internetplattform der Ärzte gegen Tierversuche e.V. finden Sie unter: http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de