Tamiflu-Skandal - Wie man mit einem Hauch von Nichts Milliarden verdient

Der Tamiflu-Skandal - Wie man mit einem Hauch von Nichts Milliarden verdient

Kam die Schweinegrippe zur «perfekten Zeit», oder wurde zur perfekten Zeit eine neue Grippe bewusst ins Rampenlicht der Panik gehoben? Das nach der Vogelgrippe wieder im Keller versunkene umstrittene Medikament Tamiflu von Hoffmann-La Roche erlebte erneut einen Höhenflug. 2009 war der weltweite Tamiflu-Umsatz um 435% gestiegen und brachte Roche 3,2 Milliarden Franken. Insgesamt hat Roche mit Tamiflu schon über 12 Milliarden Umsatz gemacht. Nun herrscht wieder etwas Flaute. Zeit für eine neue «gefährliche» Grippe?
Doch gehen wir einmal zurück zum Ursprung. Im Folgenden die Chronik des Tamiflu-Skandals.


Schwierigkeiten bei der Zulassung

Mitte der 90er Jahre entwickelte das amerikanische Biotechnologie-Unternehmen Gilead Sciences das Grippemittel Oseltamivir (Tamiflu). Der Roche-Konzern, der wie alle Pharmakonzerne immer auf der Suche nach Entwicklungen anderer Firmen ist, die dann relativ günstig übernommen und gross vermarktet werden können, kaufte Gilead Sciences das Patent ab. 1996 begann Roche mit den klinischen Studien. Im September 1999 wurde Tamiflu im Heimatland von Roche durchgewinkt, bekam aber infolge zweifelhaften Nutzens nur eine eingeschränkte Zulassung und schaffte es auch nicht auf die Spezialitäten¬liste des Bundes. Aber immerhin. Der erste Schritt auf dem Weg zum Goldesel war getan.

Die europäischen Zulassungsbehörden waren kritischer. Sie wollten Tamiflu infolge nicht belegbaren Nutzens nicht zulassen, weshalb Roche seinen Zulassungsantrag zurückzog.
Im Dezember 2000 bekam Roche in den USA eine eingeschränkte Zulassung für Tamiflu. Doch auch die amerikanische Zulassungsbehörde war kritisch. Roche musste die nicht bewiesenen Behauptungen, dass Tamiflu Lungenentzündungen, bakterielle Infektionen und weitere schwere Komplikationen, die zu Hospitalisierungen und bis zum Tod führen können, reduziere, zurückziehen. Und Roche müsse beweisen, dass Tamiflu wenigstens irgendeinen Nutzen habe, indem es z.B. die Grippesymptome etwas reduziere oder den Verlauf der Grippe wenigstens um einen Tag verkürze. Eine Gruppe von Roche-«Experten» flog daraufhin in die USA und konnte «irgendwie» die Zulassungsbehörden überzeugen. Das Problem, dass Tamiflu Komplikationen nicht reduziert, umging Roche, indem sie extra für die USA eine eigene Tamiflu-Webseite erstellte, auf der darauf hingewiesen wurde, dass Tamiflu diesbezüglich nichts nützt. 2002 wurde Tamiflu dann auch in der EU und weiteren Ländern zugelassen.

Zulassung erkämpft – doch wie generiert man Umsatz?

Der Beweis für einen wirklichen Nutzen fehlt, und das Medikament ist sehr teuer. Weshalb sollte es also gekauft werden? Tamiflu erlebte einen harzigen Start. Roche machte die schwachen Grippewellen dafür verantwortlich. Ihr Produktmanager Mathias Dick erklärte: «Man hat den Leuten 70 Jahre lang gesagt, dass, wenn man eine Grippe hat, gefälligst im Bett bleiben soll. Jetzt mussten wir die Leute zum Arzt bringen.» Das war in der Tat ein schwieriges Unterfangen. Denn eine Packung Tamiflu kostete CHF 86.10 und hatte keinen wirklichen Vorteil. Eine Grippe kuriert man mit Bettruhe, viel Flüssigkeit (z.B. Tee), kühlenden Wickeln gegen das Fieber und, wenn man will, noch einem Paracetamol dazu. Zudem mussten die Krankenkassen infolge fehlenden Nutzennachweises Tamiflu damals noch nicht bezahlen (erst ab 2009).
Diesen «Problemen» trat Roche mit einer unerlaubten aggressiven Marketingkampagne entgegen. Roche investierte einen dreistelligen Millionenbetrag in eine Werbekampagne für Tamiflu und verstiess damit gegen das Werbeverbot für rezeptpflichtige Medikamente. Die Werbung musste dann wieder eingeschränkt werden. Doch ein Pharmakonzern wäre nicht ein Pharmakonzern, wenn er nicht noch weitere Tricks auf Lager hätte.

Der Siegeszug von Tamiflu

Gerd Antes, Pharmaexperte des Cochrane-Zentrums (Interview in der «Zeit Online»): «Die unterbleibende Veröffentlichung von Studien ist ein chronischer Skandal im Medizin- und Forschungssystem. Das ist allgemein bekannt.»2003 veröffentlichte Laurent Kaiser, Leiter des Zentralen Virologischen Labors am Genfer Universitätsklinikum, eine Metaanalyse über Tamiflu. Darin bezog sich Kaisers Team (das hauptsächlich aus Angestellten von Roche bestand) auf zehn von Roche selbst durchgeführte oder bezahlte Wirksamkeitsstudien und schlussfolgerte, dass Tamiflu wirke.

Jahre später (2009) entdeckte das Cochrane-Zentrum (eine Gruppe unabhängiger renommierter Wissenschaftler, die Studien analysiert), dass einige Autoren dieser Studien gar nicht daran beteiligt waren und dass die Studien teils von «Ghostwritern» verfasst wurden, und veröffentlichte dies im «British Medical Journal». Dazu Gert Antes vom Cochrane-Zentrum: «Es sieht sogar so aus, dass die Autoren diese Arbeit nie gesehen haben.» Die «Ghostwriter» gaben indes zu, dass sie im direkten Kontakt zur Marketingabteilung von Roche standen und von dieser Vorgaben bekamen, was sie in der Studie publizieren mussten. Nebenwirkungen wurden verheimlicht, Nutzen wurde behauptet, wo keiner belegt war, u.v.m. Weshalb Laurent Kaiser ohne Rücksicht auf die Gesundheit der Bevölkerung der Pharmalobby diesen Bärendienst erwiesen hat, ist bis heute nicht bekannt – und er wurde und wird auch nicht zur Rechenschaft gezogen.

Doch nochmals zurück ins Jahr 2003. Im Dezember trat in Hongkong und Umgebung vermehrt eine gefährlichere Variante des Vogelgrippevirus H5N1 auf. Kurz darauf behauptete Roche, dass Tamiflu gegen dieses Virus wirke. Kaisers Übersichtsarbeit diente als Referenz, und viele Staaten nahmen Millionenreserven von Tamiflu auf Lager. Der Siegeszug von Tamiflu war nun im Gang und bescherte Roche in den folgenden Jahren Milliardenumsätze.

Totgesagte leben länger

Anfangs 2009 erfolgte dann der «Genickbruch». Die Vogelgrippe war vorbei, und Tamiflu versagte gegen die normale Grippe. Die meisten Viren waren dagegen resistent. Die Umsätze brachen total ein. Doch dann erschien eine neue Variante des H1N1-Virus, das Schweinegrippevirus, auf der Bühne. Medien und Bevölkerung gerieten wieder in Panik (bzw. es wurde wieder erfolgreich Panik geschürt). Roche reagierte schnell und vermeldete einen Nutzen von Tamiflu gegen dieses Virus.

Zu dieser Zeit sprachen sich immer mehr Experten gegen Tamiflu aus. Die Öffentlichkeit erfuhr langsam, dass die Studien von Tamiflu geschönt wurden, dass der Nutzen nicht bewiesen ist und dass es mehr Nebenwirkungen hat, als bekanntgegeben wurde. Auch ein Mitarbeiter des Bundesamtes für Gesundheit (BAG) gab zu, dass Tamiflu wohl nicht viel nütze. Doch diese Stimmen wurden erfolgreich erstickt. Die Meinungsbildner der Pharmalobby hatten Medien, Politiker, einige sogenannte Experten, vermutlich auch die Swissmedic und Teile des BAG und sogar die WHO (Weltgesundheitsorganisation) fest im Griff, und das totgesagte Tamiflu wurde wieder zum Milliardenrenner. Tamiflu musste nun sogar von den Krankenkassen bezahlt werden.
Auch die im Dezember 2009 von den Cochrane-Gutachtern im «British Medical Journal» veröffentlichte Arbeit ging in der Pandemie-Panik völlig unter. Diese Arbeit legte ausführlich den wissenschaftlichen Beweis vor, dass Tamiflu kaum einen nachweisbaren Nutzen hat und dass Roche von gegen hundert Studien den Bewilligungsbehörden nur zehn vorlegte und davon sogar nur zwei veröffentlichte. Doch sogar aus diesen zwei manipulierten und geschönten Studien liess sich kein wirklicher Nutzen ableiten. Höchstens möglicherweise die Reduktion der Grippedauer um weniger als einen Tag. Was erst steht dann in den nicht veröffentlichten Studien?

«Nur» ein teures Placebo zur Volksberuhigung – wären da nicht die Nebenwirkungen

Sogar der Immunologe Beda Stadler, der der Pharmabranche durchwegs wohlgesinnt ist, sagte im Interview mit der «Berner Zeitung»: «Das hat schon Züge eines Skandals.» Weiter sagte Stadler: «Tamiflu wurde lange Zeit – unter anderem auch vom Bundesamt für Gesundheit – als Medikament gepriesen, das insbesondere auch die gefährlichen Sekundärinfekte der Grippe verhindere. Die meisten Leute sterben ja nicht an der Grippe selber, sondern an einer durch die Grippe ausgelösten Zweitkrankheit, zum Beispiel an einer Lungenentzündung. Die (Anm. der Red.: unabhängigen) Forscher haben herausgefunden, dass Tamiflu gegen solche Sekundärinfekte tatsächlich nicht mehr nützt als ein Placebo.»Im Volksmund sagen wir: «Nützts nüt, so schadts nüt.» Diese Redewendung mag auf vieles zutreffen – jedoch in der Pharmazie haben wir schon oft erlebt, dass dem nicht so ist.
Die Forscher des Cochrane-Zentrums fanden sogar in den wenigen veröffentlichten Daten einige Hinweise auf öfters auftretende gravierende Nebenwirkungen. Dies obwohl Roche alles versucht hatte, um die Daten betreffend Nebenwirkungen zu verheimlichen.

Japan ist das einzige Land, in dem Tamiflu damals flächendeckend eingesetzt wurde; dort wurden bis dato drei Viertel aller Tamiflupackungen verkauft. Ende 2005 wurde bekannt, dass in Japan neuropsychiatrische Störungen wie Verwirrtheit, Halluzinationen und suizidales Verhalten vermehrt registriert wurden. Jugendliche hatten sich nach der Einnahme von Tamiflu in den Tod gestürzt. Bis zu 34 Todesfälle wurden in möglicher direkter Verbindung mit Tamiflu bekannt. Auch deckte danach ein japanischer Arzt den Skandal auf, dass die Datenlage zu Tamiflu sich einzig auf die Metaanalyse des Genfer Virologen Kaiser bezog. Dies brachte die Cochrane-Wissenschaftler auf den Plan.
Britische Forscher stellten fest, dass bei unter Zwölfjährigen Tamiflu bei jedem zweiten Kind schwere Nebenwirkungen verursacht. Auch wurde 2009 in England ein Fall einer Jugendlichen bekannt, die nach der Einnahme von Tamiflu infolge einer seltenen Hautkrankheit erblindete.
Doch das alles kümmert Roche nicht. Sie sagte lediglich, dass es sich um tragische Vorfälle handle, meldete die Fälle den Gesundheitsbehörden und ergänzte den Beipackzettel. Zudem polierte sie ihr Image wieder auf, indem sie die Zusammenarbeit mit PR-Agenturen, die proaktiv Einfluss auf die Medien nehmen, weiter ausbaute.

Viele weitere Meldungen von gravierenden bis tödlichen Nebenwirkungen stehen in Verdacht, im Zusammenhang mit der Einnahme von Tamiflu zu stehen. Doch (zum «Glück» für die Pharmafirmen und zum Unglück für Patienten) ist es immer sehr schwer, einen 100% direkten Zusammenhang zu beweisen.
Tatsächlich sind in der Datenbank von Roche über 2500 dokumentierte Fälle von neuropsychiatrischen Nebenwirkungen registriert. Davon werden etwa 25% als gravierend eingestuft. Doch wird Einblick in diese Daten gewährt? Fehlanzeige.

Eine weitere nicht zu unterschätzende Nebenwirkung ist, dass sich viele nach der Einnahme von Tamiflu sicher fühlen und deshalb schneller wieder das Haus verlassen – doch damit steckt man andere Leute an und hilft somit ungewollt bei der Virusverbreitung.
Zum immer grösseren Problem wird auch die Verbreitung von Tamiflu (und anderen Medikamenten) übers Grundwasser. 90% des eingenommenen Tamiflu scheiden Menschen wieder aus. In Kläranlagen lässt sich dies nicht herausfiltern, und es gelangt somit ungehindert ins Grundwasser. Dies führt zu einer erheblichen Belastung der natürlichen Mikroflora und zu einer Resistenzbildung bei Viren und Keimen gegen Tamiflu und ähnliche Medikamente. Dadurch werden generell immer mehr Medikamente unwirksam. Dieses Problem ist nicht neu, doch kümmert es Pharmafirmen und Behörden denkbar wenig. Zumindest nicht, bis sie Angst davor bekommen, eines Tages selbst davon betroffen zu werden. Deshalb werden z.B. die Gefahren von Resistenzen durch den massiven Einsatz von Antibiotika in der Massentierhaltung langsam ernst genommen.

Was sich ändern müsste

Tom Jefferson, Epidemiologe des Cochrane-Zentrums, zur Grippe-Impfung (Interview im «Spiegel»): «Mehrere Studien haben klar gezeigt, dass Händewaschen deutlich besser schützt.»Transparenz bei Tierversuchen und klinischen Studien könnte weltweit unzählige Leben retten. Doch die Pharmalobby und ihre einflussreichen Helfershelfer verhindern dies konsequent. Bis heute weigert sich Roche, die vollständigen Studiendaten zu veröffentlichen. Somit kann nicht abschliessend bewiesen werden, wie krass der Skandal um Tamiflu wirklich ist. Politiker, Bundesämter und Zulassungsbehörden intervenieren nicht, hüllen sich gar in Schweigen.
Es braucht unbedingt ein Gesetz, das zwingend vorschreibt, dass alle Daten von Medikamentenstudien vollständig veröffentlicht werden müssen. Zumindest für unabhängige Überprüfungen müssen alle Rohdaten (selbstverständlich in anonymisierter Form) zugänglich gemacht werden. Ohne diese Voraussetzung dürfte ein Medikament gar nicht erst zugelassen werden. Und es müsste horrende Strafen geben, wenn eine Firma Studiendaten verheimlicht. Auch müssen Zulassungsbehörden und Mediziner jederzeit auf die anonymisierten Patientendaten betreffend Nebenwirkungen Zugriff erhalten. Firmen sollten zudem dazu verpflichtet werden, nicht Dutzende bis Hunderte kleiner Studien durchzuführen und danach die ihnen genehmen rauszupicken, sondern wenige grosse Studien zu machen.
Im Rahmen des neuen Humanforschungsgesetzes (HFG) hätte die Schweiz die Möglichkeit, die gesetzliche Grundlage für ein zentrales vollständiges Studienregister zu schaffen. Das HFG tritt voraussichtlich 2013 in Kraft. Hoffen wir, dass diesmal nicht die Interessen der Pharmalobby, sondern die der Patienten mehr Gewichtung finden.

  Andreas Item

Medikamente sind sicherer ohne Tierversuche

Medienmitteilung der AG STG – Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegnerwww.agstg.ch

Medikamente sind sicherer ohne Tierversuche

23. April 2012, Bonaduz

Ein Statement der AG STG zum «Internationalen Tag zur Abschaffung der Tierversuche» vom 24. April

Trotz der ständig steigenden Tierversuche und der vielen Milliarden, die in diese Art der Forschung gesteckt werden, nehmen viele Krankheiten wie z.B. Alzheimer-Demenz, Diabetes mellitus, Krebskrankheiten und Schlaganfälle immer weiter zu und bleiben ohne adäquate Therapie.
Um in der Medizin zu Fortschritten zu kommen und zudem die Sicherheit für Patienten bestmöglich zu gewährleisten, ist es zwingend notwendig, die besten zur Verfügung stehenden Testmethoden anzuwenden.
Um die Leistungsfähigkeit von innovativen, tierversuchsfreien Forschungsmethoden zu überprüfen, muss eine konsequente Vergleichsuntersuchung zwischen humanbiologischen Tests und Tierversuchen durchgeführt werden. Dies in einem Vergleich mit bekannten Daten aus der Humanmedizin und epidemiologischen Studien. Hingegen ist der Vergleich innovativer Testmethoden mit dem Tierversuch (Validierung) schon infolge der Qualität der Tierversuchsergebnisse äusserst gefährlich. Andreas Item, Geschäftsführer der AG STG, ist davon überzeugt, dass durch wissenschaftliche Vergleichsuntersuchungen Tierversuche als überflüssig und gefährlich gebrandmarkt würden. Er sieht darin den Grund, weshalb viele einflussreiche Wissenschaftler, die mit Tierversuchen sehr viel Geld verdienen, gegen jegliche Qualitätskontrolle sind.

Die Entwicklung und der Einsatz tierfreier innovativer Forschungsmethoden müssen viel mehr gefördert werden. Zur Zeit stellt der Bund für «Alternativmethoden» und innovative, tierversuchsfreie Forschungsmethoden jährlich etwa 400 000 Franken zur Verfügung, Tierversuche hingegen werden mit jährlich Hunderten Millionen unterstützt. Diese Ungleichheit führt zu falschen Anreizen in der Forschung und erschwert es innovativen Wissenschaftlern, ein Projekt in der Schweiz zu realisieren.
Dazu Andreas Item, Geschäftsführer der AG STG: «Das aktuelle System der Verteilung öffentlicher Gelder für medizinische Forschungsprojekte ist ein Desaster. Es kann wohl kaum davon ausgegangen werden, dass der SNF (Schweizerischer Nationalfonds) weiterhin mit dieser Aufgabe beauftragt werden kann, da die dort zuständigen «Experten» praktisch ausschliesslich selbst Tierversuche durchführen und diese sogar teils mit von ihnen selbst zugeteilten Bundesgeldern finanzieren!» Auch die Stiftung Forschung 3R ist dafür kaum geeignet, da sie zur Hälfte von der Pharmaindustrie finanziert wird (Beteiligung ebenfalls ca. 400 000 Franken im Jahr). Das Ziel muss eine neue, vollkommen unabhängige Institution sein, die die Verteilung der Forschungsgelder ausschliesslich anhand wissenschaftlicher Kriterien vornimmt.

Ein weiteres grosses Risiko für Patientinnen und Patienten ist die Intransparenz bei Tierversuchen. Es braucht eine detaillierte Auswertung sowie die Veröffentlichung aller – inklusive fehlgeschlagener! – Tierversuchsergebnisse. Derzeit gibt es keine Kontrolle über den «Erfolg»/Misserfolg von Tierversuchen. Transparenz bei Tierversuchen und klinischen Studien könnte weltweit unzählige Leben retten. Es bräuchte dazu ein Gesetz, das verlangt, dass alle Daten von Medizinstudien vollständig veröffentlicht werden. Auch müssten Zulassungsbehörden und Mediziner jederzeit auf die anonymisierten Patientendaten betreffend Nebenwirkungen Zugang erhalten.

Die AG STG fordert endlich ein Umdenken in Politik und Forschung. Will die Schweiz auch in Zukunft zu den führenden Forschungsnationen gehören, müssen wir uns vom Tierversuch verabschieden und den Weg frei machen für eine am Menschen orientierte und für die Menschen nützliche Medizinforschung.
Innovative, tierversuchsfreie Forschungsmethoden sind ein klarer Fortschritt und nicht ein Ersatz für Tierversuche. Die AG STG fordert die Schweizer Behörden auf, den Fortschritt in der Forschung nicht länger zu blockieren.

Der jährlich am 24. April stattfindende «Internationale Tag zur Abschaffung der Tierversuche» wurde erstmals 1979 begangen und geht auf den Geburtstag von Lord Hugh Dowding zurück, der sich im britischen Oberhaus für den Tierschutz einsetzte.

(Kontaktdaten nur in der Original-Medienmitteilung)

Die Organisation AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) besteht seit 1981. Sie lehnt Tierversuche aus medizinischen, aus wissenschaftlichen sowie aus ethischen Gründen ab. Die Organisation engagiert sich für einen innovativen, zukunftsorientierten und führenden Forschungsstandort Schweiz und somit für eine Wissenschaft ohne Tierversuche. Die medizinische Wissenschaft muss sich endlich wieder am Menschen orientieren und dabei die Ursachenforschung und die Vorbeugung gegen Krankheiten in den Vordergrund stellen.

Fragen und Antworten zum Thema Tierversuche (4. Teil)

FUCK FAQ Tierversuche (4. Teil)

Im «Albatros» Nr. 32 haben wir auf Wunsch vieler Leser damit begonnen, für euch ein paar Basisargumente für Diskussionen zusammenzustellen. Daraus entstand eine Serie, die auf vier «Albatros»-Ausgaben aufgeteilt veröffentlicht und danach in einer Broschüre zusammengestellt wird. In dieser Ausgabe (dem letzten Teil) befassen wir uns schwerpunktmässig mit tierversuchsfreien Forschungsmethoden, Lösungsansätzen für effektive Fortschritte in der Medizin sowie weiteren oft gestellten Fragen. Wir hoffen, dass wir mit der Auswahl der Fragen und deren Beantwortung eurem Wunsch gerecht werden.

 

Gibt es «Alternativen» zu Tierversuchen?

Viele der wesentlichen medizinischen Errungenschaften wurden und werden durch epidemiologische Untersuchungen (Entstehung und Ausbreitung von Krankheiten in der Bevölkerung) und klinische Forschung (aufmerksame Beobachtungen von Krankheiten und Patienten) erzielt. Auch Zufallsentdeckungen und Selbstversuche von Ärzten spielen eine nicht unerhebliche Rolle. Zudem gibt es eine Vielzahl weiterer erfolgreicher und zuverlässiger Forschungsmöglichkeiten, mit denen immer öfter Durchbrüche in der Medizin gelingen. Diese Methoden werden oft als Alternativen bezeichnet. Dies ist irreführend, denn diese sogenannten Alternativmethoden sind kein Ersatz für, sondern ein Fortschritt gegenüber Tierversuchen. Tierversuche sind eine unwissenschaftliche Methode, zu der es keine Alternative braucht. Auch die sogenannten Ersatz- und Ergänzungsmethoden zu Tierversuchen werden als Alternativen bezeichnet. Die Alternativmethoden, wie sie von der Tierversuchslobby definiert werden (hauptsächlich auf der Basis von Tierversuchen oder tierischen Zellkulturen aufbauend), lehnt die AG STG aus methodischen, wissenschaftlichen sowie ethischen Gründen ab. Was uns in der Medizin effektiv weiterbringt, sind tierfreie Forschungsmethoden.

Eine kleine Auswahl innovativer, tierfreier Forschungsmethoden:

In-vitro-Systeme umfassen eine Vielzahl verschiedener Testmethoden. Mit menschlichen Zellkulturen sind äusserst zuverlässige Ergebnisse möglich. Im Labor werden einzelne Körperzellen vermehrt. An den Zellkulturen lässt sich sowohl der gesunde wie auch der kranke Zustand z.B. im Falle von Krebs erforschen. Ferner kann man auf einfache Art und Weise die Wirkung potenzieller Medikamente überprüfen, und nicht zuletzt lassen sich durch Zellkulturen auch Medikamente herstellen.

Einen Schritt weiter gehen sogenannte mikrofluidische Schaltkreise. Dies sind Zellkulturen mehrerer verschiedener menschlicher Organe auf einem Computerchip, die mit einem zirkulierenden Blutersatz versorgt werden. So können beispielsweise die Aufnahme eines Medikamentes über den menschlichen Darm, die Verstoffwechselung in der Leber, die Wirkung am Herz und die Ausscheidung über die Nieren simuliert werden.

Unter In-silico-Technologie versteht man hochkomplexe Computermodelle, welche menschliche Organe mit ihren Stoffwechselvorgängen anhand bisheriger Erkenntnisse simulieren. Diese erlauben die Vorhersage der Wirkung von neuen Medikamenten auf einzelne Aspekte im Körper. So kann zunächst ein virtueller Patient analysiert werden, bevor konkrete klinische Versuche am Menschen durchgeführt werden.

Aufgrund hochempfindlicher Labormethoden können neue Medikamentenwirkstoffe risikoarm am Menschen getestet werden. Diese sogenannten Microdosing-Studien erreichen eine hervorragende Zuverlässigkeit.

Eine ausführliche Darstellung dieser und vieler weiterer innovativer, tierversuchsfreier Forschungsmethoden finden Sie unter: http://aerzte-gegen-tierversuche.de/infos/tierversuchsfreie-forschung/110-forschung-ohne-tierleid

Weshalb werden tierversuchsfreie Forschungsmethoden wenig angewandt?


Viele Forscher, die schon seit dem Studium dem Irrglauben der auf Tierversuchen basierenden Wissenschaft verfallen sind, zeigen sich nicht zu einem Umdenken bereit. Auch müsste das Personal geschult werden, und nichts ändert sich schwerer als Gewohnheiten. Viele Forscher würden auch überflüssig, da ihnen schlicht das notwendige Know-how für anspruchsvolle wissenschaftliche Forschung fehlt. Ebenso spielt die Angst vor geringeren Gewinnen eine wichtige Rolle. Dabei wird vergessen, dass mittel- bis langfristig gerechnet die Entwicklung und Anwendung von innovativen tierversuchsfreien Methoden klar kostengünstiger ist.
Ein weiteres wesentliches Hindernis ist, dass diese Methoden kaum vom Staat gefördert und finanziert werden. (Der Staat unterstützt die Entwicklung von innovativen, tierfreien Forschungsmethoden mit maximal 400 000 Franken – im Gegensatz dazu werden Tierversuche mit mehreren hundert Millionen unterstützt.)

Und der wohl wesentlichste Grund ist: Um sich vor wissenschaftlichen Tatsachen zu schützen, hat die Tierversuchslobby weltweit durchsetzen können, dass innovative Forschungsmethoden zuerst aufwendig validiert werden müssen, obwohl Tierversuche selbst nie validiert (überprüft) wurden. Dies bedeutet einen sehr teuren jahrelangen Prozess, in dem tierfreie Forschungsmethoden so angepasst werden müssen, damit sie die gleichen Ergebnisse wie Tierversuche erzielen. (Wohlgemerkt: Die Methoden werden dabei nicht auf den Menschen eingestellt, sondern auf künstliche Krankheiten von Labortieren!) Dies ist schwierig bis unmöglich, auch da Tierversuche selten reproduzierbar sind, also ständig zu anderen Ergebnissen führen. Es ist auch nicht möglich (und nicht notwendig), mit tierversuchsfreien Forschungsmethoden festzustellen, wie eine Maus auf das literweise Einflössen von Reinigungsmitteln reagiert oder wie hoch die Schmerzgrenze bei einem Affen liegt.
Die Validierung ist wissenschaftlich unsinnig sowie eine ethisch äusserst verwerfliche Forderung, da die Ergebnisse aus Tierversuchen kaum einen Nutzen für den Menschen bringen. Genau dies ist die grosse Gefahr für uns Menschen. Wenn innovative, tierfreie Methoden die gleichen Ergebnisse erzielen müssen wie Tierversuche, dann werden Medikamente weiterhin mit unzuverlässigen Methoden erforscht und entwickelt. Dies bedeutet faktisch Stillstand in der Medizinforschung sowie weiterhin unkalkulierbare Risiken für Patienten.

Und wenn man die Zahl der Tierversuche reduzieren würde?

Jeder Tierexperimentator wird uns insofern recht geben, als es Tierversuche gibt, auf die man verzichten könnte. Gleichzeitig wird er sich aber davor hüten, solche beim Namen zu nennen. Und selbstverständlich sind das nicht seine eigenen Experimente. Diese seien überaus wichtig und würden in Zukunft möglicherweise Tausenden von Menschen das Leben retten.
Auch Tierversuche, für die kein absehbarer Nutzen für Menschen konstruiert werden kann, werden mit der Behauptung, dass sie vielleicht irgendwann in Zukunft Menschen helfen könnten, gerechtfertigt. Diese Versuche werden als wichtige Grundlagenforschung bezeichnet. Mit der Angst der Menschen bzw. mit dem Spiel mit der Hoffnung lässt sich jeder noch so sinnlose und grausame Tierversuch mehrheitsfähig machen.

Mit automatisierten Testverfahren kann die Giftigkeit einer Substanz schnell, kostengünstig und zuverlässig überprüft werdenSeit bereits über 50 Jahren gibt es die Prinzipien der 3R (3R = Reduce, Refine, Replace oder Vermindern, Verfeinern und Vermeiden von Tierexperimenten). Mit diesen Prinzipien konnten einige Tierversuche eingespart werden. Das Problem bei diesen Methoden ist jedoch, dass sie die Methode Tierversuch nicht in Frage stellen. Somit behindern oder verunmöglichen sie eine fortschrittliche, innovative Medizin. Auch zeigt die Praxis, dass das Prinzip 3R den ständigen Anstieg von Tierversuchen nicht verhindern kann
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Tierversuche sind jedoch kein notwendiges Übel, sondern täuschen eine falsche Sicherheit vor und behindern wirkliche Innovationen. Einige Wissenschaftler sind überzeugt: Wären vor 50 Jahren Tierversuche komplett abgeschafft worden, dann wäre die Medizin heute auf einem wesentlich höheren Stand. Man muss sich somit fragen: Bringt die Reduktion von etwas Nutzlosem wirklich etwas, oder wird dadurch eher seine Legitimation zementiert?

Es gäbe aber durchwegs Möglichkeiten, Tierversuche zu reduzieren. Dies setzt jedoch Transparenz bei Tierversuchen und eine Pflicht zur Publikation von Tierversuchsergebnissen voraus. Wenn Forscher auf bereits vorhandene Tierversuchsdaten zurückgreifen könnten, würde es u.a. keine Mehrfachversuche mehr geben (heute werden die gleichen Versuche an verschiedenen Orten immer wieder durchgeführt, da niemand weiss, welche Tests bereits anderswo durchgeführt wurden). Generell muss man sich fragen: Wenn Tierversuchsergebnisse wirklich einen Nutzen haben sollen, müsste man nicht wenigstens die Daten erfassen und sie anderen Forschern zur Verfügung stellen? Dies ist derzeit jedoch nicht der Fall.

Wie kann die Medizin endlich Fortschritte erzielen?

Die gravierenden und unkalkulierbaren Risiken von Tierversuchen haben wir in dieser Broschüre ausführlich dargelegt. Tierversuche verhindern effektiv den medizinischen Fortschritt. Trotz der ständig steigenden Tierversuche und der vielen Milliarden, die in diese Forschung gesteckt werden, nehmen viele Krankheiten wie z.B. Alzheimer-Demenz, Diabetes mellitus, Krebskrankheiten und Schlaganfälle immer weiter zu und bleiben ohne adäquate Therapie.

Den in einer Mikrotiterplatte gewachsenen Zellen wird eine Testsubstanz hinzugefügtUm in der Medizin endlich zu wirklichen Fortschritten zu kommen und zudem die Sicherheit für Patienten bestmöglich zu gewährleisten, ist es zwingend notwendig, die äusserst mangelhaften tierbasierten Tests zu ersetzen. Um die Leistungsfähigkeit von innovativen, tierversuchsfreien Forschungsmethoden zu überprüfen, muss eine konsequente Vergleichsuntersuchung zwischen humanbiologischen Tests und Tierversuchen durchgeführt werden. Dies in einem Vergleich mit bekannten Daten aus der Humanmedizin und epidemiologischen Studien. Hingegen der Vergleich innovativer Testmethoden mit dem Tierversuch (Validierung) ist, wie ebenfalls in dieser Broschüre ausführlich dargelegt, nicht nur unsinnig, sondern äusserst gefährlich.

Die Entwicklung und der Einsatz tierfreier innovativer Forschungsmethoden müssen zudem massiv gefördert werden. Es darf nicht sein, dass der Bund für «Alternativmethoden» und innovative, tierversuchsfreie Forschungsmethoden jährlich nur etwa 400 000 Franken zur Verfügung stellt, Tierversuche hingegen mit jährlich Hunderten Millionen unterstützt. Dies führt zu völlig falschen Anreizen. Auch fehlt damit dieses Geld für Innovationen, was es Wissenschaftlern, die echten medizinischen Fortschritt anstreben, verunmöglicht, ein Projekt in der Schweiz zu realisieren.
Das aktuelle System zur Verteilung öffentlicher Gelder für medizinische Forschungsprojekte ist ein Desaster. Es kann wohl kaum davon ausgegangen werden, dass der SNF (Schweizerischer Nationalfonds) weiterhin mit dieser Aufgabe beauftragt werden kann, da die dort zuständigen «Experten» praktisch ausschliesslich selbst Tierversuche durchführen (und diese sogar teils mit von ihnen selbst zugeteilten Bundesgeldern finanzieren!). Auch die Stiftung Forschung 3R ist dafür nicht geeignet, da sie zur Hälfte von der Pharmalobby finanziert wird (Beteiligung ebenfalls ca. 400 000 Franken im Jahr).
Was wir brauchen, ist eine neue, vollkommen unabhängige Institution, die die Verteilung der Forschungsgelder ausschliesslich anhand wissenschaftlicher Kriterien vornimmt.

Unter dem Mikroskop wird untersucht, ob die hinzugefügte Substanz zu einer Reaktion bei den Zellkulturen führtEin weiteres Musterbeispiel, wie die Sicherheit und der Nutzen für Patienten mit Füssen getreten werden, ist die Intransparenz bei Tierversuchen. Es braucht dringend eine detaillierte Auswertung sowie die Veröffentlichung aller – inklusive fehlgeschlagener! – Tierversuchsergebnisse. Derzeit gibt es in der Schweiz keine Kontrolle über Nutzen und «Erfolg»/Misserfolg von Tierversuchen. Durch die Veröffentlichungspflicht würden zudem auch nicht immer wieder (wie es heute Praxis ist) die gleichen Tierversuchsergebnisse bei Menschen ausprobiert werden (da ein Forscher nicht wissen kann, dass irgendwo anders dieselben Tests schon durchgeführt wurden).
Transparenz bei Tierversuchen und klinischen Studien könnte weltweit unzählige Leben retten. Es würde dazu aber ein Gesetz brauchen, das verlangt, dass alle Daten von Medizinstudien vollständig veröffentlicht werden. Auch müssten Zulassungsbehörden und Mediziner jederzeit zu den anonymisierten Patientendaten betreffend Nebenwirkungen Zugang erhalten.

Diese und weitere Änderungen (viele Lösungsansätze ergeben sich aus dieser Broschüre und können hier nicht nochmals ausgeführt werden) führten zudem zu grossen Einsparungen im Gesundheitswesen. Als Hauptgrund für die steigenden Kosten neuer Medikamente nennen Wissenschaftler, dass mehr als 90% aller zuvor im Tierversuch als sicher geltenden Medikamente in den anschliessenden klinischen Untersuchungen (Untersuchungen am Menschen) versagen. Dadurch müssen die Firmen mit dem einen zugelassenen Medikament auch die Kosten für die Entwicklung der anderen neun Medikamente wieder hereinholen.

Die AG STG fordert endlich ein Umdenken in Politik und Forschung. Will die Schweiz auch in Zukunft zu den führenden Forschungsnationen gehören, müssen wir uns vom Tierversuch verabschieden und den Weg frei machen für eine am Menschen orientierte und für die Menschen nützliche Medizinforschung.
Innovative, tierversuchsfreie Forschungsmethoden sind ein klarer Fortschritt und nicht ein Ersatz für Tierversuche. Die AG STG fordert die Schweizer Behörden auf, den Fortschritt in der Forschung nicht länger zu blockieren.

Weshalb gibt es kaum Wissenschaftler, die Tierversuche öffentlich kritisieren?

Man muss berücksichtigen, dass, wenn ein Tierexperimentator quasi die eigene Arbeit in Frage stellt, dies für ihn das berufliche Todesurteil bedeutet. Im günstigsten Fall werden kritischen Wissenschaftlern die Forschungsgelder gestrichen. In der Vergangenheit kam es auch schon öfters zu Fällen, in denen kritische Forscher ihres Lebens nicht mehr sicher sein konnten! Deshalb wenden sich Wissenschaftler und Firmen lieber «klammheimlich» vom Tierversuch ab.

Trotzdem gibt es einige mutige Wissenschaftler, die diese Risiken auf sich nehmen. Es sind nicht viele, aber dank ihnen kommen wichtige Informationen erst ans Licht der Öffentlichkeit.

Zwanzig Jahre hatte der Pathologe Prof. Dr. med. Pietro Croce selbst Tierversuche durchgeführt, bis er Anfang der 80er Jahre ihre Unwissenschaftlichkeit erkannte und seither aus tiefer Überzeugung gegen das tierexperimentelle System kämpfte. In unzähligen Vorträgen und Schriften prangerte er mit überzeugenden Argumenten das tierexperimentelle System als falsch und irreführend an und zeigte gangbare Wege für eine tierversuchsfreie Forschung und Medizin auf. Mit eindrucksvollen Beispielen belegt Croce, wie unterschiedlich Menschen und die einzelnen Tierarten auf Substanzen reagieren, weswegen die Übertragung von Ergebnissen aus Tierexperimenten auf die menschliche Situation ein absolut unkalkulierbares Risiko darstellt.

Die gewonnenen Daten werden am PC erfasst und ausgewertetDr. Richard Klausner, von 1995 bis 2001 Direktor des Nationalen Krebsforschungsinstituts der USA (NCI), schrieb in einem Artikel in der «Times»: «Die Geschichte der Krebsforschung ist die Geschichte, wie man Krebs bei Mäusen heilt. Seit Jahrzehnten heilen wir Krebs bei Mäusen, aber beim Menschen klappt es einfach nicht.»
Der ehemalige Leiter des NCI, Dr. Bross, erklärte vor dem amerikanischen Kongress: «Vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen muss festgestellt werden, dass das, was man das Tierversuchsmodell in der Krebsforschung nennt, sich als totale Pleite herausgestellt hat. Als das NCI sich mit grosser Begeisterung zu einem Massengebrauch von Tieren in der Krebsbekämpfung entschloss, gab es bereits genügend wissenschaftliche Kenntnisse, um zu sagen, dass dieses Massenprogramm ein Misserfolg sein würde. Es gab praktisch keine Fakten, die angedeutet hätten, dass es erfolgreich sein könnte. Die endlosen Millionen von Tieren, die auf der Suche nach neuen Krebsbekämpfungsmitteln getötet wurden, sind also umsonst geopfert worden.»

Der Herausgeber der Krebsforschungs-Zeitschrift «Clinical Oncology» stellte fest, dass es schwierig sei, «einen einzigen üblichen Krebs des Menschen zu finden, bei dem Behandlung und Heilungsaussichten durch tierexperimentelle Forschung ernsthaft beeinflusst wurden. Letztendlich sind es Studien am menschlichen Patienten und nicht Tierversuche, die relevante Ergebnisse bringen.»

Berna Biotech AG, ein Schweizer Impfstoffhersteller, stellte 2008 seine Produktion auf tierversuchsfrei um. Die Firma stellt Produkte her, mit denen Infektionskrankheiten wie Hepatitis A und B, Kinderkrankheiten, Atemwegserkrankungen und Reisekrankheiten verhindert oder behandelt werden.

Aus Platzgründen können wir hier leider nur eine kleine Auswahl veröffentlichen. Aber es gibt immer mehr Mediziner und Wissenschaftler, die den Mut finden, Tierversuche öffentlich zu hinterfragen oder sie als unwissenschaftlich zu brandmarken und sie gar zu bekämpfen.

Wenn ich ein Medikament benötige, soll ich darauf verzichten?

Wir sind nicht gegen Medikamente! Wir sind für medizinischen Fortschritt und deshalb gegen Tierversuche.

Wie wir in dieser Broschüre und in mehreren Artikeln in unserer Zeitschrift «Albatros» bereits ausführlich aufgezeigt haben, werden Medikamente zwar aus gesetzlichen Gründen jeweils auch im Tierversuch getestet, jedoch findet dies praktisch immer erst nachträglich statt. Tierversuche stehen nicht am Anfang einer Entwicklung. Erkenntnis und Entwicklung von medizinischen Errungenschaften sind selten Ergebnissen aus Tierversuchen zu verdanken.
Grundsätzlich wurde und wird jeder Wirkstoff im Tierversuch getestet. Dies beinhaltet z.B. auch Substanzen, die in der Naturheilmedizin eingesetzt werden. Dies ist oft besonders paradox. Wirkstoffe, die seit Jahrhunderten erfolgreich bei Menschen eingesetzt werden, testet man heutzutage im Tierversuch. Somit ist es unmöglich, tierversuchsfreie Medikamente zu kaufen.

Wenn es unerlässlich ist, auf ein schulmedizinisches Medikament zurückzugreifen, dann sollten Sie es auch verwenden. Bedenken Sie jedoch: Viele Medikamente bewirken nur eine kurzfristige Symptombekämpfung. Eine langfristige Heilung erreichen Sie oft nur durch Erkennen der Krankheitsursachen und indem Sie die Konsequenzen daraus ziehen. Die beste Medizin, um einem Grossteil der Zivilisationskrankheiten vorzubeugen, ist eine gesunde, vegetarische oder vegane Ernährung, verbunden mit einem bewussten Lebensstil. Die wichtigsten Faktoren, die unsere Gesundheit beeinflussen, sind: falsche Ernährung, Übergewicht, Rauchen, Alkohol, Bewegungsmangel sowie psychische Belastungen.

Wie kann ich mich gegen Tierversuche einsetzen?

  • Das Wichtigste vorerst ist, dass man sich über Tierversuche richtig informiert. Viele Menschen haben aus den Medien ein paar Informationen aufgeschnappt, sind aber weit davon entfernt, auch nur ansatzweise das Thema Tierversuche und seine Gefahren für uns Menschen zu kennen. Solange Menschen aber glauben, dass sie durch Tierversuche mehr Sicherheit erhalten, werden sie (die Mehrheit) für Tierversuche sein. Aus diesem Grund ist es das Wichtigste, dass man wissenschaftlich begründet aufzeigt, dass Tierversuche klar mehr Risiken und Gefahren anstatt Sicherheit für Patientinnen und Patienten bringen.
  • Sprechen Sie in Ihrer Familie und in Ihrem Freundeskreis über Tierversuche. Zeigen Sie ihnen auf, dass Tierversuche aus ethischen, aber insbesondere auch aus medizinisch-wissenschaftlichen Gründen abzulehnen sind.
  • Beugen Sie Krankheiten vor: Gerade Zivilisationskrankheiten, die hauptsächlich durch den heutigen Lebensstil verursacht werden, könnten durch eine gesunde vegetarische oder vegane Ernährung sowie mehr Bewegung und weniger Stress häufig auf ganz natürliche Weise verhindert werden.
  •  Bestellen Sie unsere Flyer und Petitionslisten zum Verteilen und Unterschriftensammeln im Freundes- und Verwandtenkreis, in der Schule, der Uni oder der Firma, in der Fussgängerzone oder vor dem Supermarkt, zum Auslegen in Arztpraxen und Bibliotheken usw.  Wenn Sie in der Zeitung einen Bericht zum Thema Tierversuche lesen, schreiben Sie Ihre Meinung in einem kurzen Leserbrief. Dies ist eine sehr effektive Art, um Informationen einer grösseren Leserschaft zukommen zu lassen.
  • Verzichten Sie auf Kosmetikprodukte, deren Inhaltsstoffe im Tierversuch getestet wurden. Bei diesem Thema wird leider viel «geschummelt». Informieren Sie sich über tierversuchsfreie Produkte unter: http://www.kosmetik-ohne-tierversuche.ch
  • Unterstützen Sie aktiv oder mit einer Spende die Arbeit von Tierversuchsgegner-Organisationen. Sie können z.B. die AG STG mit einem Abonnement des Magazins «Albatros» unterstützen oder auch als Aktivist zum Gelingen unserer Aktionen beitragen.
  • Überprüfen Sie, welchen Organisationen Sie Geld spenden, damit Sie nicht ungewollt selbst direkt Tierversuche finanzieren. (Lesen Sie dazu: Wie werden Tierversuche finanziert?)


Weitere Tipps, wie sie sich gegen Tierversuche einsetzen können, finden Sie unter: http://www.agstg.ch/aktiv-werden.html

 

Den ersten Teil der «Fragen und Antworten zum Tierversuch» finden Sie unter:
Fragen und Antworten zum Thema Tierversuch - Teil 1
Den zweiten Teil der «Fragen und Antworten zum Tierversuch» finden Sie unter:
Fragen und Antworten zum Thema Tierversuch - Teil 2
Den dritten Teil der «Fragen und Antworten zum Tierversuch» finden Sie unter:
Fragen und Antworten zum Thema Tierversuch - Teil 3

Warum Tierversuche sowohl moralisch als auch ethisch verwerflich sind - Acht Streitfragen, beantwortet von Dr. med. Vernon Coleman - Teil 2

Acht Streitfragen, beantwortet von Dr. med. Vernon Coleman (2. Teil)

Die Tierversuchsbefürworter – gleichgültig, ob sie aktiv oder passiv mitwirken – müssen sich darüber im Klaren sein, dass sie zu den ideologischen Fanatikern gehören, denen jedes Mittel recht ist, um einen vermeintlichen wissenschaftlichen Fortschritt zu erzielen. Tatsächlich haben sie ein zwiespältiges Verhältnis zum Leben und zur Natur überhaupt.
Der englische Arzt Vernon Coleman hat in acht Streitfragen einige moralische und ethische Argumente aufgelistet, die eindeutig gegen Tierversuche sprechen. Eine weitere Argumentationshilfe für die Tierversuchsgegner im Gespräch mit den «Mitläufern» der Vivisektion, aber auch mit den Tierexperimentatoren selbst.

Anmerkung von Dr. med. Coleman: Wie die meisten modernen Tierversuchsgegner greife ich bei meiner Argumentation gegen Tierversuche bevorzugt auf wissenschaftliches und medizinisches Material zurück. Die moralischen und ethischen Argumente sind jedoch ebenfalls wichtig und sollten daher nicht vernachlässigt werden.


Moralische Streitfrage Nummer 5:

Es spielt keine Rolle, ob Tiere denken können oder nicht: Wir sind stärker und überlegen, also ist es unser gutes Recht, ganz nach unserem Belieben mit ihnen umzuspringen.

Erstaunlicherweise hört man dieses Argument recht häufig. Eine grosse Zahl von Vivisektoren scheint der Überzeugung zu sein, der Stärkere sei moralisch berechtigt, mit dem Schwächeren zu tun, was ihm gefällt. Anscheinend erkennen die Befürworter dieser These nicht, dass sich dasselbe Argument mit der gleichen Logik auch auf die Gattung Mensch anwenden lässt und schon oft, auf grausamste Art, angewendet wurde.

Dr. Vernon Coleman hat viele Bücher rund um das Thema Medizin und Gesundheit veröffentlichtWenn sich mit der Suche nach neuem Wissen Grausamkeiten rechtfertigen lassen, müssen wir uns dessen bewusst sein, dass Wissenschaftler sich für gewöhnlich schwer damit tun, moralisch zwischen Tierversuchen und Menschenversuchen zu unterscheiden.

Es muss ebenfalls darauf hingewiesen werden, dass zwar viele Wissenschaftler selbst die grösste Schandtat gerne mit dem Streben nach neuen Erkenntnissen rechtfertigen, doch nur sehr wenige (wenn überhaupt einige) bereit sind, ihre Experimente auf eigene Kosten oder in ihrer Freizeit durchzuführen. Der Grossteil wissenschaftlicher Versuche wird heutzutage von äusserst gut bezahlten Wissenschaftlern in äusserst gut ausgerüsteten Labors durchgeführt.

Denjenigen unter uns, die Tierversuche für unannehmbar halten (gleichgültig, wie viel «Wissen» sie uns auch immer erschliessen mögen), sollte klar sein, dass die grosse Mehrheit dieser Versuche mit öffentlichen Geldern finanziert wird, und das zu einer Zeit, in der sich viele darüber einig sind, dass es dem öffentlichen Dienst massiv an Geld fehlt.

Ich frage mich, wie viele Forscher mit ihren Tierversuchen fortfahren würden (fest entschlossen, zum Wohle der Allgemeinheit unseren Wissensschatz zu bereichern), wenn sie diese aus der eigenen Tasche bezahlen müssten, anstatt fette Gehälter aus öffentlichen Mitteln zu kassieren. Ich nehme einmal an, dass viele Wissenschaftler ganz plötzlich feststellen würden, dass viel wichtigere Aufgaben auf sie warten. Mit anderen Worten: Viele Vivisektoren treibt nicht das Streben nach neuen Erkenntnissen, sondern die gute alte Geldgier.


Moralische Streitfrage Nummer 6:

Tierversuche sind gerechtfertigt, weil sie für den Fortschritt der Menschheit unerlässlich sind.

Gerne greifen Tierversuchsbefürworter auf folgende Argumentationsstrategie zurück: Man wähle einen passenden Zeitpunkt in der Vergangenheit aus, weise auf alle wissenschaftlichen Fortschritte hin, die seitdem stattgefunden haben, um dann zu argumentieren, dass kein einziger dieser Fortschritte ohne Tierversuche erzielt worden wäre.

Dieses Argument hat so viel mit Logik zu tun wie Buttercremetorte mit einer ausgewogenen Ernährung.

KZ-Wissenschaftler rechtfertigten ihre grausamen Versuche damit, dass diese dem medizinischen Fortschritt dienenZunächst ist es unlogisch, vorzubringen, dass Tierversuche unerlässlich und aufschlussreich seien, nur weil sie durchgeführt wurden. Tatsächlich haben Tierversuche den Fortschritt eher behindert als vorangetrieben. Ebenso gut könnten Sie argumentieren, dass Menschen gelernt haben, schneller zu laufen und höher zu springen, seit man mit Tierversuchen begann, und dass auch hier folglich ein Zusammenhang bestehen muss. Mit der gleichen Leichtigkeit und dem gleichen Mass an Vernunft könnten Sie die Behauptung aufstellen, dass wir den Tierversuchen auch die Entwicklung des Fernsehers verdanken und wir uns immer noch auf den städtischen Ausrufer verlassen müssten, wenn wir keine Affen, Katzen und Hunde gequält hätten.

Auch dann, wenn Tierversuche tatsächlich einen Nutzen gehabt hätten, wäre es absurd zu behaupten, ohne sie hätten Wissenschaftler überhaupt keine Fortschritte erzielt. Eine solche These stellt eine schwere Beleidigung der Intelligenz und Findigkeit der Wissenschaftler dar und setzt voraus, dass nur diejenigen unter ihnen wirklich kreativ sind und Schöpfergeist besitzen, die bei lebendigem Leibe Mäuse zerstückeln. Das ist eindeutig Unsinn.


Moralische Streitfrage Nummer 7:

Tierversuche finden ihre Rechtfertigung darin, dass wir dank solcher Untersuchungen unseren Wissensschatz vergrössern.

In der Regel versuchen Wissenschaftler ihre Arbeit mit dem Argument zu rechtfertigen, dass sie dazu beitragen, Leben zu retten. Sie kennen keine Skrupel, wenn es darum geht, sich weit verbreitete Ängste zunutze zu machen, um ihre Karrieren zu sichern. Derartige Argumente lassen sich jedoch nur aufrechterhalten, solange keine Fakten gefordert werden. Wissenschaftler sehen sich immer öfter gezwungen, diese Verteidigungsstrategie aufzugeben.

In die Enge gedrängt und unfähig, ihr Tun praktisch oder medizinisch zu rechtfertigen, bringen Wissenschaftler oft vor, ihre Arbeit sei schon allein aus dem einfachen Grunde vertretbar, dass durch sie der menschliche Wissensstand erweitert werde. Die Arbeit rechtfertigt sich selbst, so geben sie vor, und bedarf gar keines praktischen Sinns und Nutzens. (Anmerkung der Redaktion: Stichwort Grundlagenforschung)

Auschwitz: Halbverhungerte Kinder mit furchtbaren Brandwunden nach medizinischen VersuchenZu versuchen, dieses Argument mit moralischen oder ethischen Argumenten zu widerlegen, ist wahrscheinlich ebenso sinnlos, wie es sinnlos gewesen wäre, Josef Mengele mit den Worten, er handle «falsch», von seinen Greueltaten abbringen zu wollen. In der Geschichte der Wissenschaft gab es immer schon Forscher, deren überzeugtes Streben nach neuen Erkenntnissen jede noch so abstossende Handlung sanktioniert hat. Wie schon Nazi-Wissenschaftler und ihre damaligen japanischen Kollegen unzählige Versuche an Menschen ohne jegliche Gewissenbisse durchführten, scheinen auch die heutigen Tierversuchsbefürworter zu glauben, ihr Tun, egal wie grausam, werde dadurch legitimiert, dass es unseren Wissensstand erweitert.

Wer sich von diesem Argument überzeugen lässt, könnte sich gelegentlich einmal fragen, wo (wenn überhaupt) hier ein Schlussstrich gezogen werden sollte. Rechtfertigt das Streben nach neuen Einblicken jede Handlung? Einige Wissenschaftler würden diese Frage bestimmt bejahen, und es gibt reichlich Beweise dafür, dass sich sogar heute in unserer westlichen Welt Ärzte bereit zeigen, an Patienten, für die sie Sorge tragen, ohne sie zu fragen höchst riskante Experimente durchzuführen.

In meinem Buch «The Health Scandal» gehe ich auf eine ganze Reihe solcher Fälle ein. So wurden zum Beispiel Frauen spezielle Augentropfen verabreicht, um die Entwicklung des grauen Stars experimentell untersuchen zu können. Und Kindern gab man Medikamente, um den natürlichen Genesungsprozess nach einer Leberinfektion zu verhindern.

Die unglaublichsten Versuche stellte vielleicht Doktor Myrtle B. McGraw von der Columbia University in den USA an. McGraw bezog insgesamt 42 Babys im Alter von 11 Tagen bis zweieinhalb Jahren in ihre Versuche mit ein. Diese bestanden unter anderem darin, die Babys unter Wasser zu halten, um zu sehen, wie sie reagieren.

In dem Artikel, in dem sie ihre Arbeit beschreibt, berichtet Dr. McGraw, dass die Babys mit ihren Gliedmassen «krampfartige Bewegungen» ausführten. Wie sie fortfährt, griffen die Kleinkinder nach der Hand des Experimentators und versuchten, sich das Wasser aus dem Gesicht zu wischen. Die Ärztin zeigte sich erstaunt darüber, dass «die Flüssigkeitsaufnahme beträchtlich gewesen sei», und liess die Kinder husten.

Nazi-Illustration aus dem Jahr 1936. – Heute prahlen Genforscher, dass sie sog. «gutes Genmaterial» von «schlechtem» trennen können. Stellen auch bei uns bald die Genforscher die Rechnung auf, wie viel es kostet, Menschen mit «schlechtem Genmaterial» bis zum Rentenalter «durchzuschleppen»?In den letzten Jahrzehnten wurden Tausende von Patienten einer experimentellen Gehirnchirurgie unterzogen (wer mehr zu diesem Thema erfahren möchte, den verweise ich auf mein Buch «Paper Doctors»). In Grossbritannien haben Chirurgen vielen Patienten absichtlich und über einen langen Zeitraum schwere Hirnschäden zugefügt, um Menschen zu behandeln, die so verschiedene Krankheitsbilder aufwiesen wie Hautausschläge, asthmatische Anfälle, chronischen Rheumatismus, nervöse Anorexie, Tuberkulose, Bluthochdruck, Angina und durch Barbiturate verursachte Angstzustände. Patienten wurden Krebszellen injiziert, um zu beobachten, ob sie an Krebs erkranken würden oder nicht.

Ohne dass sich irgendjemand die Mühe macht, sie um Erlaubnis zu fragen, werden Patienten auf der ganzen Welt neue, ungetestete Medikamente verabreicht, so dass Ärzte ihre Reaktionen verfolgen können. Viele der Wissenschaftler, die Tierversuche durchführen oder gutheissen, befürworten auch Versuche an Menschen. Ihrer Ansicht nach sind solche Versuche gerechtfertigt, weil sie dem Menschen neue Kenntnisse eröffnen oder weil sie zur Entwicklung neuer Behandlungsmethoden beitragen.

«A human life is nothing compared with a new fact.»
E. E. Slosson


Ein amerikanischer Wissenschaftler stellte fest, dass «ein Menschenleben im Vergleich zu einer neuen Erkenntnis bedeutungslos ist... Das Ziel der Wissenschaft ist die Erweiterung des menschlichen Wissensschatzes – ohne jede Rücksicht auf menschliches Leben.» Als ein anderer Wissenschaftler scharf kritisiert wurde, weil er Menschen in einem Pflegeheim für ein Experiment benutzt hatte, erwiderte er, dass er ja wohl schlecht hätte Wissenschaftler nehmen können, da diese viel zu wertvoll seien.


Moralische Streitfrage Nummer 8:

Jedes Jahr werden Tausende von Tieren eingeschläfert, weil sie krank sind oder ausgesetzt wurden. Es bietet sich an, diese Tiere zu Versuchen heranzuziehen, statt sie ungenutzt sterben zu lassen.

Eines seiner im Text genannten Bücher: «The Health Scandal» (Der Gesundheits-Skandal)Die Wissenschaftler, die diese These ins Feld führen, scheinen nicht zu erkennen, dass es noch längst nicht ein und dasselbe ist, ob man ein Tier einschläfert oder es einer Reihe von schmerzhaften, entwürdigenden wissenschaftlichen Prozeduren aussetzt.

Liesse man dieses Argument gelten, könnte daraus die Forderung entstehen, auch sterbende, einsame oder unerwünschte Menschen zu Versuchen heranzuziehen. Wer diese Behauptung vertritt, scheint nicht zu begreifen, dass das Töten von kranken oder ausgesetzten Tieren mehr der Befriedigung menschlicher als der Befriedigung tierischer Bedürfnisse dient. Tiere zu töten, nur weil sie «nicht gebraucht» werden, ist moralisch nicht zu rechtfertigen.
Man kann ein ethisches Argument nicht auf eine ethisch nicht vertretbare Begründung stützen.

Der entscheidende Argumentationsfehler

Die Mehrzahl der Wissenschaftler, die sich für Tierversuche einsetzen, leiten ihre Argumentation mit der Aussage ein, dass die Ergebnisse von Tierversuchen dazu verwendet werden, den Menschen heimsuchende Krankheiten behandeln oder gar ihr Ausbrechen verhindern zu können. Im nächsten Argumentationsschritt stellen sie klar, dass wir uns angesichts der Qualen, welche die Tiere zu erleiden haben, nicht beunruhigen müssen, da Tiere ja ganz anders sind als Menschen.

Diese beiden Argumente passen nicht so recht zusammen.

Wenn Tiere den Menschen so ähnlich sind, dass Ärzte die Versuchsergebnisse schätzen, dann sind die Tausende von tagtäglich durchgeführten barbarischen Experimenten aus moralischen und ethischen Gründen unerträglich und unentschuldbar.

Unterscheiden sich Tiere dagegen so grundlegend von Menschen, dass sie nicht leiden, wo Menschen ohne Zweifel die entsetzlichsten Qualen empfinden würden, dann müssen die Versuchsergebnisse wertlos sein.


  Dr. med. Vernon Coleman, Devon, England, www.vernoncoleman.com
(Mit freundlicher Genehmigung: «raum&zeit», www.raum-und-zeit.com)


Den ersten Teil  «Warum Tierversuche sowohl moralisch als auch ethisch verwerflich sind» finden Sie unter: Acht Streitfragen, beantwortet von Dr. med. Vernon Coleman
Ölkatastrophen - Innovative Forschungsmethoden retten Leben - Medienmitteilung der AG STG

Medienmitteilung der AG STG – Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegnerwww.agstg.ch

Ölkatastrophen - Innovative Forschungsmethoden retten Leben

28. März 2012, Bonaduz

Als sich 2010 nach dem Unfall mit der Ölbohrplattform Deepwater Horizon eine Naturkatastrophe abzuzeichnen begann, musste eine schnelle Lösung her. Es war klar, dass man das Öl mit Chemikalien binden muss. Um jedoch zu verhindern, dass durch die Chemikalien ein noch grösserer Schaden für Mensch, Tier und Umwelt entsteht, war es notwendig, Giftigkeitsprüfungen vorzunehmen.

Üblicherweise werden diese mittels Monate dauernder, teurer und für die Tiere sehr belastender Tierversuche vorgenommen. Im Fall der drohenden Ölkatastrophe hatte man diese Zeit aber nicht. Somit kam beim zuständigen Forscherteam eine hocheffiziente, auf Zellkulturen basierende Methode namens «ToxCast» zum Einsatz, welche die Überprüfung vieler Chemikalien in nur zwei Wochen ermöglichte.
«Es gibt viele gute Gründe, weshalb man auf innovative, tierfreie Testmethoden umsteigen muss. Doch viele Wissenschaftler tun sich, oft infolge fehlender Kompetenz, schwer mit Erneuerungen», so Andreas Item, Geschäftsführer der AG STG. «In diesem Fall jedoch hat der Zeitdruck der besseren Methode zum Durchbruch verholfen. Immer mehr Forscher haben zwischenzeitlich damit begonnen, statt auf unzuverlässige und veraltete Forschungsmodelle (Tierversuche) zu setzen auf innovative Forschungsmethoden umzustellen.»

Jeffrey M. Perkel hat im renommierten Wissenschaftsmagazin «Science» ausgeführt, dass dieser Wechsel keineswegs rein aus ethischen Überlegungen geschieht, sondern hauptsächlich aufgrund wissenschaftlicher und ökonomischer Überlegungen. Die Giftigkeitsprüfungen mit Tierversuchen für ein einziges Pestizid kosten eine Firma bis zu 10 Millionen und können bis zu 5 Jahre lang dauern.
Maurice Whelan, Chef der Abteilung für Toxikologiesysteme am European Commission Joint Research Centre, sagte, dass sein Team mit automatisierten Systemen für die Testung von 90 neuen Chemikalien lediglich 8 Wochen benötigt, während Tierversuche mindestens 18 Monate dauern würden und manuell durchgeführt werden müssen.
Thomas Hartung, Professor für evidenzbasierte Toxikologie an der Johns Hopkins University Bloomberg School of Public Health, geht davon aus, dass in wenigen Jahren so einfache tierfreie Labortests zur Verfügung stehen werden, dass die Tests in jedem kleinen Labor durchgeführt werden können.

Aber schon jetzt sind die möglichen Ersparnisse enorm. Um beispielsweise schädliche Einflüsse auf den Hormonhaushalt vorherzusagen, war bei der Environmental Protection Agency bisher eine Testkombination aus 11 Tierversuchen und In-vitro-Tests im Einsatz (Tier 1 Endocrine Disruptor Screening Battery), was pro Substanz eine halbe bis ganze Million USD kostete. Mit dem zellkulturbasierten Ansatz «ToxCast» lässt sich das für 30 000 USD realisieren.
Einige Unternehmen haben den ökonomischen Nutzen für sich erkannt. So behauptet Len Sauers, der Vizepräsident für Nachhaltigkeit bei Proctor & Gamble, dass seine Firma bereits bis zu 99% tierfreie Methoden einsetze.
Den Unternehmen wird es inzwischen auch einfacher gemacht, toxikologische Prüfungen ohne Tierverbrauch durchzuführen. Zahlreiche innovative Forschungsmethoden können fertig bei Zulieferern gekauft werden. So beispielsweise das Produkt «MucilAir» der Firma Epithelix für Giftigkeitsprüfungen der Atemwege oder das «Toxinsight Endocrine Profiler Panel» der Firma Thermo Fisher Scientific zur Prüfung des Hormonhaushaltes.

Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, fordert seit langem die konsequente Förderung und Anwendung von tierversuchsfreien Forschungsmethoden statt der Verschwendung von Geldern für gefährliche, völlig veraltete Testmethoden. Innovative, tierversuchsfreie Forschungsmethoden sind ein klarer Fortschritt und nicht ein Ersatz für Tierversuche.
Die AG STG fordert endlich ein Umdenken in Politik und Forschung. Will die Schweiz auch in Zukunft zu den führenden Forschungsnationen gehören, müssen wir uns vom Tierversuch verabschieden und den Weg frei machen für schnellere, preiswertere und vor allem zuverlässigere Forschungsmethoden.

(Kontaktdaten nur in der Original-Medienmitteilung)

Die Organisation AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) besteht seit 1981. Sie lehnt Tierversuche aus medizinischen, aus wissenschaftlichen sowie aus ethischen Gründen ab. Die Organisation engagiert sich für einen innovativen, zukunftsorientierten und führenden Forschungsstandort Schweiz und somit für eine Wissenschaft ohne Tierversuche. Die medizinische Wissenschaft muss sich endlich wieder am Menschen orientieren und dabei die Ursachenforschung und die Vorbeugung gegen Krankheiten in den Vordergrund stellen.