Das Tier und wir - Stiftung für Ethik im Unterricht - Tierethiklehrerin Maya Conoci

Stiftung für Ethik im Unterricht

Das meiste Tierleid entsteht nicht, weil die Menschen böse sind oder Freude daran haben, Tiere zu quälen oder sie leiden zu sehen. Das meiste Tierleid entsteht aus wirtschaftlichen Gründen und weil wir nicht hinschauen, nicht kritisch hinterfragen, zu wenig darüber wissen oder einfach mit dem Strom schwimmen in unseren Konsumgewohnheiten.

Wir mögen keine Veränderungen. Unser Maskottchen DatiuwiVeränderungen sind unbequem, und wir müssten uns eingestehen, dass wir bis anhin etwas falsch gemacht haben. Also halten wir lieber an den alten Zöpfen fest und schauen weg. Es ist auch häufig nicht so offensichtlich, dass Tiere leiden. Vor allem, wenn wir nur die Masse, z.B. in der Nutztierhaltung, sehen und nicht das einzelne Lebewesen, das Individuum. Und je weniger gut wir ein Tier kennen, desto schwieriger ist es für uns, das Leiden (vor allem psychisches Leiden) wahrzunehmen. Bei unseren Hunden und Katzen merken wir es ziemlich schnell, wenn etwas nicht stimmt. Aber wie ist das bei Kühen, Schweinen, Affen und Elefanten? Klare Hinweise für Leiden sind auftretende Stereotypien. Stereotypien sind rhythmische und ständig gleichbleibende Bewegungen ohne Ziel oder Funktion, die hochgradig automatisiert sind und unbewusst ablaufen. Wir begegnen ihnen überall dort, wo Tiere nicht artgerecht leben dürfen, z.B. in Zoo und Zirkus (das Hinundherschaukeln = Weben der Elefanten, das Hinundherlaufen der Grosskatzen), in Massentierhaltungen (das Stangenbeissen bei Schweinen, das Federnrupfen bei Geflügel) oder in den Käfigen der Versuchslabors (Kreislaufen der Affen, Mäuse, Ratten) usw.

Kinder und Schulhund Sina geniessen die Streicheleinheiten


Im Schweizer Tierschutzgesetz, Artikel 4, steht unter anderem: «Niemand darf ungerechtfertigt einem Tier Schmerzen, Leiden oder Schäden zufügen, es in Angst versetzen oder in anderer Weise seine Würde missachten. Das Misshandeln, Vernachlässigen oder unnötige Überanstrengen von Tieren ist verboten.» Da stellt sich doch die Frage für jeden verantwortungsvollen Menschen, was denn als Rechtfertigung gelten könnte. Ist es gerechtfertigt, wenn Tiere lebenslang eingesperrt und zu unnatürlichen Handlungen gezwungen werden, weil ich eine Stunde unterhalten werden möchte? Tiere eingesperrt und getötet werden, weil ein Pelzkragen meine Jacke zieren soll? Tiere eingesperrt, krank gemacht und gefoltert werden, um Substanzen an ihnen zu testen, auf die das Tier eh anders reagiert als ein Mensch? Tiere durch Enthornen, Kastrieren, Schnäbelkürzen verstümmelt werden, damit wir mehr Tiere auf engem Raum einsperren können? Tiere eingesperrt, gemästet und getötet werden, damit ich Fleisch und Milchprodukte konsumieren kann und damit in Kauf nehme, dass Nahrungsmittel verschwendet und das Klima erwärmt wird? Wo bleibt dabei das Recht der Tiere, nicht nur nicht leiden zu müssen, sondern auch Freude und Glück zu erleben?

Gruppenarbeit Tierschutzplakat
Wir sollten uns nicht nur fragen: «Dürfen wir das?», sondern auch: «Wie würde ich mich an ihrer Stelle fühlen? Würde ich das wollen?» Diese und weitere Fragen werden im Tierethikunterricht, den DAS TIER + WIR – Stiftung für Ethik im Unterricht Schulklassen jeder Altersstufe bietet, erörtert. Die eigens für diese anspruchsvolle Aufgabe ausgebildeten Tierethiklehrkräfte, die auch leben, was sie lehren, besuchen die Schulklassen auf Einladung der Lehrerschaft. Die «goldene Regel»Tierethik ist ein wesentlicher Bestandteil der Gesamtethik und sollte zur Grunderziehung jedes Menschenkindes gehören. Die Erziehung zu Ehrfurcht vor allem Leben hat im Tierethik-Unterricht erste Priorität. Ziel des Tierethik-Unterrichts ist, durch altersgerechte, wahrheitsgetreue, jedoch stets undogmatische Informationen über Tierleid die Herzen der Jugendlichen zu berühren und ihr Mitgefühl zu wecken. Durch ihre Betroffenheit werden sie motiviert, ihr Umfeld über diese Fakten zu informieren und ihr eigenes Verhalten und Denken zu verändern. Ihre natürliche Bereitschaft, Tiere als leidensfähige und beseelte Mitgeschöpfe wahrzunehmen und zu lieben, wird gepflegt und unterstützt. Die Erkenntnis, dass das Tier sich selbst gehört und nicht den menschlichen Gelüsten und Begierden, ändert ihren Blickwinkel und ist nicht zuletzt auch eine Gewaltprävention an Schulen. Ethik im Schulunterricht soll aber auch ein Appell an die Erwachsenen sein, den Kindern und Jugendlichen eine freie Entscheidungsmöglichkeit zuzugestehen. Das heisst, sie nicht zu zwingen, in alten Mustern weiterzufahren oder Tiere als Objekte zu sehen, die man nach Belieben ausnutzen darf.

Im Tierschutzhandbuch «Wusstest du, dass…» hat die Stiftung auf kindgerechte Art (ab Mittelstufe) die Grundbedürfnisse und Verhaltensweisen der unterschiedlichsten Tierarten den teils unbedachten Handlungen der Menschen gegenübergestellt. Es enthält viele Tipps, wie den Tieren geholfen werden kann. Mit dem Bilderbüchlein «Tiere brauchen deine Hilfe» sprechen wir die kleineren Leser (Unterstufe) an. Auch hier erhalten die Kinder Ideen, wie sie in ihrem Umfeld Tierleid vermindern können. Beide Büchlein können zum Selbstkostenpreis von je 5 Franken + Porto bei der Geschäftsleitung (E-Mail: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! oder Tel.: 071 640 01 75) bezogen werden.
Sie finden sie auch auf unserer Homepage: www.tierundwir.ch

Ganz vertieft in die Tierschutzgeschichte

Die Tierethiklehrerinnen können auch von Vereinen und Organisationen für Vorträge engagiert werden – Auskunft erteilt die Geschäftsleitung. An dieser Stelle bedanken wir uns ganz herzlich für die grosszügige Spende der AG STG. Sie können uns unterstützen, indem Sie in Ihrem Bekannten- und Lehrerkreis diese Information weiter verbreiten und auf den kostenlosen Tierethik-Unterricht sowie die Homepage www.tierundwir.ch aufmerksam machen und unser Angebot empfehlen – herzlichen Dank!

autor Maya Conoci, Geschäftsführerin und Tierethiklehrerin

 


Fotos: zur Verfügung

Zwischen Nocebo und Placebo

«Damit Sie gesund werden, müssen Sie unbedingt dieses Medikament nehmen. Wenn Sie dieses Medikament nicht nehmen, dann wird Ihre Gesundheit immer schlechter, und Sie werden...» So tönt es millionenmal in den Arztzimmern. Keine Frage: Nicht selten stimmt das auch. Es gibt sehr nützliche Medikamente, die man auch einnehmen soll. Die Frage, die sich aber oft stellt, ist jedoch: Wieviel Medizin steckt zwischen dem Placebo- und dem Nocebo-Effekt? Der Nocebo-Effekt («ich werde schaden») beschreibt vereinfacht gesagt eine geglaubte negative Wirkung z.B. eines Arzneimittels. Also praktisch das Gegenteil vom Placebo-Effekt.

Irgendwie schon paradox: Gerade die Menschen, deren Aufgabe es ist, zu helfen, «dass man wieder gesund wird», verursachen oft schon alleine durch (unbedachte?) Äusserungen, dass man sich schlechter fühlt oder sogar erst richtig krank wird. Risiken und Nebenwirkungen von Medikamenten sind verantwortlich für jährlich Tausende Todesfälle. Aber trotzdem muss die Frage gestellt werden, ob das übermässige Warnen vor Risiken nicht fast ebenso schädlich ist. Es ist ausführlich belegt, dass Patienten oft erst an Nebenwirkungen leiden, nachdem sie vor diesen gewarnt worden sind. Auch frühe bzw. voreilige Diagnosen sind schlimmstenfalls tödlich, in vielen Fällen schränken sie zumindest die Lebensqualität von Patienten stark ein.

Ein Beispiel: Seit Jahren wird diskutiert, ob eine regelmässige Mammografie sinnvoll ist oder nicht. Man weiss, dass, wenn 1000 Frauen regelmässig in die Mammografie gehen, von diesen nur 4 anstatt 5 später an Brustkrebs sterben werden. Man weiss aber auch, dass durch diese Untersuchung fast jede zehnte getestete Frau eine Fehldiagnose erhält. Diese fälschlich positiven Befunde führen zu weiteren Untersuchungen, teils zu einer Nadelbiopsie bis im schlimmsten Fall zu einer Operation. Die physischen und psychischen Belastungen dadurch haben teilweise gravierende Auswirkungen. Die entscheidende Frage, die sich die Experten deshalb stellen, ist: Was ist «besser»: ein gerettetes Menschenleben oder 100 zum Teil völlig verunsicherte Patientinnen? Dies kann und muss ich zum Glück nicht beantworten.

Aber die Medizin muss sich dieser und weiteren Fragen im Zusammenhang mit dem Nocebo-Effekt stellen. Der Glaube, dass einfach das Medikament bzw. die Therapie wirkt (oder schadet), greift viel zu kurz. Es braucht weitere wissenschaftliche Studien über den Einfluss dieser Effekte. Auch hier scheitert – einmal mehr – die Forschung mit Tierversuchen. Solche Untersuchungen können jedoch einen wesentlichen Beitrag zum medizinischen Fortschritt leisten.

Andreas Item