TGN1412  Ein Arzneimittelskandal jährt sich


Medienmitteilung der AG STG - Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner - www.agstg.ch
 

TGN1412 - Knapp überlebt infolge der Unzuverlässigkeit von Tierversuchen

26. März 2010

Bonaduz (ots) Im März 2006 wurde sechs jungen, gesunden Menschen der zuvor in Tierversuchen umfassend geprüfte Arzneimittelwirkstoff TGN1412 der Firma TeGenero gespritzt. Dabei handelte es sich um einen neu entwickelten Antikörper, der gegen verschiedene Immunkrankheiten wirken sollte, so z. B. gegen multiple Sklerose oder die rheumatoide Arthritis. Alle Teilnehmer landeten im Schockzustand mit dem Versagen zum Teil mehrerer Organe auf der Intensivstation, weil es zu einer vollkommen unerwarteten übermässigen Reaktion des Immunsystems kam. Die Probanden überlebten nach monatelangem Spitalaufenthalt nur knapp und leiden teilweise noch heute an den Folgen dieses Versuchs.

Bevor ein Medikament für die breite Anwendung zugelassen wird, muss es zuvor an freiwilligen Probanden getestet werden. Aufgrund gesetzlicher Vorschriften gehen dem verschiedene Tierversuche voraus, darunter Prüfungen der Wirksamkeit und auf unerwünschte Nebenwirkungen sowie Giftigkeitsprüfungen. Diese wurden auch bei TGN1412 durchgeführt, und zwar an verschiedenen Tierarten, darunter auch Rhesus- und Javaneraffen, die uns Menschen genetisch zu weit über 90% ähnlich sind.

Dr. med. Walz, medizinisch-wissenschaftlicher Berater der AG STG, arbeitet als Oberarzt in einer renommierten Zürcher Klinik. Für ihn ist es unverständlich, dass man immer noch Tierversuche in der Medikamentenentwicklung durchführt. Bereits 1957, als Contergan auf den Markt kam, hatte man aufgrund harmlos verlaufener Tierversuche damit geworben, dass Contergan sogar für Schwangere ein sicheres Schlafmittel sei. Dies hatte fatale Folgen: 10 000 Kinder wurden in der Folge mit verstümmelten oder fehlenden Gliedmassen geboren.
Dr. med. Walz weist darauf hin, dass aus Untersuchungen bekannt ist, dass jeder 15. Patient wegen unerwünschter Medikamentennebenwirkungen im Spital landet und dass schwere Nebenwirkungen sogar zu den häufigsten Todesursachen in den USA zählen. Die amerikanische Zulassungsbehörde hat zudem errechnet, dass von 100 Medikamenten, die im Tierversuch als wirksam und harmlos erachtet wurden, nur noch 4 übrig bleiben, welche auch beim Menschen wirklich wirksam und harmlos sind.

Besonders ärgert sich Dr. med. Walz aber darüber, dass viele Forschungsgelder für Tierversuche verschwendet werden und somit für die Erforschung wirksamer Impfstoffe und Therapien fehlen. So wird Krebs bald zu den häufigsten Todesursachen zählen, obwohl man zigtausendfach Krebs bei Mäusen und Affen geheilt hat.

Der Herausgeber der Krebsforschungs-Zeitschrift Clinical Oncology stellte fest, dass es schwierig sei, «einen einzigen üblichen Krebs des Menschen zu finden, bei dem Behandlung und Heilungsaussichten durch tierexperimentelle Forschung ernsthaft beeinflusst wurden. Letztendlich sind es Studien an menschlichen Patienten und nicht Tierversuche, die relevante Ergebnisse bringen.»
Dazu Dr. med. Walz: «Heute hat man die Möglichkeit, auf Computerchips menschliche Zellkulturen mehrerer Organsysteme in ihrem komplexen Zusammenspiel zu studieren. Es gibt viele tausend innovative, tierversuchsfreie Forschungsmethoden, so dass kein Grund mehr existiert, weiterhin mittelalterlichen und oft qualvollen Tierversuchen zu vertrauen.»

Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, wie auch verschiedene Ärzteorganisationen fordern daher seit langem einen konsequenten Verzicht auf Tierversuche und die Anwendung von geeigneten innovativen, tierversuchsfreien For-schungsmethoden. Diese wissenschaftlichen Methoden sind ein Fortschritt und nicht nur ein Ersatz für Tierversuche. Damit könnte man die Schweiz zu einem weltweit führenden Forschungsstandort machen und Krankheiten endlich wirksam bekämpfen.

Wissenschaftliche Abhandlung «Tierversuche aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht»:
http://www.agstg.ch/downloads/flyer/agstg-prospekt_tierversuche-aus-medizinisch-wissenschaftlicher-sicht_de.pdf

Weitere Informationen über die AG STG: http://www.agstg.ch

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Die Organisation AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) besteht seit 1981. Sie lehnt Tierversuche aus medizinischen, aus wissenschaftlichen sowie aus ethischen Gründen ab. Die Organisation engagiert sich für eine innovative, zukunftsorientierte Forschung und eine Wissenschaft ohne Tierversuche, die sich am Menschen orientiert und bei der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten im Vordergrund stehen.