Interpharma - Die Pharmabranche als Tierschützer?


Medienmitteilung der AG STG - Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner - www.agstg.ch
 

Interpharma - Die Pharmabranche als Tierschützer?

21. Juni 2010

Bonaduz (ots) In einer gestern veröffentlichten Medienmitteilung vermeldet Interpharma – der Interessenverband der grossen Pharmakonzerne in der Schweiz – Grundsätze für Verbesserungen bei Tierversuchen. In diesen verpflichten sich die Pharmakonzerne scheinbar zu mehr Schutz und Sicherheit für Mensch und Tier.

Was auf den ersten Blick löblich und begrüssenswert erscheint, zeigt bei näherer Betrachtung wesentliche Schwachstellen. Es wird nicht gespart mit Worten wie Verbindlichkeiten und Verpflichtungen, jedoch sucht man vergeblich nach konkreten Angaben, welche Verbesserungen in welchem Zeitraum erreicht werden sollen. Tatsächlich fehlen in dieser Charta jegliche konkreten Zielsetzungen.

Nachdem die Pharmakonzerne in den letzten Jahren durch massives Lobbying die Überarbeitungen der EU-Tierversuchsrichtlinie und der Verordnungen über Tierversuche in der Schweiz zu ihren Gunsten beeinflusst haben, versuchen sie sich nun offensichtlich als innovationsfreudig und tierfreundlich darzustellen.
Dazu Andreas Item, Geschäftsführer der AG STG: «Dass in diesen angeblich tier- und innovationsfreundlichen Grundsätzen ausser wässrigen Lippenbekenntnissen nichts Konkretes steht, überrascht nicht. Wer die aktuellen schweizerischen wie europäischen Überarbeitungen von Gesetzen und Verordnungen verfolgt hat, bemerkt sogleich, dass es sich bei diesem Papier in jedem einzelnen Punkt um eine Farce aus der Küche des Marketingtheaters handelt.» Weiter meint Andreas Item: «Diese Charta der Interpharma ist nichts weiter als eine vorsätzliche Täuschung der Bevölkerung.»

In den vergangenen Jahren wurden in der Schweiz mehrere Verordnungen betreffend Tierversuche überarbeitet. Dabei reichten zahlreiche Tierschutzorganisationen, u.a. die AG STG, konkrete und praktikable Vorschläge für eine Verbesserung der praktischen Umsetzung im Umgang mit Versuchstieren ein. Leider jedoch fand in der anfangs Mai dieses Jahres veröffentlichten Endversion kein einziges Anliegen des Tierschutzes Aufnahme. Auch die seit langem geforderte Transparenz bei Tierversuchen rückte damit weiter in unbekannte Ferne. Die Vertreter der Pharmalobby konnten praktisch in jedem Punkt ihre Interessen durchsetzen und somit erfolgreich jegliche Verbesserung im Sinne des Menschen- und Tierschutzes abwehren.

Dasselbe gilt für die neue EU-Tierversuchsrichtlinie, die kurz vor der endgültigen Verabschiedung steht. Auch hier standen anfangs grosse Ziele im Sinne des Menschen- und Tierschutzes. Es wurde u.a. von der Reduktion von Tierversuchen, im Speziellen auch von Affenversuchen, gesprochen sowie von einer Verringerung der Schmerzen für die Versuchstiere. Ebenfalls sollten Tierversuche einer rückwirkenden Bewertung unterzogen werden. Die Lobbyisten der Pharmakonzerne hofierten jedoch sehr erfolgreich bei den zuständigen EU-Politikern. Als besonders verheerend muss die Regelung bezeichnet werden, dass kein Mitgliedsstaat strengere Richtlinien im Sinne des Tierschutzes verabschieden darf.

Alle 43 Sekunden stirbt ein Tier in einem Schweizer Tierversuchslabor. Seit dem Jahr 2000 haben die Tierversuche jedes Jahr zugenommen – insgesamt um über 29% (!) auf über 730 000! Dies trotz der ständigen offiziellen Beteuerung (von Politik, Pharmalobby und Universitäten), dass Tierversuche auf das angeblich «notwendige» Mass reduziert würden.

Die AG STG fordert seit langem eine obligatorische Registrierung und Publikation sowie die wissenschaftliche Auswertung und Beurteilung von Tierversuchen.
Zudem fordert die AG STG die massiv bessere Förderung und Anwendung von innovativen, tierversuchsfreien Forschungsmethoden. Nur mit diesen Forschungsmethoden können mehr Sicherheit wie auch bessere Heilungschancen für Patienten erreicht werden. Die AG STG setzt sich für echten medizinisch-wissenschaftlichen Fortschritt ein und ist deshalb für die Abschaffung aller Tierversuche. Ebenfalls sieht die AG STG dadurch eine grosse Chance für die Schweiz, auch in Zukunft zu den innovativen und führenden Forschungsstandorten der Welt zu zählen.

Weitere Informationen:

Weitere Informationen über Tierversuche finden Sie unter:
http://www.agstg.ch

Die Tierschutz-Charta von Interpharma finden Sie unter:
http://www.interpharma.ch/forschung/1680-charta-fuer-den-tierschutz

Kontaktdaten für Medienmitarbeiter unter: Medien Kontakt

Die Organisation AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) besteht seit 1981. Sie lehnt Tierversuche aus medizinischen, aus wissenschaftlichen sowie aus ethischen Gründen ab. Die Organisation engagiert sich für eine innovative, zukunftsorientierte Forschung und eine Wissenschaft ohne Tierversuche, die sich am Menschen orientiert und bei der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten im Vordergrund stehen.