Tierversuche Statistik Schweiz 2009

Medienmitteilung der AG STG - Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner - www.agstg.ch

Wieder über 700 000 Tiere verbraucht!

Bonaduz,  29. Juni 2010

Die heute vom Bundesamt für Veterinärwesen (BVet) veröffentlichten Tierversuchszahlen zeigen erstmals seit 10 Jahren wieder einen leichten Rückgang von Tierversuchen. Waren es im Jahr 2000 noch 566 398 Tierversuche, stieg diese Zahl bis im Jahr 2008 auf 731 883 Tierversuche an! Im Jahr 2009 nun fand ein leichter Rückgang um 3,5% auf 706 104 Tierversuche statt.

Die AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) ist erfreut über diesen Rückgang, betont jedoch, dass sie leider die Zeichen vermisse, dass es sich hier um einen Paradigmenwechsel handeln könnte. «Auch wenn dieser Rückgang vermutlich kaum eine Kehrtwende bedeutet, freuen wir uns selbstverständlich für jedes einzelne der 25 779 (gegenüber dem Vorjahr nicht ermordeten) Tiere», so Andreas Item, Geschäftsführer der AG STG.

Zudem betont die AG STG, dass die Tierversuchsstatistik nicht alle für Tierversuche getöteten Tiere zähle. In der Gentechnik werden unzählige Tiere gezüchtet und getötet, meistens weil der erwünschte Gendefekt nicht vollumfänglich aufgewiesen wird (um zwei transgene Tiere mit dem gewünschten Defekt zu erhalten, muss man etwa 100 Tiere züchten). Auch Tiere, die bereits bei Zucht, Haltung und Transport sterben, wie auch sogenannt überzählige Tiere, tauchen in der Tierversuchsstatistik nicht auf. Ebenfalls nicht die Ersatzgruppen, sollte eine Versuchsgruppe ausfallen.

Die am häufigsten verwendeten Tierarten sind nach wie vor Mäuse (417 310), Ratten (128 807), Vögel (57 637) und Fische (46 477). Die stärkste Zunahme bei den verwendeten Tierarten war bei Pferden und Eseln festzustellen (um 52% auf 2389), bei Fischen (um 47% auf 46 477), bei Schweinen (um 47% auf 5320) bei Hunden (um 17% auf 5399) sowie bei Rindern (um 15% auf 5475). Bei den Affen wurden mit 384 Tieren ebenfalls wieder 39 mehr verbraucht als im Jahr 2008.

Die AG STG kritisiert den erneuten Anstieg von Tierversuchen für Bildung und Ausbildung (um 19% auf 9407). Es gibt hervorragende tierverbrauchsfreie Lehrmethoden, die an vielen Universitäten dieser Welt bereits erfolgreich im Einsatz sind und Tierversuchen bei weitem überlegen sind.
Auch den Anstieg von schwerstbelastenden Tierversuchen um über 12% betrachtet die AG STG als Verrat an dem Versprechen, dass man die schwerstbelastenden Tierversuche immer mehr reduzieren werde.

Die AG STG begrüsst den Rückgang der Tierversuche, der sich in der Industrie seit Jahren abzeichnet. Jedoch auch Hochschulen und Universitäten, bei denen sich die Anzahl der Tierversuche in den letzten Jahren fast verdoppelt hat, verzeichnen endlich einen kleinen Rückgang. Als bedenklich ist einzustufen, dass Tierversuche in unbekannten Instituten (weder Universitäten noch andere Hochschulen, noch Spitäler, Bund, Kantone, Industrie ...) um über 18% zugenommen haben. Die AG STG fordert diesbezüglich eine genauere Auflistung, wer Tierversuche durchführt und wo.

Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, fordert seit langem einen konsequenten Verzicht auf Tierversuche oder wenigstens eine schärfere Sanktionierung von Tierversuchen durch die Behörden. Ebenfalls fordert die AG STG die konsequente Förderung und Anwendung von geeigneten tierversuchsfreien Testmethoden statt der Verschwendung von öffentlichen Geldern für völlig veraltete Forschungsmethoden. Es reiche nicht aus, dass tierversuchsfreie, sicherere Testmethoden nur gefordert werden – sie müssen auch gefördert werden! Auch fordert die AG STG mehr Transparenz bei Tierversuchen, um die grosse Anzahl identischer Mehrfachversuche endlich zu beenden!

Die Tierversuchsstatistik 2009 der Schweiz finden Sie unter:
http://www.tv-statistik.bvet.admin.ch/

Einen detaillierten Bericht über die Tierversuchsstatistik 2009 finden Sie unter: Tierversuchsstatistik 2009 - Wieder über 700 000 Tiere verbraucht

Weitere Informationen über Tierversuche finden Sie unter:
http://www.agstg.ch

Kontaktdaten für Medienmitarbeiter unter: Medien Kontakt

 Die Organisation AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) besteht seit 1981. Sie lehnt Tierversuche aus medizinischen, aus wissenschaftlichen wie aus ethischen Gründen ab. Die Organisation engagiert sich für einen innovativen, zukunftsorientierten und somit führenden Forschungsstandort Schweiz und eine Wissenschaft ohne Tierversuche. Die medizinische Wissenschaft muss sich endlich wieder am Menschen orientieren und dabei die Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten in den Vordergrund stellen.