Presseerklärung der AG STG vom 19. Februar 2007

Den Anschluss an die Zivilisation verpasst. Menschenaffen bleiben Versuchsobjekte.

zum Entscheid der WBK betreffend Tierversuche mit Affen.

Skandalöser Unrechtsentscheid der Wissenschaftskommission des Nationalrates (WBK).
Menschenaffen bleiben Versuchsobjekte – weiterhin Stillstand in der medizinischen Forschung. Auch wurde eine Einschränkung von besonders schmerzhaften Tierversuchen mit Affen abgelehnt.
Ist dies unsere viel gelobte Menschlichkeit?

Affen haben ein ausgeprägtes Sozialleben sowie komplexe intellektuelle und emotionale Fähigkeiten. Sie sind uns Menschen in Bewusstsein und Fähigkeiten sehr ähnlich, sie haben
ein Selbstbewusstsein, empfinden Mitgefühl und befassen sich sogar mit Zukunftsplanung.
Affen empfinden Leid und Trauer, Schmerz und Freude, Stress und Glück, Angst und Gefangenschaft praktisch wie wir Menschen. Aus diesen Gründen sind sie sehr beliebte Forschungsobjekte für Tierversuche.

Dürfen wir infolge dieser Ähnlichkeit Affen einfach zu Forschungsobjekten degradieren? Schon alleine durch die Tatsache, dass sie fühlen und empfinden können wie wir, sind Tierversuche an Affen strikte abzulehnen. Aber auch vom wissenschaftlichen Standpunkt aus gesehen ist dies sehr gefährlich.
Trotz der Ähnlichkeit ist eine Übertragung der Versuchsergebnisse vom Affen auf den Menschen reine Spekulation. Dasselbe Medikament, dieselbe Substanz, derselbe Eingriff kann selbst unter Menschen zu verschiedenen Resultaten führen.
Und schon gar nicht können die Ergebnisse aus Tierversuchen auf den Menschen übertragen werden!
Dies hat mit seriöser Wissenschaft nichts zu tun.
Zufall als Massstab für Wissenschaftlichkeit?

Es war eine grosse Chance für die WBK, einen längst überfälligen Schritt in die richtige Richtung zu tun und somit, wie einige fortschrittliche europäische Länder zuvor, einer ethischen Wissenschaft ein bisschen den Weg zu ebnen. Stattdessen entscheidet sich die Wissenschaftskommission des Nationalrates einmal mehr gegen die Menschlichkeit und damit gegen einen humanen Umgang mit unseren Mitgeschöpfen.
Es zeigt sich einmal mehr, dass wenn man sich als ethisch denkender und handelnder Mensch auf das Tierschutzgesetz und unser Parlament verlässt, man sprichwörtlich auf Sand baut.  

Unsere zivilisatorische Entwicklung basiert nicht auf der vollkommenen Ausnutzung alles Möglichen. Die grossen Fortschritte beruhen darauf, dass man eben nicht alles Machbare auch macht. Rücksichtslose Systeme geniessen immer nur eine kurze Zeit des Wohlstands.
Die Geschichte lehrt uns, dass ein Fortschritt der Menschheit unter Ausschluss der Menschlichkeit unmöglich ist. Schliesslich misst man eine Gesellschaft daran, wie sie mit den Schwächeren umgeht.

Die Niederlande, Grossbritannien, Schweden, Österreich und Neuseeland haben erkannt, dass man der Forschung Grenzen setzen muss, dass nicht jedes Opfer gerechtfertigt ist.
Deshalb haben diese Länder Tierversuche mit Menschenaffen per Gesetz verboten.

Wir von der AG STG sind es leid, uns auf unser Parlament zu verlassen, und werden die Schweiz demnächst mit einer landesweiten Kampagne zur Abschaffung der Affenversuche überziehen.
Medizinischer Fortschritt ist wichtig – Tierversuche sind der falsche Weg!

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