AGSTG Rundbrief






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Für die Abschaffung aller Tierversuche!

Affenversuche abschaffen!

Tierversuchsstatistik Schweiz

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Medienmitteilung vom 14.10.2009 - Zeit für Paradigmenwechsel bei der Bewilligung von Tierversuchen | Drucken |
Medienmitteilung der AG STG - Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner - www.agstg.ch

Zeit für Paradigmenwechsel bei der Bewilligung von Tierversuchen

Bonaduz,  14. Oktober 2009

Das Bundesgericht hat das Urteil des Zürcher Verwaltungsgerichts bestätigt und kommt ebenfalls zum Schluss, dass die Affenversuche an der Uni sowie der ETH Zürich zu Recht gestoppt wurden. Die Beschwerden der Hochschulen wurden somit letztinstanzlich abgewiesen. Das Bundesgericht folgt mit dieser Entscheidung konsequenterweise einem wissenschaftlichen und ethischen Weg, der sich in immer mehr Ländern schon länger abzeichnet – Tierversuche an Affen sollen ohne zu erwartenden Nutzen nicht mehr durchgeführt werden dürfen. Nun ist es an der Zeit, dass auch andere Tierversuche endlich kritisch überprüft werden.

Im aktuellen Fall ging es um Affenversuche für die Entwicklung leistungsfähigerer Computer sowie um Versuche, die möglicherweise irgendwann einmal Erkenntnisse liefern würden, die vielleicht zur Verbesserung von Therapien nach Schlaganfällen führen könnten. Den Beweis jedoch, dass mit diesen Versuchen irgendwann ein konkreter medizinisch-wissenschaftlicher Nutzen ersichtlich sein könnte, wurde von den betroffenen Forschern niemals geliefert.
Die beanstandeten Affenversuche gerieten jedoch nicht nur infolge medizinisch-wissenschaftlicher Argumente in die Kritik, sondern wurden auch wegen ethischer Bedenken kritisiert. Neben der physischen Gewalt wurde insbesondere auch die Methode des Wasserentzugs (die Affen erhalten jeweils erst etwas zu trinken, wenn sie genau das machen, was die Forscher von ihnen verlangen) verurteilt.

Die ausführliche Begründung des Bundesgerichts steht zwar noch aus, aber es ist zu erwarten, dass das Bundesgericht der Begründung des vorinstanzlichen Zürcher Verwaltungsgerichts folgen wird. Dieses lehnte damals die Beschwerde der Hochschulen unter anderem aus folgenden Gründen ab:
  • Die Tierversuchsexperimentatoren hatten für die Zürcher Affenversuche von Anfang an kein konkretes Ziel formuliert. Es wurde quasi ins Blaue geforscht, ganz nach dem Motto: Was passiert, wenn ...
  • Auch nach jahrelanger Forschung wäre voraussichtlich nicht ansatzweise ein konkreter, praktischer Nutzen für Menschen erkennbar geworden
  • Die Methode des Wasserentzugs ist äusserst grausam und verletzt die Würde der Tiere

Auch u.v.a. Prof. Rouillers Affenversuche sind fern von jeglichem Nutzen!

Die Bewilligungsgesuche für Tierversuche müssten nach Ansicht der AG STG generell viel kritischer überprüft werden. Dass Tierversuche problemlos bewilligt werden, bei denen nicht einmal ansatzweise ein relevanter Nutzen für Menschen ersichtlich ist, ist für die AG STG ein Skandal. «Immer mehr Tierversuche ohne jeglichen ersichtlichen Nutzen werden bewilligt. Die jährliche Zunahme dieser Versuche ist bei gegen 10%. Diese Tendenz zeichnet sich nun schon seit einigen Jahren ab», so Andreas Item, Geschäftsführer der AG STG. «Nun nach diesem wichtigen Urteil müssen Tierversuche endlich kritischer überprüft werden, wie z.B. die seit über 10 Jahren andauernden Affenversuche von Prof. Rouiller an der Universität Freiburg, die ebenfalls fern von jeglichem Nutzen sind.»
(Beispiele der Affenexperimente von Prof. Rouiller siehe unter www.agstg.ch die Medienmitteilung der AG STG vom 20.9.2009: Prof. Eric Rouiller – Opfer oder Täter?)

Im Falle Prof. Rouillers kommt sogar noch ein weiterer wesentlicher Kritikpunkt zum Tragen. Prof. Rouiller ist Mitglied des Tierversuchskomitees des Kantons Freiburg. Somit kann er sich seine Versuche selbst bewilligen. Zusätzlich ist er auch noch Mitglied des Forschungsrats des Schweizerischen Nationalfonds für medizinische Forschung, der die Forschungsgelder verteilt. Somit ist er auch daran beteiligt, dass ihm für seine Projekte bereits mehrere Millionen Forschungsgelder zugeteilt wurden. Sind da Unabhängigkeit und Kontrolle wirklich gewährleistet?

Die Schweiz soll führende Forschungsnation werden!
Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, fordert seit Langem eine obligatorische Registrierung und Publikation sowie eine wissenschaftliche Auswertung und Beurteilung aller durchgeführten Tierversuche. Dazu müssen alle Tierversuche in einer zentralen, öffentlichen Datenbank erfasst werden.
Zudem fordert die AG STG die massiv bessere Förderung und Anwendung von geeigneten innovativen, tierversuchsfreien Forschungsmethoden. Nur mit diesen Forschungsmethoden können mehr Sicherheit wie auch bessere Heilungschancen für Patienten erreicht werden. Die AG STG setzt sich für echten medizinisch-wissenschaftlichen Fortschritt ein und ist deshalb für die Abschaffung aller Tierversuche. Ebenfalls sieht die AG STG dadurch eine grosse Chance für die Schweiz, auch in Zukunft zu den innovativen und führenden Forschungsstandorten der Welt zu zählen.

Die AG STG bedankt sich an dieser Stelle ganz herzlich bei allen Unterstützern der Kampagne «Affenversuche abschaffen!» sowie bei allen Organisationen und Personen, die sich aktiv für die Versuchsaffen einsetzen.

Wissenschaftliche Abhandlung «Tierversuche aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht»:
http://www.agstg.ch/downloads/flyer/agstg-prospekt_tierversuche-aus-medizinisch-wissenschaftlicher-sicht_de.pdf

Weitere Informationen über die AG STG sowie über Tierversuche:
http://www.agstg.ch

AG STG – Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner
Kontakt:
Andreas Item
Hauptstrasse 14a
CH-7402 Bonaduz
Tel.:           +41 (0)81 630 25 22
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Internet:     www.agstg.ch

Die Organisation AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) besteht seit 1981. Sie lehnt Tierversuche aus medizinischen, aus wissenschaftlichen sowie aus ethischen Gründen ab. Die Organisation engagiert sich für eine innovative, zukunftsorientierte Forschung und eine Wissenschaft ohne Tierversuche, die sich am Menschen orientiert und bei der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten im Vordergrund stehen.
 
Medienmitteilung vom 2.10.09 - Zum Welttierschutztag vom 4.10.09 | Drucken |
Medienmitteilung der AG STG - Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner - www.agstg.ch

Welttierschutztag: Die Schweiz ist im Tierschutz betreffend Tierversuchen im Rückstand

Bonaduz,  2. Oktober 2009

Anlässlich des Welttierschutztages vom 4. Oktober 2009 kritisiert die nationale Organisation AG STG (Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner) die Untätigkeit der Politik bei der praktischen Umsetzung und Einhaltung von Verbesserungen im Sinne des Tierschutzes. Im Vergleich zu anderen Ländern hat die Schweiz dringend Nachholbedarf.

In Schweden und Finnland beispielsweise herrscht deutlich mehr Transparenz, was die Genehmigung von Tierversuchsanträgen betrifft. Dort erhält jeder Bürger Einblick in die Anträge. Hingegen in der Schweiz sind die Vorhaben der Tierversuchsexperimentatoren geheim. Die Bürger erfahren absolut nichts über Tierversuche, müssen aber die Kosten für jeden noch so abwegigen Tierversuch direkt oder indirekt übernehmen.
Momentan wird in der Schweiz eine zentrale Datenbank über Tierversuche aufgebaut. Doch ist bei dieser keine Einsicht/keine Transparenz geplant. Für mehr Transparenz in dieser Datenbank setzt sich die AG STG mit mehreren Eingaben bei der Politik ein.
Mehr Transparenz verhindert, dass immer wieder dieselben Versuche durchgeführt werden. Denn die Forscher wüssten dadurch, welche Versuche bereits gemacht wurden. «Auch würde die Veröffentlichung fehlgeschlagener Tierversuchsergebnisse die Patientensicherheit massiv erhöhen, da nicht immer wieder die gleichen Tierversuchsergebnisse ohne vorhersehbares Risiko bei Patienten ausprobiert werden» so Andreas Item, Geschäftsführer der AG STG.

Kritikwürdig ist laut der AG STG auch die Tatsache, dass die Politik hierzulande sich vollkommen dem Einfluss der vom Tierversuch profitierenden Kreise unterwirft, ja oft selbst zu den Profiteuren zählt. Dies zeigt sich unter Anderem, dass sich die Politik sogar gegen ein Verbot von Versuchen an Menschenaffen sträubt. Andere Länder wie Neuseeland, Großbritannien, die Niederlande, Österreich und Schweden haben bereits seit Jahren Versuche an Menschenaffen verboten. Ebenfalls tritt zur Zeit in der EU ein Verbot für Tierversuche für Kosmetik in Kraft. Die Schweizer Politiker hingegen sehen auch hier keinen Handlungsbedarf.

«Die chronische Untätigkeit, bzw. das chronische Bekämpfen auch der kleinsten Tierschutzbegehren, zeigt ganz klar den massiv zu starken Einfluss der Tiernutzlobbyisten auf», so Andreas Item. «Die Tiere haben im Parlament kaum eine Stimme. Dem Grossteil der Politiker ist Tier- und Menschenschutz wohl vollkommen egal. Dies im Gegensatz zu den Bürgern, die sich schon öfters ganz klar für mehr Schutz ausgesprochen haben», moniert Andreas Item.
In einer im Frühjahr 2009 vom Marktforschungsinstitut YouGov durchgeführten repräsentativen Umfrage in sechs Ländern Europas forderten 79 % ein gesetzliches Verbot aller Tierversuche ohne konkreten medizinischen Bezug. 84 % der Befragten sind für die Abschaffung aller Experimente, die mit schwerem Leid für die Tiere einhergehen – dies unabhängig von der Tierart. Und 80 % der Befragten sind für eine Veröffentlichung von Informationen über die durchgeführten Tierversuche.

Es ist höchste Zeit, dass die Politik sich endlich vom übermässigen Einfluss der Tiernutzlobbyisten löst und somit zum Schutz von Mensch, Tier und Umwelt aktiv beiträgt. So die Forderung der AG STG.
Deshalb fordert die AG STG unter Anderem endlich Transparenz bei Tierversuchen. Bei der aktuellen Reorganisation der Datenbank über Tierversuche hat die Politik nun die Möglichkeit, auf die Eingaben der AG STG einzugehen und somit zu beweisen, dass sie den Wunsch der Bürger nach wirklichem Tierschutz ernst nimmt.

Der Welttierschutztag geht auf den Heiligen Franziskus von Assisi zurück, der das Tier als lebendiges Geschöpf Gottes und als Bruder des Menschen ansah. Zwei Jahre nach seinem Tod am 3. Oktober 1226 wurde er am 4. Oktober 1228 heilig gesprochen. An diesem Tag weisen jedes Jahr weltweit Tierschützer auf die Leiden der Tiere hin.


Weitere Informationen über Tierversuche finden Sie unter:
http://www.agstg.ch

Umfrage zu Tierversuchen in sechs europäischen Ländern:
http://www.aerzte-gegen-tierversuche.de/infos/eu/259


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Die Organisation Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner besteht seit 1981. Sie lehnt Tierversuche aus medizinischen, aus wissenschaftlichen wie aus ethischen Gründen ab. Die Organisation engagiert sich für eine innovative, zukunftsorientierte Forschung und eine Wissenschaft ohne Tierversuche, die sich am Menschen orientiert und bei der Ursachenforschung und Vorbeugung von Krankheiten im Vordergrund stehen.
 
Medienmitteilung vom 21.9.09 - Gelähmte Ratten können wieder laufen | Drucken |
Medienmitteilung der AG STG - Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner - www.agstg.ch

Irreführung der Öffentlichkeit: Gelähmte Ratten können wieder laufen

22. September 2009

Bonaduz (ots) In der am 20. September veröffentlichten Medienmitteilung «Gelähmte Ratten können wieder laufen» wird dem Leser suggeriert, dass die Heilung von querschnittsgelähmten Menschen unmittelbar bevorstünde. Fakt ist jedoch, dass der mit den Worten «Es gibt keine Belege, dass die Methode bei Menschen nicht funktioniert» zitierte Wissenschaftler Prof. Courtine die Öffentlichkeit mit dieser Aussage bewusst manipuliert, um noch mehr Forschungsgelder zu erhalten.

Diese bewusst manipulative Umkehr einer Aussage, um damit dem Leser Erfolg zu suggerieren, und dies indem er mit den Hoffnungen der Patienten spielt, müsste strafbar sein. Natürlich gibt es noch keine Belege für das Versagen seiner Methode am Menschen, er hat sie ja auch noch nicht bei Menschen ausprobiert. Wesentlich hingegen ist, dass es in Wirklichkeit keinerlei Beweis gibt, dass seine Methode bei Menschen jemals funktionieren könnte.

Neurostimulatoren werden bei Menschen schon lange eingesetzt wie z.B. bei Morbus Parkinson oder chronischen Schmerzen. Bei Querschnittslähmungen haben sie jedoch nicht geholfen. Ratten unterscheiden sich von Menschen grundlegend und ebenfalls unterscheiden sich die künstlich von Courtine hervorgerufenen Querschnittslähmungen grundlegend von den Unfallmechanismen, die bei Menschen zu Querschnittslähmungen führen.

Tierversuche führen seit Jahrzehnten in die Irre. So ist trotz milliardenschwerer Förderprogramme und zigfach in Tierversuchen erfolgreichen Versuchen, Krebs zu heilen, für Menschen wenig dabei rausgekommen. Eines von vielen Beispielen ist die seit 15 Jahren verwendete Krebsmaus. Mit ihr solle Krebs in ein paar Jahren besiegt sein, hiess es. Zigtausende potentielle Wirkstoffe wurden an Millionen Krebsmäusen getestet. Viele davon dämmten den künstlich erzeugten Krebs bei Mäusen ein, jedoch nicht einer dieser Stoffe konnte erfolgreich beim Menschen eingesetzt werden.
Gleiches gilt auch für HIV/AIDS. Hier waren innerhalb von 20 Jahren über 130 Untersuchungen von Impfstoffen, sowohl zur Vorbeugung wie auch zur Therapie, im Tierversuch überaus erfolgreich. Kein einziger dieser Impfstoffe war jedoch bei Menschen erfolgreich – ganz im Gegenteil. Sie hatten z.T. schwerwiegende Nebenwirkungen, die in den Tierversuchen nicht vorausgesagt wurden.
Ebenso wie Krebs in Tierversuchen heilbar und AIDS vorbeugbar sind, so scheinen nun auch Querschnittslähmungen bei Ratten heilbar zu sein. Dies ist jedoch höchstens für die Veterinärmedizin interessant – für Menschen aber absolut irrelevant.

Bevölkerung und Politik sieht sich durch Tierversuche in Sicherheit bezüglich Medikamentennebenwirkungen. Dies der Erfolg jahrzehntelanger Pharmapropaganda. In Wirklichkeit stirbt jedoch jeder 20. Spitalpatient an den Nebenwirkungen von Medikamenten und 92% aller – nach Tierversuchen für unbedenklich befundenen – Medikamente werden wegen schwerer Nebenwirkungen bei Menschen gar nicht erst zugelassen. Von den restlichen 8% muss die Hälfte nachträglich infolge schwerwiegender Nebenwirkungen wieder vom Markt genommen werden. Dies zeigt ganz klar die Unzuverlässigkeit von Tierversuchen auf.
Hingegen haben Klinische Forschung sowie innovative, tierversuchsfreie Forschungsmethoden in den letzen Jahren zu vielen wesentlichen medizinischen Fortschritten geführt.

Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, fordert daher seit langem endlich eine wissenschaftliche Auswertung und Beurteilung aller durchgeführten Tierversuche. Es muss endlich aufhören, dass mit dem absichtlichen Spielen mit den Hoffnungen von Patienten immer mehr Forschungsgelder generiert werden können. Deshalb müssen Forschungsprojekte mit den vorgängig gemachten Behauptungen und Versprechungen verglichen und beurteilt werden.
Zudem fordert die AG STG endlich die massiv bessere Förderung und Anwendung von geeigneten innovativen, tierversuchsfreien Forschungsmethoden. Nur mit diesen Forschungsmethoden kann mehr Sicherheit wie auch bessere Heilungschancen für Patienten erreicht werden. Die AG STG setzt sich für echten medizinisch-wissenschaftlichen Fortschritt ein und ist deshalb für die Abschaffung aller Tierversuche. Ebenfalls sieht die AG STG dadurch eine grosse Chance für die Schweiz, auch in Zukunft zu den innovativen und führenden Forschungsstandorten der Welt zu zählen.


Wissenschaftliche Quellenangaben zu den im Text genannten Fakten:

Wissenschaftliche Abhandlung «Tierversuche aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht»:
http://www.agstg.ch/downloads/flyer/agstg-prospekt_tierversuche-aus-medizinisch-wissenschaftlicher-sicht_de.pdf

Bericht AIDS/HIV-Forschung:
http://www.agstg.ch/Albatros-24/AIDS-Forschung-Tierversuche-haben-versagt.html

Weitere Informationen über Tierversuche finden Sie unter: http://www.agstg.ch

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Medienmitteilung vom 20.9.09 - Prof. Eric Rouiller - Opfer oder Täter? | Drucken |
Medienmitteilung der AG STG - Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner - www.agstg.ch

Prof. Eric Rouiller –
Ein zu Unrecht von Tierschützern kritisierter Kämpfer für Querschnittsgelähmte?

21. September 2009

Bonaduz (ots) Prof. Eric Rouiller führt seit Jahren von vielen Tierschützern als grausam bezeichnete Tierversuche vor allem an Affen durch. Zu seinen Forschungsschwerpunkten zählen Querschnittslähmungen. Die Tierversuche  rechtfertigt Rouiller mit vermeintlich wichtigen Erkenntnissen für die Behandlung von Menschen.

Beispiele der aktuellen Forschung von Prof. Rouiller:

Beispiel 1:
Bei zahlreichen Rhesus- und Javaneraffen, die hierfür zum Teil extra aus Frankreich importiert wurden, wurde durch Rouillers Team das Halsrückenmark teilweise durchtrennt, um so künstliche Lähmungen hervorzurufen. Anschliessend wurde ein Antikörper mit dem Namen Nogo A gespritzt. Dann müssen die Affen stupide Kügelchen aus Öffnungen nehmen. [1] Daraus schliesst Rouiller, ob damit Querschnittslähmungen an Menschen geheilt werden können, obwohl:
  • sich bei Affen die Lähmungen im Gegensatz zu Menschen selbst zurückbilden können, was Rouiller sogar selbst berichtet.
  • Menschen durch Unfälle querschnittsgelähmt werden und sich diese Verletzungsmuster grundlegend von denen durch chirurgische Rückenmarkdurchtrennung wie bei Rouillers Tierversuchen unterschieden, was Rouiller ebenfalls selbst festgehalten hat. [2]
Beispiel 2:
Rouillers Team injiziert Makaken-Affen mehrere Markierungsstoffe mit Hochdruck ins Gehirn, darunter Farbstoffe und das Gift der Cholerabakterien. Nach der Tötung der erwachsenen Affen untersucht er deren Gehirn mikroskopisch um die Ausbreitung der Markierungsstoffe zu ermitteln. [3,4] Das Ergebnis: Die beiden Grosshirnhälften stehen in Verbindung miteinander durch den sogenannten Balken – eine schon längst bekannte Tatsache.

Sind Tierversuche auf Menschen übertragbar?

Rouiller stellt sich die Frage wie (un-)sinnig seine Tierversuche sind in einer seiner wissenschaftlichen Publikationen und gibt zu, dass diese erhebliche methodische/medizinische Schwierigkeiten aufweisen bezüglich der Übertragbarkeit auf Menschen. [2]

Sind Versuche an Affen, die Menschen in bis zu 99% genetisch identisch sind, übertragbar?

AIDS ist eine Krankheit, die für Millionen Menschen weltweit Leid und Tod bedeutet. In Tierversuchen waren mehr als 130 Untersuchungen von Impfstoffen zur Verhinderung einer Ansteckung oder Therapie wirksam, darunter auch an Schimpansen, die uns Menschen genetisch zu rund 99% gleich sind. [5] Diese Impfstoffe wurden anschliessend an Tausenden von Menschen getestet. Kein einziger dieser Impfstoffe war bei Menschen erfolgreich. [6] Damit wurden zwei Jahrzehnte Zeit und Millionen Forschungsgelder verschwendet während Tausende Menschen an der AIDS-Erkrankung starben und andere neu infizierten.

Sind Tierversuche notwendig, um die Sicherheit von Medikamenten zu erproben?

Der Fall Thalidomid, besser bekannt unter dem Handelsnamen Contergan, ist weit bekannt (wurde 2007 auch verfilmt). Als 1957 das Medikament auf den Markt kam, versandte die Herstellerfirma Grünenthal ca. 40 000 Rundschreiben an Ärzte und Apotheker, in denen es als das beste Mittel für Schwangere und stillende Mütter bezeichnet wurde. Als «wirklich neues Produkt» habe man seine Sicherheit durch ausgedehnte Tierversuche besonders gründlich überprüft! So wurde es zum beliebtesten Schlafmittel. In Deutschland schlief jede dritte Frau abends mit Contergan ein. [7] Jahre nach Markteinführung wurden 10 000 an Armen und Beinen verstümmelte Kinder von Müttern geboren, die während der Schwangerschaft Contergan eingenommen hatten. [8] Wie konnte es dazu kommen? Der Mensch reagiert auf Contergan sechzigmal empfindlicher als die Maus, hundertmal als die Ratte, zweihundertmal als der Hund und siebenhundertmal empfindlicher als der Hamster. [9]

Das neue Schmerzmittel Vioxx (Rofecoxib) der Firma Merck hatte ursprünglich anhand von Tierversuchen den Eindruck erweckt, es sei besser verträglich, da es im Gegensatz zu den bisherigen NSAR-Schmerzmitteln weniger Entzündungen und Geschwüre im Magen-Darm-Trakt und weniger Blutungen verursacht hatte. Im Jahr 2004 musste es, in einem der grössten Arzneimittelskandale, vom Markt genommen werden, nachdem weltweit etwa 320 000 Patienten einen Herzinfarkt oder Schlaganfall erlitten hatten und etwa 140 000 Patienten sogar starben. [10] Auch für Vioxx wurden zahlreiche Tierversuche vor der Zulassung durchgeführt, die dieses Risiko nicht angezeigt hatten. Hätte man stattdessen kleine Hautbiopsien vom Menschen mit intakten Kapillaren verwendet, hätten diese schon vor der Zulassung die kardiovaskulären Risiken offenbart. [11]

2006 wurde der neue Antikörper TGN1412 der Firma Boehringer Ingelheim für die Behandlung von Multipler Sklerose, Brustkrebs und Rheuma in Grossbritannien an sechs freiwilligen, gesunden Männern in einer Studie getestet. Zuvor hatte man unter anderem Affenversuche mit einer fünfhundertmal höheren Dosis durchgeführt und den Wirkstoff für unbedenklich befunden. Die Reaktion beim Menschen war verheerend. Alle sechs erlitten ein Multiorganversagen, mussten wochenlang auf der Intensivstation behandelt werden, einer davon sogar 14 Wochen, bis er das Spital wieder verlassen konnte. [12] Tests an menschlichen Geweben hätten die katastrophale Wirkung von TGN1412 voraussagen können. [13]

Trotz oder gerade wegen vorgeschriebener Tierversuche im Zulassungsverfahren von neuen Medikamenten sind schwerwiegende Medikamentennebenwirkungen die fünfthäufigste Todesursache in den USA. [14] Die amerikanische Arzneimittelzulassungsbehörde FDA hat errechnet, dass 92 % aller Wirkstoffe, die in Tierversuchen als wirksam und sicher beurteilt wurden, aufgrund der angeschlossenen Untersuchungen am Menschen wegen schwerwiegender Nebenwirkungen oder fehlendem Nutzen gar nicht erst zugelassen werden. [15,16] Von den verbleibenden 8 % der Wirkstoffe, die für die breite Anwendung am Menschen zugelassen werden, müssen später die Hälfte wieder vom Markt zurückgezogen werden oder deren Fachinformationen um schwere unerwartete Nebenwirkungen erweitert werden. [17] Daraus darf darum geschlussfolgert werden: Tierversuche sind unzuverlässig, täuschen eine falsche Sicherheit vor und sind in Wirklichkeit für den Menschen lebensgefährlich.

Rouiller bekam rund 5 Millionen Schweizer Franken für seine Tierversuche vom Schweizerischen Nationalfonds, dem staatlichen Forschungsförderer.

Wie bekommt man soviel Geld? Ganz einfach: Rouiller hat dafür gesorgt, dass er selbst im Forschungsrat des Schweizerischen Nationalfonds für medizinische Forschung sitzt und darum auch selbst entscheiden kann, welche öffentlichen Gelder ihm zufliessen. So verhindert Rouiller, dass ihm irgendwann der Geldsegen ausgeht und sorgt gleichzeitig dafür, dass viele andere Wissenschaftler, die mit innovativen Forschungsmethoden arbeiten, leer ausgehen. So wird Geld für sinnlose Tierversuche verschwendet anstatt sinnvolle innovative Forschung für Menschen zu fördern. Die Universität Fribourg macht nicht einmal ein Geheimnis daraus, dass in der Folge 72% ihrer Anträge für Forschungsgelder beim Schweizerischen Nationalfonds erfolgreich waren. [18] Eine Erhebung hat ergeben, dass für Tierversuche trotz des offenkundigen Unsinns doppelt so viel Geld wie für Untersuchungen an Menschen ausgegeben wird. [19]

Die Öffentlichkeit ist eine gute Kontrollinstanz - sollte man meinen. In Wirklichkeit haben Tierversuchs-Wissenschaftler jedoch ein geschicktes Netzwerk geschaffen, indem sie die Öffentlichkeit durch Desinformation manipulieren. So wurde eine internationale Stiftung für Forschung bei Querschnittslähmungen geschaffen, deren Vorsitzender einen Professorentitel trägt und der man darum als Laie gewisse Kompetenz zuspricht. Diese Stiftung schreibt wider besseres Wissen unter Ignoranz der oben genannten Fakten «Bevor ein Wirkstoff wie der anti-Nogo-Antikörper beim Menschen angewendet werden darf, muss so verlässlich wie möglich sichergestellt sein, dass keine unvorhergesehenen Nebenwirkungen auftreten. Diese grösstmögliche Sicherheit ist nur mit Tierversuchen zu erreichen.» Weiter heisst es: «Speziesunterschiede sprechen also nicht gegen Tierversuche, denn diese sind oft die einzige Möglichkeit, um die Wirksamkeit einer Therapie nachzuweisen und das Risiko von toxischen Nebenwirkungen best möglichst auszuschliessen.» [20]
Wer sich gerne als erster Mensch für die Erprobung neuer Medikamente nach scheinbarem Erfolg und Harmlosigkeit in Tierversuchen zur Verfügung stellen will, wird sicher bei der Stiftung ein willkommener Gast sein.

Tierversuche werden nur genehmigt, wenn sie von objektiver Seite geprüft werden - sollte man auch meinen
, denn hierfür gibt es die kantonalen Komitees für Tierversuche. Im Falle Prof. Rouillers ist es jedoch so, dass Rouiller selbst in diesem Komitee sitzt und sich seine Versuche daher selbst bewilligen kann. Somit kann er sich seine Versuche selbst bewilligen und dann eben auch noch sich selbst Forschungsgelder vom SNF sprechen. Ist da Unabhängigkeit und Kontrolle wirklich gewährleistet?

Die Schweiz soll führende Forschungsnation werden!
Um dies zu erreichen, muss endlich auf Tierversuche verzichtet werden und innovative, tierversuchsfreie Forschungsmethoden massiv mehr gefordert und gefördert werden. Der Pathologe Prof. Pietro Croce, antwortete auf die Frage, ob man auf Tierversuche verzichten kann, ohne den medizinischen Fortschritt aufzuhalten: «Man kann nicht nur auf Tierversuche verzichten, sondern man muss auf Tierversuche verzichten, um den medizinischen Fortschritt nicht aufzuhalten. Die heutige Auflehnung gegen Tierversuche hat keine tierschützerischen Ursachen mehr, wir müssen von einer wissenschaftlichen Auflehnung sprechen.» [21]

Weiterführende Informationen:
Tierversuchen aus wissenschaftlicher Sicht von Oberarzt Dr. med. Walz:
http://www.agstg.ch/downloads/flyer/agstg-prospekt_tierversuche-aus-medizinisch-wissenschaftlicher-sicht_de.pdf


Der von uns kritisierte Forscher, freut sich auf Ihre Post:
Herr Prof. Eric Rouiller
Unit of Physiology - Dept of Medicine
Rue du Musée 5
CH-1700 Fribourg
Tel. (026) 3008609
Fax (026) 3009734
E-Mail: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst        

Der Präsident des Schweizerischen Nationalfonds, der Rouiller insgesamt rund 5 Millionen Schweizer Franken beschert hat, freut sich auf Ihre Post:
Schweizerischer Nationalfonds
Prof. Dieter Imboden
Wildhainweg 3
Postfach 8232
CH-3001 Bern
Tel. (031) 3082222
Fax (031) 3052974
E-Mail: Diese E-Mail Adresse ist gegen Spam Bots geschützt, du musst Javascript aktivieren, damit du sie sehen kannst


AG STG – Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner
Kontakt:
Andreas Item
Hauptstrasse 14a
CH-7402 Bonaduz
Tel.:           +41 (0)81 630 25 22
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Quellenangaben:
1. Freund P, Schmidlin E, Wannier T, Bloch J, Mir A, Schwab ME, Rouiller EM: Anti-Nogo-A antibody treatment promotes recovery of manual dexterity after unilateral cervical lesion in adult primates--re-examination and extension of behavioral data. Eur J Neurosci. 2009 Mar;29(5):983-96.
2. Courtine G, Bunge MB, Fawcett JW, Grossman RG, Kaas JH, Lemon R, Maier I, Martin J, Nudo RJ, Ramon-Cueto A, Rouiller EM, Schnell L, Wannier T, Schwab ME, Edgerton VR: Can experiments in nonhuman primates expedite the translation of treatments for spinal cord injury in humans? Nat Med. 2007 May;13(5):561-6.
3. Boussaoud D, Tanné-Gariépy J, Wannier T, Rouiller EM: Callosal connections of dorsal versus ventral premotor areas in the macaque monkey: a multiple retrograde tracing study. BMC Neurosci. 2005 Nov 25;6:67.
4. Cappe C, Morel A, Barone P, Rouiller EM: The thalamocortical projection systems in primate: an anatomical support for multisensory and sensorimotor interplay. Cereb Cortex. 2009 Sep;19(9):2025-37. Epub 2009 Jan 15.
5.Gauduin MC, Parren PW, Weir R, Barbas CF, Burton DR, Koup RA. Passive immunization with a human monoclonal antibody protects hu-PBL-SCID mice against challenge by primary isolates of HIV-1. Nat Med 1997;3(12):1389-1393.
6. Diseases NI. Clinical Trials of HIV Vaccines: National Institutes of Health. U.S. Department of Health and Human Services, 2007.
7. Die Nachtseite des Wirtschaftswunders. Zum Einschlafen nahm 1961 jeder dritte Deutsche Contergan: Eine Bilanz nach 40 Jahren. Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ)
8. Thomann, Klaus-Dieter: DIE CONTERGAN-KATASTROPHE. Die trügerische Sicherheit der «harten» Daten. Deutsches Ärzteblatt, 2007, 104(41), S.2778-2782
9. Stillperiode, Beratungsstelle fürMedikamentenanwendunginSchwangerschaftund: Speziesunterschiede der Teratogenität von Thalidomid. Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe der Friedrich-Schiller-Universität Jena, Jena, 2006
10. Topol, E. J.: Failing the public health--rofecoxib, Merck, and the FDA. N Engl J Med, 2004, 351(17), S.1707-1709
11. biopta: Human Pharmacological Services. In Vitro Pharmacology Screening in Human Tissue. 2008
12. Suntharalingam, G.; Perry, M. R.; Ward, S.; Brett, S. J.; Castello-Cortes, A.; Brunner, M. D. und Panoskaltsis, N.: Cytokine storm in a phase 1 trial of the anti-CD28 monoclonal antibody TGN1412. N Engl J Med, 2006, 355(10), S.1018-1028
13. Drugs tests on trial. Nature, 2006, 440(7087), S.970
14. Lazarou, J.; Pomeranz, B. H. und Corey, P. N.: Incidence of adverse drug reactions in hospitalized patients: a meta-analysis of prospective studies. JAMA, 1998, 279(15), S.1200-1205
15. Innovation Stagnation. Challenge and Opportunity on the Critical Path to New Medical Products. U.S. Department of Health and Human Services. Food and Drug Administration (FDA), 2004, S.8
16. Crawford, Lester M: Speech before PhRMA Annual Meeting. FDA (U.S. Food and Drug Administration), 2004
17. FDA Drug Review: Postapproval Risks 1975-1985. U.S. General Accounting Office, Washington D.C.
18. Hohe Erfolgsquote bei SNF-Forschungsgesuchen. Universite de Fribourg. 25.10.2007. http://www.unifr.ch/scm/fr/publications/UR/08/UR2_07_08.pdf
19. U.S. Congress, Office of Technology Assessment: Alternatives to animal use in research, testing and education. U.S. Government Printing Office, Washington, DC, 1986, S.250-251
20. Wozu Tierversuche? Internationale Stiftung für Forschung in Paraplegie. Zuletzt aktualisiert 20.09.2007. http://www.ifp-zh.ch/index.php?id=328
21. (Hg.), Vereinigung Ärzte gegenTierversuchee.V.: Gesundheit & Fortschritt in der Medizin - ohne Tierversuche. , S.14
 
Medienmitteilung vom 12.8.2009 - Offener Brief an Herrn Vasella, Novartis | Drucken |
Medienmitteilung der AG STG - Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner - www.agstg.ch

Offener Brief an Herrn Vasella, CEO und Verwaltungsratspräsident von Novartis 

Bonaduz, 12. August 2009

Sehr geehrter Herr Vasella

Was Ihnen in den letzten Wochen passiert ist, das ist sehr zu bedauern.
Auch wir Tierschützer haben etwas zu bedauern, nämlich den Tod von weltweit jährlich ca. 115 000 000 Tieren für Tierversuche.
Wir sind eine absolut legal und friedlich agierende Organisation, die sich aus medizinisch-wissenschaftlichen wie ethischen Argumenten gegen Tierversuche einsetzt. Wir wünschen uns schon seit Langem einen Dialog mit Ihnen. Wir wünschen uns schon seit Langem Antworten von Ihnen. Bisher leider ohne Erfolg.
Sie, Herr Vasella, wie wir von der AG STG haben die gleichen Ziele, nämlich eine bessere und sicherere Medizin für die Menschen und den Verzicht auf Tierversuche. Nutzen wir doch die Chance zu einem gemeinsamen sachlichen Dialog, bei welchem wir endlich Antworten auf unsere Fragen erhalten. Nehmen Sie den militanten Tierschützern den Wind aus den Segeln, indem Sie beweisen, dass Sie offen sind für einen Dialog mit legal agierenden und friedlichen Tierversuchsgegnern.

Einige Fragen, die wir schon lange an Sie, Herr Vasella, haben, kann ich Ihnen bereits im Voraus zukommen lassen:

Tierversuche sind auch unter Ärzten und Wissenschaftlern sehr umstritten. So hat die amerikanische Arzneimittelzulassungsstelle FDA errechnet, dass 92% aller Tierversuchsergebnisse nicht auf den Menschen übertragbar sind.1
Nehmen wir ein aktuelles Beispiel: die HIV-Infektion, an deren Folgeerkrankung AIDS täglich bis zu 8000 Menschen sterben. In Tierversuchen gelang es wiederholt, durch Impfungen eine HIV-Infektion zu verhindern.2 In der Folge wurden seit 1987 bis 2007 vom Institut für Allergien und ansteckende Krankheiten in den USA (U.S. National Institute of Allergy and Infectious Diseases) mehr als 130 Untersuchungen mit HIV-Impfstoffen an Menschen finanziert. Darunter waren sowohl vorbeugende als auch therapeutische Impfstoffe. Kein einziger war beim Menschen wirksam, trotz bzw. wohl gerade wegen vorheriger erfolgreicher Anwendung in Tierversuchen.3 Dieses Beispiel zeigt eindrücklich, dass durch das Dogma des Festhaltens an leidbringenden Tierversuchen bewusst Forschungsgelder sinnlos verschwendet werden und die Entwicklung wirksamer Medikamente behindert wird. Untersuchungen an menschlichen weissen Blutzellen ausserhalb des Körpers (In-vitro-Versuche) zeigten hingegen sowohl die Wirksamkeit als auch die Toxizität von AIDS-Medikamenten wie AZT4, 3TC5 und Proteaseinhibitoren6 zuverlässig. Daraus wird deutlich, dass innovative Forschungsmethoden im Gegensatz zu Tierversuchen zu zuverlässigeren Resultaten und Fortschritten führen, ohne dass Menschen- und Tierleben unnötig gefährdet werden. Erst kürzlich hat der Konstanzer Professor Thomas Hartung in einem «Nature»-Artikel festgestellt, dass rund 60% der Stoffe, die in Tierversuchen als giftig eingestuft wurden, für Menschen ungiftig sind.7 Somit werden potenziell wirkungsvolle Medikamente (Wirkstoffe) gar nicht erst weiter überprüft. Dies bedeutet, dass für Menschen wirkungsvolle und lebensrettende Medikamente oft infolge der fehlerhaften (da nicht übertragbaren) Tierversuchsergebnisse gar nicht entwickelt werden. Tierversuche behindern also medizinischen Fortschritt! Umgekehrt wiegt man sich durch Tierversuche in falscher Sicherheit, was die vielen massiven Nebenwirkungen sowie die verheerenden Medikamentenkatastrophen beweisen.
Frage: Weshalb weigert sich die Tierversuchslobby so vehement, das Thema Tierversuche und deren wirklichen medizinisch-wissenschaftlichen Nutzen mit Kritikern zu diskutieren? Und weshalb setzt sich die Tierversuchslobby nicht stärker für die Erforschung und Anerkennung von innovativeren und sichereren Forschungsmethoden ein?

Wenn Tierversuchsergebnisse für die Erforschung von Medikamenten wichtig sind, dann muss man logischerweise auch auf bereits vorhandene Versuchsergebnisse Zugriff haben. Wenn man diesen Zugriff nicht hat, lässt sich auf den vorhandenen Ergebnissen keine weitere Forschung aufbauen. Dann verschwinden diese Ergebnisse einfach in verstaubten Archiven.
Zudem werden Tierversuchsergebnisse nach aktuellem Schweizer Gesetz weder überprüft noch ausgewertet. Dies ist ein Affront gegen den Nutzen von Tierversuchen! Klinische Studienregister sind längst Realität. Beispielsweise belegt das Register des U.S. National Institutes of Health unter http://clinicaltrials.gov nachhaltig, dass durch die Bekanntgabe der Informationen keinerlei Nachteil für die Forscher resultiert. Dies obwohl somit die Öffentlichkeit und andere Forschergruppen frühzeitig von den Vorhaben erfahren.
Hingegen aber profitieren Forschergruppen sehr von den veröffentlichten Ergebnissen.
Frage: Weshalb weigert sich die Tierversuchslobby, dass Tierversuchsdaten ausgewertet und veröffentlicht werden, damit andere Wissenschaftler auf diesen Daten aufbauen können und redundante qualvolle Tierversuche unterlassen werden?

Novartis setzt sich gerne für das Wohl der Menschen ein. Sie selbst sagten im «Blick»-Interview: «Ich bin mit meinem Gewissen zu hundert Prozent im Reinen. Ich bin davon überzeugt, dass unsere Arbeit bei Novartis Menschen heilt und Leiden vermindert.»
Frage: Weshalb aber stellt Novartis seine finanziellen Interessen über das Leiden und Leben von Hunderttausenden Menschen, indem Novartis Regierungen und Staaten verklagt (z.B. Südafrika und Indien), die einen einfacheren Zugang für betroffene Menschen zu für sie lebensnotwendigen Medikamenten herstellen möchten?
Ist Ihnen etwa nicht bewusst, dass Hunderttausende Menschen infolge der aktuellen Medikamentenpatent-Politik leiden und sterben müssen, nur weil sie die Medikamente nicht bezahlen können? Setzen Sie sich für eine faire Medikamentenpreispolitik in der Schweiz wie in der ganzen Welt ein.
Beispielsweise ist das von Novartis produzierte Malariamedikament Coartem für viele Spitäler in Entwicklungsländern über legale internationale Apotheken erheblich preiswerter zu beziehen, als es ihnen von Novartis (angeblich zum Selbstkostenpreis) angeboten wird. Nebenbei: Sicher ist Ihnen auch bekannt, dass der Wirkstoff von Coartem ganz ohne Tierversuche entdeckt wurde.

Wie Novartis und Sie selbst immer wieder betonen, habe die Schweiz ein strenges und gutes Tierschutzgesetz. Dies verhindere, dass Tiere in Tierversuchen übermässig leiden müssen bzw. dass unnötige Tierversuche durchgeführt werden. Im «Blick»-Interview sagten Sie: «Die Art und Weise, wie diese Versuche gemacht werden, muss den höchsten Standards genügen. Jegliches unnötige Leiden von Tieren muss unterbunden werden. Das ist unsere Einstellung.» Ihr Lob zu unserem Tierschutzgesetz und Ihre Einstellung in Ehren.
Frage: Weshalb aber führt dann Novartis 80% seiner Tierversuche im Ausland durch und umgeht somit die Tierschutzstandards der Schweiz?

Wissenschaftlern ist es gelungen, zum Mond zu fliegen, Strom aus Sonnenlicht zu generieren und vielfach auch schon ohne jegliche Tierversuche neue Untersuchungsmethoden und Behandlungsmöglichkeiten für Krankheiten zu entwickeln.
Frage: Warum halten Sie immer noch so vehement an Tierversuchen fest und beleidigen damit die Intelligenz der Wissenschaftler, anstatt auf innovative Forschungsmethoden zu setzen, die ohne jegliches Leid für Tiere auskommen sowie preiswerter und effizienter zu zuverlässigeren Ergebnissen führen? Warum helfen Sie nicht verstärkt mit, die Schweiz zu einem weltweit führenden Forschungsstandort, sowohl hinsichtlich Innovationskraft als auch ethischem Bewusstsein, zu entwickeln?

Wir freuen uns sehr über einen offenen und sachlichen Dialog mit Ihnen.

Für eine innovative, zukunftsorientierte und tierfreundliche Forschung! – Für einen führenden Forschungsstandort Schweiz!

Beste Grüsse

Für die AG STG
Andreas Item


Über die AG STG

Die Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner, kurz AG STG, fordert seit langem eine schärfere Sanktionierung von Tierversuchen durch die Behörden, konsequenter Verzicht auf Tierversuche und die Förderung und Anwendung von geeigneten tierversuchsfreien Testmethoden statt der Verschwendung von öffentlichen Geldern für völlig veraltete Forschungsmethoden. Es reicht nicht aus, dass tierversuchsfreie, sicherere Testmethoden nur gefordert werden – Sie müssen auch gefördert werden!
Tierversuche behindern medizinischen Fortschritt und bedrohen somit die Volksgesundheit!
Auch fordert die AG STG mehr Transparenz bei Tierversuchen!

Weitere Informationen über die AG STG und über Tierversuche finden Sie unter: http://www.agstg.ch
Tierversuche aus medizinisch-wissenschaftlicher Sicht finden Sie unter: http://www.agstg.ch/downloads/flyer/agstg-prospekt_tierversuche-aus-medizinisch-wissenschaftlicher-sicht_de.pdf


Quellenangaben:
1. Innovation Stagnation. Challenge and Opportunity on the Critical Path to New Medical Products. U.S. Department of Health and Human Services. Food and Drug Administration (FDA), 2004, S.8
2. Gauduin MC, Parren PW, Weir R, Barbas CF, Burton DR, Koup RA. Passive immunization with a human monoclonal antibody protects hu-PBL-SCID mice against challenge by primary isolates of HIV-1. Nat Med 1997;3(12):1389-1393.
3. Diseases NI. Clinical Trials of HIV Vaccines: National Institutes of Health. U.S. Department of Health and Human Services, 2007.
4. Mitsuya H, Weinhold KJ, Furman PA, et al. 3'-Azido-3'-deoxythymidine (BW A509U): an antiviral agent that inhibits the infectivity and cytopathic effect of human T-lymphotropic virus type III/lymphadenopathy-associated virus in vitro. Proc Natl Acad Sci U S A 1985;82(20):7096-7100.
5. Soudeyns H, Yao XI, Gao Q, et al. Anti-human immunodeficiency virus type 1 activity and in vitro toxicity of 2'-deoxy-3'-thiacytidine (BCH-189), a novel heterocyclic nucleoside analog. Antimicrob Agents Chemother 1991;35(7):1386-1390.
6. Roberts NA, Martin JA, Kinchington D, et al. Rational design of peptide-based HIV proteinase inhibitors. Science 1990;248(4953):358-361.
7. Hartung T. Toxicology for the twenty-first century. Nature. 2009 Jul 9;460(7252):208-12.


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Medienmitteilung vom 8.7.2009 - Die blaue Pille - Wie viele Entdeckungen ein Produkt des Zufalls | Drucken |
Medienmitteilung der AG STG - Aktionsgemeinschaft Schweizer Tierversuchsgegner - www.agstg.ch

Die blaue Pille
Wie viele Entdeckungen ein Produkt des reinen Zufalls

8. Juli 2009

Bonaduz (ots) Dies ist eine Geschichte über männliche Potenz auf dem Mount Everest, über die Geldgier der Pharmaindustrie und über unnütze Tierversuche.

Der Pharmakologe Peter Ellis suchte mit seinem Forschungsteam bei der Firma Pfizer nach einem neuen Wirkstoff zur Behandlung von Bluthochdruck. Sie entwickelten Sildenafilcitrat, einen spezifischen Phosphodiesterasehemmer, und glaubten, damit einen grossen Durchbruch erzielt zu haben. Später zeigten sich jedoch bei anderen Substanzen bessere Resultate, so wurde fortan ein neues Einsatzgebiet gesucht und gefunden: Angina pectoris, also Schmerzen aufgrund von Durchblutungsstörungen am Herzen, welche schlimmstenfalls zu einem Herzinfarkt führen. Trotz erfolgversprechender Tierversuche zeigten sich bei ersten Verträglichkeitstests an jungen gesunden Männern unerwartete Nebenwirkungen. Sie wollten die Studienmedikation nicht mehr freiwillig zurückgeben. Auf Befragung stellte sich dann heraus, dass sie stärker und länger anhaltende Erektionen hatten. Daraufhin wurde das Forschungsteam um Urologen erweitert und ab 1992 das Forschungsziel abermals geändert. Man nahm sich nun der erektilen Dysfunktion, also Erektionsstörungen, an. 1998 wurde der Wirkstoff als Viagra zugelassen und bescherte dem Hersteller schon im ersten Jahr einen Umsatz von 788 Millionen Dollar. Dies reichte Pfizer jedoch nicht und so wurde unter anderem bei Bergsteigern auf dem Mount Everest untersucht, ob es bei Einnahme des Wirkstoffes zu einer Erweiterung der Lungengefässe kommt, was schliesslich auch zur Zulassung zur Therapie der Krankheit pulmonalarterielle Hypertonie führte. Um diese Patienten jedoch nicht zu stigmatisieren, wurde der gleiche Wirkstoff mit neuem Etikett versehen und heisst in der Schweiz nicht Viagra, sondern Revatio.

Und die Moral der Geschichte?

Wie so oft haben Tierversuche versagt und nur der klinischen Beobachtung von Menschen ist überhaupt die lukrative Einnahmequelle für Pfizer zu verdanken.
Die geschilderte Vorgehensweise ist bei Pharmakonzernen durchaus üblich. Wenn sich ein Medikament beim ursprünglich vorgesehenen Verwendungszweck nicht bewährt, sucht man nach neuen Indikationen, um so doch noch satte Gewinne einfahren zu können. Ein anderes prominentes Beispiel ist der Wirkstoff Thalidomid (Contergan), der ebenfalls ausgiebigst in Tierversuchen getestet und für unbedenklich befunden wurde. Deshalb wurde Thalidomid von der Marketingabteilung der Firma Grünenthal als sicherstes Schlafmittel der Welt sogar Schwangeren angepriesen. Die Konsequenz daraus ist bekannt: Tausende Kinder wurden mit entstellten Extremitäten geboren. Der Vertrieb wurde nach langem Hin und Her schliesslich gestoppt. Inzwischen ist Thalidomid jedoch wieder im Einsatz, so z.B. bei der Krebserkrankung Multiples Myelom und der Infektionskrankheit Lepra. Diese beiden neuen Einsatzgebiete wurden im Zufallseinsatz bei Menschen entdeckt.
In diesem Sinne ärgern Sie sich nicht, wenn Ihr Auto einmal kaputtgehen sollte, sondern überlegen Sie einen neuen Einsatzzweck. Es könnte ja gut als Treibhaus für Ihre Radieschen- und Salatkultur herhalten oder mit einer eingebauten Sauna ein Wellnessparadies bieten.

Dr. med. Alexander Walz
Arzt, wissenschaftlicher und medizinischer Berater der AG STG


Weitere Informationen über Tierversuche finden Sie unter: http://www.agstg.ch

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